Maischberger-Menetekel: Milliardär Maschmeyer zerlegt Merz

Jetzt verlassen ihn auch seine treuesten Fans: Friedrich Merz müssen gestern Abend die Ohren geklungen haben. Milliardär Carsten Maschmeyer zog bei Maischberger so gnadenlos über den Kanzler vom Leder, dass vermutlich noch am Spreebogen die Wände wackelten.

Screenprint: ARD / Maischberger

Anfang vergangenen Jahres noch hat Unternehmer Carsten Maschmeyer die CDU mit einer Großspende unterstützt. Jetzt rechnet er schonungslos ab. Und der Kanzler der zweiten Wahl ist bei ihm komplett unten durch: „Merz hat es voll vergeigt. Er muss weg. Er muss zurücktreten.“ Und weiter: „Es zeigt sich jetzt, er wollte aus einem falschen Grund Kanzler werden. Das war Ego. Und Merkel zeigen, ich bin jetzt Kanzler.“ Maschmeyer bemängelt an Merz, der nehme „die Menschen nicht emotional mit. Er ist unnahbar, belehrend, ein Besserwisser.“ Er höre „von allen, die mit ihm zu tun haben“, dass Merz „arrogant“ sei.

Stephans Spitzen:
Macht kaputt, was euch kaputt macht!
Maischberger kommt aus dem Staunen nicht heraus. So derb hat schon lange niemand mehr vom Leder gezogen. Und Maschmeyer ist noch nicht fertig mit seinem Merz-Tribunal: „Er hat als Führungskraft völlig versagt. Er hat seine eigene Partei nicht im Griff. Er hat seine Koalition nicht im Griff. Er kann seine Ankündigungen nicht einhalten. Er hat nicht die AfD halbiert, sondern die CDU. Er hat historisch schlechte Zustimmungswerte.“ Merz habe „das Schiff falsch gesteuert und müsse „von der Kommandobrücke runter. Er muss zurücktreten, und er wird dazu auch gezwungen.“

Und wie man Menschen zu etwas zwingt, damit kennt sich Maschmeyer bestens aus. Schließlich hat er den Grundstein seines Vermögens einst mit den dubiosen Drückerkolonnen des AWD-Strukturvertriebs gelegt.

Womit er sich offenbar nicht so richtig auskennt, ist die Beurteilung von Ersatzleuten. Denn er benennt allen Ernstes Hendrik Wüst, Daniel Günther und Markus Söder als „tolle Offiziere auf dem Schiff“, die das Kommando doch übernehmen könnten.

Seine Abrechnung mit Merz geht derweil noch weiter. „Wir hatten große Hoffnung“, sagt Maschmeyer, aber „die Wirtschaft liegt unten, die Menschen haben Angst, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr bezahlen können“. Dass Schloss Bellevue, der Sitz des Bundespräsidenten für eine Milliarde Euro renoviert wird, macht ihn fassungslos. Damit habe man viel besser einer Million Menschen eine Energiekostenbeihilfe von 1.000 Euro geben sollen. Die ganzen angeblichen Investitionen des Staates würden nun rein auf Schulden basieren. „Dann ist das ein Sonderboom, und der ist nicht nachhaltig“, sagt er. „Wir haben in Deutschland kein Geschäftsproblem, wir haben ein Chefproblem.“

Bundestreue und Bundeszwang:
Merz droht Sachsen-Anhalt
Die Wirtschaft habe angesichts der miserablen Politik längst ihre Konsequenzen gezogen. Maschmeyer: „Unternehmer, die reden nicht, die handeln.“ Und sie würden das Land in Scharen verlassen, denn „die haben hier Angst“. Die Hotspots der Reichen – Sylt und der bayerische Tegernsee – seien wie leergefegt: „Ganz viele Häuser leer. Die sind weg.“

Doch auch AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund bekommt bei Maschmeyer sein Fett weg. „Der hat ja gar nicht so viele Leute da bei seinen Veranstaltungen gehabt“, weiß der Unternehmer. „Das kann man aber so filmen, dass man denkt, ganz Sachsen-Anhalt rennt zur AfD. Super gemacht. Sie können Wahlkampf.“ Jetzt allerdings folge „ein ganz wichtiger Realitäts-Check: Können sie auch regieren?“

Das bezweifelt auch Markus Söder, der im zweiten Einzelinterview des Abends antritt und dabei deutlich hinter Maschmeyer zurückfällt. Zu glatt seine Aussagen, zu opportunistisch, zu Söder eben. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef schaut besorgt nach Europa, denn „da tobt gerade ein Kampf gegen demokratische Prinzipien“. Er selbst gibt wie immer den Wissenden: Nazi-Keule, Putin-Knechtschaft, alles stumpfe Waffen von gestern. Söder setzt lieber drauf, der AfD einfach Behindertenfeindlichkeit zu unterstellen. Und die Migration sei im Übrigen nur für AfD-Wähler noch ein Thema. Grund sei, „dass jede Straftat, jede Messerstecherei durchs Netz extrem gejagt wird und den Eindruck erweckt, dass dieses Land vor dem Chaos steht“. Söder sagt, was ein Söder sagen muss: „Ich kann für Bayern sagen: Wir haben die sicherste Situation seit 1978.“ Nanu? Was zählt der Mann, etwa Taschendiebstähle? München, Aschaffenburg, Nürnberg, Würzburg – alles Städte, die Söder offenbar gar nicht in Bayern verortet. Stattdessen kritisiert er an der AfD „die Art und Weise, wie über Migranten geredet wird, die hier arbeiten und fleißig sind“.

Rentenkrise
Deutschland verfrühstückt die Zukunft seiner Kinder
„Wir geben zu viel Geld für den Bereich Grundsicherung und zum Teil auch für sehr, sehr hohe Migrationskosten aus“, klagt Söder. Bei Sozialmissbrauch und mit Rückführungen könne man Geld sparen, „um Steuern abzubauen, damit Energie billiger wird.“ Die sei zu teuer, „weil 70 Prozent Steuern und Abgaben sind“.

Klingt dann doch überraschend AfD-nah, was er da von sich gibt. Die Partei zu verbieten, wie sein Kollege Wüst es gerade wieder forderte, hält Söder deshalb wohl auch für „die maximal falsche Konsequenz aus dieser Wahl“. Klar sei: „Natürlich ist die AfD keine normale Partei“ und ihr „Gedankengut in Teilen menschenverachtend“. Aber das Wahlergebnis habe „vielleicht auch was Gutes“: Die AfD könne jetzt endlich „zeigen, was sie kann“. Söder: „Die kritisieren alles. Schaun mer mal, ob sie’s besser können.“

Er warnt jedoch davor, dass die AfD die Polizei und Justiz politisch vereinnahmen könnte: „Das möchte ich in unserem Land nicht haben.“ Wieder stellt sich die Frage: Wo lebt Söder? Weiß er um eine linksdurchtränkte Staatsanwaltschaft Göttingen, die es mit ihren Hausdurchsuchungen bis ins US-Fernsehen geschafft hat? Weiß Söder, wie das SPD-Justizministerium in Niedersachen gerade mit dem Sechsfach-Mord von Stade umgeht? Wie unpolitisch sind Polizei und Justiz in diesen Zeiten denn?

Auch das Journalisten-Panel liefert an diesem Abend ein paar kuriose Ein- und Ausfälle: ARD-Korrespondentin Iris Sayram vermutet, dass Ulrich Siegmund seine Opferrolle ganz gut gefällt und er gar nicht Ministerpräsident werden will. Sie könne sich gut vorstellen, dass er sich in der Rolle gefalle, „dann doch das Opfer zu sein, weil die anderen wollen ja gar nicht mit uns“.

Überforderter Kanzler
Sachsen-Anhalt markiert das Ende der CDU: Gerald Grosz
Sergej Lochthofen (Ex-Chef der Thüringer Allgemeine) zeigt, welch üppige Fantasie ein 73-Jähriger noch entwickeln kann. Er warnt Siegmund, sich bloß nicht „in die Fänge von Sahra Wagenknecht“ zu begeben. Denn „die hat ’nen sehr schönen Folterkeller bei sich im Haus und würde dann Waterboarding machen einmal die Woche“. Friedrich Merz lobt der greise Schreiber für seine Wahlkampflügen. Müsse man doch verstehen, denn ohne die wäre Merz ja nie gewählt worden, sagt Lochthofen. Zugleich aber beschimpft er Ulrich Siegmund: „Ein Luftverkäufer gewinnt die Wahl, weil er Selfies macht.“

Podcaster Robin Alexander wiederum lobt die SPD-Frontfrau von Mecklenburg-Vorpommern für ihren Wahlkampfslogan „Die Frau gegen Blau“. Andere hatten das Fehlen von Inhalten und die reine Konzentration auf den Kampf gegen den politischen Gegner kritisiert, doch Alexander findet genau das ziemlich knorke: „Jeder weiß, wofür Frau Schwesig steht“, sagt er ohne jede Ironie.

Ebenso unironisch schlägt Lochthofen schließlich Didi Hallervorden als überparteilichen Ministerpräsidenten vor. Er sei „der einzige berühmte, gut beleumundete Sachsen-Anhalter“. Alexander findet auch das gut. Er spottet: „Und dann wird Didi Hallervorden Chef der Ministerpräsidenten-Konferenz, sitzt neben Friedrich Merz und sagt Palim Palim.“

Als der intellektuelle Limbo seinen Höhepunkt erreicht, wird es geschmacklos. Lochthofen ist der Meinung, man solle die AfD dringend verbieten. Seine Begründung ist atemberaubend: Adolf Hitler habe bei seiner Wahl auch nicht gesagt: „Ich will sechs Millionen Juden umbringen.“

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Kommentare ( 14 )

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14 Comments
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Schlaubauer
1 Stunde her

Irgendwann merkt es auch der letzte. Das Phänomen Merz ist eigentlich nur die Fortführung des Phänomens Merkel. Abschaffung Deutschlands um jeden Preis. Warum Merkel so beliebt war und Politik gegen die Deutschen machen konnte bleibt wohl eine Aufgabe für die zukünftige Geschichtsforscher. Merz macht nichts anderes. Deutschland abschaffen, und eher wie Merkel den Wohlstand an andere verteilen. Wir wissen zwar nicht für wen Merz Politik macht, aber auf jeden Fall gegen wen.

roffmann
1 Stunde her

Das ist doch eingefädelt ! Carsten Maschmayer als Botschafter der Günthher/Wüst -Fraktion ! So wird über Bande gespielt . Die stehen alle hinter Merz …. um ihn in den Orkus zu schubsen.

GP
1 Stunde her

Jetzt fällt den Medien ein dass die AfD nicht genügend qualifiziertes Personal zum regieren habe. Es ist ja auch schwer es mit Geistesgrößen in Regierungsämtern wie Baerbock, Habeck, Lauterbach, Bass, Klingbeil, Wüst…. usw aufzunehmen…. 🤪🤪

humerd
1 Stunde her

Ach Gottchen Söder mal wieder. Merz hat das Narrativ Generationengerechtigkeit gefunden und Söder plapperts nach – Generationengerechtigkeit natürlich nur bei den Beitrags finanzierten Renten. Söder forderte auch bei der sogenannten Gesundheitsreform Nachbesserungen wie z.B. die Kosten für die Krankenversicherung der Bürgergeldempfänger aus Steuern zu bezahlen. Im Bundesrat stimmte er dann Klingbeils „Reform“ zu und die sieht so aus: 12 Milliarden Euro bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung gegenwärtig für die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern und Flüchtlingen aus den Beiträgen ihrer Versicherten, obwohl es staatliche Aufgaben sind. Das ist ein Großteil der Kosten. Beamte und Privatversicherte bleiben verschont. 250 Millionen Euro hat Bundesfinanzminister Lars… Mehr

H.H.
1 Stunde her

Und immer wieder die AfD sei
„gesichert“
rechtsextrem. Dabei kommt mir jedesmal O.J.Simpson in den Kopf, er habe seine Ex-Frau nicht ermordet
„zu 100 %“ (hundred per Cent innocent).

WIING
1 Stunde her

Institutionelle Parteispenden – generell verbieten. Gar keine Spenden!
Parteipresse bzw. gar -konzerne bis auf ein Medium – verbieten.
Beim Parteiaustritt während einer Legislaturperiode – Mandat zwingend ablegen.
Parteien soll es auch in Zukunft geben dürfen. Aber mit gar keiner finanziellen Unterstützung vom Staat.
Nur Mitgliedsbeiträge.
Keine Parteiunternehmen.
…usw.
Dann läuft es wieder politisch im Land.
Dann brauchen wir uns die Ratschläge von komischerweise immer noch jung aussehenden Leuten nicht anhören, die an ihrer (auch politischen) Jugend festklammern und so versuchen, das kaputte, korrupte System aufrecht zu erhalten.

Last edited 1 Stunde her by WIING
Juergen Waldmann
1 Stunde her

Ulrich Siegmund hat gute Vorschläge in seinem Sofortprogramm vor der Wahl gemacht ! Dem Vorschlag , für alle Asylbewerber eine sofortlige Arbeitspflicht einzuführen , damit sie zeigen können , dass sie etwas liefern wollen ! Diesen Vorschlag müssten doch alle Parteien zustimmen können ! Auch die anderen Vorschläge werden hoffentlich umgesetzt , sie sind ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen im Land , die die Demokratie erhalten wollen !

Biskaborn
1 Stunde her

WELT Online kommentiert auch diese Sendung, dort aber kommt nur Söder vor! Auch so kann man Politik machen, durch Weglassen!

verblichene Rose
1 Stunde her

Schnacker! Mit einer Milliarde im Sparstrumpf könnte ich auch solche Wischi-Waschi-Kritik äussern. Aber was kommt denn von diesem Drücker-Kolonnen-Antreiber? Der hat doch den unwissenden Ex-DDR-Bürgern Autoversicherungen aufgeschwatzt, die damals noch auf ihren Trabi warteten…!

Bernd Simonis
1 Stunde her

Es dauert bei Politikern viel zu lange, bis der Groschen fällt, wir reden hier über Jahrzehnte, falls er überhaupt fällt. Speziell die SPD scheint überhaupt nichts ändern zu wollen.

Thorsten
1 Stunde her
Antworten an  Bernd Simonis

Kann sie garnicht, dass sie ansonsten ihre letzten Wähler wie Beamte und NGOs verliert.