Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Der Verfall der deutschen Industrie kennt auch in diesem Jahr keine Sommerpause. Für viele Medien ist das überraschend, glaubt man in den Redaktionsstuben doch fest an das ökonomische Aphrodisiakum schuldenfinanzierter Staatswirtschaft.
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Die Woche begann in den deutschen Wirtschaftsredaktionen mit einer faustdicken Überraschung: Auch im Juli musste die deutsche Industrie Federn lassen. Damit hat wohl niemand gerechnet angesichts des Konjunkturstrohfeuers, das der Bundeskanzler in diesen Wochen abfackelt.
Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes ziehen die Deindustrialisierung des Landes auf eine Ziffer zusammen: Um 3,3 Prozent lag die Industrieproduktion zur Jahresmitte niedriger als im Vorjahresvergleich, zum Juni schrumpfte die Produktion real um 2,2 Prozent. Bittere Zahlen für den Bundeskanzler, der noch damit beschäftigt sein dürfte, sich rhetorische Finten, Ablenkungsmanöver und Rückzugsräume zusammenzuzimmern, um sich nach der Wahl in Sachsen-Anhalt doch noch aus der Affäre zu ziehen.
Ökonomische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, um vorherzusagen, dass Industrieproduktion schlichtweg unmöglich wird, wenn politische Ideologie Energie künstlich verknappt, Produktionskosten damit explodieren und mit dem Regulierungsapparat Investitionen in Forschung und neue Produktion mit voller Absicht zerschossen werden. Aus Sicht des Handelsblatts und der Zeit kam der Rückgang der Industrieproduktion dennoch überraschend, wie sie titelten.
Die Ideologie von harmonisierter Ökologie und Ökonomie hat wohl große Teile der Medienlandschaft journalistisch verwirrt. Wir sehen es Tag für Tag: Die ökonomische Lehre liegt, wie auch die Debatte über ordnungspolitische Gedankenzüge, verschüttet unter Ökologismus und moralisierender Pseudo-Ökonomie.
Groß war daher auch der Jubel in der vergangenen Woche, als die Industrie ein sattes Auftragsplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat meldete. Dass mit dem Bereich „Sonstige Fahrzeuge“ ganz ohne Frage die vom Staat verordnete Militärwirtschaft die Statistik verzerrte und zu einem Anstieg von 126,4 Prozent in diesem Bereich führte, blieb unerwähnt, möglicherweise auch unverstanden.
Woher sollen diese Kinder der Frankfurter Schule auch wissen, dass Prosperität das Ergebnis komplexer Ressourcenlenkung über freie Märkte ist? Wären Zentralplanung und Staatswirtschaft tatsächlich historische Erfolgsrezepturen, so wäre es doch die einfachste Übung, ein billionenschweres Konjunkturfeuer zu entzünden und auf diese Weise unseren Wohlstand in die Stratosphäre zu katapultieren. Dass dies selbstverständlich Unfug ist, dürfte sogar der ökonomisch sonst eher unbedarfte Bundeskanzler ahnen.
Mit Landesverteidigung hat dies alles nichts zu tun: Merz setzt neben den artifiziellen Klimasektor zunehmend auf die militärische Staatswirtschaft, um seinen politischen Kopf zu retten. Diese ist leicht zu kontrollieren, da sie eh mit dem Staat in einem Boot sitzt – Korporatismus in seiner reinsten Form. Die in Berlin kursierende Frage lautet: Wie schnell gelingt es Volkswagen, BMW und Co. von ziviler auf militärische Fertigung umzuschalten?
Dass es im Rüstungssektor angesichts des fiskalischen Schmieröls des Steuerzahlers rund läuft, ist unbestritten. Rheinmetall plant den Ausbau seiner Belegschaft von derzeit 44.000 auf weltweit 70.000 Mitarbeiter und kann dabei auf Friedrich Merz zählen, der seinerseits Rückenwind aus Brüssel verspürt, wenn es um den Aufbau des Militärsektors geht. Die Rheinische Post berichtete, dass allein im ersten Halbjahr über 140.000 Bewerbungen auf die offenen Stellen beim Rüstungskonzern eingegangen seien – Euphorie zwischen Drohnen, Panzern und Haubitzen.
Und dennoch können diese Zahlen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der im Maßstab kaum skalierbare Rüstungssektor die massiven Stellenstreichungen von bis zu 15.000 Jobs im Monat in der zivilen Industrie nicht kompensieren wird. Das Verdikt ist klar: Die sichtbare Kapitalflucht vom Standort Deutschland wird auch vom schuldenfinanzierten Merz-Impuls nicht abgebremst.
Ganz im Gegenteil: Dass trotz einer Neuverschuldung in diesem Jahr von wenigstens 180 Milliarden Euro, einer Staatsquote von über 52 Prozent und einem hoch interventionistischen Bundeshaushalt, der im Jahrestakt um 5 Prozent aufgeforstet wird, nicht der kleinste statistische Wachstumseffekt der Industrie nachweisbar ist, ist gerade für internationale Investoren ein wichtiger Hinweis: Die Degrowth-Politik Deutschlands hat zu irreparablen Schäden geführt.
Ordentlicher Wirtschaftsjournalismus müsste angesichts des Militärexperiments des Bundeskanzlers künftig differenziert über die Ökonomie berichten. Hier die zivile Produktion, dort der schuldenfinanzierte Militärapparat.
Es ist ökonomischer Unsinn, diese Zahlen länger zu vermischen, da die Statistik politisiert wurde und nur noch einem einzigen Zweck dient: Sie soll den gescheiterten Koalitionären von Union und SPD Wahlkampfmunition liefern, denen angesichts des Verfalls Deutschlands längst die Argumente ausgegangen sind.





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