Die Bundesregierung wartet händeringend auf gute Nachrichten aus der Wirtschaft. Katherina Reiche lieferte zu Wochenbeginn endlich eine positive Schlagzeile: 8,5 Milliarden Euro Einsparung bei den Bürokratiekosten der Unternehmen – klingt gut, entspricht nur leider nicht der Wahrheit.
picture alliance/dpa | Michael Matthey
Endlich eine gute Nachricht aus Berliner Regierungskreisen. Das Wirtschaftsministerium meldet beinahe lakonisch, als sei man von Beginn an auf der Siegerstraße unterwegs, den Abbau der Bürokratielasten für die deutsche Wirtschaft von 8,5 Milliarden Euro im Jahr.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt sich medial nach ihrer Sommerpause in Szene, versucht, der fußlahmen Koalition ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Wie sie das gemacht hat? Einige Dokumentationspflichten sollen gestrichen werden, nichts Spektakuläres, alles fußt auf einer hausinternen Rechnung des Wirtschaftsministeriums. Apropos Wirtschaftsministerium: Dieses einst im ordnungspolitischen Geist des ehemaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard geführte und zu einem reinen Subventionsgestell degradierte Haus war tatkräftig am Aufbau besagter Bürokratie beteiligt.
Es wäre eine zielführende Idee, mit der Streichung nutzloser politischer Institutionen zu beginnen. Das Wirtschaftsministerium wäre ein heißer Kandidat. Seine Degradierung zur politischen Pressestelle und Subventionsaußenstelle der Klimamaschine macht es zu einem kostspieligen und obsoleten wirtschaftspolitischen Popanz.
Ganz gleich, welche Bürokratiekürzungen die Ministerin herbeifantasiert, der Trend zur Regulierung des wirtschaftlichen Geschehens bleibt ungebrochen. Es ist geradezu die politische DNA Brüssels und Berlins. Deren Bürokratiemaschinen laufen auf Hochtouren und spucken konsequent Regelung um Regelung aus, zuletzt mit der Recycling-Verordnung, dem Verpackungsdesaster, in das Brüssel die Wirtschaft gestürzt hat, einen Akt beispielloser Zerstörungswut.
Deshalb ist es auch keine Entlastung, das Niveau zusätzlicher Bürokratie in der Verhandlungsphase um 10 Prozent zurückzunehmen. Unter dem Strich wird es Jahr für Jahr teurer, die Industrie wandert ab, und auch Reiche bleiben lediglich einige medientaktische Platzpatronen, um vorzugeben, sich für den Mittelstand im Land einzusetzen. Flüchtig betrachtet scheint die Wirtschaftsministerin wie ein blasses Licht in der sonst herrschenden tiefen Dunkelheit dieser Regierungskoalition. Allerdings verhakt sie sich im Rhetorischen. Selbst Umweltminister Carsten Schneider dribbelt Reiche Zug um Zug spielend aus, wenn neue klimapolitische Regulierungen auf der Agenda aufscheinen.
Subventionen der grünen Maschine will Reiche begrenzen: Gut so; Bürokratielasten will sie reduzieren: Auch das ist zweifellos richtig. Doch geschieht unterm Strich nichts. Wie wir gesehen haben, folgt Reiche minutiös der Medientaktik des Kanzleramts. Diese ist aus der Steuerpolitik bekannt. Wie lässt sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozent umsetzen, ohne größeren Kollateralschaden in den Umfrageergebnissen zu riskieren?
Es ist im Grunde simpel: Im Koalitions-Pingpong wird über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um fünf Prozentpunkte diskutiert. Argumentiert wird mit großem Pathos, mit Appellen an den Steuerpatriotismus und den Gemeinsinn der Bürger, um dann schließlich eine Konzessionsentscheidung zu treffen: Die ursprüngliche Maximalforderung von 5 Prozent wird um 3 Prozentpunkte reduziert – das erleichterte Aufatmen bei den Bürgern sorgt im Zweifelsfalle sogar noch für einen Umfragegewinn. Ja, so eigenwillig funktioniert die Massenpsychologie im politischen Kommunikationsraum.
Ähnlich verhält es sich mit Katherina Reiches Bürokratieabbau und der Forderung nach Subventionskürzungen: Zunächst definieren Brüssel und Berlin das milliardenschwere Rahmenwerk, überziehen die Firmen Jahr für Jahr mit neuer Bürokratie und höheren Energiekosten, um dann aufmerksamkeitswirksam ein wenig Druck vom Kessel zu nehmen. Man steht ja schließlich felsenfest an der Seite des Mittelstands. Bürgerpolitik nennen Sie diese scheinheilige Schadensbegrenzung in Berlin.
Doch die Halbwertszeit dieser Politik läuft ab. Es ist wohl unbestritten, dass Sie in Berlin den Öko-Sozialismus und damit den zivilisatorischen Eisberg, auf den dieses Experiment zweifelsfrei zusteuert, fest im Auge haben. Doch damit endet dieses Experiment.





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Zu mehr als zum Lügen und die Menschen für dumm zu verkaufen reichts nicht mehr. Gut, dass denen das immer weniger abkaufen.
Wer kleinteilig regieren will, muss auch Unmengen von Daten möglichst in Echtzeit erfassen. MMn ist das Grundproblem nicht nur die Leitplanken zu bestimmen sondern die Umsetzung vorzugeben. Und Entscheidungen können niemals radikal geändert werden, um die Unfählbarkeit der Politik nicht zu gefährten
Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über die Schnittstelle zwischen EU, Regierung und Bürgern. Die am Ende Teil der EU Verträge werden muss
> Die ursprüngliche Maximalforderung von 5 Prozent wird um 3 Prozentpunkte reduziert – das erleichterte Aufatmen bei den Bürgern sorgt im Zweifelsfalle sogar noch für einen Umfragegewinn.
So etwas kann man vielleicht mit Wessi-Bio-Michels mit sehr bescheidenen kognitiven Kapazitäten machen. Vermutlich sogar jeder afghanische Analphabet würde erhöhte Steuern als Verschlechterung verstehen.
Es gibt keine Bürokratieentlastung!!! Im Gegenteil. Es wird immer schlimmer. Ich halte die angekündigte Bürokratieentlastung für einen Scherz, wenn auch für einen schlechten. Die Damen und Herren Politiker wissen noch nicht einmal im Ansatz, was sie überhaupt „entlasten müssten“. Wie denn auch, sie sind ja zum Großteil noch nie mit praktischer Arbeit in Berührung gekommen. Die Zahl von 188.000 „geschlossenen Betrieben“ im letzten Jahr spricht Bände. Dieser Staat reizt die Unternehmen nur noch bis auf´s Blut. Die Betriebsaufgaben haben einen Grund, den man immer wieder hört „Schnauze voll, jetzt reichts“.
lol, warum nur 8,5 Mrd? Mit einem Excel-Sheet rechne ich ihnen 80,5 Mrd aus, oder 850,527 Mrd. Ach was, 9.504,2 Mrd, ich saniere gleich die ganze Rummelbude.