VW-Aufsichtsrat: Keine Beschlüsse – morgen, morgen, nur nicht heute

Nach fast fünfstündiger Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg stellte der Konzern zwar ein „Zielbild 2030“ mit zwölf Initiativen vor. Die heikelsten Punkte wie weitere Jobkürzungen und Schließungen deutscher Werke wurden nach Angaben eines VW-Sprechers spät am Abend jedoch vertagt.

picture alliance/dpa | Jan Woitas

Bei der Aufsichtsratssitzung von Volkswagen gestern Nachmittag gab es keine Entscheidung über Werksschließungen und zusätzlichen Stellenabbau. Nach einer fast fünfstündigen Sitzung in Wolfsburg stellte der Konzern zwar ein „Zielbild 2030“ mit zwölf Initiativen vor. Die heikelsten Punkte wie weitere Jobkürzungen und mögliche Schließungen deutscher Werke wurden nach Angaben eines VW-Sprechers am späten Abend jedoch vertagt.

Bekannt wurde schon zuvor: Vorstandschef Oliver Blume will rund 100.000 Arbeitsplätze bei VW abbauen. Dies soll weitgehend über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen. Die vier Werke Emden, Zwickau, Hannover und Audi stehen auf der Kippe. Beschlossen wurde darüber gestern noch nichts.

Vereinbart wurde vor allem die Reduzierung des Angebots: VW will die Modellpalette um bis zu 50 Prozent verkleinern und die Zahl der Ausstattungsvarianten um bis zu 75 Prozent senken. Investitionen, Entwicklung und Produktion sollen auf attraktive Segmente und regionale Märkte konzentriert werden. Damit will der Konzern erhebliche Kosten einsparen.

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Außerdem soll offenbar die Zahl produzierter Fahrzeuge verringert werden. Künftig sollen nur noch neun Millionen Fahrzeuge aus den Fabrikhallen rollen. Denn VW-Finanzvorstand Arno Antlitz weist schon seit mehreren Jahren auf die Überkapazitäten und die kaum vorhandenen Märkte hin. Die bisherigen Sparprogramme reichten nicht aus, das Geschäftsmodell von VW müsse grundlegend neu ausgerichtet werden: „Trotz der erzielten Fortschritte reichen im aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld die bislang geplanten Kostensenkungen aus den vereinbarten Programmen nicht aus. Wir müssen vielmehr unser Geschäftsmodell grundlegend neu ausrichten und strukturelle, nachhaltige Verbesserungen erzielen.“

Für Betriebsrat und IG Metall hat offenbar immer genügend Geld vorhanden zu sein, um alle teuren Arbeitsplätze zu bezahlen. Daniela Cavallo sprach von „Respektlosigkeit“ gegenüber der Belegschaft und forderte Oliver Blume auf, bis Freitag klar Stellung zu beziehen. Andernfalls drohten außerordentliche Betriebsversammlungen. IG Metall und Betriebsrat lehnen Werksschließungen ab. Weiterer Stellenabbau komme allenfalls freiwillig infrage.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner pochte lautstark darauf, dass Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte unverantwortliche Drohungen seien. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“

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Die Politik stellte sich vor die Standorte. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der im kommenden Jahr bei der Landtagswahl gern wiedergewählt werden würde, erklärte gestern Abend, Werksschließungen seien „keine Zukunftsstrategie“. Blume habe sich zum Industriestandort Deutschland bekannt. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter forderte eine Perspektive für Zwickau. Das dürfte bei einem Werk, das mit Milliardenaufwand seine Produktion vollständig auf Elektroautos umgebaut hat, schwieriger werden.

Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer kritisierte, nachdem die ausgebliebenen Entscheidungen bekannt geworden waren, dass die entscheidenden Fragen weiter offen seien.

VW steht damit vor einem vertagten Machtkampf: weniger Modelle, weniger Komplexität – aber keine Antwort auf die Frage, welche Werke und wie viele Arbeitsplätze bleiben und vor allem, womit VW in Zukunft sein Geld verdienen will. Die sogenannte „Elektromobilität“ dürfte es eher nicht sein.

IG Metall und Betriebsrat sagten nichts dazu, wer all die vielen grünen Eskapaden des Wahnsinns finanzieren soll, bei denen nicht nur VW unter die Räder kommt. Diese Frage interessiert offenbar niemanden.

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Kommentare ( 34 )

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Konservativer2
1 Monat her

Mittlerweile baut VW (und nicht nur die) in meinen Augen Autos komplett am Markt vorbei. Dazu könnte ich mehrere Seiten schreiben. Ich fange mal an… Die EU zwingt die Hersteller, jeden möglichen Sch…s einzubauen, der das Auto selbst verteuert, dazu noch Wartung und Instandsetzung. Nicht vergessen: jeder Assistent, jeder Zusatzmotor, jeder Sch…s, den man zum Fahren gar nicht benötigt, geht irgendwann kaputt und verursacht zusätzliche Kosten. Schlimm genug, dass die Hersteller da noch einen drauflegen. Das merkt doch der Kunde. Motoren werden zunehmend anfällig, weil sie wegen irgendwas hochgezüchtet werden. Aber: alle meine Autos – Benziner – der letzten 30… Mehr

Last edited 1 Monat her by Konservativer2
Will Hunting
1 Monat her
Antworten an  Konservativer2

Sie haben mit allem so recht. Meinen T4 BJ 2003 habe ich damals komplett ohne jeden SchnikSchnak gekauft. Komplett nackt, nicht mal Radio geschweige denn Lautsprecher, heute noch nicht. Immer draußen gestanden, super Substanz, jeder TÜV bis heute ohne Probleme. Einer meiner Kunden, der mal ein Autohaus gebaut hat und regelmäßig nach gewisser Laufzeit das Auto wechselt, riet mir niemals ein neues Auto zu kaufen. Wenn ich schon diese minimalistischen Blinkereinheiten sehe frage ich mich, was geht in den Köpfen der Prüfstellen vor? Die Arbeiter tun mir zwar leid sind aber selbst Teil des Problems. Der deutschen Politik gönne ich… Mehr

89-erlebt
1 Monat her

Da fragt man sich doch, wer bitte hat mehrheitlich diese ReGier ungen gewählt, die den einstigen Weltkonzern Diess gegen die Elekro Wand fahren?
Da fragt man sich, wer mehrheitlich eine Landesregierung NieSa gewählt hat, die mit 20 % und Autohassern (Hamburg, Weil, Lies) den VEB Wagenbau zum postkommunistischen Kombinat verkrüppelt hat ??
Da lob ich mir den größten VW Standort weltweit, an dem ALLES mit Verbrennern läuft und Absatz und Produktion neue Rekorde verzeichnen.
Den FDGB Mitarbeitern beim VEB VW zahlt man nun die Rechnung für das, was sie mehrheitlich höchst selbst gewählt haben.

M. Stoll
1 Monat her

Deutschland steht im internationalen Wettbewerb …
… bei Löhnen, Lohnnebenkosten(!) und Arbeitszeiten,
aber auch bei der Bürokratie und Bildung / Intelligenz !!
Das hat dieses Land, wahrscheinlich im Zuge der um sich greifenden allgemeinen Verblödung, irgendwann vergessen.
Geliefert, wie bestellt: Das Mutterland des Automobils wählt heute die destruktiven Grünen oder ihre ideologischen Schwesterparteien.

Positivsteuerung
1 Monat her

Es gibt durchaus einen Markt für kleine benzingetriebene PKW mit günstigen Verbrauchswerten. Von diesem Markt hat sich VW verabschiedet. Es gibt einen Trend zu konventionellen Bedienelementen ohne Display und Menüstruktur, weil man diese Bedienelemente nutzen kann, ohne den Blick von der Verkehrssituation abzuwenden. Es gibt den Wunsch nach weniger Überwachung und weniger Assistenz (vor allem, wenn diese nicht abschaltbar ist), gerade bei Kleinwagen. VW hat sich der EU mit dieser benutzerfeindlichen Gesetzgebung unterworfen. Als großes Unternehmen hätte man da Kritik äußern können, ja müssen, statt Subventionen abzugreifen und goldene Sessel für Genossen bereitzustellen. Falls diese Fahrzeuge also noch hergestellt werden,… Mehr

Ich bin RECHTS
1 Monat her

VW wurde mlt nur 2 Produkten Weltmarktführer:
1. Käfer
2. Golf

Phantastisch, wie damals (1974) der Wechsel vom Käfer zum Golf vollzogrn wurde.
Leider wurde der Wechsel vom Golf zum E-Volkswagen nur unprofessionell und halbherzig vollzogen.
Statt dessen ein Produkt-Wirrwar.

Gut ist es die Produktpalette radikal zusammen zu streichen

Allerdings ist es eine Illusion mit Monsterlöhnen, 4 Tage-Woche, Home Office und 24 Krankeitstagen gegen die Chinesen mit ihrer 996-Mentalität bestehen zu können.

Berlindiesel
1 Monat her
Antworten an  Ich bin RECHTS

Finden Sie es nicht ein wenig pharisäerhaft, gegen die (zweifellos hohen, auch branchenbezogen hohen) Löhne bei VW zu polemisieren? Bitte bedenken Sie zweierlei: Löhne bedeuten immer Kaufkraft. Eine Ökonomie, die über Exportmaximierung sich stets in unmittelbarem Wettbewerb mit Niedriglohnländern befindet, muss notgedrungen niedrige Löhen haben und wenig Kaufkraft. Das ist die Crux des Geschäftsmodells von Deutschland, Japan und Südkoreas. Nur die hohen Stückzahlen haben höhere Löhne ermöglicht, als dieses Modell hergäbe. In Japan hat man es auch über Verschuldung ausgeglichen. Das Gros der Deutschen verdient wenig. VW sticht da bloß heraus. Zweiter Punkt: Die gleichen, die stets der deutschen Industrie… Mehr

Aegnor
1 Monat her
Antworten an  Berlindiesel

Problem ist halt, dass die hohen Löhne (inkl. Lohnnebenkosten) eben nicht in hoher Kaufkraft resultieren, weil der Staat alles abschöpft. So kommen wir zu dem (scheinbaren) Paradoxon, dass Deutschland ein extremes Hochlohnland ist, dessen Bevölkerung zu den ärmsten aller Industrieländer gehört.

Konservativer2
1 Monat her
Antworten an  Aegnor

Dennoch: höherer Lohn resultiert – unter Einbeziehung aller Rahmenbedingungen – in – wenn auch nur vergleichsweise – höherer Kaufkraft, auch wenn sie absolut sinkt.

Teiresias
1 Monat her

Im Aufsichtsrat, der Politik und für Fachjournalisten ist doch schon lange klar, daß der Konzern auf dem Weg in den Abgrund ist. Das ist nicht über Nacht passiert – aller Propaganda zum Trotz.
Und alle Wissenden haben gegenüber den Propagandasedierten dichtgehalten, um Richtungsänderungen in Konzernstrategie und Wirtschaftspolitik zu vermeiden. Volkswagen SOLL untergehen.
Am Beispiel Volkswagen sieht man, wie Deutschland vorsätzlich deindustrialisiert und hingerichtet wurde und wird. Daran ist nichts Zufall oder Fahrlässigkeit.
Es soll mir keiner damit kommen, diese Entwicklung käme überraschend.
Wir sehen pars pro totum, wie demokratisch Deutschland wirklich ist.

Last edited 1 Monat her by Teiresias
Aegnor
1 Monat her

Volkswagen produziert mit fast der doppelten Zahl an Angestellten weniger Autos als Toyota. Bald wird man dort gar keine Autos mehr produzieren aber immer noch so viele Angestellten wie Toyota haben.

maps
1 Monat her

Die Leute wollten es genau so, gerade die Mitarbeiter. Geliefert wie bestellt. Das neue Geschäftsmodell von VW ist nur noch Kostenreduktion und mit diesen Massnahmen wird man nur noch mehr Marktanteil verlieren, die Abwärtsspirale beginnt. Den Managern und Gewerkschaftlern ist es egal, die haben sich bereits die Taschen voll gemacht für sich und ihre Kinder. Die Mehrheit der Deutschen ist und bleibt dumm.

NochNicht2022
1 Monat her

„Morgen, morgen, nur nicht heute“: Die roten Geschwerkschaftskompetenzler, SPDler und 34-Stunden-Tätige werden solange weitermachen, d.h. nichts entscheiden, bis der Vorstand zwangsweise Insolvenzantrag stellen muß. Dann wird diese Kompetenz-Truppe dumm aus der Wäsche schauen, da der Insolvenzverwalter dann alleine das Sagen haben wird … Dann erst ist der linksgrün-versiffte Spuk – der wird aber noch 5, 6 oder gar 7 Jahre bis zum entgültigen Substanzverzehr der ausgehöhlten VW AG anhalten – vorbei.

wegmitdenaltparteien
1 Monat her

Nach den Landtagswahlen werden die Hämmer bekannten gegeben, bis dahin gilt: Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.