Bei Lanz: Könnte Auschwitz bald in Vergessenheit geraten?

Die letzte Generation der Auschwitz-Überlebenden stirbt in den kommenden Jahren. Eine Zeitzeugin ist bei Markus Lanz zu Gast. Antisemitismus ist wieder salonfähig. Leider hinterfragt Lanz die Ursachen kaum. Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Zeitzeugen sind eine wichtige Quelle für geschichtliche Ereignisse. Gerade die Überlebenden des Holocaust sind bis heute wichtiger Bestandteil der historischen Aufarbeitung des Menschheitsverbrechens. Doch zunehmend verstirbt die letzte Generation der Auschwitz-Überlebenden. In ein paar Jahren wird es keinen lebenden Zeitzeugen mehr geben. Diese Menschen werden fehlen.

In den letzten Jahren waren es vor allem die Überlebenden des Holocaust, die ihre Stimmen gegen den wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft erhoben haben. An diesem Donnerstag widmet Markus Lanz den Überlebenden von Auschwitz eine Sendung. Zu Gast ist mit Eva Umlauf eine slowakische Jüdin, die als Kleinkind Auschwitz zusammen mit ihrer schwangeren Mutter überlebte. Die Lebensgeschichte von Umlauf ist berührend. Bis heute lässt sie es sich nicht nehmen, um von ihren persönlichen Erlebnissen während des Holocaust zu erzählen.

Es ist lobenswert, dass das ZDF diesen wertvollen Zeitzeugen TV-Präsenz ermöglicht, um von ihrem bewegenden Schicksal berichten zu können. Für den Zuseher ergibt sich dadurch die Möglichkeit, über ein geschildertes Einzelschicksal mehr über das Leid der vielen Millionen Opfer während des Holocaust zu erfahren.

Stirbt mit den Zeitzeugen auch die Erinnerung?

Als eines der wenigen Länder auf der Welt hat die Bundesrepublik ihre dunkle Geschichte aufgearbeitet. In der medialen Öffentlichkeit spricht man gerne von Erinnerungskultur. Wichtiger Baustein der historischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen sind die Überlebenden von damals. Doch die Zeit schreitet unaufhaltsam voran und die Zeitzeugen sterben aus.

Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf war zwei, als sie ins Vernichtungslager Auschwitz kam. Schon vor Auschwitz war sie inhaftiert. „Ich bin im Lager als erstes von fünf Kindern geboren“, berichtet sie. Gebürtig stammt Eva Umlauf aus der Slowakei. „Es waren alles Slowaken“, schildert sie die Nationalität ihrer Wärter im Lager vor Auschwitz. Die Slowakei war damals ein Vasallenstaat des Dritten Reichs und die slowakische Bevölkerung war an den Verbrechen gegen die Juden beteiligt.

Mit zwei Jahren sei ihr natürlich nicht klar gewesen, was Auschwitz bedeuten würde, so Umlauf. „Meine Mutter wusste aber, was Auschwitz bedeutet“, meint die Holocaust-Überlebende. Die Schilderungen sind bedrückend. Sie und ihre schwangere Mutter hatten aber Glück im Unglück. Weil der Zug nach Auschwitz zunächst streikte, kam die Familie erst im Vernichtungslager an, als die Gaskammern nicht mehr genutzt wurden. „Die Schwangeren und die Kinder wurden nämlich sofort vergast“, sagt Umlauf.

Nachdem die Sowjets das Vernichtungslager in den letzten Kriegsmonaten befreit hatten, brachte ihre Mutter ihre Schwester zur Welt. „Meine Mutter hat meine Schwester in Auschwitz im Lazarett entbunden“, erzählt Umlauf. Als Zuseher ist es schwer zu ertragen, welchen Horror die Menschen damals durchleben mussten. Das tragische Einzelschicksal von Eva Umlauf steht stellvertretend für die Geschichten von Millionen.

Wachsender Antisemitismus

Ablehnung von Juden ist kein neues Phänomen und hat auch nicht erst mit dem Holocaust begonnen. Seit Jahrhunderten sind Juden Ausgrenzung und Verfolgung ausgesetzt. In Deutschland ist die Stimmung gegenüber Juden inzwischen auch wieder feindseliger. „Der Antisemitismus ist wieder salonfähig“, meint Eva Umlauf dazu. Insbesondere mit der Eskalation im Nahen Osten ist der Antisemitismus in Deutschland rasant gestiegen.

Fast täglich finden in Berlin und anderen Städten angebliche pro-palästinensische Demos statt, die sich in Wahrheit gegen Juden richten. Im Gewand der guten Sache wird unverhohlen gehetzt und gedroht. Ein linkes und arabisch geprägtes Milieu ist federführend für die judenfeindlichen Ausfälle auf den Demos verantwortlich. „Es ist mehr Mut da“, beklagt die Holocaust-Überlebende die offene Zurschaustellung von Antisemitismus.

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Oliver von Wrochem, sieht die antisemitische Gefahr aus dem Netz kommen. „Auf den sozialen Medien ist Hass und Hetze nicht reglementiert“, echauffiert sich der Historiker. Diese Behauptung wird leider vom Moderator unwidersprochen hingenommen. Es ist eine beliebte Erzählung, dass die sozialen Plattformen nichts gegen sogenannte Hass und Hetze tun. Doch in der Realität regulieren die Plattformen rassistische oder antisemitische Kommentare sehr gründlich. Selbst zulässige Meinungsäußerungen werden auf Verdacht gelöscht, falls sie rassistisch oder antisemitisch verstanden werden könnten.

Für Wrochem ist klar: „Der Antisemitismus kommt aus der Mitte der Gesellschaft.“ Auch diese Behauptung wird von Lanz zu wenig hinterfragt. Der Antisemitismus kommt im Moment nicht vermehrt aus dem Bürgertum oder der Arbeiterschaft. Es sind gewisse studentische und migrantische Milieus, die seit dem Gaza-Krieg den Hass entfachen. Oftmals wird legitime Kritik an der israelischen Regierung von diesen Gruppen missbraucht, um antisemitische Gesinnung zu kaschieren. Es ist eine Schwachstelle einer ansonsten interessanten Sendung, dass Lanz nicht näher auf diese Phänomene eingeht.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 15 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

15 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Michael W.
46 Minuten her

Als eines der wenigen Länder auf der Welt hat die Bundesrepublik ihre dunkle Geschichte aufgearbeitet.

Wo und wann? Kann mich an nichts außer an die entsprechenden Gesetze und Verbote erinnern. Eine echte Aufarbeitung fand nie statt. Die ganzen KZ-Verantwortlichen lebten in Ruhe und oft mit viel Geld in D, selten im Ausland. Aber auch dort völlig ungestört.

Klaus Uhltzscht
52 Minuten her

Meine Schulbildung über Diktaturen wie die der National-Sozialisten oder der Roten Khmer ist eigentlich ausreichend. Auch die Szene der Verhaftung meines Bruders durch die Stasi hat sich als Lernerfolg damals in mein Kindergehirn eingebrannt.
Dazu kommen die Zehn Gebote aus dem Christentum.
So gerüstet, kann ich als normaler Mensch durchs Leben gehen und brauche keine Belehrungen.
Insbesondere, wenn diese selbst von Diktatoren kommen.

Last edited 45 Minuten her by Klaus Uhltzscht
twsan
52 Minuten her

Ich wage mal einen Ausblick in die Zukunft:

Die EU realisiert den feuchten Traum des Postkartenmalers: Ganz Europa unter einer faschistisch-sozialistischen totalitären Herrschaft.
Lenkungswirtschaft mit Pseudo-Eigentumsgarantie (für die, die willig spuren) als Unterschied zum klassischen Sozialismus/Kommunismus mit „volkseigenen Betrieben“.
Der Begriff „Nationalsozialismus“, der sich damals nur auf Deutschland bezog (mit obigen feuchten Traum als Zukunft), wird unter einem unbelasteten neuen Namen erweitert auf die „Vereinigten Staaten von Europa“.

Nach erfolgreicher Hochrüstung kommt statt „Lebensraum im Osten“ nun „Energie und Rohstoffe aus dem Osten“.

Und die EU startet einen Eroberungskrieg gegen Russland und diejenigen exGUS-Staaten, die sich weigerten, der EU beizutreten.

Last edited 47 Minuten her by twsan
Waldorf
55 Minuten her

Heute ist „Auschwitz“ ein politisches Machtinstrument und dem folgend ein politisches Geschäftsmodell, von dem viele gut leben, die mit dem historischen Auschwitz wenig bis nichts zu tun haben. Die Überlebenden des Horror waren weder die Profiteure noch Geschäftemacher damit, die scham- und skrupellosesten Ausnutzer der Schoa sitzen in den politischen Parteien, die lautesten und widerwärtigsten in den linken Parteien, die völlig offen mit den militanten Judenfeinden von heute sympathisieren und paktieren. Nirgendwo sonst wäre eine neue Schoa heute leichter vorstellbar, als in irgendeinem verrückt gewordenen Teil der muslimischen Welt. Nur leben dort heute schon extrem wenig Juden und Christen. All… Mehr

Steuernzahlende Kartoffel
55 Minuten her

In der Tat, Hauptgründe dürften der Import entsprechend „sozialisierter“ Westasiaten sein und natürlich der Bildungsverfall bei vermeintlich über höhere Weisheit & Moral verfügende Superlinksgrüne, insb. -innen! Beide Entwicklungen schreiten quasi ungebrochen voran, was mit zunehmendem Zeitablauf, ggf. bereits heute, zu einem eigenständigen Hauptgrund anwächst. Zumindest in DE scheinen aber teilweise auch die Juden selbst einen Anteil zu haben. Auf achgut bspw. blitzt immer mal wieder eine „interne“ Auseinandersetzung auf mit Gruppierungen von ihnen die ähnlich wie auch die christlichen Kirchen auf Beschönigung & Anbiederung setzen. Das hat damals auch nicht funktioniert, umso überraschender dass die vglsw. gut gebildeten Juden das… Mehr

Haba Orwell
57 Minuten her

> Antisemitismus ist wieder salonfähig.

Damit wird allerdings neulich die leiseste Kritik am Agieren Netanjahus gemeint. Wieso spricht man nicht gleich vom „Antiziganismus“, wenn man den Sinti&Roma das Recht abspricht, jeden zu vermöbeln, den sie vermöbeln möchten?

Ich bin RECHTS
59 Minuten her

Mag sein, dass ich ein seltener Vogel bin, aber in den 70 Jahren, die ich in Deutschland lebe habe ich weder Antisemitismus, noch einen einzigen Amtisemiten kennengelernt.

Als ich mich vor 15 Jahren in einer Bar in Haifa als „schmutziger Deutscher“ geoutet habe, rief dieser Schuldkult bei den jungen Juden dort nur Kopfschütteln hervor – ich wurde mit offenen Armen empfangen und wir verbrachten einen lustigen und unverkrampften Abend.

MartinKienzle
1 Stunde her

Es ist anzuraten, mitnichten die offizielle BRD-Geschichtserzählung über den Nationalsozialismus in das eigene Selbst zu inkorporieren, da jene der Unterjochung des Deutschen Volkes dient (siehe Gerard Menuhins Buch „Wahrheit sagen, Teufel jagen“ https://archive.org/details/menuhin-gerard-wahrheit-sagen-teufel-jagen sowie Benjamin Freedmans Rede aus dem Jahr 1961 https://gloria.tv/post/r2ShgCumrTUC1SCT1jucfFnve#2100)!

Last edited 57 Minuten her by MartinKienzle
Werner Meier
1 Stunde her

„Der Antisemitismus kommt aus der Mitte der Gesellschaft.“ Mit solch schwachsinnigen Aussagen wird stets von den tatsächlichen Ursachen abgelenkt, die der ÖRR konsequent unterdrückt. Der Antisemitismus kommt aus der Mitte des Koran, nämlich bereits aus Sure 1. Leite uns den geraden Weg, den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden! Dieser täglich dreimal rezitierte Vers ist die Grundlage des importierten Antisemitismus und der Integrationsverweigerung. Leite uns nicht den Weg der Irregehenden, also der deutschen Gastgeber, bedeutet nichts anderes, als Integration und Akzeptanz der deutschen Kultur geht an meinem göttlichen… Mehr

Endlich Frei
1 Stunde her

Ich sehe den Judenhass vor allem im importierten, aufblühenden Islamismus in Deutschland wieder aufflackern. Doch die Politik scheint nicht gelernt zu haben – das linksgrüne Personal bei den ÖRR ohnehin nicht. Wäre ich Jude, würde ich angesichts dieser unverständlichen Tatenlosigkeit packen.

Last edited 1 Stunde her by Endlich Frei
Jens Frisch
1 Stunde her
Antworten an  Endlich Frei

Islamismus?
„Die Erfindung des „gemäßigten Islam“ gehört dem Westen. Es gibt keinen gemäßigten oder radikalen Islam; es gibt nur den einen Islam. Das Ziel der Verwendung solcher Begriffe ist es, den Islam zu schwächen“
Recep Erdogan