Von Corona bis Klima: Lanz verhöhnt seine Zuschauer

Eine Sendung wie aus einer Parallelwelt. Was sich Markus Lanz am gestrigen Abend geleistet hat, ist der Gipfel des journalistischen Niedergangs. Von Corona bis zur aktuellen Energiepolitik – selten gab es mehr Fake News in einer einzigen Stunde. Lanz will seine Zuschauer für dumm verkaufen. Von Brunhilde Plog

Screenshot: ZDF / Markus Lanz

Spätestens seit den RKI-Protokollen und den Epstein-Files weiß jeder, der es wissen will, was während der angeblichen Corona-Pandemie tatsächlich abgelaufen ist. Und spätestens, seit der Weltklimarat seine Horrorszenarien als unrealistisch zurückgezogen hat, ist auch die Legende von der Erderhitzung vom Tisch.

Das gilt für viele Menschen in vielen Ländern. Aufarbeitung und Anpassungen laufen, mal stärker, mal schwächer. Doch in Deutschland ticken die Uhren anders. Weil sich Narrativ-Cowboys wie Markus Lanz nach Kräften bemühen, all die längst widerlegten Legenden am Leben zu erhalten. Lanz reitet dabei in die ewigen journalistischen Abgründe hinab. Und es macht ihm anscheinend nichts aus.

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Dass der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz „Weltklimarat“) erst vor wenigen Tagen seine eigene Forschungsarbeit als fehlerhaft bezeichnet und das jahrzehntelang gepredigte Endzeitszenario von der menschengemachten Erderwärmung als „unplausibel“ widerrief, wäre allein schon eine eigene Sendung wert. Stattdessen aber breitet Lanz völlig ungeniert die ganzen alten Märchen erneut aus. Mit der bekannten Miene des andauernd alles Wissenden sitzt er da und verbreitet Fake News. Er spuckt seinem Zuschauer geradezu ins Gesicht.

Lanz tut es nicht nach bestem Wissen und Gewissen, denn dafür wirkt er eigentlich zu intelligent. Er tut es trotz Besserwissens und gewissenlos. Damit führt er seine Sendung heute auf einen neuen Tiefpunkt – und das will durchaus etwas heißen nach all den „Vier gegen Willy-Prangern“, den AfD-Tribunalen und nachträglichen Reinwaschungen, nach Guérot, von Storch, Chrupalla und dem „Privatmann“ Daniel Günther.

Lanz hat sich zwei Polit-Pensionäre eingeladen und bemüht sich minutenlang vergeblich, es irgendwie menscheln zu lassen. Doch die Schleimspur für Winfried Kretschmann (Die Grünen) – scheidender Ministerpräsident aus Baden-Württemberg – und Stephan Weil (SPD) – sein längst ausgeschiedener Amtskollege aus Niedersachsen – wirkt bisweilen schwer erträglich. Lanz lobt die beiden für ihren harten Einsatz – „ein richtiger Knochenjob“ –, bedauert ihre Schlafprobleme und will die Ursachen ergründen: „Warum? Weil man sich sorgt ums Land?“ Uff!

Doch als es konkret wird, wird es schnell absurd. Zum Thema Klima darf Kretschmann unbeirrt an alten Irrungen festhalten und sie als fundiert hinstellen. Deutschland sei mit der Abkehr von Atomkraft, Öl und Kohle „einen sehr mutigen Weg gegangen“, sagt er und negiert schlichtweg die neuen Erkenntnisse. Jetzt plötzlich alles in Zweifel zu ziehen, sei nicht das „richtige Mindset“, denn „auf mittlere Sicht werden wir alle anderen hinter uns lassen“. Er wisse aber nicht, ob er das noch erleben werde, Lanz hofft sehr, dass er das wohl tun wird. Es menschelt nochmal kurz.

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Beim Thema Corona kommt es dann knüppeldick. Kretschmann („Ich gehe zufrieden aus dem Amt und hab das Land, glaub’ ich, ordentlich regiert“) darf minutenlang darüber schwadronieren, wie schlimm die Lage zu Zeiten der „Pandemie“ angeblich gewesen ist. Wie die Zahlen der Infizierten und Toten hochschnellten. „Das war ein exponentieller Vorgang. Da spricht jetzt der Naturwissenschaftler. Für exponentielle Vorgänge haben wir keinen Wahrnehmungsapparat.“ Und er malt das Bild sogar noch düsterer, als er es zu jenen Zeiten tat, da er die Impfpflicht durchprügeln wollte. „Exponentielle Vorgänge haben die Populationen der Evolution ausgerottet“, stöhnt Kretschmann. Weil stimmt mit ein. Ständig habe es neue Mutationen und neue Risiken gegeben. Kretschmann wieder: Ja, die Angst sei „riesig“ gewesen, „dass uns die Pandemie aus dem Ruder läuft“.

Beide räumen minimale Fehler ein, aber hach, hinterher sei man eben immer schlauer. „Jetzt denken alle, man kann da große Lehren draus ziehen. Da wär’ ich mal vorsichtig“, mahnt Kretschmann. Bei der nächsten Pandemie könne man „wieder schnell in die Falle laufen“.

Es wäre nun an Lanz, zu erwidern, dass die geleakten RKI-Protokolle und offizielle Statistiken des Robert-Koch-Instituts mittlerweile ein völlig anderes Bild offenbaren. Dass die tanzenden Klinikärzte eben nicht überlastet, Sterbezahlen nicht erhöht und die sogenannten „Impfungen“ eher schädlich als hilfreich waren. Doch was macht der Moderator? Er erwähnt sogar erneut die schrecklichen „Bilder aus Bergamo“, obwohl auch diese zusammen mit dem Lampedusa-Fake längst als Inszenierung enttarnt worden sind.

Keine kritische Rückschau, von Aufarbeitung gar nicht zu sprechen. Stattdessen darf Kretschmann unwidersprochen sagen: „Da hab ich mir echt nichts vorzuwerfen. In der Situation habe ich richtig gehandelt. Wir haben das alles gut geprüft und abgewogen.“ Als wäre noch immer 2020, kritisiert er „Verschwörungskreise“. Weil ergänzt: „Wir standen damals unter einem irrsinnigen Druck.“ Man habe keine andere Wahl gehabt, denn „dafür sind viel zu viele Menschen damals an Corona gestorben“. Weil erwähnt Long-Covid, lässt Impfschäden selbstverständlich weg und öchelt: „Was hat das für schwere Schicksale geschaffen!“

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Spät, aber immerhin, kommt die ehemalige Spiegel-Redakteurin Melanie Amann zur Einsicht. Nachdem sie erwähnt, dass auch Frauen in den Wechseljahren sehr wohl unter Schlafproblemen leiden (Gender Equality, check!), übt sie Kritik an ihrem Berufsstand und speziell der Relotius-Revue, ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Zu hinterfragen sei, „wie wir zum Beispiel die Demos gecovert haben“. Die Presse habe sich vielleicht zu sehr auf „die Radikalinskis“ mit den Reichsfahnen konzentriert, obwohl ja auch viele normale Menschen demonstriert hätten. „Da haben wir auch viel verloren an Glaubwürdigkeit“, sagt Amann. Doch auch sie kann nicht wirklich aus ihrer Haut. „Das war ja, wenn man so will, die demokratischste Pandemie“, denn es seien ja alle gleichermaßen betroffen gewesen, sagt sie. Eine demokratische Pandemie, in der Politiker oft nur dann eine Maske aufsetzten, wenn die Kameras liefen. Sagt sie nicht.

Beim Thema Baden-Württemberg darf Kretschmann nochmal dick auffahren. Er jammert kurz, um dann sogleich wieder große Töne zu spucken. Sicher, die Lage sei „einigermaßen dramatisch“ und „das ist natürlich höchst besorgend“. Die Gründe? Er nennt „sehr hohe Kosten“ bei den Löhnen und „vor allem bei der Arbeitszeit“. Die Schweizer etwa würden viel mehr arbeiten als die Deutschen. Das Wort Energie erwähnt er nur ganz kurz. Das Abschalten der AKW sei kein Fehler gewesen, aber man hätte sie vielleicht länger laufen lassen können.

Kretschmann lobt sich, wie toll er im windarmen Ländle eine „Task Force“ für den Bau von Windkraftanlagen durchgeboxt habe. Motto: „Anpacken, schneller, besser – das kriegen wir hin.“ Es müsse endlich „ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Wir müssen jetzt auch wirklich ranklotzen.“ Dazu gehöre: „Start-Ups einfach mal entfesseln. Die einfach mal zwei Jahre von allem befreien, dann dürfen die losarbeiten.“ 14 Stunden am Tag, das könne man doch mal machen, zeitlich begrenzt.

Genosse Weil wirft kurz ein, dass sich eine Krankenschwester aber in so einem Ruck nicht erkenne. (Kleiner-Mann-Partei, check!) Amann bringt von einer China-Reise bahnbrechende Erkenntnisse mit: „Die sind weit weg von dem ‚nur Kopieren, was wir hier machen‘“. Ach was, tatsächlich?

Die Diskussion droht endgültig zu verflachen.

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Merz kann es nicht – aber geht nicht
Nur bei einem ist sich die Runde einig an diesem Abend: dem Kanzler der zweiten Wahl. Friedrich Merz leide unter einer egozentrischen Weltsicht und kreise um sich selbst, sagt Amann. Sie bezweifelt, „ob er dem Druck gewachsen ist“. Merz mache jetzt „massiv neue Erfahrungen“, nachdem er zuvor nie irgendeine Verantwortung getragen habe, sagt Weil. Und Kretschmann wirft Merz vor, er liefere „schlechtes Handwerk“ ab. „Du kannst nicht im Dauermodus Dinge fordern, die der andere dann sofort einsammelt.“

Kannst Du wohl. So lange Du bei Lanz sitzt. Da kannst Du fordern und fabulieren, was immer Du willst. Da sammelt niemand etwas ein.

So behaupten Kretschmann und Weil etwa kühn, dass Merz – bei Trump gerade in Ungnade gefallen – „außenpolitisch ’nen guten Job“ mache. Lanz antwortet: „Das lassen wir jetzt mal so stehen.“

Quod erat demonstrandum.

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Kommentare ( 6 )

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6 Comments
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Peter Triller
26 Minuten her

Lanz ist ein intellektuell aufgeblasener Hofberichterstatter, ohne Rückgrat und Prinzipien. Die Skrupel, die er wohl nach seinem Gespräch mit dem schwarzgrünen Extremisten Daniel Günther hatte, so berichtete es wenigstens Julian Reichelt, hat er mittlerweile zur Seite gewischt. Man kann in ARD und ZDF keine gute Talkshow machen, ohne sich zu verbiegen. Lanz hat sich für das Verbiegen entschieden.

Supersilent
27 Minuten her

Lanz hat schon sehr lange fertig, spätestens seit Günther hätte das jeder erkennen müssen. Die Gästeliste, alle leben in der Villa Kunterbunt: „ich mach mir meine Welt so wie sie mir gefällt.“ Gibt es wirklich noch Leute die das für voll nehmen?

GrafZahl04
27 Minuten her

Die Lage ist also ‚höchst besorgend‘ – schuld sind aber vor allem zu hohe Löhne und zu wenig Arbeitszeit? Das ist eine erstaunlich bequeme Erklärung für einen Ministerpräsidenten eines Industrielandes. Baden-Württemberg ist nicht wegen fauler Arbeitnehmer stark geworden, sondern wegen hoher Produktivität, guter Ingenieurskunst und verlässlicher Industriepolitik. Der Vergleich mit der Schweiz ist dabei klassische Rosinenpickerei: Dort wird nicht nur länger gearbeitet, sondern Unternehmen haben oft günstigere Energie, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und insgesamt mehr Planungssicherheit. Genau darüber müsste man reden. Und bei der Energiepolitik wird es dann ganz schräg: Das Abschalten der AKW sei ‚kein Fehler‘ gewesen – man… Mehr

Biskaborn
29 Minuten her

Wieviele Zuschauer werden jetzt das Alles einfältig, unwissend, untertänigst glaubend zurückbleiben? Ich befürchte nicht wenige derjenigen die sich das bewusst angetan haben!

Mikmi
30 Minuten her

Wie so lädt Lanz noch andere Gäste ein, jeder Abend sollte da Merz und Klingbeil sitzen und gefragt werden, meine Herren, haben sie eine Lösung, nicht, wann hören sie auf?

fatherted
43 Minuten her

Immerhin lasse ich mich nicht von ihm „verhöhnen“…denn ich schaue diese Sendung schon seit Jahren nicht mehr an….genau wie den gesamten ÖRR. Insofern…soll Lanz sich doch über seine verbliebenen Zuschauer lustig machen…selbst schuld wer sich diesen Dreck anschaut.