Krisen-Alarm vom IW: Noch weniger Wirtschaftswachstum

Ein weiteres schwieriges Jahr für die deutsche Wirtschaft: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Wachstumsprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert. Statt der erwarteten 0,9 Prozent Wachstum rechnen die Ökonomen nun nur noch mit einem Plus von 0,4 Prozent.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Damit droht Deutschland nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche erneut eine Phase der Stagnation. „Der Iran-Krieg hat die ohnehin fragile Erholung der deutschen Wirtschaft abrupt ausgebremst“, erklärte IW-Konjunkturexperte Michael Grömling laut einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Analyse. Besonders die steigenden Energiepreise, Unsicherheiten an den Rohstoffmärkten und neue Störungen internationaler Lieferketten träfen die exportorientierte deutsche Industrie in einer ohnehin angespannten Lage.

Deutschland hatte bereits in den vergangenen Jahren mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schrumpfte die Wirtschaftsleistung 2023 um 0,9 Prozent und 2024 nochmals um 0,5 Prozent. Zwar konnte die deutsche Wirtschaft zu Beginn des Jahres 2026 überraschend leicht zulegen – das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal um 0,3 Prozent –, doch nach Einschätzung zahlreicher Experten reicht dieses Wachstum nicht aus, um von einer nachhaltigen Erholung sprechen zu können.

Vor allem die Energiefrage entwickelt sich erneut zum zentralen Risiko: Der Konflikt im Nahen Osten hat die internationalen Öl- und Gaspreise spürbar steigen lassen. Insbesondere die akute Bedrohung der Schifffahrt in der Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, sorgt nun schon seit Wochen für ein Ansteigen der Energiepreise. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte zuletzt vor „erheblichen Risiken für die Stabilität der globalen Energiemärkte“.

Das IW erwartet deshalb für 2026 eine Inflationsrate von durchschnittlich drei Prozent. Höhere Energie- und Transportkosten dürften sich quer durch nahezu alle Wirtschaftsbereiche auswirken – von der Industrieproduktion bis hin zum Einzelhandel. Besonders betroffen sei die energieintensive Industrie, darunter Chemie-, Stahl- und Maschinenbauunternehmen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte bereits zuvor vor einem weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gewarnt. Viele Unternehmen kämpften weiterhin mit hohen Produktionskosten, wachsender Bürokratie und schwacher Investitionsbereitschaft.

Nach Einschätzung des IW wird sich die wirtschaftliche Schwäche zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahresverlauf sinken, während Unternehmen geplante Investitionen weiter zurückfahren. Gleichzeitig stagniere der private Konsum, obwohl die Reallöhne zuletzt wieder leicht gestiegen waren. Viele Verbraucher hielten sich angesichts geopolitischer Unsicherheiten und steigender Lebenshaltungskosten mit größeren Ausgaben zurück.

Exportzahlen schrumpfen

Besonders alarmierend ist aus Sicht der Ökonomen die Entwicklung im Außenhandel: Deutschland, traditionell stark vom Export abhängig, verliert nach IW-Angaben zunehmend an Dynamik auf den Weltmärkten. „Die deutschen Exporte schrumpfen bereits das vierte Jahr in Folge, obwohl der Welthandel insgesamt wächst“, analysiert dazu Grömling. Das deute auf strukturelle Probleme hin, die weit über kurzfristige Kriseneffekte hinausgingen. Experten sehen unter anderem hohe Energiekosten, schleppende Digitalisierung und den zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck aus China und den USA als Ursachen.

Auch andere Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen sich inzwischen deutlich vorsichtiger. Das Münchner ifo Institut sprach zuletzt von einer „anhaltenden Investitionsschwäche“, während das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) vor einer „gefährlichen Mischung aus geopolitischer Unsicherheit und strukturellen Standortproblemen“ warnte.

Trotz der düsteren Aussichten betonen Ökonomen jedoch, dass der weitere Verlauf stark von der Entwicklung im Nahen Osten abhängen werde. Sollte der Konflikt noch länger andauern, könnten die wirtschaftlichen Schäden deutlich größer ausfallen als derzeit prognostiziert. Eine rasche diplomatische Entspannung hingegen könnte zumindest einen weiteren massiven Energiepreisschock verhindern.

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