Bundesregierung halbiert Konjunkturprognose – der Finanzminister freut sich über neue Schulden

Die Bundesregierung halbiert erwartungsgemäß die Wachstumsprognose für 2026. Dies aktiviert einen zusätzlichen Schuldenspielraum für den Finanzminister. Deutschlands absurde Wirtschaftspolitik hat einen noch absurderen Anreizmechanismus etabliert.

picture alliance / BMF/photothek.de | Thomas Koehler

Prognosen zur deutschen Konjunktur sind deprimierend. Zum einen verdecken sie, was sich tatsächlich im Maschinenraum der Ökonomie ereignet, zum anderen werden sie seit Jahren regelmäßig nach unten revidiert. In Berlin – dies gilt für die Politik und ihre staatsnahen Wirtschaftsinstitute gleichermaßen – regiert angesichts des ökonomischen Verfalls wohl nur noch das Prinzip Hoffnung.

Auch die am Mittwoch vorgestellte Frühjahrsprojektion des Bundeswirtschaftsministeriums bildete keine Ausnahme. Die bereits zuvor auf ein Prozent geschrumpfte Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft wurde von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf 0,5 Prozent für das laufende Jahr zusammengedampft.

Schwächeres Wachstum erwartet
Bundesregierung senkt Konjunkturprognose für 2026 deutlich
Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Konjunktur im kommenden Jahr. Reiche nahm sämtlichen Hoffnungen auf ein verschobenes Konjunkturwunder den Wind aus den Segeln und reduzierte ihre Prognose für 2027 von 1,3 auf nur noch 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum.

Es ist unbestreitbar: Die andauernden Korrekturen der Wirtschaftsprognosen legen die tendenziöse Berichterstattung und Analyse über die tatsächliche Lage der Wirtschaft offen. Mit rationaler ökonomischer Analyse haben diese Prognosen nur noch am Rande zu tun. Oder wie lässt es sich erklären, dass zu keiner Zeit weder beim Bundeswirtschaftsministerium noch in den Fachmedien oder gar den Wirtschaftsforschungsinstituten diskutiert wird, dass es sich lediglich um einen statistischen Effekt handelt, der dafür sorgt, dass Deutschland überhaupt noch ein positives Wachstum ausweist?

Die Schuldenorgie des Staates wird in dieser Berechnungsweise als Wirtschaftswachstum ausgewiesen. Die reale Wirtschaft, repräsentiert durch den schrumpfenden privaten Sektor, der mittlerweile weniger als die Hälfte des berechneten Bruttoinlandsprodukts ausmacht, geht immer weiter in die Knie – kalkuliert man Staatsquote und Neuverschuldung korrekt, im laufenden Jahr wahrscheinlich um etwa 3 bis 4 Prozent. Das sind Horrornachrichten, eine anhaltende ökonomische Depression.

Was die Frage nach den Ursachen aufwirft, die für diejenigen, die nicht mit der ideologischen grünsozialistischen Brille durch die Weltgeschichte wandern, relativ schnell beantwortet sein dürfte. Für das Haus von Frau Reiche ist die Welt naturgemäß eine andere, und der Schuldige an der Misere ist auch rasch identifiziert: Und wie sollte es anders sein, muss es sich dabei um US-Präsident Donald Trump und um dessen Konflikt im Iran handeln.

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Im Zuge der Iran-Krise seien, so Reiche, auch die Anleihenzinsen weiter angezogen – ein Ausdruck der höheren Inflationserwartungen der Marktteilnehmer für Deutschland. Dass sich zugleich auch die Schuldenlage im Land immer weiter verschlechtert, was ebenfalls in steigenden Anleiherenditen zum Ausdruck kommt, verschweigt die Ministerin lieber.

Die Explosion der Preise an den Zapfsäulen, die allgemeine Energiekrise, die die deutsche Industrie mit dem Rücken zur Wand gestellt hat – das alles hinterlässt selbstverständlich eine Bremsspur in der Konjunktur, hat allerdings mit der Deindustrialisierung im Land, die seit Jahren anhält, herzlich wenig zu tun.

Die Energiekrise Deutschlands ist gut dokumentiert. Sie nun dem gleich zweifach verstopften Flaschenhals in der Straße von Hormuz zuschreiben zu wollen, ist nachgerade lächerlich. Wer seine eigene Kernkraft buchstäblich in die Luft jagt, mit seinem wichtigsten Energielieferanten Russland über Kreuz liegt und sich zu allem Überfluss energiepolitischen Moralismus im Klimaapokalyptiker-Sound leistet, muss ökonomisch in die Knie gehen.

Doch wo die Konjunktur einen Schatten wirft, muss es an irgendeiner Stelle auch Licht geben. Dieses Licht strahlt offenbar für den Finanzminister: Der freut sich über einen erweiterten Verschuldungsspielraum, der sich aus der Reform der Schuldenbremse und der schlechteren Wachstumsprognose ergibt. Die Halbierung des Wachstums erlaubt es dem Bund, seine Neuverschuldung um 3,8 Milliarden Euro für das laufende Jahr und um 7,3 Milliarden Euro bis 2030 zu erhöhen. Paradiesische Zustände für Lars Klingbeil, der ideologisch der Vorstellung anhängt, der Staat könne über schuldenfinanzierte Nachfrage als Wunderheiler jener Ökonomie auftreten, die er zugleich im ideologischen Zangengriff erstickt. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um Voodoo-Ökonomie, die nichtsdestoweniger dem Leitbild der Berliner Politik entspricht.

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Es ist der Politik tatsächlich gelungen, ein fiskalisches Anreizsystem zu etablieren, das größere Verschuldungsspielräume gewährt, je schlechter die Konjunktur läuft. Das ist ökonomisch pervers. Und es wäre zum Lachen, wäre es nicht eben jener ideologische Hardliner-Staat, der mit seiner Interventionspolitik die wirtschaftliche Existenz Hunderttausender Arbeitnehmer bereits zerstört hätte. Von den Rekordzahlen in der Insolvenzstatistik wollen wir an dieser Stelle lieber schweigen.

Es überrascht nicht, dass die Schuldenbremse, die einst feierlich in das Grundgesetz aufgenommen wurde, zu keiner Zeit das Papier wert war, auf das sie gedruckt stand. Wer hätte jemals daran geglaubt, dass sich etatistische Politik selbst einer fiskalischen Begrenzung unterwerfen würde? Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Finanzminister sind fest davon überzeugt, dass es dem Staat obliegt, Wirtschaftswachstum zu erzeugen.

Aber vor allen Dingen soll Umverteilungspolitik auf wundersame Weise den zu verteilenden Kuchen vergrößern, der in zunehmendem Maße aus der grünen Kunstökonomie und dem rasch wachsenden Militärsektor besteht. Wohlstand soll aus Staatsschulden erwachsen, aus Kredit, der aus dem Nichts entsteht. Das ist einfältig, eine naive Politik, die das Land geradewegs in die Armutsspirale bannt, da sie den privaten Sektor immer weiter zur Ader lassen wird, um dieses bereits gescheiterte Abenteuer liquide zu halten.

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Kommentare ( 16 )

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Dundee
16 Minuten her

Anhand des Fotos wird klar warum ein neues Regierungsgebäude gebaut werden muß. Die Statik der alten Gebäude ist der wöchentlichen Zunahme der körperlichen Schwergewichte nicht gewachsen.

Peter Pascht
17 Minuten her

„Dann brennt die Hütte“ !!!
Das sagt die IG-Metall für den Fall das Merz Kürzungen macht, die Beschäfftigte und Rentner ärmer macht. – in Bezug zu Rentenreform Kürzungen auf Basisrentenniveau und Sozialkürzungen.
IG-Metall Chefin droht Bundekanzler Merz für diesen Fall: „Dann brennt die Hütte“ – „Es gibt noGo’s auf die wir mit protesten reagieren werden“
Quelle: ÖRR
Jezt hamm wir den Salat.
FDP Kubicki sagt „Ich kenne keine Brandmauer“ – sollte er die Führung der FDP übernehmen – „Diese steht nicht im Grundgesetz und in keinem Gesetz“ – wie denn auch, Abstimmungen sind doch geheim.

Fatmah
34 Minuten her

Das wir eine hausgemachte Wirtschaftskrise auch ohne Hormuz haben, wird strikt geleugnet, inzwischen hunderte Milliarden für die Ukraine plus hudnerte Milliarden wirtschaftlicher Schäden durch die dummen Russland Sanktionen sollen genauso wenig ein Problem sein wie 200.000 Armutszuwanderer pro Jahr. Dazu die höchsten Steuern auf Energie in der ganzen Welt, die niedrigsten Renten usw.
Dies wird alles ausgeblendet, die BILD besäuselt die Bürger mit Storys über „Waal Timmy“ seit Wochen als Hauptschlagzeile und die Politiker reden nur vom „Kampf gegen die AFD“ ohne zu kapieren das nicht die AFD sondern ihr eigenes Versagen das Problem ist.

Dr. Rehmstack
1 Stunde her

Naja, es gibt eben eine gute und eine schlechte Nachricht, die schlechte Nachricht: 2006 wird schlechter als 2005, die gute Nachricht: 2006 wird besser als 2007.

PK110
1 Stunde her

Ich halte die Regierung wegen fehlendem wirtschaftlichen Sachverstand für unfähig, überhaupt Prognosen zu erstellen.
Und wir können dankbar sein, dass bei unseren ehemaligen Kriegsgegnern nie eine Person vom Format einer Annalena Baerbocks etwas zu sagen hatte. Sonst hätten diese Länder niemals wieder etwas in Deutschlang gekauft.

H. Hoffmeister
1 Stunde her

Herr Kolbe, wir werden von einer unterstklassigen, destruktiven Obrigkeit „regiert“, die den Harakiri- Dreiklang „Klimaschwachsinn, Weltsozialamt, Killerbürokratie“ der Vorgänger – begleitet von Monsterschulden – ohne Abstriche beibehält. Allerdings muss man einräumen, dass dies von der Mehrheit der Wähler so akzeptiert wird. Anders sind die Wahlergebnisse der letzten Jahre nicht zu erklären.

Fatmah
28 Minuten her
Antworten an  H. Hoffmeister

Dies wird nicht akzeptiert sondern die Bürger sind derart frustriert, das sie sich nicht mehr für Politik interessieren und nichts hören wollen. Das Wahlen nichts mehr verändern können und wir auf unabsehbare Zeit eine links sozialistische Regierung mit großteils vollkommenen Fehlbesetzungen in den Ministerien haben, macht die Sache auch für mich frustig. Es hängt der Mief der einstigen DDR in der Luft.

Peter Klaus
1 Stunde her

Anstatt die AfD doch wieder nur das ersehnte und daher herbeigerechnete Wirtschaftswachstum halbiert 🤣 Ober hängt dies irgendwie zusammen? Dafür wächst das Sondervermögen so rasant an, dass wir demnächst gar nicht mehr wissen werden, wohin damit.

Rosalinde
1 Stunde her

Wie kann man sich nur angeblich über Schulden freuen, wenn die Rückzahlung unsicher ist.
Sobald die Zinsen, abzulesen täglich am Bund Future, deutlicher steigen, ist der Crash am Anleihemarkt unausweichlich.

Enrico
1 Stunde her

Mein spanischer Kumpl wirft gelegentlich ein „Nada es para siempre!“ in pol. Diskussionen ein.
Nichts währt ewig. Auch nicht die Geduld der Bevölkerung und die anscheinend in Stein gemeißelte völlige Straffreiheit für eine irrlichternde rücksichtslose Politikerkaste.

roffmann
2 Stunden her

Die neue Langsamkeit , Rückbau , innehalten , ist bei vielen Bürgern angekomen . Sie denken die Zukunft neu ! Weniger kann mehr sein , zu viel ist Sünde ! Lass die Anderen mal machen , wir warten auf die neue Zuteilung aus dem Sondervermögensschatz.