Die ARD verkauft eine Debatte über den Sozialstaat und liefert doch nur das nächste gebührenfinanzierte Täuschungsstück. Migration, Sozialmissbrauch und Schieflasten werden verharmlost, Zahlen entkernt, Kritik weichgespült.
Screenprint: ARD/Die 100
Am Mittwoch veröffentlichte die ARD eine neue Folge von „Die 100 – was Deutschland bewegt“. Das Format fiel in der Vergangenheit konsequent durch massive Transparenzmängel auf. Heißt, dass Politiker ohne Kennzeichnung sich an der Debatte beteiligten, um so ihre Parteilinie, als Kandidat getarnt, einfließen zu lassen. Dafür erntete das Format „Die 100“ im Netz massiv Kritik. Dazu bewiesen die Macher kein glückliches Händchen bei der Themenauswahl. Es ging um Fragen wie „Ist Deutschland zu woke?“, oder inwiefern Trump und die AfD die Demokratie gefährden.
Die neue Ausgabe widmet sich der Frage: „Können wir uns diesen Sozialstaat noch leisten?“ Dazu treten 49 Frauen, 50 Männer und eine diverse Person im Alter von 18 bis 75 Jahren an, um über diese Frage zu diskutieren. Moderator Ingo Zamperoni weist darauf hin, dass die Kandidaten nicht repräsentativ ausgewählt wurden. Offenbar ist das bei der Anstalt auch nicht gewünscht, denn während des Auswahlverfahrens werden dezidiert Meinungsbilder der Bewerber abgefragt. Ginge es um eine repräsentative Auswahl, müsste anhand soziodemografischer Daten gecastet werden. Allerdings würde dies dazu führen, dass überwiegend bürgerlich-konservative Meinungen vertreten wären, da der Bundesdurchschnitt ein analoges Wahlverhalten abbildet.
Inszenierte Debatte
Anna Planken vertritt in dieser Folge die Contra-Haltung, die dafür plädiert, dass der derzeitige Sozialstaat möglicherweise eines Tages nicht mehr finanzierbar sein könnte. Die Pro-Fraktion wird mit Argumenten von Till Nassif versorgt, die sich teils aus sehr linken Punkten, wie einer Anhebung der Vermögenssteuer, sowie miserabel recherchierten Zahlen zur Erbschaftssteuer speisen. Anhand der Vorträge von Planken und Nassif sollen sich die Teilnehmer auf dem Spielfeld platzieren, um so ihrer Zustimmung oder Abneigung zu einzelnen Argumenten Ausdruck zu verleihen.
Nach den jeweiligen Vortragsrunden fragt Zamperoni die Gründe bei den Kandidaten ab, wieso sie ihre jeweilige Position auf dem Spielfeld bezogen haben. Teilweise sind die Einlassungen der Teilnehmer unfreiwillig komisch, da sie offenbaren, wie wenig informiert einige zu den entsprechenden Themenbereichen sind. Oder eben, wie mit Worthülsen hantiert wird, ohne zu wissen, was diese eigentlich bedeuten. So bringt der Bundessprecher der BAG Palästinasolidarität von „Die Linke“ hervor, dass es bei Arbeit nicht zwingend um Entlohnung und damit um Steuerabgaben für die Sozialsysteme ginge: „Es gibt Menschen, die machen ‚Self Care‘-Arbeit, die unbezahlt ist“.
Self Care bedeutet Selbstfürsorge, die der eigenen mentalen und physischen Gesundheit dienlich ist. Falls Vertreter von „Die Linke“ mittlerweile dafür plädieren, dass Yoga und Meditation staatlich subventioniert werden sollten, müssten die verbliebenen Steuerzahler in einen Generalstreik eintreten. Zamperoni lässt das Statement so stehen.
Die Folge plätschert über einen großen Teil in Hohlphrasen daher. Möglicherweise, weil die Kandidaten keinen blassen Schimmer davon haben, dass sich mittlerweile eine ganze Betrugsindustrie in Deutschland ausgebreitet hat, die sich die Sozialkassen zur Beute macht.
Als es gegen Ende um Migration geht, erwacht die Debatte aus ihrer quälenden Langeweile. Nun ist es an Anna Planken, das heikle Thema Zuwanderung in die Sozialsysteme weichzuspülen.
Ohne linken Disclaimer geht es bei dem Thema nicht
„Um das hier an dieser Stelle klar zu machen. Es ist selbstverständlich, dass Menschen, die zu uns fliehen, hier versorgt werden ordentlich und ordentlich integriert werden,“ so Plankens Beipackzettel, um das Thema einzuläuten. Interessant ist an ihrer Formulierung, dass sie von Integration im Passiv spricht, als sei es Aufgabe der autochthonen Bevölkerung, Millionen Menschen zu integrieren.
Heißt, dass Migranten schlichtweg keine Bringschuld haben, folgt man den Ausführungen der ARD-Frau. Planken bezeichnet die letzten Jahre als einen Stresstest für unser Sozialsystem, da zu wenige der Zugewanderten die Sozialsysteme mitfinanzierten. Anhand einer Grafik wird illustriert, dass 47 Prozent der Bürgergeldempfänger keinen deutschen Pass haben.
Leider versäumt es Planken, die Zahl in Relation zu stellen, da der Ausländeranteil in Deutschland bei rund 15 Prozent liegt, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Dies wäre an der Stelle zwingend notwendig gewesen, um zu verdeutlichen, dass überproportional viele Ausländer Transferleistungen beziehen.
In einem Einspieler erklärt der CDU-Bürgermeister aus Hagen, Dennis Rehbein, dass er sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorge. Dies, weil Sozialleistungen von großen Gruppen bezogen werden, die bisher nichts in die Kassen gezahlt hätten. Ein letzter Funken Restrealität, der umgehend neutralisiert gehört.
Anschließend argumentiert Nassif gegen die Plünderung des Sozialstaats durch Migranten. Es müsse bei der Erbschaftssteuer angesetzt werden. Dazu wird ein satirisches Bild eingeblendet, welches einen Industriellen zeigt, der seinem Arbeiter erklärt, dass der Migrant ihm einen Keks, der Wohlstand symbolisieren soll, wegnehmen wolle. Gleichzeitig ist der Keksteller des Industriellen randvoll gefüllt. Dies spielt auf eine längst verhallte Debatte an, als es hieß, dass Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen würden. Die Argumentation hinkt insofern, da Planken zuvor thematisierte, dass es sich Migranten im Bürgergeld bequem machen. Dies wird durch die arbeitende Bevölkerung anhand hoher Abgaben finanziert. Nassif fährt fort und erläutert, dass die Reichen härter besteuert werden müssten, insbesondere mit Blick auf die Erbschaftssteuer.
In der folgenden Debatte über die vorgetragenen Punkte äußert sich ein Sportjournalist mit Migrationshintergrund, der einen Basketball-Podcast bei RTL hostet. Er meint, dass die Waffenexporte Deutschlands dafür ausschlaggebend seien, dass Millionen Asylanten in den letzten Jahren in deutsche Sozialsysteme eingewandert seien. „Wenn wir viele Waffen liefern, dann kommen auch unglaublich viele Menschen“, führt er aus. Deutschland müsse Kriege stoppen. Das würde auch die Sozialsysteme entlasten, so sein Standpunkt. Später erklärt ein ehemaliger Kandidat der Freien Wähler aus Dresden, dass seine Botschaft „Rente statt Rüstung“ laute.
Auch diese Folge „Die 100“ zeigt eindrücklich, dass die ARD schlichtweg nicht in der Lage ist, ein ansatzweise vernünftiges Debatten-Format umzusetzen, welches die Meinungsbilder der Gebührenzahler dieses Landes widerspiegelt. Was hilft eine „Debatte“ über eine etwaige Reform eines Sozialstaats, wenn der massenhafte Sozialbetrug nicht in seinen Auswüchsen konkretisiert wird? Bisher brachte keine einzige Folge auch nur irgendeinen Mehrwert und blieb frei von jedem Erkenntnisgewinn. Die ARD sollte „Die 100“ dringend einstellen.

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Letzter Absatz stimmt natürlich. Nur:
Die ARD wird das aus ideologischen Gründen niemals begreifen.
„Massenmigration als Waffe“, Kelly M. Greenhill,2016.
Ich verstehe, dass die Autorin ihrer Chronistenpflicht genügt und sich diesen Humbug aus beruflichen Gründen ansehen muss. Bei mir ist das anders. Ich vermeide seit Jahren jeglichen Kontakt mit dem deutschen Staatsfunk und schaue mir nichts, buchstäblich nichts von dem Schrott an, den die produzieren. Das hat meine Lebensqualität nachhaltig verbessert.
Ich dachte ein „Test“ sei ein Versuch ob die Eigenschaften oder die Leistung einer Sache oder einer Person den gewünschten Erwartungen entspricht. Das was sich in den letzten Jahren im Rahmen der Zuwanderung entwickelt hat, ist kein x-beliebiger Versuch welcher ohne Konsequenz bleibt und abgebrochen werden kann. Es ist eine geschaffene Realität, welche Auswirkungen für die Gesellschaft und den Sozialstaat hat. Wer in diesem Zusammenhang von einem „Stresstest“ spricht ist sich anscheinend der Verantwortung für die Gesellschaft kaum bewusst. 100 Ausgewählte von ca. 80.0000.000, geschenkt, verlorene kostbare Lebenszeit.
„Die ARD sollte „Die 100“ dringend einstellen.“
Nein, das passt schon. Bis zur Kenntlichkeit selbst entstellen.
Wir haben Karl Eduard Schmutzler gern zu Party’s laufen lassen.
„Wir sind ein reiches Land“ war immer das Ende-der-Diskussion-Argument der besten Menschen aller Zeiten, wenn es um die Asylanten ging. Jetzt sind wir pleite. Trotzdem leisten wir es uns, millionenfach auf die Rückführung von Abschiebepflichtigen zu verzichten. Kein Syrer muss ins Urlaubsland Syrien zurück, obwohl der Fluchtgrund weggefallen ist, Afghanen werden weiterhin eingeflogen, Resettlement geht weiter, kein angeblich Minderjähriger muss eine medizinische Altersüberprüfung über sich ergehen lassen, der längst verlorene Ukrainekrieg wird weiterfinanziert und millionen Ukrainer sinnlos alimentiert – als ob wir noch ein reiches Land wären. Gibt es eine Nachfolgebegründung für den ganzen Irrsinn? Weltwunder könnten wir erschaffen, wenn… Mehr
„Diplom-Verwaltungswirt, 57, in Pension“ – die Stützen der Gesellschaft also, die zu Wohlstand und Wertschöpfung bis ins vorgerückte Alter beitragen, kommen zu Wort. Nun denn, wem so viel Gutes wird beschert, der wird auch keinen Neid empfinden, wenn das Steueraufkommen nicht nur an ihn, sondern auch an andere Stützen dieses Landes großzügigst verteilt wird.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat den Stresstest 2011 zum Wort des Jahres gekürt. „Dieses Wort, ursprünglich aus der Humanmedizin stammend, begegnete im Laufe des Jahres auffällig oft. Es erwies sich dabei aus sprachlicher Sicht als äußerst produktiv und war in den verschiedensten Bereichen anzutreffen: Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen. Diese Praxis und somit das Wort erlangten dadurch politische, wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Relevanz. So ist Stresstest mittlerweile als fester Bestandteil der Alltagssprache anzusehen.“ Offenbar auch bei der ARD. Also: Immer… Mehr
Ich schaue mir seit 12/ 2020 keine ÖRR Sendungen mehr an. Aber das was Sie hier beschreiben, dass übertrifft an Einfältigkeit sogar den Fernsehfunk der DDR. Wie konnte es soweit kommen? Nur durch Ideologie! Und es ist eine Ideologie, basierend auf dem kollektiven linken Totalitarismus in der Tradition des Faschismus, Sozialismus, Stalinismus und Maoismus. Erschwerend kommt natürlich das desolate Bildungssystem als Brandbeschleuniger für das Abfackeln der eigenen Existenz hinzu. Wer nichts weiß und eine Wissensphobie entwickelt hat, den kann man hinter jede Fichte führen. Corona und die damit zusammenhängende Staatsgläubigkeit haben das sehr anschaulich bewiesen.
„Können wir uns diesen Sozialstaat noch leisten“ ? Da braucht’s keine Debatten, ein Gang ins Krankenhaus, in die Innenstädte, in die Schulen, nicht zu vergessen: die marode Infrastruktur. Sozialstaat ? Aber nur für die aus aller Welt so herzlich aufgenommenen Glücksritter. Deutschland ist am Ende, das weiss die ganze übrige Welt seit Jahren. Wozu über etwas reden, dass seit Jahren überall und offen sichtbar ist.