Es sollen Analysen sein bei Maischberger, aber es ist nur eine Mischung aus Phrasen, Widersprüchen und Selbstdarstellung. Dazwischen liegt ein Abend, der vor allem eines zeigt: wie sehr politische Debatten inzwischen zwischen Realitätsverweigerung, Inszenierung und billigen Sprüchen pendeln.
Screenprint: ARD / Maischberger
Die Journalistenrunde mit Ulrike Herrmann von der linksradikalen taz, Beatrice Achterberg von der NZZ und Theo Koll (ZDF) will die Wahl in Rheinland-Pfalz erklären. Auf die Frage, ob ihn das Ergebnis überrascht habe, sagt Koll: „Ehrlich gesagt ja.“ Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens; der Niedergang der SPD ist nun wirklich nicht mehr überraschend und war von allen Meinungsforschungsinstituten prognostiziert worden. Schnell sind die Ausreden da wie wirtschaftliche Unsicherheit, Reformdruck etc.
Auffällig ist dabei nicht nur, dass die Runde überrascht ist, sondern worüber sie überrascht ist. Eigentlich soll doch der Amtsbonus des regierenden Ministerpräsidenten ziehen, seine Persönlichkeit, Erfahrung. Was die Wähler entschieden haben, stört eher. Stattdessen wird das Ergebnis daran gemessen, ob es ins eigene Erwartungsbild passt.
Auffällig, wie schnell große Thesen gesetzt werden. Ulrike Herrmann erklärt, ein Land könne „nicht ohne Schulden regieren“, und führt den Niedergang der FDP im Kern darauf zurück, dass sie an der Schuldenbremse festgehalten habe. Tolle Analyse: Mit Schulden kann man Wähler kaufen; und das hochverschuldete Rheinland-Pfalz hat noch zu wenig Schulden? Wenigstens gebührt Herrmann der Verdienst, dass sie die Schäbigkeit der Schuldenmacher beschreibt. Und jetzt erwartet sie ernsthaft, dass die FDP mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann wieder auferstehen könnte. Frauen-Quote zählt immer.
Winkel spricht von „Reform-Lockdown“ und „Inhalts-Quarantäne“. Begriffe, die nach Entschlossenheit klingen, die Debatte dominieren, aber wenig erklären. Konkrete Reformen bleiben auch danach unscharf – das alte CDU-Problem seit Friedrich Merz: Wörter, denen keine Taten folgen. Außer, dass sie auf Kosten der Bürger, diesmal der Beitragszahler gehen, die bitteschön für weniger Rente noch viel länger arbeiten sollen, um den allgemeinen Staatsluxus zu finanzieren.
Konkret wird es nur kurz und dann wird es auch unangenehm. Beim Thema Rente, die für Winkel nur eine Belastung seiner strahlenden Generation ist, donnert Karl-Josef Laumann, der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmer und Sozialminister in Nordrhein-Westfalen. Laumann spricht von Menschen, die 45 Jahre körperlich gearbeitet haben, von Schichtarbeit, von harter Belastung. Ein Moment, in dem die Debatte plötzlich greifbar wird, im Kontrast zu Menschen, die bis 25 studieren und im Homeoffice ein paar Jahre arbeiten.
Da lächelt hämisch Göring-Eckardt von den Grünen, die für arbeitende Menschen wenig übrig haben. Ihre Aussage, die gesetzliche Rente müsse für alle „einigermaßen auskömmlich“ bleiben, ist eine unfreiwillige Offenlegung. Denn „einigermaßen“ drückt Menschen in die Nähe der Armutsgrenze, die ihr Leben lang geschuftet haben und die fetten Diäten der Langzeit-Bundestagsabgeordneten und Bundestagsvizepräsidentin finanzieren. Dass die Rente aus eigenen Beiträgen kommt und bislang wenigstens halbwegs dem willkürlichen Zugriff der Politiker vom Schlage Göring-Eckardts entzogen werden sollte, ist ihr fremd. Und fremd sind ihr auch Physik und Energie.
Als ob das Scheitern nicht mit Händen zu greifen ist: Göring-Eckardt argumentiert für erneuerbare Energien und Unabhängigkeit, wenigstens CDU-Winkel für Wettbewerbsfähigkeit und Grundlast. Beim Begriff „Kernenergie“ wirkt es fast, als müsse Winkel ihn sich körperlich abringen nach Jahrzehnten politischer Dämonisierung auch durch seine Partei. Gleichzeitig zeigt sich: Die Realität hat diese Debatte längst überholt.
Diese Schieflage wiederholt sich am Beispiel Cem Özdemir, der trotz massiver Stimmenverluste so dringend zum neuen grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg ausgerufen werden soll. In der Runde wird ernsthaft die These vertreten, er habe nicht gewonnen, weil er ein Grüner sei, sondern „obwohl“. Dass Özdemir durch sein Abstimmungsverhalten alle grünen Positionen durchzusetzen verhalf – lästige Fakten, die in der Traumwelt stören. Mehr noch wird behauptet: weil er sich von zentralen Positionen seiner eigenen Partei entfernt habe.
Im Kern heißt das: Ein grüner Politiker ist dann erfolgreich, wenn er sich von grüner Politik distanziert. Das ist ein bemerkenswerter Befund. Dass damit indirekt eingeräumt wird, dass Teile der bisherigen Politik, etwa in der Energiefrage, eben nicht tragen, bleibt unausgesprochen. Aber natürlich drängt von Außen diese hässliche Realität unvermeidlich in das Studio und muss kleingeredet werden. „Wenn der Iran nicht verliert, hat er gewonnen, wenn die USA nicht gewinnen, haben sie verloren.“ Also brauchen die USA unbedingt den Sieg? Das kann ja heiter werden.
Denn Ulrike Herrmann geht noch weiter und zeichnet ein Bild, in dem der Iran faktisch die Kontrolle hat, während ihr die USA machtlos erscheinen. „Meine Prognose ist, dass der Iran die Supermacht USA in die Knie zwingen wird.“ Donald Trump sei „komplett machtlos“. Der Iran müsse gar nicht verhandeln: „Der sitzt da auf der Straße von Hormus und wartet, dass die Angebote kommen.“ Ist da wieder die Hoffnung Vater des Gedankens? Denn auch der Umgang mit Donald Trump folgt dem klaren Muster, das in deutschen Mainstream-Medien bis zum Erbrechen wiederholt wird. Er wird als beratungsresistent, überfordert und intellektuell dürftig beschrieben.
Gleichzeitig fällt der Satz, die amerikanische Wirtschaft stehe weit besser da als die deutsche. Irgendetwas scheint er ja doch verstanden und richtig gemacht zu haben. Und schon die nächste Falle für Scheinintellektuelle: Bei den Spritpreisen lehnt Ulrike Herrmann pauschale Entlastungen ab – „keine Gießkanne“. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Wie sieht eine zielgerichtete Entlastung konkret aus? Nur für grüne Chef-Fahrer? Brauchen wir eine Spritpreis-Senkungs-Berechtigungsüberprüfungsbehörde? Und dass fast alle anderen Länder um Deutschland herum einfach die Spritsteuern senken, um die Preiserhöhung nicht auch noch durch staatliche Gier komplett unerträglich zu machen: Das wäre ja wieder Realität.
Inhaltlich bleibt von Trump vor allem ein Bild: beratungsresistent, überfordert, getrieben von spontanen Eingebungen. Riechenhagen wirkt wie bestellt und liefert brav, was nachgefragt wird.
Statt Analyse dominieren persönliche Eindrücke. Und während zuvor bereits Theo Koll mit formelhaften Sätzen auffiel, folgt der nächste Versuch, Bedeutung zu erzeugen: „Du magst dich nicht für den Krieg interessieren, aber der Krieg interessiert sich für dich.“ Ein angebliches Trotzki-Zitat, das vor allem eines zeigt: wie große Worte hier die Analyse ersetzen sollen.
Da bleibt ein Nebensatz hängen: Ein Kameramann lässt während der Diskussion seine Kamera fallen. „Dem Kameramann geht’s gut“, sagt Maischberger – tatsächlich die ehrlichste, konkreteste Information dieses Abends.




Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
„Wenn der Iran nicht verliert, hat er gewonnen, wenn die USA nicht gewinnen, haben sie verloren.“
Genau so schaut’s aus: eben deshalb ist Trumps Irankrieg so dumm wie gefährlich. Für mich ist Trump DIE politische Enttäuschung des Jahrzehnts: lange Zeit schien der Frieden für ihn tatsächlich erste Priorität zu haben – und jetzt handelt er genauso dumm und brutal wie seine Vorgänger.
Das nur als Randbemerkung: hier wurde in einer insgesamt heillos einfältigen „Diskussion“ eher aus Versehen mal eine wichtige Wahrheit ausgesprochen – und natürlich in ihrer Bedeutung gar nicht erkannt.
Unabhängig vom Thema fiel auf, daß trotz grösserer Runde fast ausschliesslich bei KGE ständig frenetisch applaudiert wurde.
Bei den anderen blieben die Studiogäste quasi stumm.
Es schien so, als wäre die gesamte Grünen Fraktion im Raum.
Für wie dumm hält man die Zuschauer?
der bestens überversorgte Abgeordnete Winkel spricht von „Reform-Lockdown“ und meint damit nur Rentenkürzungen bei den Beitragszahlern. Große Töne, wie die Alten würden den Jungen die Zukunft rauben. Die Jungen werden einmal die Pensionen der Beamten und Abgeordneten zahlen müssen. Davon ist keine Rede.
Das 90 Milliarden Geschenk Ursula von der Leyens EU an die Ukraine wird Deutschland nur an Zinsen 700 Mios jährlich kosten. Bezahlen müssen dies die nachfolgenden Generationen. Selbst für den unwahrscheinlich Fall, dass die Ukraine den „Kredit“ zurückzahlen sollte, die Zinsen bleiben den EU Ländern. Kein Wort dazu.
KGE gesehen und schon hat der Fernseher reflexartig umgeschaltet. So was sollte sich kein vernünftiger Mensch antun. Dagegen ist die Hardcore-Kommunistin Herrmann sogar noch eine Augenweite.
Ein Land das Göring Eckardt als angebliche Politikerin im Bundestag sitzen hat und bei jedem Thema von einem Staatssender befragt wird, hat mit einem Demokratischem Land nichts mehr am Hut! Das sich das auch noch die Bürger dieses Landes gefallen lassen, zeugt von dem Zustand dieses Landes! Schon ab Merkel konnte ich mir diesen Mist nicht mehr Anschauen! Ich Ende somit mit den Worten des Universalgenies Göring Eckardt: „Der Atomstrom verstopft die Netze der Windkraftanlagen“! Im Grunde habe ich für dieses Land nur noch Verachtung übrig… Wie sagte Schopenhauer einmal: Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis… Mehr
Was erwartet man von einer Diskussion an der KGE beteiligt ist? Richtig, Null Komma Nix. Wirklich, es ist auch absolut sinnlos dieser Frau auch nur einen Satz zuzuhören.
Bla-bla … Die übliche eigenverantwortungsaverse Schuldsuche bei Dritten, und der unreflektiert obrigkeitsaffine Fokus auf den Staat, der alles richten können soll – im Kern das, was den Niedergang des deutschen Staates nun schon seit vielen Jahren ausmacht. dass die FDP mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann wieder auferstehen könnte 😀 … Aber so eine Hoffnung passt 1:1 zur medial indoktrinierten, allgemein verbreiteten geistigen, geschichtsverquastenden Verstrahltheit. Ein grüner Politiker ist dann erfolgreich, wenn er sich von grüner Politik distanziert. Ob der ‚erfolgreich‘ sein wird, wird sich erst noch zeigen müssen. Erstmal hat er nur eine Wahl knapp gewonnen. Und die Erfolgschancen sind, angesichts seinerseits… Mehr
„Er wird als beratungsresistent, überfordert und intellektuell dürftig beschrieben.“ Das nennt man klassisch Projektion des linken Lagers. Mehr haben sie nicht drauf!
Soso, einer der „Rentenwilden“ ist das. Offenbar besteht für TE die Krone an Wildheit und Rebellion darin, Deutsche, die 40 oder 50 Jahre gearbeitet haben – und ich meine gearbeitet, nicht in Wort und Schrift geschwafelt – um den wohlverdienten Ruhestand zu bringen. Bravo! Weiter so!
Und Herrn Winkels Generation wird, wenn sie auf die 50, 60 zugeht, ihre Rentenmeinung sowieso um 180° wenden. Schätze mal, dass Herr Winkel auch für Diätenerhöhungen stimmen wird, wenn er mal im BT angekommen ist.
„Reform-Lockdown“ und „Inhalts-Quarantäne“ genau und Nachts ist es kälter als draußen. Sonst noch was von diesem möchte gern Revoluzzer der Klingbeil CDU?