Unser hochstapelnder Kulturstaatsminister will der Tech-Industrie Geld abknöpfen und damit die klammen Kassen seiner Kumpels in den Zeitungsverlagen auffüllen. Selten hat jemand so plump versucht, private Medien zu korrumpieren.
picture alliance / AAPimages/Panckow
Ein schickes Wort für den dreisten Plan gibt es auch schon: Plattform-Soli. So heißt das bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer von der CDU, wenn die Regierung viel Geld bei den neuen Medien einsammeln will, um es sodann an die alten Medien weiterzureichen.
Spontane Eigentumsübertragung, sozusagen. Mit staatlicher Hilfe.
Die neue Quasi-Steuer für Tech-Konzerne wie Alphabet (Google, YouTube) oder Meta (Facebook, Instagram) soll „wahrscheinlich in Form einer zweckgebundenen Abgabe“ noch im laufenden Jahr kommen. So heißt es aus dem Hause Weimer. Unterstützung kommt von CDU und SPD. In der CSU sperren sie sich noch etwas.
Mit der „Digitalabgabe“ sollen die großen Plattformen ganz offen die Medieninhalte von Verlagen mitfinanzieren. Das soll „Wettbewerbsverzerrungen entgegenwirken“.
In Wahrheit ist es nichts anderes als die klassische Quersubventionierung.
Formaler Vertuschungsversuch
Es stimmt: Die Tech-Konzerne aus den USA zahlen zu wenig Steuern bei uns. Aber nur, weil die EU es nicht schafft, funktionierende Steuergesetze zu schreiben.
Die Konzerne hinterziehen ja keine Steuern. Sie vermeiden sie – dort, wo es juristisch möglich ist. Jeder vernünftige Unternehmer tut das. Und die EU, Deutschland immer vorneweg, hat dafür alle Tore weit geöffnet.
Irland zum Beispiel profitiert sehr davon, dass seine nationalen Steuergesetze für die Konzerne so günstig sind, dass sie auf der grünen Insel ihren EU-Firmensitz angemeldet haben. Daran ist nichts illegal. Die EU ist einfach zu uneinig oder zu doof. Oder beides.
Oft heißt es, die Konzerne würden „Heerscharen an hochbezahlten Anwälten“ beschäftigen, die sich nur damit beschäftigen, die Steuerlast für ihre Arbeitgeber so niedrig wie möglich zu halten. Ja und? Die EU beschäftigt Heerscharen an hochbezahlten Beamten, deren Job es wäre, diese Steuerlast zu erhöhen (wenn man das denn will). Die können sogar Gesetze vorschlagen und schaffen es trotzdem nicht. Das kann man schwerlich den Konzernen in die Schuhe schieben.
Unsere Politiker weinen Krokodilstränen, weil die Tech-Konzerne zu wenig Steuern zahlen. Doch Schuld daran sind allein die Politiker – dieselben, die jetzt so publikumswirksam rumheulen.
Inhaltlicher Blödsinn
Die Einnahmen aus einer möglichen deutschen Digitalabgabe sollen den deutschen Verlagen zugutekommen. Denn die, hören wir immer wieder, leiden so schrecklich unter der Konkurrenz aus den USA.
Tja. Geliefert wie bestellt.
Über Jahrzehnte hatten sich die Verleger daran gewöhnt, so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken zu haben. Zeitungen und Zeitschriften waren ein blendendes Geschäft.
Man war so satt und selbstzufrieden, dass man die Digitalisierung nicht ernstgenommen hat. Als sie kam und sich durchsetzte, war man hilflos. An strategisches unternehmerisches Denken und Handeln war man nicht mehr gewohnt. Man war ja ewig auch ohne ausgekommen.
Dann holte man irgendwelche externen Berater und ließ sich von denen einreden, es sei eine gute Idee, Inhalte im Internet kostenlos anzubieten. Das machte zwar die Berater reich, aber die Verlage immer ärmer. Übrigens waren es dieselben Berater, die den Verlegern später dann einredeten, man solle es doch bitteschön zwecks Kostenreduzierung mit so wenig Journalismus (und so wenig Journalisten) wie nur irgend möglich probieren.
Das hat dann noch mehr Publikum vertrieben.
Jetzt ist die Not groß. Jetzt will man die geschäftstüchtige, technikaffine Konkurrenz aus den USA dafür in Haftung nehmen. Jetzt sollen Alphabet und Meta die Löcher in den Verlagskassen stopfen, die die Verlage mit ihrer eigenen Dummheit gerissen haben.
Doch mal ganz ehrlich: Was können die Tech-Konzerne in den USA dafür, dass die deutschen Zeitungszaren das Internet und überhaupt die Digitalisierung verschlafen haben?
Politische Anbiederung
In dieser Lage sieht nun eine mediokre Gestalt wie Wolfram Weimer die Chance, sich als weißer Ritter und Retter seiner alten Kumpels in den Verlagen aufzuspielen.
Weimer hat, wie inzwischen umfassend bekannt, in seiner eigenen Zweitexistenz als Kleinunternehmer eine ausgeprägte Neigung zu staatlichen Subventionen gepflegt. Denselben Glauben an die segensreiche Wirkung von Planwirtschaft beweist er jetzt wieder.
Das ganze Spektakel liegt demokratietheoretisch und aus Sicht unseres Grundgesetzes irgendwo zwischen zweifelhaft und anrüchig. Staatliche Förderung für private Medien schafft automatisch und unweigerlich eine höchst bedenkliche Verquickung von journalistischen und politischen Interessen.
Wenn das Überleben eines Verlags von den Subventionen einer Regierung abhängt – welche Folgen hat das wohl auf die Berichterstattung dieses Verlags über diese Regierung?
Weimer nimmt den Mund gewohnt voll. Außer mit der Digitalabgabe droht er den Tech-Unternehmen auch noch mit dem Kartell-, Medien- und Jugendschutzrecht. Das ist selbst prominenten Parteifreunden mittlerweile unangenehm.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und sogar der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, warnen davor, dass neue, zusätzliche Belastungen für US-Konzerne den ohnehin angespannten Zollstreit mit den USA nur unnötig anheizen dürften.
Zwischen Selbstüberschätzung und Größenwahn
Für den Fall, dass das mit dem Plattform-Soli doch nichts wird, hat der Kulturstaatsminister ein zweites Eisen im Feuer: Er fordert neue, europäische Eigentümer für TikTok.
Wünsch‘ dir was mit Wolfram Weimer.
Der CDU-Mann und Freund von Kanzler Friedrich Merz fantasiert von einer EU-Lösung für den chinesischen Konzern nach dem Vorbild der USA. Dort zwang Donald Trump den TikTok-Mutterkonzern ByteDance aus Peking dazu, 80 Prozent des US-Geschäfts an ein Konsortium unter US-Führung zu verkaufen. ByteDance hält nun nur noch eine Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent.
Das freilich funktionierte nur, weil der US-Präsident äußerst glaubhaft damit drohte, TikTok in den USA kurzerhand zu verbieten, falls die Eigentümerstruktur nicht nach seinen Wünschen geändert wird.
Wir stellen uns nun vor, wie sie in China vor den Drohungen eines Wolfram Weimer zittern. Räusper.
Simulation von Politik
Das – wie alles andere – entstammt dem Drehbuch, dem die gesamte Kanzlerschaft von Friedrich Merz folgt.
Es ist die Vortäuschung von Aktivität. Es ist der Ersatz von echten Problemlösungen durch vage Problemlösungsvorschläge (die nicht den Hauch einer Chance haben, jemals umgesetzt zu werden). Es ist die schamlos zur Schau gestellte Selbstüberschätzung.
Wolfram Weimer ist in der Politik dasselbe, was er auch als Geschäftsmann ist: ein Simulant.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Eine Handvoll Verlage sind eben deutlich leichter zu steuern, als all die content-Provider der sozialen Medien. Bei den Verlagen reicht es, wenn Radaktion und Personalabteilung rot-grün besetzt sind, die sind abhängig von Zugang zu Interviewpartnern aus Politik und Prominenz, von Werbeverträgen mit all den woken „Werbepartnern“ über die noch wokere Werbeagenturen entscheiden, etc. Man sieht ja wie die wenigen „konservativen“ Verlage ungleich behandelt werden, verglichen mit der generell links-grünen „alten“ Medienlandschaft. Das ist nichts anderes als Einflussnahme z.T. seitens der Regierung, aber mehr noch von der selbsterklärten links-grünen „Elite“ die den öffentlichen Diskurs diktieren will, und das auch in weiten… Mehr
Ähnliche läuft es mit der West Europäischen, insbesondere deutschen Geld- 💰 und Leistungs- Elite, ein “ brain drain“, wandert aus CDU- GRÜN – SPD Deutschland aus.
Ich treffe immer öfter und immer mehr gebildete und wohlhabende Ur- Deutsche im Ausland an, die aus Frust wegen ROT- GRÜN – SCHWARZ in andere Länder ausgewandert sind .
Was in Germoney übrig bleibt, das sind die noch Werktätigen, die Immigranten, die Sozialhilfe Bezieher, ….
„Soli“ steht übrigens für Sozialfaschismus. Ach wenn die nur überall derart kompetent wären wie darin, dann gäbe es noch Hoffnung für .de.
Ich denke, Herr Weimer und seine Weimer Media Group sind nichts anderes als ein deutscher Abklatsch der Machenschaften des Mr. Epstein. Seine Firma hat gegen Geld Zugang zu Ministern auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel angeboten, dass ist nichts anderes als eine Auktion von Menschen. Da wundert mich sein sozialistischer Umverteilungswahn bei den Medien auch nicht mehr.
Die EU beschäftigt Heerscharen an hochbezahlten Beamten, deren Job es wäre, diese Steuerlast zu erhöhen (wenn man das denn will). Will man ja, und macht man – halt für die eigenen Bürger, die man, leider – und leider völlig unbehelligt – sedieren, ablenken und mit inflationierendem 2erlei Maß malträtieren kann; der ‚Plattform-Soli‘ fügt sich da gut unter ‚ablenken‘ ein. Im übrigen kann jedes Altmedium diese Plattformen doch nutzen, und tut es´. So what? Vielleicht sollte man altmedienseits einfach mal über die eigene Strategie zur Nutzenziehung nachdenken, die offensichtlich kontraproduktiv ist. – Wenn Herr Weimer sich in diesem Sinne, und gerade… Mehr
An dem ÖRR sieht man, dass Geld keine Garantie für Qualität ist. So ist der ÖRR eine Jobmaschine für Menschen, die im normalen Leben in der Kreisklasse spielen würde. Was diese Leute aber gut können, ist ihren Gönnern zu Willen zu sein. Der zweite Punkt ist, dass Politiker einfach die Nachrichten-Konkurrenz boykottieren. Win-Win. Zum einen ist gesichert, dass keine allzu frechen Fragen gestellt werdenden, zum anderen ist es ein Monopol für den Sender, der dieses Monopol der Selbstdarstellung von Politikern obendrein als Qualität verkauft. Können sie sich erinnern, ob man einen Herrn Scholz nach seiner Erinnerungsfähigkeit befragt hat? Unsere Politiker… Mehr
Die neue Quasi-Steuer für Tech-Konzerne….find ich super da diese hier viel verdienen aber kaum steuern zahlen*. Das geld sollte aber sinnvoll eingesetzt werden zb die mittelschicht steuerlich entlasten. *Die großen US-Digitalunternehmen wie Alphabet (Google, YouTube) und Meta (Facebook, Instagram) zahlen im Verhältnis zu ihren hohen Umsätzen und Gewinnen in Deutschland vergleichsweise wenig Steuern. Hier sind die Kernfakten zur steuerlichen Situation: Niedrige Steuerzahlungen: Berichten zufolge erzielt Google in Deutschland Umsätze von geschätzt rund 12,5 Milliarden Euro pro Jahr, zahlt aber vermutlich nicht mehr als 50 Millionen Euro Steuern – was einem sehr geringen Steuersatz entspricht. Ähnliches gilt für Meta. Steuerstruktur: Die… Mehr
Umerziehungsmedien gehen in der Tat nur zwangsfinanziert.
Man könnte nun als Herausgeber von Presseerzeugnissen dem Markt stellen, saubere journalistische Arbeit anbieten, zielgruppenorientiert arbeiten, wahr berichten und getrennt davon kommentieren.
Oder man hört auf zu jammern und findet sich damit ab, dass das eigene Medium von der Käuferschaft abgelehnt wird, und sucht sich ein anderes Metier.
Zwangsfinanzierung durch die Hintertür ist eine perfide Taktik, das schafft keine Märkte. Das merken jetzt auch die anderen Anbieter in „herbeisubventionierten“ Märkten.
> Die neue Quasi-Steuer für Tech-Konzerne wie Alphabet (Google, YouTube) oder Meta (Facebook, Instagram) soll „wahrscheinlich in Form einer zweckgebundenen Abgabe“ noch im laufenden Jahr kommen.
Hat Trump nicht derartige Steuer strikt abgelehnt? Wie mag er reagieren, wenn Buntschland sich doch noch damit versucht?