Schuldenkrise: DIW-Chef Fratzscher will Goldreserven verkaufen

Deutschlands Schuldenspirale dreht sich schneller. Um die immer größeren Lücken flüchtig zu schließen, rät DIW-Präsident Marcel Fratzscher zum Verkauf von Goldbeständen der Bundesbank. Wir lernen: Sozialisten verscherbeln eher das öffentliche Tafelsilber, bevor sie auch nur ein Jota von ihrer Ideologie abweichen.

picture alliance / Metodi Popow | M. Popow

In der gegenwärtigen Bundesrepublik erinnert immer weniger an die erfolgreichen Nachkriegsjahrzehnte. Zu den immer selteneren Relikten dieser Zeit gehört die Deutsche Bundesbank, die den Nostalgikern unter uns als eine Art institutioneller Fels in der gegenwärtigen Brandung gilt. In ihren Tresoren ruht – gesetzlich bislang abgesichert und von ihrem Präsidenten Joachim Nagel medienstrategisch vor politischem Zugriff geschützt – der immense Goldschatz, der zweitgrößte unter den Notenbanken dieser Welt.

Dieser weckt regelmäßig politische Begehrlichkeiten. Aber auch die Europäische Zentralbank arbeitet im Hintergrund ohne Unterlass daran, die nationalen Goldreserven unter ihre Kontrolle zu bringen und so das fragile politische Konstrukt des Duos Brüssel-Frankfurt, der EU, die in zunehmendem Maße auf die Kreditabsicherung durch die EZB angewiesen ist, mithilfe des Edelmetalls abzusichern.

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Und so ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, einen Teilverkauf der Goldreserve fordert. Nach aktuellem Marktwert beträgt diese 440 Milliarden Euro – ein riesiges Sparschwein für Krisen, wie Fratzscher feststellt, der einen signifikanten Teil verscherbeln will, um die Berliner Schuldenmaschine mit frischer Liquidität zu schmieren.

Einmal verkauft, landet das Edelmetall dort, wo man sich der heraufziehenden globalen Schuldenkrise eher bewusst ist: in China, Russland und den USA. In Deutschland steigen die Staatsausgaben derzeit mit einer Wachstumsrate von beinahe sechs Prozent, die Nettoneuverschuldung dieses Jahr wird – kalkuliert man das Sondervermögen mit ein – bei etwa 4,5 Prozent liegen. Fratzscher dürfte daher nicht der Einzige sein, der nun fordert, das Tafelsilber zu verhökern. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch flankiert Fratzscher simultan mit der Idee, angesichts der klammen Haushaltslage die Schuldenbremse vorerst auszusetzen. Als hätte jemals eine tatsächliche Schuldenbremse Bestand gehabt! Sie war stets nicht das Papier wert, auf das sie gedruckt war – ein politisches Vehikel und ein Muster ohne Wert.

Fratzscher klingt im Übrigen wie eine kaputte Schallplatte, wenn er fordert, den Erlös des Goldverkaufs in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts zu investieren – jedermann weiß doch genau, dass jeder Euro in die Sozialetats fließen würde.

Was Marcel Fratzscher und das Heer deutscher Schulden- und Staatsapologeten mit dem Verkauf der Goldbestände bezwecken – eine kurzfristige Fiskalentlastung –, ist nicht nur kurzsichtig: Es entspricht einer Politik der verbrannten Erde und der zerstörten Brücken, die im Notfall einen Rückzug von der gegenwärtigen Politik erlaubten. Deutschland verlöre die Möglichkeit, eine eigene Währung zu emittieren und sich auf diese Weise auf einen eigenständigen Pfad zu bewegen.

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Der Tag wird kommen, an dem sich wachsende Teile der EU-Peripherie von der zunehmenden Zentralisierung der Macht, dem Öko-Interventionismus und dem Herd des Chaos in Brüssel emanzipieren. Wird Deutschland dazugehören? Fratzscher und Co. jedenfalls wollen gutes Geld (Gold) in die ideologische Pfütze des ökosozialistischen Umbaus werfen, um mit dem Verkauf des Tafelsilbers jeden Gedanken an eine Umkehr zur Vernunft im Keim zu ersticken.

Bei allem Respekt, geehrte Klimasozialisten und Zentralplaner: Bleiben Sie doch bitte Ihren Prinzipien treu und verfeuern Sie weiterhin Monopoly-Geld. In Ihrer Fantasiewelt ergibt eine staatliche Goldreserve ebenso wenig Sinn wie eine stabile Energieversorgung. Keynesianisch-sozialistisch geprägten Ökonomen wie Marcel Fratzscher fehlt der intellektuelle Zugang zur universellen Bedeutung einer Goldreserve. Regelbasierte Politik, die Bindung staatlicher Ausgaben an einen echten, nicht manipulierbaren Deflator wie Gold, steht dort im selben Ruch wie der freie Markt als überlegener Steuerungsmechanismus.

Für sie zählt der schnelle Reflex, der unmittelbare Liquiditätseffekt, den ein Goldverkauf erzielt. Es wird alles dafür getan, die Schuldenpolitik in die Zukunft fortzuschreiben, ungeachtet dessen, was danach folgt. Ihr Verhalten erinnert an das Verantwortungsbewusstsein kleiner Kinder, denen man die Einteilung eines Schokoriegels anvertraut hat – trainiert für ein Leben ohne persönliche Konsequenzen.

Ganz gleich, was geschieht, wenn die Reserven einmal aufgebraucht sind: Berlin operiert mit dem historischen und zeitlichen Horizont unreifer Ideologen. Fiskalisches Denken ist auf den unmittelbaren Effekt ausgelegt, Schulden sind Abgaben, die andere in der Zukunft entrichten müssen – wenn man sich selbst längst mit seiner Pension aus dem Staub gemacht hat.

Es ist mitnichten eine zufällige Tendenz, dass Gold wieder verstärkt in den Fokus der Zentralbanken gerückt ist. Diejenigen unter den Hütern des Fiatgeldes, die über einen robusten Goldbestand verfügen, halten mit ihm ein Faustpfand für einen möglichen monetären Neustart in der Hand. Die Goldreserve wäre der Wellenbrecher – in den Sturmfluten des Übergangs. Scheitern fragile Experimente, wie das Eurosystem, eröffnet sich so die Option der Einführung einer souveränen goldgedeckten Währung. Die Bundesbank zählt übrigens zur Spitzengruppe der Notenbanken mit den größten Goldreserven der Welt. Sie belegt hinter den Vereinigten Staaten und vor Italien und China den zweiten Rang – ein Schwergewicht in der Geldpolitik, das im Schatten der EZB verbleibt.

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Es wäre tragisch, erhielten Fiskalhazardeure wie Marcel Fratzscher oder Finanzminister Lars Klingbeil Zugriff auf diese letzte nationale Reserve in einem Land, in dem der Regelbruch zur politischen Normalität geworden ist, wie auch die Politik der offenen Grenzen, die das Schuldenproblem Deutschlands um ein Vielfaches erhöht.

Wird Gold in der Zukunft wieder verstärkt als international handelbares Kollateral in das Finanzsystem integriert, worauf vieles derzeit hindeutet, zählte Deutschland zu den geldpolitischen Riesen. Eine neue Bewertung des Goldes würde die Bilanzschäden der Bundesbank reparieren, die im Zuge der Zinswende und der dramatisch gefallenen Anleihekurse akkumuliert wurden.

Nach dem Verkauf seines Bitcoin-Bestands von über 50.000 Einheiten vor zwei Jahren ist das Gold der Bundesbank die letzte Brücke, die Deutschland in der Zukunft aus dem Fiat-Geldsystem herausführen könnte. Diese Reserve besitzt daher aus nationaler Perspektive gesehen absolute Priorität. Rechnen wir also damit, dass der Sturmlauf der Sozialisten gegen diese letzte Bastion nationaler Souveränität in Kürze beginnen wird.

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Kommentare ( 85 )

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OJ
19 Tage her

Die Goldreserven der Deutschen in USA, lächerliche 160 Milliarden Euro.
Lieber Friedrich, lieber Lars, geht an das Ersparte der Deutschen ran, über 10 Billionen Euro warten regelrecht auf euch.
Rupft dem Deutschen die letzte Feder, dieses Huhn wird sowieso nicht schreien❗

Nibelung
19 Tage her

Ohne Deckung durch Goldreserven sind die Währungen seit 1971 über den Geistesblitz Nixon nichts mehr wert und wer sagt uns denn, ob das der letzte Griff in die Ladenkasse war, wenn man die Klunkerchen der Holden in den einzelnen Haushalten kennt und die private Sammelleidenschaft der edlen Masse hinzu kommt, wo man sich im Ernstfall gütlich halten kann. Das alles hat doch dazu geführt, indem man unbegrenzt Dollarnoten drucken konnte, ohne die Sicherheit eines Gegenwertes zu besitzen und das wirkt sich äußerst negativ auf unser gesamtes Geldwesen aus, weil der Wert zur Ware nicht mehr eingrenzbar ist und zur unendlichen… Mehr

Neutrino
20 Tage her

Nach diesem ewig langen und sehr emotionalen Artikel habe ich immer noch nicht verstanden, warum das Gold jetzt so extrem wichtig sein soll. Ich musste danach selbst recherchieren. Mein Eindruck: Der Autor hat es vielleicht auch nur halb verstanden. Ja, Gold kann für die Bundesbank eine Rolle spielen. Es ist ein realer Vermögenswert und kann in schweren Finanzkrisen Vertrauen schaffen. Auch theoretisch könnte ein höher bewerteter Goldbestand die Bilanz der Bundesbank optisch verbessern. Aber genau hier liegt das Problem: Das löst keine realen Haushaltsprobleme. Eine bessere Bundesbankbilanz bedeutet nicht automatisch mehr Geld für den Staatshaushalt. Der Staat kann damit nicht… Mehr

Markus Gerle
19 Tage her
Antworten an  Neutrino

Das sehe ich ähnlich. Deutschland und die EU werden niemals wieder zu einer harten Währung, die auch noch durch Gold gedeckt ist, zurückkehren. Viel zu groß ist für unsere unseriösen Politiker der Anreiz, sich durch Geldentwertung zu bereichern. Ich letzter Absatz trifft meiner Meinung nach den Punkt. Bei Au unterscheide ich zwischen zwei Arten. Zunächst einmal das Papier-Au, das man an der Börse handeln kann (o. k., XETRA-Au z. B. ist nicht nur Papier, sondern durch einen physischen Bestand gedeckt). Au in dieser Form eignet sich zum kurzfristigen Anlegen bzw. Trading. Aber ich möchte mal behaupten, dass gerade unter den… Mehr

Aliena
20 Tage her

rien ne va plus – nichts geht mehr.
Sollen die Quacksalber doch nun endlich Ruhe geben. Es gilt den Staat Deutschland zu retten, und nicht die Utopisten, die sich eh‘ nur bereichern und nie für ihre Fehlentscheidungen bzw. falsche Beratungen zur Rechenschaft gezogen werden.

Schmidtrotluff
20 Tage her

Dummheit hat einen Namen und ein Gesicht. Die Goldreserven gegen wertloses Papier zu tauschen, wäre die finale und letale Übung des Hans im Glück.

Wilhelm Rommel
20 Tage her

Ach nee, der Herr möchte an die Goldreserven ran! Was für ein Glück dass so gewisse goldene Löffelchen, wie sie in der Berliner Filterblase zunehmend als Requisit jeder Jackett-Tasche zu fungieren scheinen, nicht vom Verkauf betroffen sein werden…

Helfen.heilen.80
20 Tage her

Fratzscher hat m.E. mit seiner einschlägigen Agitation für die Green economy als „neuem Innovationszyklus“ lange und laut genug auf falsche Pferd gesetzt. Wer in seinen gesellschaftlichen Zukunftsplänen und in folge einer dogmatischen Unbeirrbarkeit darartig daneben liegt, hat in meinen Augen seine Reputation verbraucht.
Dieses flagrante Versagen, diese Fehleinschätzungen was die Möglichkeiten der Bevölkerung angeht, empfiehlt ihn keineswegs dazu, sich auch noch dem Thema der deutschen Goldbestände anzunehmen. Darum sollten sie bessere kümmern, keine roter Umverteilungs-Zentralplaner.
Schade dass sich in der CDU niemand findet, der ihn einmal abbremst. Aber deshalb geben sie ja konstant Prozentpunkte ab…

Leroy
20 Tage her

Dieser Fratzscher ist ein Pfeife und Dummschwätzer. Egal was er rät, es ist immer das Falsche.

ralf12
20 Tage her

Respekt, 440 Milliarden. Da kann der Merz viele schöne waffen im die Ukraine liefern, da ist solch popliger 90 Mrd. „Kredit“ nicht mehr nötig. Einen Teil des Goldes sollte er aber direkt in die Ukraine liefern, damit dort auf den kleinen Dienstweg die Klos vergoldet werden können.

DDRforever
20 Tage her
Antworten an  ralf12

Geht leider nicht mehr, die sind längst aus Platin. Aber vielleicht reicht es dann auch für die Gefreiten für eine Villa in Südfrankreich.