Profitable Schiffsmotoren-Sparte wird für gescheiterte E-Auto-Strategie geopfert

VW verkauft im Überlebenskampf seine profitable Schiffsmotorensparte von Everllence. Im Rumpfkonzern werden wohl nur noch unverkäufliche E-Autos und die hochsubventionierte Militärsparte übrig bleiben.

IMAGO / Revierfoto

Tief, zu tief in den Niederungen der grünen Transformation angelangt, müssen wir konstatieren: Viele Mitbürger – dabei ist es einerlei, ob es sich um Firmenchefs oder deren Belegschaften handelt – werden diesen Transformationsprozess ins Nichts in einem Zustand ungläubigen Staunens und wachsenden wirtschaftlichen Schmerzes erdulden müssen. Ob aus dem massiven wirtschaftlichen Schaden, der inzwischen entstanden ist, die richtigen Lehren gezogen werden, bleibt höchst fraglich.

Bislang finden zu wenige Vertreter der Wirtschaft und der ebenso hart getroffenen Gewerkschaften zurück auf einen Pfad der wirtschaftlichen Vernunft. Die Überzeugung der Notwendigkeit, wirtschaftliche Prosperität in Deutschland zu verteidigen, ist schlichtweg noch immer nicht vorhanden. Noch dominieren windige Politiker und der unseriöse Medienapparat den öffentlichen Diskurs, wenn es um Fragen der Klimapolitik und der Ökonomie geht.

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Und zum wiederholten Male ist es Volkswagen, der Krisenkonzern unserer Zeit schlechthin, der diese Beobachtung eindrucksvoll untermauert, die er selbst durch seine Geschäftspolitik bestärkt. Volkswagen ist genau aus dem Grunde emblematisch für die Transformationskrise unserer Ökonomie, da der Konzern, in dem auch die Landespolitik mit am Tisch des Aufsichtsrates sitzt, einer der Vorreiter der grünen Energiewende sein sollte. Die Lehre, die jedermann aus der gegenwärtigen Krise ziehen sollte: Wer sich strategisch geblendet der Linie der Politik unterwirft, nur noch auf dauerhafte Staatshilfen vertraut, geht schneller in die Knie, als er es sich in seinen schlimmsten Albträumen vorstellen kann. Für VW gilt dies in besonderem Maße.

In Wolfsburg ist man nun gezwungen, angesichts des Einbruchs der E-Strategie in China und in Europa, erste Filetstücke des zerbröselnden Konzerns in hektischer Rettungsarbeit zu liquidieren. Weltweit brachen die Absätze von E-Modellen um 28 Prozent ein. Der Konzern investiert Milliarden in eine Strategie, die an der tatsächlichen Nachfrage scheitert. Und entgegen politischer Beteuerungen werden Unternehmen wie VW doktrinär in eine technologische Ecke gedrängt. Selbst milliardenschwere Kaufprämien, das Verbrennerverbot und die systematische steuerliche Benachteiligung von Hybridmodellen gegenüber den E-Autos konnten bislang keinen nennenswerten Markt erzwingen.

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Offensichtlich ist die ökonomische Realität doch komplexer, als man sich das in den Kreisen der Zentralplaner in Berlin und Brüssel vorzustellen vermag. Und da es unbestreitbar zu spät ist, das Ruder bei VW noch einmal umzuwerfen und sich gemeinsam mit der Automobilbranche und anderen hart getroffenen Sektoren der Industrie gegen Regulierungen wie das Verbrenner-Aus und die fanatische Klimapolitik zu stemmen, beginnt also der Ausverkauf profitabler Unternehmenssparten als Notlösung. Der zeitliche Horizont dieser Entscheidungen ist tatsächlich dabei noch kürzer als der korrespondierende Horizont politischer Entscheidungen, die sich ausschließlich an Wahlzyklen bemessen.

Mit der Firma Everllence versucht Volkswagen, seine Schiffsdieselmotorensparte zu veräußern – unbestreitbar ein Notverkauf in brenzliger Lage.

VW benötigt Liquidität zur Umsetzung seiner Verschlankungskur. In den kommenden Jahren soll der Konzern um bis zu 50.000 Mitarbeiter schrumpfen. Zudem muss die Umstellung auf die Produktion von Kriegsgerät gelingen, will man irgendwie im Geschäft bleiben und sich mit der gegenwärtigen politischen Strategie der Aufrüstung neue Geschäftsfelder erschließen.

Everllence konstruiert die weltweit größten Zweitakt-Dieselmotoren im maritimen Bereich. Ein nicht unerheblicher Teil des globalen Seegüterverkehrs wird mit diesen Motoren angetrieben – technologisch hochspezialisiert, strategisch unverzichtbares Ingenieurswissen in einer geopolitischen Lage, in der technologische und industrielle Schlüsselvorteile zunehmend an Bedeutung gewinnen.

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Für VW scheint sich die skandalträchtige Geschichte der Emissionswerte erneut zu wiederholen: Noch laufen in Japan Ermittlungen der Behörden im Zusammenhang mit möglichen Unregelmäßigkeiten bei Verbrauchs- und Emissionswerten. Im Raum stehen Vorwürfe der Manipulation, die sich noch nicht abschließend aufgeklärt haben. Entsprechend bleiben zentrale Haftungsfragen ungeklärt, und es wird über mögliche Milliardenrisiken diskutiert, die den laufenden Verkaufsprozess zusätzlich belasten könnten.

Im Zuge der geplanten Transaktion wird das Geschäftsfeld offenbar neu strukturiert. Von einem Verkauf von rund 51 Prozent der Anteile von Everllence ist die Rede. Potenzielle Bieter sind neben internationalen Finanzinvestoren wie Blackstone, CVC und Bain Capital auch industrielle Beteiligungsfonds aus dem Umfeld der Porsche SE. In diesem Falle werden niedrige zweistellige Prozentbereiche als Beteiligung diskutiert. Die Gesamtbewertung der Sparte wird in einer Größenordnung von etwa 5 bis 8 Milliarden Euro gesehen; die finale Angebotsrunde erfolgt im Juli dieses Jahres.

Erneut geht deutsches Ingenieurwissen verloren, der Standort blutet immer weiter aus – die Verfechter des Degrowth werden zum wiederholten Male die Sektkorken knallen lassen, während sich das Land zielsicher in eine Armutsspirale bewegt.
Die Lage beim Volkswagen-Konzern scheint indes wesentlich dramatischer zu sein, als es in der Öffentlichkeit bislang diskutiert wurde – profitable Unternehmenseinheiten in strategisch wichtigen Ingenieursegmenten würde wohl nur veräußern, wer bereits mit dem Rücken zur Wand steht.

Der Notverkauf von Everllence ist letzten Endes materieller Ausdruck des neuen ökologistischen Korporatismus deutscher Provenienz. Eine jede Ökonomie, ganz gleich wie stark ihr industrielles Fundament sein mag, wie tief verwurzelt kaufmännische Ethik und Werte sein mögen, muss unter dem Fallbeil ideologischer Verblendung und Überregulierung in die Knie gehen.

Dass zehntausende betroffene Familien der Volkswagen-Belegschaft, genauso wie die Hunderttausenden, die bereits ihre Existenz verloren haben, die Zeche für das größte ideologische Experiment seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu zahlen haben, ist tragisch. Doch letzten Endes ist es so: Der Green Deal in all seinen manischen Ausfransungen wurde über den demokratischen Prozess vor allen Dingen in Deutschland immer wieder bestätigt. Darüber zu klagen, erscheint also müßig.

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Kommentare ( 5 )

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drnikon
21 Minuten her

E-Auto ist nur eine Übergangstechnologie. 🙂 Danach ist VW nur noch ein Rüstungskonzern. 😉

Eugen Karl
59 Minuten her

Daß E-Autos unprofitable Ladenhüter sind, liegt ja allein daran, daß Verbrenner noch erlaubt sind. VW wird darauf setzten, daß herkömmliche PKW bald ganz verboten werden, dann bleibt den Leuten nichts anderes übrig als die Anschaffung von KFZ mit Elektromotor.

Last edited 58 Minuten her by Eugen Karl
Orlando M.
59 Minuten her

Was auch immer diesen extrem arroganten VWlern zustößt, es trifft die Richtigen! Die Firma, für die ich arbeite, hat VW einst einige Großanlagen (Investitionsgüter) angeboten und wir hatten das beste Angebot von allen Mitbewerbern. VW wollte den Vertrag mit uns, aber unter der Bedingung, dass wir als Unternehmen mit weniger als 300 Ma. den Produktionsausfall bei VW bezahlen, falls es mit der Anlage Probleme gibt. Irgendein junger BWL-Furz hatte das ausgeklügelt und wir haben es freilich abgelehnt. Den Zuschlag bekam dann eine Firma mit rund 1000 Ma., die können den Produktionsausfall auch nicht bezahlen, aber sich Anwälte leisten, die die… Mehr

alter weisser Mann
1 Stunde her

„Erneut geht deutsches Ingenieurwissen verloren, der Standort blutet immer weiter aus…“
Den Punkt sehe ich in der aktuellen Verkaufssache nur undeutlich. Die Finanzinvestoren werden Everllence vor einem eventuellen Weiterverkauf erstmal auf Ertrag trimmen, da geht gar kein nützliches Ingenieurswissen verloren und der Standort leidet auch nicht, wenn angesammeltes VW-Konzernfett abgeschmolzen wird. Vielleicht später beim Weiterverkauf.

Autour
1 Stunde her

Naja wenn diese Superduper Manager PERSÖNLICH für den Scheiss haften würden, den sie so tagtäglich verzapfen würde es bei VW anders aussehen…
Absolut lächerlich dass diese Raffsäcke sich die Taschen Vollstopfen und ABSOLUTE NARRENFREIHEIT geniessen…
Die sollten mit ihren Pensionsansprüchen haften und auch sonst …