Nordbrücke in Bonn gesperrt: Der Verkehrs-Kollaps in NRW geht weiter

Sofortige Vollsperrung der Rheinbrücke Bonn-Nord: Bei Untersuchungen wurden irreversible Schäden festgestellt. Über die Brücke führt die Bundesautobahn 565, die die A 61, A 555 und A 59 miteinander verbindet. Das Verkehrschaos ist vorprogrammiert.

picture alliance / imageBROKER | Thomas Robbin

Schock für die Brückenbauingenieure in Nordrhein-Westfalen: Bei aktuellen Prüfungen der Rheinbrücke Bonn-Nord (Friedrich-Ebert-Brücke) haben sie strukturelle Schäden am Tragwerk festgestellt. Die Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke seien irreversibel, heißt es.

Ihre einzige Lösung: sofortige Sperrung der Bonner Rheinbrücke. „Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar“, so Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH.

Schock auch für Nordrhein-Westfalen: Völlig überraschend und schnell wurde sofort ab 15 Uhr diese wichtige Bonner Rheinbrücke gesperrt. Laut Autobahn GmbH sind auch zwei Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost betroffen. Ebenso wird die A565 zwischen dem Dreieck Bonn-Nordost und dem Kreuz Bonn-Nord in Fahrtrichtung Koblenz gesperrt. Man kann nicht mehr von der A59 aus Köln und Königswinter kommend auf die A565 nach Koblenz fahren. Auch sämtliche Verbindungen vom Kreuz Bonn-Nord auf die A565 nach Siegburg sind gesperrt.

Wie lange? „Bis auf Weiteres“ gesperrt verheißt ja im Rheinland in der Regel nichts Gutes. Die Verkehrsmeldungen überschlugen sich am Nachmittag förmlich, die rot gefärbten Streckensperrungen nahmen beängstigend zu. Von jetzt auf gleich ist die wichtigste Ost-West-Verbindung für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, über die täglich rund 100.000 Fahrzeuge rollten, gekappt. Auch eine Art von Lockdown in Bonn.

Ein geplanter Neubau? Frühestens in den 2030er-Jahren. Damit wird das Verkehrsdesaster in Nordrhein-Westfalen komplett. Dies stürzt eine ganze Region am Tag vor dem Fronleichnams-Wochenende mit erhöhtem Verkehrsaufkommen in den kollektiven Stau. Es ist ein politisches und verkehrstechnisches Déjà-vu. Was die Pendler mitten im einsetzenden Feiertagsverkehr trifft, ist kein Einzelfall, sondern das Symptom eines systemischen Versagens der Landesregierung von NRW.

Das Muster hinter der Bonner Sperrung kennen wir: Nahezu identisch begann im Dezember 2021 das Desaster von Rahmede auf der Autobahn 45 bei Lüdenscheid. Auch dort mussten Ingenieure die 453 Meter lange und 70 Meter hohe Brücke von einer Sekunde auf die andere sperren. Die Lebensader der drittgrößten Wirtschaftsregion Deutschlands war blockiert, was zu jahrelangem Verkehrschaos, zerrissenen Lieferketten der regionalen Industrie und explodierenden Logistikkosten führte. Erst im Mai 2023 wurde die Brücke gesprengt, und die Region leidet bis heute unter den Folgen.
TE berichtete ausführlich.

 

Die Hintergründe zeigen bei beiden Bauwerken dieselbe Ignoranz gegenüber der Substanz. Die Brücken stammen aus den 1960er-Jahren und wurden für ein völlig anderes Verkehrsaufkommen dimensioniert. Der exponentiell gewachsene Schwerlastverkehr hat den Stahlbeton mürbe gemacht. Doch statt rechtzeitig zu handeln, wurde bei der Rahmedetalbrücke bereits ab 2014 ein eigentlich geplanter Neubau immer wieder nach hinten verschoben. Man verließ sich auf mathematische Restlaufzeiten – ein fataler Rechenfehler, der im anschließenden parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag als politisches Versagen offengelegt wurde.

Während nun in Bonn die wichtigste Verkehrsader kollabiert und Pendlern wie Anwohnern jahrelange Geduldsproben drohen, offenbart der Blick auf die kommunalpolitische Agenda eine bizarre Verschiebung der Prioritäten. Während im Hintergrund die fundamentale Infrastruktur des Landes buchstäblich zusammenbricht, ergeht sich die Politik vor Ort in kleinteiligen Debatten über die Erhöhung von Gebühren für das Anwohnerparken.

In weiten Teilen von NRW wird erbittert darüber gestritten, ob der Parkausweis nun 30 Euro oder, wie von der Deutschen Umwelthilfe gefordert, mehrere hundert Euro kosten soll, um eine „Lenkungswirkung“ zu erzielen.

Bonn ruderte in dieser Frage zuletzt zwar wieder zurück, doch das Paradoxon bleibt bestehen: Der öffentliche Raum soll durch Parkgebühren „gerechter verteilt“ und die Mobilitätswende vorangetrieben werden – zeitgleich bricht jedoch das Fundament dieser Mobilität, die rheinquerende Autobahnbrücke, krachend zusammen. Der Bürger steht im Stau einer gesperrten Autobahn, während das Rathaus darüber nachdenkt, wie viel Geld er für das Abstellen seines Autos vor der Haustür zahlen muss.

Die politische Verantwortung: Die Ära Hendrik Wüst

Diese Kette verkehrspolitischer Hiobsbotschaften führt zu einer Personalie, die heute an der Spitze des Landes steht: Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Bevor Wüst im Oktober 2021 das Amt des Regierungschefs in Düsseldorf übernahm, leitete er von 2017 bis 2021 als Verkehrsminister das Ressort, das für den Zustand dieser Straßen und Brücken zuständig war.

Genau in Wüsts Amtszeit als Verkehrsminister fielen die entscheidenden Jahre, in denen bei der Rahmedetalbrücke die Warnsignale der Fachabteilungen überhört und die Weichen für den rechtzeitigen Neubau nicht gestellt wurden. Auch der desolate Zustand der rheinischen Brückenbauwerke, wie der nun gesperrten Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn, war der Fachverwaltung damals längst bekannt. Im Februar galt in Bonn bereits ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen – ein finales Warnsignal, das die Katastrophe ankündigte.

Statt die Sanierung der maroden Brücken zur absoluten Chefsache zu machen und die Planungen mit Hochdruck voranzutreiben, sei das Ministerium unter Wüsts Führung von einer Verwalter-Mentalität gelähmt gewesen. Wüst selbst weist die Vorwürfe persönlicher Versäumnisse stets zurück und verwies im Untersuchungsausschuss darauf, dass die grundlegenden Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen der Behörden weit vor seiner Amtszeit, meist um das Jahr 2014, getroffen wurden.

Dennoch bleibt die Bilanz seiner Amtszeit als Verkehrsminister untrennbar mit den heutigen Verkehrskollapsen des Landes verbunden. Ob in Lüdenscheid oder nun aktuell in Bonn: Die Brücken brechen weg, und die Quittung für die Versäumnisse der Vergangenheit zahlen die Bürger und die Wirtschaft im täglichen Stau.

Nordrhein-Westfalen – das Land der einstürzenden Brücken, der gesprengten Kraftwerke und der überfluteten Tagebaue. Man könnte fast meinen, Grüne und CDU leiten das einwohnerstärkste Bundesland. Und der Ministerpräsident will sich als künftiger Kanzler empfehlen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 158 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

158 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Dundee
9 Tage her

Meine Frau pendelt aus beruflichen Gründen (steuerzahlend) und familiären Gründen (Pflege) zwischen Berlin und NRW hin und her. Heute Abend sollte ich sie vom Bahnhof abholen. Gerade (21uhr) bekam ich einen Anruf von ihr. Sie kommt nur bis Wolfsburg (22.30 Uhr) und weiß noch nicht ob und wann es weiter geht. SÄMTLICHE Züge, die sie in diesem Jahr nutzte waren nicht pünktlich. Nicht ein einziger ! Verspätungen von 2 Stunden sind die Regel. Aber die Züge fallen auch komplett aus ! Oft wird durch Änderungen der Bahnhof, den meine Frau buchte, nicht angefahren. Ich weiß dann erst so kurzfristig wo… Mehr

hoho
7 Tage her
Antworten an  Dundee

Ich benutze diese Strecke oft, ich habe mir sogar eine Bahnkarte gekauft. Das was an Donnerstag passiert ist, war eine Katastrophe. Was ich am Sonntag in Berlin erleben musste war es auch obwohl da war es nur ein Zug. Letzte Mal ich diese Strecke ohne Abenteuer erleben durfte musste Jahre her gewesen sein. Vor Corona habe ich auch zwischen Aachen und Bonn gependelt. Nicht ein Tag ist ohne Abenteuer gewesen. 25 Jahre her waren die Züge vlt auch nicht immer pünktlilch aber sie sind doch noch gefahren. Meine Freunde haben mich als Auslämderhasser geschimpft als ich ihnen Photos aus dem… Mehr

Jan Frisch
10 Tage her

Wenn Herr Wüst seinem „Politikstil“ treu bleibt, beauftragt er vermutlich Claudia Roth eine neue Band aus der Taufe zu heben: „Einstürzende Altbauten“ wäre mein Tipp für den Arbeitstitel.

Will Hunting
10 Tage her

Die Menscheit wird sich selbst zerreißen.
Soviel unterschiedliche Intelligenz führt zur Selbstzerstörung.

Will Hunting
11 Tage her

Natürlich ist das ein Problem der Landes und Bundespolitik.
Die Kommunalpolitik nimmt sich hier leider nicht aus.
Diese vorsätzliche Dummheit geschieht in einem unvorstellbarem Ausmaß.
Der Wähler setzt noch einen obendrauf.

hansgunther
11 Tage her

5,1 Milliarden Euro gehen an die UNO für nada! Verdampfen weltweit!
Quelle: JF
Für Brücken ist kein Geld da, noch nichteinmal für eine ordentliche Unterhaltung und Sicherstellung der Befahrbarkeit!

Riffelblech
11 Tage her

Wozu brauchen die noch einen Krieg mit Russland wo die amtierenden Politiker
dieses Land doch von Innen zerstören .

Kassandra
11 Tage her
Antworten an  Riffelblech

Immerhin wird es „den Russen“, so sie denn kommen, erschwert, bis zum Atlantik durchzubrettern. . Für was aber dann: „I will repeat it today, we will make the Bundeswehr the strongest conventional army in Europe as soon as we can.“    https://x.com/visegrad24/status/2022311893281440038 Wobei das muslimische Heer bereit zum Losschlagen im Lande steht. Danisch so: „Da läuft ein Ausrottungsprogramm. Installation des Weltkommunismus, und dazu die Entfernung von Weißen als kommunismusinkompatibel aus allen Gesellschaften. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei dem Klimagedöns überhaupt nicht um das Klima geht, sondern darum, eine Gesellschaft kommunistischen Vorstellungen anzugleichen.“ https://www.danisch.de/blog/2026/04/23/linke-frauen-und-seltsame-zusammenhaenge/#more-74664 Für was brauchen wir, die… Mehr

hoho
6 Tage her
Antworten an  Kassandra

Manche Dinge kriegen eine eigene Dynamik – Klimagedöns ist da nicht anders. Die kleine Minderheit träumte über die Eliminierung der Gesellschaft oder Reduzierung der Menschheit auf 500M Leute – die andere haben nur die Reduzierung des Wohlstands geplant. Die Mehrheit der Schlafschafen hat wohl geglaubt, dass sie weiter Wurst fressen und Bier saufen können, wenn man noch eine Solaranlage aufs Dach bringt, weiter AfD beschimpft und für Altparteien abstimmt. Die Art und Weise wie man den Staat bei dem ganzen Geschehen abgemolken hat, zeigt mMn, dass manche tatsächlich korrupt waren. Die Mehrheit hat einfach geglaubt auch wenn das von vorne… Mehr

joly
11 Tage her
Antworten an  Riffelblech

Bei den Brücken über die Oder – also nach Polen, gerne auch nach Tschechien – wäre das sogar empfehlenswert. Die Rote Armee hätte dann ein echtes Logistikproblem. Diese Brücken liegen aber nicht in NRW. Dumm gelaufen für Wüst. der nun als Verwüster 100.000nden versuchen muss zu erklären, dass er schon als Verkehrsminister zu inkompetent war. Und das ist er auch als Ministerpräse und als zukünftiger Kanzler….

hoho
7 Tage her
Antworten an  Riffelblech

Ablenkung – der Krieg macht es einfacher die Gegner vor die Wand wegen „Verrats“ zu stellen oder heutzutage einfach Handy weg nehmen und Zugang zu den Konten sperren.
Übrigens – wer jemand größere Summen in Ausland überweisen will, informiert die Bank den Staat und kann die Überweisung stoppen, wenn der Angestellte in der Bank feststellt, dass sie unregelmäßige Überweisungen gemacht haben.

peter63
11 Tage her

Besser geht’s nicht.Die Wirklichkeit schlägt jetzt voll durch.

depa
11 Tage her

egal, ob Preis fürs Anwohnerparken oder gesperrte Brücken, der Wähler hat diese Koryphäen an die Macht gebracht. Er hatte es in der Hand diese Leute in die Wüste zu schicken. Er tat es nicht.Nichts auf dieser Welt bleibt ohne Folgen. Die Bonner dürfen jetzt die Suppe auslöffeln. Selber schuld, regiert wie gewählt.

Ohanse
11 Tage her
Antworten an  depa

Da haben zuviele Wähler ganz schlau gedacht: „Für mich reicht’s noch“. Und zack – wieder auf die Schn…ze gefallen. Ist eben so, wenn man CDU wählt. Gewöhnt Euch dran, da kommt noch mehr.

Kassandra
11 Tage her
Antworten an  Ohanse

Der tut nichts, der Neue. So siehts aus.
Scheint in der union inzwischen Usus.

joly
11 Tage her
Antworten an  Ohanse

Union und SPD und Grüne…..an allen klebt die Inkompetenz. Dabei wurde doch in den 80/90iger Jahre im Süden von Köln eine 2 Brücke direkt neben die alte Brücke gebaut. Wie trottelig muss man so sein, dieses Vorgehen nicht zu kopieren. Nur 30 km weit weg. Die Leverkusener Brücke war doch20 Jahre später noch ein deutlicher Hinweis auf kommende Desaster. Trottel – all überall

Gert Lange
11 Tage her

Irgendwann geht jeder Kollektivismus zur Mängelverwaltung über, dann wächst nur noch die Verwaltung, oder?

Kassandra
11 Tage her
Antworten an  Gert Lange

Hier wie da:
„California is about 4 weeks away from running out of jet fuel and diesel.
The issue is that there is no pipeline setup to get these fuels to California from other parts of the USA. There are simply not enough tankers arriving in California to meet current demand.
The Strait of Hormuz is reducing oil supply and certain areas of the world without their own refineries are losing access to fuel.     https://x.com/WallStreetMav/status/2062523246138765585

Juergen Schmidt
11 Tage her

Das ist typische „GRÜNE Verkehrspolitik“. Wenn man keine demokratische Mehrheit finden kann für sein Ziel – das ist hier letztlich die Abschaffung des motorisierten Individualverkehrs – dann geht man den Weg der Chaotisierung, der Verteuerung, der Verunmöglichung, der Nötigung und Terrorisierung der Bürger etc.
Oder anders gesagt: ich habe kein Recht, eine Brücke zu sperren? Dann verzögere ich die Sanierung solange, bis der TÜV sie sperrt.
Man könnte es auch „kalte Verkehrsberuhigung“ nennen.

Last edited 11 Tage her by Juergen Schmidt