Kälte in den USA lässt Tesla-Autos stillstehen

Die Eiseskälte, die ein arktischer Kaltlufteinfall mit sich brachte, legt hunderte Teslas lahm, berichtet die Lippische Landes-Zeitung lz.de und beruft sich dabei auf das Techportal Mashable.

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Symbolbild

Kalt, kälter, am kältesten. Alles friert wie nie, auch die Batterie. Das merken viele Autofahrer, deren Wagen morgens nicht anspringen, wenn in der Kälte die Batterie schlapp gemacht hat.

Kälte wirkt allerdings auch negativ bei modernen Lithium-Ionen Akkus, die neben Smartphones unter anderem Elektroautos antreiben. Bei minus fünf Grad verfügt die Batterie nur noch über die Hälfte ihrer Kapazität, haben beispielsweise Tests der DEKRA ergeben. Bittere Folge für Elektrofahrzeuge: Die Reichweite bricht dramatisch ein.

Das führt gerade in den USA zu massiven Problemen. Die Eiseskälte, die ein arktischer Kaltlufteinfall mit sich brachte, legt hunderte Teslas lahm, berichtet die Lippische Landes-Zeitung lz.de und beruft sich dabei auf das Techportal Mashable.

Dort beschweren sich viele Tesla-Kunden, weil ihre Autos nicht sehr weit kommen. Das Tesla Modell X 100D soll in der Regel 290 Meilen bewältigen können. Jetzt bei dem arktischen Eislufteinfall schimpfen Fahrer, dass sie nur noch 120 Meilen weit kommen. Einige Fahrer berichten sogar, daß sie nicht in ihr Auto einsteigen können, weil die Türgriffe zugefroren seien und die Automatik nicht öffnen könne.

Bei tiefen Temperaturen laufen die chemischen Reaktionen beim Laden und Entladen der Batterie deutlich langsamer ab als bei höheren Temperaturen. Das ist Natur der Batterie, da läßt sich nicht viel dagegen tun. Die Tesla-Konstrukteure lassen zwar die Batterie im Stillstand immer ein wenig heizen. Das kostet allerdings wiederum Energie, die die Batterie liefern muß.

Deswegen entleert sie sich auch im Stillstand. Stellt man den Tesla mit knapper Ladung ab, erscheint der Warnhinweis »Bei kalter Witterung liefert die Batterie deutlich weniger Energie. Wir empfehlen, die Batterie jetzt zu laden.« Was, wenn keine Ladestation in der Nähe ist?

Tesla geht zwar rabiat vor, packt massiv Akkuzellen nach dem Motto »viel hilft viel« in seine Autos hinein und kann daher ein wenig mehr Reichweite als andere Elektroautos bieten. Manche Elektroautos bewältigen bei tiefen Temperaturen gar nur noch 60 bis 70 Kilometer.

Norwegen weiß zu wirtschaften
Das ABC von Energiewende- und Grünsprech 71 - Superbatterie
Einigermaßen exakte Daten sind schwer zu bekommen. Tesla-Fans rechnen die Reichweite eher schön, Kritiker tendenziell runter. Es hängt von vielen Faktoren ab, wieviel ein Akku bei Kälte noch liefern kann: Wie neu ist er? Wie viele Ladezyklen hat er bereits hinter sich? Denn das Altern ist ein generelles Problem bei Akkus. Vor allem: Wie schnell fährt man? Denn bei einigermaßen schnellem Tempo steigt der Stromverbrauch der Elektromotoren dramatisch an.

Ein BMW-i3 Fahrer mit 94 Ah Batterie kommt bei Temperaturen etwas unter Null gerade mal auf 130 Kilometer Reichweite. Ein Tesla Model S 85-Fahrer rechnet im Winter bei schlechten Bedingungen mit 320 km Reichweite – wenn der Wagen bereits in der Garage vorgeheizt wurde und während des Fahrens nur sehr wenig gewärmt wird.

Das ist auch im gelobten Land der Elektromobilität Norwegen so.

Der TÜV Süd erzählt, dass in Norwegen Elektromobiliät auch bei Minusgraden kein Problem sei. Dort sei sie erfreulich fortgeschritten. Das ist angesichts horrender Zuschüsse vom Staat und vieler Privilegien wie Vorfahrt für E-Autos auch kein Wunder. Der Strom kommt zum überwiegenden Teil aus Wasserkraftwerken, von denen es in Norwegen viele gibt.

Der Tesla wird nachts in der Garage am Ladekabel geladen und schön warm gehalten. Das reicht dann für die Fahrt ins nicht zu weit gelegene Büro.

Dennoch dient er meist nur als Zweitauto. Die gut verdienenden Norweger können sich das locker leisten. Für die längeren Strecken in dem langgestreckten Land nehmen sie ohnehin das Flugzeug und für längere Autofahrten ins Wochenendhaus den Diesel-SUV.

Der TÜV gibt schon einmal den nützlichen Tip, das E-Auto in der Garage zu parken. Das schone den Akku. Allerdings ist es kritisch, ein Elektroauto in einer öffentlichen Garage abzustellen. Brandschutzsachverständige schlagen die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der hohen »Brandlast« eines Elektroautos. Wenn die Batterie losgeht, ist nicht mehr viel mit Löschen. Ein Benziner kann auch brennen, allerdings hat es hier die Feuerwehr leichter zu löschen.

Mit dem weiteren Ratschlag des TÜV, das Auto solle aufgewärmt werden, wenn es noch am Ladestrom hängt, können die vielen Laternenparker ebensowenig etwas anfangen.

Tesla-Eigentümer Elon Musk hatte immerhin angekündigt, in die Fortentwicklung zu investieren und die Kältetauglichkeit zu verbessern.

Es zeigt sich, daß es mit Vorsicht zu genießende Worte sind, wenn es heißt, Tesla, Google, Apple und die Computergiganten steigen groß in das Autobauergeschäft ein. Alte Autobauer – zieht euch warm an. Was soll denn schon so schwierig am Autobau sein? Ein wenig Blech, Kunststoff und einen Elektromotor zusammenzubauen, kann kein Problem sein. Der Rest ist Software. Theoretisch nicht, praktisch schon, wissen erfahrene Autobauer.

Allein der Elektromotor ist auf dem Stand des Verbrenners der fünfziger Jahre und benötigt noch viel Entwicklungsarbeiten im Detail, sagen Wissenschaftler der TU München. Allein wie die Elektrobleche gefertigt werden, läßt noch viel Luft nach oben. In ihnen werden die Magnetfelder erzeugt, die den Motor durch Anziehungs- und Abstoßungskräfte in Bewegung setzen. Diese Bleche werden aus großen Rollen gestanzt und anschließend zu kompakten Paketen verbunden. Großen Einfluß haben Schneidwerkzeuge; werden sie langsam stumpf, schneiden sie ähnlich wie eine stumpfe Schere beim Papier die Blechkanten nicht mehr sauber ab. Folge: Die magnetischen Eigenschaften der Bleche werden schlechter, der Wirkungsgrad des Motors sinkt um bis zu 30 Prozent.

Es zeigt sich, dass es auf die vielen Details ankommt. Nicht umsonst hat Tesla eine erfahrene deutsche Firma für Produktionsanlagen gekauft, das Maschinenbauunternehmen Grohmann Engineering aus Prüm in der Eifel.

Von einem früheren Mercedes- Entwicklungschef geht die Rede, dass er auf dem Testzentrum am Polarkreis im tiefsten Winter mit offenem Cabrio fuhr. Fror er dabei, war die Heizungsanlage nicht gut genug, die Konstrukteure mussten nachsitzen. Autos werden auf ihre Hitzetauglichkeit zum Beispiel im Death Valley im Hochsommer getestet, ob sie bei 50 Grad auch noch einwandfrei funktionieren.

Ob Tesla wirklich die Welt verändert, wie das Tesla-Chef Elon Musk immer wieder betont, muss sich erst noch zeigen. Für viele Autofahrer würde es schon reichen, wenn die Türgriffe ihres Elektroautos auch bei Kälte aufgingen und sie weiter fahren könnten.

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Kommentare ( 186 )

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186 Kommentare auf "Kälte in den USA lässt Tesla-Autos stillstehen"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Also ich hab in den 70ern im Winter immer die Starterbatterie mit ins Haus genommen; mein oller Käfer war daher das einzige Auto in der Nachbarschaft, das immer ansprang.
Macht das mal mit einem Tesla…

Hahaha brauchen Sie ein eben noch ein großes Haus. Aber bei den 100.000 € für das Auto, sollte doch noch so eine Hütte mit bezahlbar sein. (LOL)

Dann braucht man über das Anstellen der Heizung im Winter bei einem eAuto wohl nicht ernsthaft drüber nachzudenken. Bedeutet: Die Zukunft ist grün und im Winter frieren wir uns alle den Arsch ab …

Eigentlich kann man dann die Heizung im Auto einsparen, wenn jeder empfiehlt bei Kälte die Heizung abzustellen. Spart auch Gewicht und dürfte die Reichweite wieder um 3,8 km verlängern. (LOL)

Also ich brauche meine Heizung im Auto nur bei Kälte. Bei Hitze stelle ich die Klimaanlage an. Junge. Junge, wie blöd sind diese Ökoterroristen mit ihren umweltverseuchenden E-Autos eigentlich? Es entspricht der Verblödung vom „Stromsee“ zu sprechen.

Zitat:
„Denis Diderot 2018: Sie mögen gerne deutsches Kabarett, oder?“

Sie scheinen der Einzige zu sein, der meinen Kommentar verstanden hat. :-))))))
Und ja, ich freue mich auch über alle „Daumen runter“.

Und, ja: ich mag Satire. Und nein, ich mag kein aktuelles deutsches Kabarett. Gibt es das eigentlich noch? irgenwo? Ich mein jetzt nicht das, was sich in den letzten Jahren von Kabarett zu Mainstreamcomedy gewandelt hat.
*michschonwiederindieNesselnsetz*

PS:
Da ich leider nicht direkt auf Ihren Beitrag reagieren kann, da ich unter Ihrer Antwort für mich keinen Antowortbutton fnde, muss ich das eben auf diese Weise machen.

Auf YouTube ein Vortrag von Prof. Dr. Markus Lienkamp, Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik, Technische Universität München, der sieht das alles sehr positiv mit den E-Autos. Ein paar Problemchen sieht er aber doch, wenn z.B. in einer Straße viele E-Autos gleichzeitig laden, dann könnte schon mal der Strom lokal ausfallen. Aber, so sagt er, ohne E-Autos würde die Energiewende wohl nicht gelingen (die E-Autos sollen ja als Speicher für den „Zappelstrom“ dienen), das dürfte der eigentliche Grund für die schnelle Verkehrswende sein. Dabei gibt es schon heute Möglichkeiten, den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten, indem man ihn reduziert, z.B. Wohnungen bauen, damit die… Mehr
Halte nichts von Daumen hoch oder runter – ist kein Diskussionsbeitrag. Vieles wie Homeoffice gibt es schon – in der Produktion leider etwas schwierig so am Fließband. Und Wohnungen bauen scheitert am Boden und dessen Preis – ist die Realität, wobei Ehepartner häufig nicht am gleichen Ort arbeiten. Fahrgemeinschaften sind bei flexiblen Arbeitszeiten schwierig. Güterverkehr auf die Schiene, das müsste die Bahn seit Jahrzehnten schaffen. Ein Spediteur – heute mehr Logistiker – sagte mir, gerne würde er die Bahn nutzen, wenn diese die Anforderungen erfüllte. Wir haben heute Just in Time – also geringe Lagerhaltung bei schneller und pünktlicher Anlieferung.… Mehr

Die Lebensdauer des Akkus hängt auch von den Ladezyklen ab – gerade bei Vollendladung. Abgesehen davon ist die Verfügbarkeit des Vehikels – wenn der Kasten halb entladen ist, geht es nicht mehr allzuweit. Jedenfalls, würde ich den Stecker ziehen – bzw. eine Sperre in Richtung Netz.

Unsere guten Unis – inzwischen habe ich mir bei den Ergüssen das UNI-Ranking angesehen *)
beste D-Uni LMU Platz 32, TU München Rang 44 zum Vergleich China: Tsinghua University auf 22 gefolgt von Peking University Platz 31

noch Fragen?

*) https://www.timeshighereducation.com/world-university-rankings/2019/world-ranking#!/page/0/length/25/sort_by/rank/sort_order/asc/cols/stats

… und mit dem Bildungssystem sieht es nicht besser aus: Deutschland aktuell auf Rang 35 !!! – nach Südkorea (Platz 1), Finnland (2),… Russland (4),… Kasachstan (15),… China (Platz 20).
Siehe: https://worldtop20.org/education-data-base

Die ersten 20 Plätze im technischen Umfeld sind grossmehrheitlich von GB und US besetzt. Da haben Uni’s aus der EU nichts zu melden. EIn Schelm, wer da was vermutet ….

Geehrter Herr Douglas,
Was sie hier schreiben, ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. In den 1820-er wurde das erste Elektrofahrzeug erfunden und bereits 1910 war Schluss. Die heutigen Probleme sind die gleichen wie damals. Warum schreibt darüber kaum jemand? Wäre das nicht auch mal ein Artikel wert? Warum wurde zum Beispiel das Solarauto nie weiterentwickelt?
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Elektroautos

Kettler und dem Kettcar stehen goldene Zeiten bevor!

Hahaha – und das Bobbycar?

Am Besten, ich lege mir wieder einen Gaul zu und eine kleine Kaleche.

„BMW-i3 Fahrer mit 94 Ah“ Also meine Batterie hat 90Ah aber ich habe kein Elektroauto. Ist da eine Null zu wenig ?

BMW gibt die Akkugröße, warumauchimmer, in Ah an. 94Ah entsprechen 33 kWh.

Habe eben mal nachgeschaut. Schlaumeiermodus an: es sind 96 Zellen mit je 94Ah.

Stehen jetzt nur die Autos von Tesla oder alle Autos mit Elektroantrieb und dazu gehöriger Batterie? An und für sich bin ich der Elektromobilität überaus geneigt. Aber neben dem im Artikel beschriebenen Problem mit Batterien bei großer Kälte (in den V.S.v.A.), haben wir in Deutschland noch ein paar weitere Probleme: Das ganze Thema der Elektromobilität läuft unter der Ägide des Staates, d.h. nach Wunschvorstellungen der Politiker nach teilweise planwirtschaftlichen Methoden, aber nicht nach den Anforderungen des Marktes. Und der Markt sind auch wir Kunden und Verbraucher! Verschiedene bedingliche Voraussetzungen sind gar nicht erfüllt, um eine Wende der Mobilität weg von… Mehr

Man muß immer eine Ersatzbatterie dabei haben

Sprich: Ein zweites Elektoautomobil. Wäre eine Heizung nicht sinnvoller? 🙂

Naja, Dieselkraftstoff versulzt bei -25°C auch schon mal und anstatt der 100 Elektrokilometer fährt das Auto dann Null Kilometer. Und Türen sind bei Autos mit Verbrennungsmotor auch schon einmal festgefroren.

Die Sowjets, deren Panzer schon im letzten Wetkrieg allesamt Dieselmotoren hatten (die deutschen hatten ausschließlich Vergasermotoren) hatten dem Kraftstoff (als es noch keinen Winter-Diesel gab) etwas Benzin beigemischt. Das sprach sich herum, und die Deutschen taten es ihnen bei den Dieselfahrzeugen (z.B. Opel Blitz und Halbkettenfahrzeuge etc.) nach. Bei den Panzern machte man unter Motor und Getriebe über Nacht zudem ein Feuerchen, denn das Motorenöl war bei tiefen Temperaturen ebenso problematisch wie der Dieselkraftstoff. Im übrigen wirkt starke Kälte sich natürlich auch negativ auf Torsionsstäbe aus. Mein HS30 (der für sein Fahrwerk erheblich zu schwer war) wurde im Winter 62/63… Mehr

Gegen das Versulzen gibt es Additive und gegen das Zufrieren Gummipflegestifte und Türspray.

Dagegen gibts einfache Abhilfen: Kraftstoffvorwärmung oder Winterdiesel tanken.