Carte blanche Hormus: Der Sündenbock für die Inflation

In Deutschland mehren sich die Anzeichen für eine deutlich anziehende Inflation. Selbstverständlich trägt die Hormus‑Krise Schuld daran. Sie ist das Feigenblatt für den selbsverschuldeten wirtschaftlichen Niedergang.

IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Der Ökonom Gerrit Heinemann warnte am Wochenende in der Bild‑Zeitung vor einem drastischen Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland. Der Wissenschaftler von der Hochschule Niederrhein richtete den Fokus bei seiner Betrachtung auf den massiven Anstieg der Preise für Düngemittel. Diese werden zu einem nicht unerheblichen Teil – Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der globalen Produktion – durch die Straße von Hormus transportiert.

Im Zuge der doppelten Sperrung der Meerenge kommt es nun auch in diesem Sektor zu einer globalen Mangelsituation, die Landwirte rund um den Globus zu Preisanpassungen zwingt, was sich letztlich bei den Endverbraucherpreisen bemerkbar macht.

Heinemann kommt zu dem Ergebnis, dass der Lebensmittelpreisindex für Deutschland im laufenden Jahr um bis zu zehn Prozent ansteigen könnte. In Berlin ist es längst eine gängige Erzählung: Schuld an dem Desaster trägt einzig und allein die Krise von Hormus. Dabei lag die Kerninflationsrate bereits im März im Jahresvergleich bei etwa 2,7 Prozent.

Preissteigerungen im gesamten Güterspektrum – vor allem bei Energie und dem migrationsbedingt verknappten Wohnraum – begleiten den ökonomischen Verfall Deutschlands seit geraumer Zeit. Lediglich der dramatische Einbruch privater Investitionen sowie die allgemeine Konsumzurückhaltung der Haushalte bremsten den Preisauftrieb in den vergangenen Jahren leicht ab.

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Auffällig bei dieser Entwicklung ist die konsequente Anhebung der Inflationsprognosen. Im März herrschte zwischen dem Wirtschaftsministerium und den führenden Forschungsinstituten Konsens, dass für das laufende Jahr mit einer Inflationsrate von etwa drei Prozent zu rechnen ist. Anfang April, nach einem Monat der Iran‑Krise, kalkulierten Ökonomen des Internationalen Währungsfonds mit einer Preissteigerungsrate von fünf bis sechs Prozent für das laufende Jahr.

Nun also der zehn‑Prozent‑Hammer bei den Lebensmittelpreisen. Man kann es auch so sehen: Der Schuldige für die Preissteigerungen in Deutschland ist gefunden. Medien und Regierung weisen bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach Washington, wo der vermeintlich Schuldige für das Desaster sitzt, das den deutschen Kaufkraftschwund auslöst: Donald Trump. Doch hält diese These stand?

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Simultan zu den schubartig ansteigenden Inflationsprognosen folgen die regelmäßig wiederkehrenden Korrekturen der Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft. Deutschlands Wirtschaft lässt sich nach über zwei Jahrzehnten des öko‑sozialistischen Umbaus, der Politik des lockeren Geldes und der nun massiv einsetzenden Staatsverschuldung simpel beschreiben: Die Wirtschaft befindet sich auf dem Rückzug in einem dramatischen Schrumpfungsprozess, und die Preise werden im Zuge der Produktivitäts‑ und Investitionskrise weiter steigen. Lebensmittelpreise stiegen im Übrigen im Zeitraum von 2019 bis 2025 im Zuge der Flutung der Finanzmärkte und der Wirtschaft mit billigem Kredit während der Lockdown‑Zeit um über 40 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nachweist.

Hormus ist ein billiges Ablenkungsmanöver von der Katastrophenpolitik, die das Brandmauer‑Parteienkartell seit geraumer Zeit zum Aufbau des neuen grünen Sozialismus betreibt. Wir erleben einen radikalen Paradigmenwechsel, wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Dabei ist es Allgemeinwissen, dass günstige Energie, Technologieoffenheit, eine funktionierende Marktwirtschaft und stabiles Geld in der Vergangenheit die Faktoren waren, die Deutschlands wirtschaftlichen Erfolg begründeten.

Es rächt sich nun, aus moralischem Furor gegenüber dem wichtigsten Energie‑ und Rohstofflieferanten, Russland, auf eine kompromisslose Linie zu setzen – während man zugleich die eigene Kernkraft buchstäblich in die Luft gesprengt hat.

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Gemeinsam mit Brüssel betreibt Berlin eine Politik der verbrannten Erde, wenn es um die Rückkehr zu einem marktwirtschaftlichen Energiedesign und ordnungspolitischen Regeln geht. Ganz gleich, wie hart die gegenwärtige Energiekrise zuschlagen wird – die deutsche Politik bleibt ihrer eigenen grün‑sozialistischen Ideologie treu ergeben.

Deutschland steht ökonomisch mit dem Rücken zur Wand. Und Berlin hat seine Lösung für das Problem gefunden: Die deutsche Mittelschicht wird zur Ader gelassen, um die Schulden‑Exzesse Berlins zu finanzieren, die das Ganze Desaster übertünchen sollen.

Weltweit verschärft eine ganze Serie von Anschlägen auf bestehende Raffinerieinfrastrukturen die Situation weiter. Für Deutschland kommt hinzu, dass Russland den Durchstrom kasachischen Öls in die Raffinerie von Schwedt über die Druschba‑Pipeline stoppen wird.

Es wäre allerhöchste Zeit, eigene Energiereserven, Fracking‑Gas und Bohrungen in Nord‑ und Ostsee zu realisieren, um Märkten und Verbrauchern zu signalisieren: Wir kehren zurück zu rationaler Politik. Auch eine europaweite Initiative zur Finanzierung und zum Aufbau nuklearer Kapazitäten wäre dringend geboten.

Doch Brüssel und Berlin haben sich entschieden: Zur Not wird der Zugang zu Energie rationiert. Man will unter allen Umständen den Aufbau des Öko‑Sozialismus fortsetzen – Energie wird so zu einem absoluten Machthebel der Politik im Verhältnis zu den Bürgern, die unter der ideologischen Verbohrtheit und intellektuellen Unfähigkeit der europäischen Politik leiden.

Das Inflationsproblem ist selbstverschuldet. Lediglich eine vollkommen verzerrte und ideologisch eingefärbte Presseberichterstattung über die Iran‑Krise und die Folgen der zentralisierten Energiepolitik verhinderte bislang, dass das wirtschaftliche Desaster öffentlich korrekt rezipiert werden konnte. Das Jahr 2026 wird wohl das Jahr sein, in dem persönlicher Eskapismus schwerwiegende monetäre Konsequenzen haben wird.

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