Diesel-Exportstopp: Trumps Plan trifft vor allem die EU

Trump poltert, Europa zittert. Nur hat der Plan des amerikanischen Präsidenten dieses Mal knallharte Konsequenzen. Er will den Export von Diesel und anderen verarbeiteten Produkten aussetzen. Das wird vor allem die EU hart treffen. Degrowther aber werden sich freuen.

picture alliance / Sipa USA | Anthony Behar

Man ist versucht, es auf den Krieg im Nahen Osten zu schieben: Seit Beginn der Kriegshandlungen im Persischen Golf Anfang März ist der Ölpreis auf über 100 US-Dollar geklettert. Es fehlen wichtige Raffinerie-Kapazitäten. Die globale Raffinerie-Kapazität liegt normalerweise bei 103 Millionen Barrel pro Tag. Derzeit fehlen rund sieben Millionen Barrel. Der Grund liegt vor allem im Ukraine-Krieg: Seit Monaten attackiert die Ukraine russische Raffinerien. Deswegen hat Russland einen Exportstopp auf verarbeitete Produkte verhängt. Die fehlen auf dem Weltmarkt und treiben die Preise nach oben.

In der Energiewende nicht vorgesehen
Europa vor nächstem Preisschock: Trump will Export-Verbot für Diesel
Hinzu kommt noch, dass die EU selbst aufgrund von Klimaschutz-Zielen und geringen Margen ihre Raffineriekapazität seit Jahren abgebaut hat. Rund 18 Prozent der globalen Raffineriekapazitäten für Diesel befinden sich in den USA. Etwas mehr befinden sich in China. Danach folgen Russland, Indien, der Nahe Osten.

Der Crack-Spread bezeichnet die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und dem Preis für Produkte wie Diesel oder Benzin. Je größer diese Differenz, desto mehr verdient eine Raffinerie an jedem verarbeiteten Barrel. Und diese Margen sind derzeit extrem. In Asien lag der Diesel-Crack-Spread zuletzt bei mehr als 87 Dollar je Barrel. Vor dem Krieg waren es rund 22 Dollar. In den USA wurden zeitweise sogar Werte von mehr als 100 Dollar erreicht.

Kurz gesagt: Die Weltwirtschaft leidet aktuell weniger unter einem hohen Ölpreis. Inflationsbereinigt war der Ölpreis 2008 sogar doppelt so hoch wie heute. Das Problem sind hohe Diesel-, Benzin- und Kerosinpreise.

Trumps Idee ist simpel: Wenn Diesel nicht mehr exportiert wird, bleibt mehr für den heimischen Markt. Die Dieselpreise sinken, davon profitieren vor allem amerikanische Farmer, denn Diesel wird vor allem von Landmaschinen und Transportfahrzeugen benötigt. Damit fallen die Preise rechtzeitig zu den Midterms-Wahlen Anfang November.

Bei genauerem Hinsehen ist das Problem aber komplexer: Die USA produzieren mehr Diesel, als sie verbrauchen. Die Tagesproduktion liegt bei 5,3 Millionen Barrel Diesel, die Inlandsnachfrage bei 3,6 Millionen. Rund 40 Prozent gehen also in den Export. Die fehlen auf dem Weltmarkt und treiben dort die Preise weiter nach oben. In den USA aber sind irgendwann die Lager gefüllt. Ab diesem Zeitpunkt sinken die Margen der Raffinerien, sie produzieren weniger und das Angebot im Inland sinkt. Langfristig könnte der Exportstopp deswegen sogar zu höheren Preisen in den USA führen.

Für die EU und viele andere Länder dagegen ist die Ankündigung ein Desaster. Russland hat aufgrund der Angriffe den Export von Diesel bereits eingestellt. Indien ist ein weiterer wichtiger Exporteur – es verarbeitet russisches Öl zu Diesel. Genau das aber will Trump mit neuen Zöllen verhindern. Der Nahe Osten kann derzeit kaum verarbeitete Rohölprodukte exportieren, so lange die Straße von Hormuz gesperrt ist. Saudi-Arabien hat ebenfalls angekündigt, kein Diesel mehr nach Europa zu exportieren.

Die EU steht als der große Verlierer dieser Diesel-Krise da. Deswegen laufen gerade Bemühungen, die Ukraine von weiteren Angriffen auf russische Raffinerien abzuhalten.

„The Cure for High Prices are High Prices“, lautet ein Sprichwort. Die Medizin gegen hohe Preise sind hohe Preise. Angebot und Nachfrage finden sich. Am Ende tritt ein Effekt mit martialischen Namen ein: „Demand Destruction“. Die Zerstörung der Nachfrage. Die wirtschaftliche Aktivität sinkt, eine Rezession setzt ein. Davon träumen Degrowther seit langem – und die werden die Krise mit Sicherheit dazu nutzen, fossile Energien noch weiter zu verteufeln und den Ausbau regenerativer Energien zu fordern.

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Kommentare ( 45 )

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45 Comments
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November Man
16 Tage her

Die USA sind unsere Freunde, Partner, Beschützer und Verbündeten. Der deutsche Staat verdient an den Diesel-Wucherpreisen kräftig mit. Geschätzt 1,15 Euro pro Liter. Wenns noch reicht. Die deutschen Autofahrer müssen schließlich zu ihrem Arbeitsplatz kommen um dort das Geld zu verdienen, das ihnen der übergriffige Staat anschließend abnimmt.  

Sonny
17 Tage her

Trump ist, wie es scheint, ein Politiker der seinen Versprechungen Taten folgen läßt. Sein „Make America great again“ wird immer offensichtlicher. Soll also niemand sagen, dass man das nicht hätte kommen sehen können. Europa ist ihm mittlerweile völlig egal. Das Trump-Bashing insbesondere aus Deutschland beantwortet Trump ganz einfach mit Taten. Wer nicht mein Freund ist, ist mein Feind. Er schmeißt die Schmarotzer und Bombenleger aus den Land, beendet die elende, linke Wokeness-Aera, führt Zölle gegen feindlich gesinnte Länder ein, die Amerika ausnutzen wollen und hat auch sonst für Schwätzer und Lügner wenig bis garnichts übrig. Die Länder bzw. Führungen, die… Mehr

Last edited 17 Tage her by Sonny
bkkopp
18 Tage her

Am wahrscheinlichsten ist, dass es bei der Ankündigung bleibt. Die Ölindustrie wird sich nicht das Geschäft verderben lassen, und hat wirtschaftliche und technische Gründe auf ihrer Seite. Wenn kein Diesel mehr exportiert werden dürfte, dann müßte auch weniger produziert werden. Es muss auch weniger Öl gefördert werden. Die US-Raffinerien sind schließlich auf eine bestimmte Mengenproduktion eingerichtet und verlieren die Ertragskraft wenn die Kapazitäten weniger ausgelastet würden. Der Verzicht auf Exporterlöse wäre jedenfalls ein Netto-Schaden für die US-Wirtschaft. Deshalb bleibt es bei der Ankündigung für die Stimmung im Wahlkampf. Die Diesel-verbrauchende Industrie, Transport, Land- und Bauwirtschaft, soll den Eindruck gewinnen, dass… Mehr

a.bayer
18 Tage her

Stellen Sie ihr KI Fragen nach der Abhängigkeit der USA von Importen aus Europa sowie nach der Wichtigkeit Europas als Absatzmarkt. Dann werden Sie möglicherweise meine Einschätzung teilen, dass Trump die Tassen im Schrank lassen sollte.

Berlindiesel
18 Tage her

Es gibt weltweit keinen Mangel an Rohöl, daran ändern auch die Huthis oder eine getroffene Pipeline in Saudi-Arabien nichts. Es ist auch nicht die Pflicht der USA, für eine ausreichende Versorgung Europas mit Diesel oder Erdgas zu sorgen – das ist ausschließlich Sache der Europäer allein. Die jetzige Knappheit an Dieselkraftstoff hat andere Gründe. Diesel ist ein Destillat der Mittelfraktion bei der Ölraffinierung. Je Liter Rohöl ist nur eine bestimmte Menge Diesel gewinnbar, eine reine Dieselherstellung ist dabei unmöglich, es fallen immer andere Fraktionen an. Der Boom von Diesel-Pkw insbesondere in Deutschland, Frankreich und Südeuropa sowie die stetig steigenden Transporte… Mehr

joly
17 Tage her
Antworten an  Berlindiesel

Dise Analyse kligt ganz gut – leider wird die Nachfrage nach Heizöl nicht berücksichtigt. Heizöl ist in Deutschland nichts anderes als gefärbter Diesel, der besonders preiswert angeboten wird. Der Bedarf an Heizöl hat jtzt welchen Einfluss auf den Markt und die Kapazitätn?

Punti
18 Tage her

Glücklich das Land, das solche ‚Verbündeten‘ hat.

fluffy_bird
18 Tage her
Antworten an  Punti

Die amerikanische Regierung tut das, wofür sie gewählt ist: den Wohlstand des eigenen Volkes mehren. Die Regierungen der EU Mitgliedsländer und die EU als übergeordnetes Organ tun das exaktes Gegenteil.

Eine Knappheit von Diesel und Benzin in Europa liegt nicht am Exportstopp der USA. Und es liegt auch nicht am Exportstopp von Russland. Diese Knappheit in Europa ist einzig und allein und ohne jeder Ausnahme selbst verursacht und selbst gewollt.

Egge940
18 Tage her
Antworten an  fluffy_bird

Satire bitte kennzeichnen. Trump arbeitet vor allem daran seinen Wohlstand und den seiner Buddys zu mehren.

fluffy_bird
17 Tage her
Antworten an  Egge940

Das war keine Satire. Die Trump Regierung hat praktisch sämtliche Wahlversprechen eingelöst, die im Präsidentschaftswahlkampf gegeben wurden. Das kann man bei Gelegenheit ja mal mit dem deutschen Bundeskanzler vergleichen. Oder vielleicht auch lieber nicht. Das war keine Satire. Die Trump Regierung hat praktisch sämtliche Wahlversprechen eingelöst, die im Präsidentschaftswahlkampf gegeben wurden. Das kann man bei Gelegenheit ja mal mit dem deutschen Bundeskanzler vergleichen. Oder vielleicht auch lieber nicht. Trump versprach, die Grenzen für illegale Einwanderer dicht zu machen. Das Versprechen hat er erfüllt. Trump hat auch Versprochen, illegaler Einwanderer, insbesondere die die straffälligen, außer Landes zu schaffen. Auch das hat… Mehr

Dr. Meersteiner
18 Tage her

Ein wichtiger Beitrag von Trump für mehr Klimaschutz in Europa. Wir sollten ihm dankbar sein, so kommen wir noch schneller ins Grüne Patadies.

Haba Orwell
18 Tage her

Sorgen macht man sich auch in Österreich: >>>Stoppt Trump die US-Dieselexporte?<<<

> „… Allerdings könnte ein Exportstopp an der Realität scheitern. US-Raffinerien laufen bereits nahe der Kapazitätsgrenze. Energieminister Chris Wright und die Ölindustrie erklärten, ein Exportstopp zwinge die Anlagen, die Gesamtproduktion zu drosseln – dann werde auch Benzin knapper. … Das American Petroleum Institute spricht von einem Schuss, der nach hinten losgehen würde. …“

Wenn es nach hinten losgeht, findet der Herr schon weitere Schuldige. Doch nicht er, mit dem 5D-Schach.

Memphrite
18 Tage her

Die kommende Dieselkrise ist komplett USA/ Donald Trump gemacht. Die NYT und WP haben berichtet das Donald Trump die Drohnenoffensive der Ukraine freigegeben bzw. im Mindesten „toleriert“ hat. Noch letztes Jahr hat er Zelensky gefragt, warum er nicht Moskau direkt angreift. Koordiniert wird/ wurde die Drohnen-Offensive von CIA/ MI6. Alle die Planungsdaten, wie Aufklärung des EM-Spektrums um die Luftabwehr zu umfliegen, große Teile der selbst Drohnen werden in der EU/ USA hergestellt sowie Steuerung durch STARLINK, werden von den USA zur Verfügung gestellt. Trump, wenn er wollte, könnte die CIA sofort zurückziehen und die Offensive würde sofort aufhören. Tut er… Mehr

Last edited 18 Tage her by Memphrite
fluffy_bird
18 Tage her
Antworten an  Memphrite

Also über die Hälfte der von dir gemachten Aussagen ist sachlich und objektiv schlicht falsch. Also nicht, weil ich eine andere Meinung habe, sondern weil deine Aussagen schlicht sachlich falsch sind. Da geht es nicht um Meinung, da geht es um Fakten. Und deshalb erübrigt sich jetzt auch jede weitere Auseinandersetzung mit deinem Kommentar. Denn ich gehe mal ganz stark davon aus, dass du sehr wohl weißt, dass vieles, von dem, was du geschrieben hast, schlicht unwahr ist.

joly
17 Tage her
Antworten an  fluffy_bird

Was ist falsch an dem Fakt, dass Diesel nicht mehr durch den Golf zu uns transportiert werden kann? Rohöl auch nicht. Eigentlich kaum noch was. Wieso haben dann die Franzosen kaum noch Treibstoff und schließen dort die Tankstellen in einigen Regionen?

fluffy_bird
17 Tage her
Antworten an  joly

Europa hat genug Rohöl. Es gibt auch keine Knappheit an Rohöl, gut erkennbar am Rohölpreis. Selbst vor dem Irankrieg hat Europa nur etwa 20 % seines benötigten Rohöls über die Straße von Hormus bekommen. Und Diesel und andere raffinierte Produkte kamen kaum aus der Golfregion nach Europa. Sie wurden vor allem in Europa selbst hergestellt oder aus den USA importiert. Das Problem, was Europa hat, ist nicht die Knappheit an Rohöl. Das gibt es im Überfluss. Es fehlen die Kapazitäten für die Raffinerien. Und damit fehlt Diesel und Benzin. Und dieses Problem ist einzig und allein hausgemacht. Hausgemacht dadurch, dass… Mehr

Antaam
18 Tage her

Diese EU hat es verdient, was ihr passiert. Norwegen will keine weiteren Stromleitungen für die EU bzw. Deutschland bauen, Trump will uns keinen Diesel mehr geben, Gas und Öl kommen auch nicht mehr so einfach in die EU, wegen des Krieges in Nahost. Uns könnte es so gut gehen mit russischem Erdöl und Erdgas. Das ganze Gesocks, was ich nicht gewählt habe, bringt uns kleinen Leuten in den Vorhof der 7 Höllen.

Last edited 18 Tage her by Antaam