Trump wirft China und Europa Währungsmanipulation vor

Microsoft auf Rekordhoch, Fondsmanager werden pessimistisch, Bitcoin-Revival.

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Lustlos hat sich der US-Aktienhandel ins Wochenende geschleppt. Der Dow Jones Industrial trat am Freitag bei knapp über 25.000 Punkten auf der Stelle. Am Ende schloss der Leitindex mit minus 0,03 Prozent und 25.058 Punkten quasi unverändert. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,1 Prozent auf 2.802 Zähler nach. Der Technologieindex NASDAQ 100 schloss mit einem Minus von 0,03 Prozent bei 7.350 Punkten ebenfalls kaum verändert. Für Aufsehen sorgten allenfalls die Aktien von Microsoft, die nach starken Quartalszahlen auf ein Rekordhoch von 108,20 Dollar stiegen. Dank eines florierenden Cloud-Geschäfts hatte der Software-Riese Umsatz und Profit deutlich gesteigert.

Im Handelsstreit mit China hatte US-Präsident Donald Trump vor Börsenöffnung angekündigt, auf alle Importe Sondersteuern zu erheben. Zudem sorgte er mit Vorwürfen der Währungsmanipulation an die Adresse Chinas und der Europäischen Union für Wirbel an den Finanzmärkten. An Europas Börsen führten die Aussagen zu Kursverlusten.

An den Märkten übertönen allerdings seit ein paar Tagen endlich andere Stimmen die von Trump. Ex-US-Zentralbank-Chef Ben Bernanke, dessen ehemaliger Kollege von der New Yorker Federal Reserve Bank, Tim Geithner, sowie Ex-Goldman-Sachs-Chef Henry Paulson zeigten sich bei einem Treffen optimistisch zum Zustand der US-Wirtschaft. Das Trio, das in der Finanzkrise vor zehn Jahren führende Rollen eingenommen hatte, Paulson etwa als US-Finanzminister, zog auch einen Vergleich zur heutigen Lage. Das Fazit: Die Wirtschaft sei ziemlich stark, obwohl die Zinsdifferenz zwischen lang und kurz laufenden Bonds zuletzt so gering war wie seit elf Jahren nicht. Setzte sich der Trend fort, könnten kurz laufende Anleihen irgendwann höher rentieren als lang laufende, was vielen Ökonomen als Signal für eine nahende Rezession gilt. So weit ist es nicht. Trotz steigender Zinsen (hier mischte sich Trump mit seiner Kritik an der Fed dann doch lautstark ein) brummt die US-Konjunktur. Die Wall Street atmete nach Wochen voller düsterer Zolldrohungen auf. Hohe Gewinne der US-Unternehmen schoben die Kurse an. Der DAX näherte sich seiner 200-Tage-Linie. Zum Sprung über die wichtige charttechnische Marke reichte es noch nicht. Aber die laufende Bilanzsaison könnte auch in Deutschland trotz des schwachen Freitags noch positive Überraschungen bereithalten..​

Die Stimmung der Fondsmanager weltweit wird allerdings pessimistischer. Das ist das Ergebnis der aktuellen Fondsmanagerumfrage von der Bank of America Merrill Lynch (BoAML). Demnach glaubt die Mehrheit der Befragten nicht, dass sich die Gewinnsituation der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Als Hauptrisiko wird dabei von 60 Prozent der Geldprofis ein möglicher Handelskrieg genannt — so häufig wurde seit 2012 kein Einzelrisiko mehr genannt, als die Eurokrise die Rangliste der Gefahrenquellen dominierte. Danach wurden die Zinspolitik der Notenbanken und die Schuldenkrise der Schwellenländern als Risikoquellen genannt. Als attraktive Investments schätzt mehr als die Hälfte der Manager weiter Aktien der US-Internetunternehmen Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google und ihre chinesische Counterparts Baidu, Alibaba und Tencent ein. Auf der Rohstoffseite sieht eine Rekordzahl an Fondsmanagern Gold derzeit als unterbewertet an. 17 Prozent der 178 befragten Experten, die zusammen Anlagen im Wert von rund 542 Milliarden Dollar managen, meinen, das gelbe Edelmetall werde unter Marktwert gehandelt. Derzeit notiert Gold mit knapp 1.200 US-Dollar auf einem Jahrestief.

Das arabische Wort „Abraaj“ bedeutet Türme, aber in Dubai steht es ebenso für den einst größten Anbieter von Anlagen mit außerbörslichem Beteiligungskapital oder Private Equity. In seinen goldenen Zeiten verwaltete Abraaj fast 14 Milliarden Dollar, was den Dubaier Staatsfonds ICD und die Deutsche Bank als Anteilseigner lockte. Doch seit Monaten sorgt Abraaj Capital für Negativschlagzeilen, nachdem bei einigen Anlegern der Verdacht aufkam, die Firma unter ihrem Gründer Arif Naqvi (58) hätte 200 Millionen Dollar eines eine Milliarde Dollar schweren Gesundheitsfonds veruntreut. Unter den edlen Kunden des Fonds befand sich die Stiftung des Microsoft-Milliardärs Bill Gates und dessen Frau Melinda. Obwohl die Wirtschaftsprüfer von KPMG keine Verstöße fanden, verstummten die Vorwürfe nicht. Investoren liefen in Scharen davon, drohten mit Klagen. Also beantragte Naqvi im Juni vor einem Gericht auf den Cayman Islands die freiwillige Liquidation seines 2002 gegründeten Unternehmens. Bitter für Naqvi, der inzwischen nach London umzog: Der eloquente Pakistani trat oft als Redner beim jährlich veranstalteten World Economic Forum in Davos auf. Durch Naqvis Bekanntheitsgrad wurde die Affäre nun in den letzten Winkel der Finanzwelt getragen.

Erst gehypt, dann tief gefallen, feiert Bitcoin aktuell ein kleines Comeback. Der Kurs der Kryptowährung schoss im Juli um 20 Prozent auf über 7.300 US-Dollar in die Höhe. Grund: Zuletzt gab es eine Reihe positiver Nachrichten, zudem wurde der Tiefstand von rund 6.000 US-Dollar mehrmals getestet, aber nicht unterschritten. „Der Kursaufschwung hat Signalcharakter, da Bitcoin eine Vorreiterrolle für andere Kryptowährungen hat“, so Martin Schmidt von der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Postera Capital, die 2018 den ersten Kryptowährungsfonds in Deutschland auf den Markt gebracht hat.


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Kommentare ( 5 )

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Wenn man die Anleihekäufe der EZB so betrachtet, liegt Trump mit dem Vorwurf der Währungsmanipulation nicht so ganz falsch. Ich befürchte nur, dass das in Deutschland nicht seriös diskutiert werden wird, weil es der „Falsche“ gesagt hat.

Donald-„fair-deal“-Trump vergisst, dass uns die USA vergiftete Papiere der Pleitebank Lehman Brothers rübergeschoben haben, an der sich Europa dermaßen verschluckte, dass es bis zum heutigen Tag währungstechnisch nicht mehr hochgekommen ist.

Wenn VW zu viel Abgas produziert, gibt’s Milliardenstrafen. Wenn uns die USA mit faulen „Wert“-Papieren in viel größerem Umfang betrügen, gibt’s nichts außer weiteren Forderungen.

Internationalen Handel kann man nur mit verlässlichen, vertrauenswürdigen Partnern treiben, die nicht schon durch krumme Touren mit Geld und Wirtschaft aufgefallen sind. Trump behandelt Deutschland und Europa wie Underdogs, denen man vorschreiben kann, mit wem sie Handel treiben dürfen.

Jedes Land mit Zentralbank manipuliert seine Währung, auch die USA; denn das genau ist ja faktisch die Aufgabe von Zentralbanken.

Bin mal gespannt, wie’s mit Bitcoin ab dem 1.8. aussieht, da greifen dann die neuen Regulierungen der ESMA für Privattrader. Die Sozialisten haben’s wieder mal geschafft, unter dem Vorwand des „Verbraucherschutzes“ Kleinanlegern das Leben schwer zu machen. Mit einem Hebel von 1:2 sind Kryptowährungen dann für den Kleinanleger vollkommen uninteressant und de facto gestorben.

Das hört sich ja gut an, da hat die Regulierung ja anscheinend mal etwas auf die Beine gebracht!

Krypto“währungen“ (welch eine Sinn- und Wortschöpfung, könnte aus dem Orwell’schen Wahrheitsministerium sein) dienen als hochprozentige Zockerinstrumente, mit denen verglichen die Tulpenzwiebeln vor 400 Jahren noch hochseriöse Finanzanlagen waren.

Und der wehrlose Normalbürger muss halt vor dem geisternebelhaften Aufpeitsch-Geschwurbel geschützt werden, mit dem die neuzeitlichen Zwiebelmacher nur sein Bestes wollen…