Starke Ergebnisse der US-Unternehmen, Fed auf Erhöhungskurs

So richtig happy waren die Börsianer an der Wall Street mit der jüngsten Entscheidung der Fed nicht. Die US-Zentralbanker hatten zwar auf eine Leitzinserhöhung verzichtet, deuteten zugleich aber weitere Schritte an, ohne konkreter auf den Zeitpunkt einzugehen.

© Drew Angerer/Getty Images

Als ob man dem alten Marx am Tag vor seinem 200. Geburtstag eine lange Nase machen wollte: Ein positiv aufgenommener Arbeitsmarktbericht und ein Rekordhoch bei den Apple-Aktien haben die Wall Street am Freitag beflügelt. Die Arbeitslosenquote war im April überraschend deutlich auf 3,9 Prozent gefallen. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stieg nach einem verhaltenen Start um 1,4 Prozent auf 24 263 Punkte. Am Vortag hatten Schnäppchenjäger den zwischenzeitlichen Kursrutsch unter die viel beachtete 200-Tage-Linie zum Einstieg genutzt, so dass das Börsenbarometer letztlich fast unverändert geschlossen hatte. Auf Wochensicht bedeutet dies dennoch ein Minus von 0,2 Prozent.

Für den breit gefassten S&P 500 ging es am Freitag um 1,3 Prozent auf 2663 Punkte nach oben. Der technologielastige NASDAQ 100 zog um 1,9 Prozent auf 6769 Punkte an.

Ein glücklicher Warren Buffett

An der Dow-Spitze schnellten die Aktien von Apple um rund vier Prozent auf 183,83 US-Dollar in die Höhe. Ihr Rekordhoch hatten sie kurz zuvor bei 184,25 Dollar erreicht. Hintergrund des Kurssprungs war, dass sich Börsen-Guru Warren Buffett weiter mit Papieren des Technologiekonzerns eingedeckt hatte.

Buffett, der lange Zeit an Tech-Werten zweifelte, hat sich in den letzten Jahren zu einem großen Fan von Apple entwickelt, schon Ende 2017 hatte der kalifornische Smartphone-Erfinder die US-Großbank Wells Fargo als Top-Position in seinem Portfolio abgelöst. Der berühmte Großinvestor ist vor allem von den hohen Gewinnspannen beeindruckt. Apple verdiene fast doppelt soviel wie das zweitprofitabelste US-Unternehmen in den USA, betonte Buffett.

Für Anleger erfreuliche Nachrichten kamen auch von Starbucks: Die Café-Kette steht laut Medienberichten vor dem Verkauf ihres Kaffee-Handelsgeschäfts an den schweizerischen Lebensmittelkonzern Nestlé. Dessen Aktien schlossen in Zürich 0,7 Prozent höher, während die Anteilscheine von Starbucks rund drei Prozent gewannen.

Die US-Bilanzsaison hat bisher für die Investoren viele positive Überraschungen bereitgehalten, etwa durch den Technologiekonzern Apple. Insgesamt lagen bis Anfang vergangener Woche knapp 80 Prozent der vorgelegten Ergebnisse der S & P-500-Unternehmen über den Erwartungen der Analysten. Das war der höchste Wert in der Geschichte des S & P-500-Index. Ob dieser Rekord bis Ende der Berichtssaison zu halten sein wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon jetzt, dass die US-Titel durch den Gewinnschub vieler Konzerne eine deutlich attraktivere Bewertung haben. Denn die gestiegenen Profite drücken das sogenannte Shiller-KGV. Dieses zeigt das durchschnittliche, inflationsbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis der einzelnen Aktien, aber auch des Gesamtmarkts über zehn Jahre an. Und hier ist der Abstand zwischen US-amerikanischen und europäischen Titeln auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren gefallen.

Die Zentralbanker lassen sich nicht in die Karten schauen

So richtig happy waren die Börsianer an der Wall Street mit der jüngsten Entscheidung der Fed dagegen nicht. Die US-Zentralbanker hatten zwar auf eine Leitzinserhöhung verzichtet. Zugleich deuteten sie weitere Schritte an, ohne konkreter auf den Zeitpunkt einzugehen. Überdies gab es vage Kommentare zur konjunkturellen Entwicklung. Das war vielen Tradern zu nebulös, sie stellten Positionen glatt. Die Kursverluste setzten sich an den europäischen Börsen fort. Ausgerechnet — denn der DAX hatte just am Tag der Fed-Entscheidung erstmals seit vielen Wochen die intensiv beobachtete 200-Tage-Linie überwunden und kam dann unter Druck. Wie es weitergeht? Der Leitindex kämpft um die wichtige Marke, Optimisten setzen darauf, dass er sich darüber halten kann. Spannend: Auch das wichtigste Börsenbarometer der USA, der breite Index S & P 500, hält sich knapp oberhalb seiner 200er-Linie. Die Zeiten für Trader bleiben also intensiv.

Viele Anleger agierten derzeit zu sorglos, meint Scott Mather, Mitglied des Investmentkomitees beim kalifornischen Vermögensverwalter Pimco und Manager des bekannten Anleihefonds Pimco Total Return Bond, in dem rund 72 Milliarden US-Dollar stecken. Denn nach Jahren außergewöhnlich niedriger Volatilität an den Märkten sieht Mather wieder heftigere Kursschwankungen auf uns zukommen. Das Umfeld habe sich geändert, da die wichtigsten Zentralbanken nun parallel den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik angingen. „Die Märkte sind verletzlicher geworden gegenüber Schocks und negativen Überraschungen“, so Mather gegenüber der Finanzzeitung „€uro am Sonntag“. Der Anlageprofi, der für einen Kurzbesuch in München weilte, ist dabei keinesfalls pessimistisch für die Konjunktur gestimmt. Doch mit Blick auf die USA sagt er: „Die positiven Effekte der Steuerreform sind bereits in den Kuchen der Markterwartungen eingebacken.“ Bereits im kommenden Jahr könnten Trumps Steuerreform und die höheren Ausgaben, von denen die Vereinigten Staaten aktuell profitieren, Bremsspuren bei der Konjunktur hinterlassen.

Des Marktes Leid, des Mobius Freud‘

Mit 81 Jahren, da fängt das Investmentleben erst so richtig an. So oder so ähnlich dürfte Mark Mobius gedacht haben, der knapp vier Monate nach seinem Ausscheiden bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton die Anlegergemeinde mit seiner Expertise erneut bereichern will. Seine neu gegründete Investmentgesellschaft Mobius Capital Partners LLP will vor allem in Schwellenländer und sogenannte Frontiermärkte investieren. Dabei plant Mobius, innerhalb von zwei bis drei Jahren rund eine Milliarde Dollar bei Investoren einzusammeln. Der Stockpicker mit seinem Hang zu ausgefallenen Anzügen wird nach seinem Start im Juni ein konzentriertes Portfolio aus etwa 25 Aktien führen, wobei das Thema Unternehmensführung (Corporate Governance) eine große Rolle bei der Titelauswahl spielen soll. Mit Carlos von Hardenberg und Grzegorz Konieczny hat Mobius schon zwei renommierte Schwellenländer-Experten für sein Team anwerben können. Beide kommen wie Mobius von Franklin Templeton.


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Wenn ich das richtig sehe, sind das Darstellungen der Verläufe an den Börsen, aber keine wirklichen Einschätzungen. Und nein, den Finanzkapitalismus hat Marx nicht gedacht. Schade, stammte er nicht aus einer Bankerfamilie? Wenn es TE auch um die Volkswirtschaft Deutschland geht, sollte es aber statt Lobhudeleien auf die US-Aktienmärkte, solide Einschätzungen geben. Zugegeben, kurz vor der Finanzkrise und danach habe ich mich fast ausschliesslich mit dem Metier befasst, aber unter gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Aspekten, nicht vom Gesichtspunkt der höchsten Gewinne aus. Ich bin ganz klar für eine Finanzmarkttransaktionssteuet, damit dem Staat die Möglichkeit bleibt, Krisen besser zu steuern, ohne auf… Mehr