An diesem Wochenende – so das Ergebnis einer Studie der Stiftung Marktwirtschaft – können die Deutschen den „Sozialabgaben-Gedenktag“ begehen. Dann haben sie so viel Steuern und Abgaben gezahlt, dass der Staat mit dem Geld sämtliche Sozialleistungen dieses Jahres finanzieren kann.
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Allein in der gesetzlichen Krankenversicherung hätten sich die Ausgaben im vergangenen Jahr um 21,5 Milliarden Euro (plus 7,5 Prozent) erhöht. In der Pflegeversicherung war der prozentuale Anstieg mit einem Plus von 16,7 Prozent noch größer. Für alle Sozialleistungen zusammengenommen mussten die Bürger in Deutschland im vergangenen Jahr 1001,2 Milliarden Euro aufbringen.„“
Während die Leistungen der Sozialversicherungen eine vorherige Beitragsleistung erfordern, gewährt der Staat die steuerfinanzierten Sozialleistungen (gut 300 Millionen Euro) auch ohne Vorleistung. Zu ihren zählen etwa die Grundsicherung im Alter, die Sozialhilfe, die Jugend- und Eingliederungshilfen sowie die versicherungsfremden Leistungen der Sozialversicherungen. Wegen der Alterung der Bevölkerung wird sich die Dynamik der Sozialausgaben in den nächsten Jahren beschleunigen. Weil der Staat keine Rücklagen für die künftigen Ausgaben gebildet hat, trifft ihn die Expansion besonders. Der Sozialstaat steuert auf eine Lücke von 205 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu (implizite Verschuldung), so die Studie.
In diesem Jahr werden bereits 22,4 Prozent der Steuereinnahmen benötigt, um die steuerfinanzierten Sozialleistungen zu finanzieren. Bis 2050 werde sich der Anteil nach Schätzung der Studienautoren aufgrund der demografischen Entwicklung auf 25,4 Prozent erhöhen, 2080 werde er dann 27,2 Prozent betragen. Sollen die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung (derzeit 42,5 Prozent) konstant bleiben, müssen entweder die Leistungen gekürzt werden oder das Delta muss mit einem höheren Anteil des Steueraufkommens finanziert werden. Das lässt den Gestaltungsspielraum künftiger Generationen schrumpfen.
Jetzt umzusteuern und den Sozialstaat zu reformieren – beispielsweise durch eine Anhebung des Renteneintrittsalters, einen höheren Selbstgehalt beziehungsweise höhere Eigenbeteiligungen bei den Krankheitskosten – fällt schwer; denn man muss die Ansprüche der Älteren beschneiden. Die aber stellen einen immer größer werdenden Anteil der Wähler. Leistungskürzungen sind vor diesem Hintergrund schwer durchzusetzen.
Während diese Problematik uns demnächst einholen wird, schauten die Marktteilnehmer in der vergangenen Woche vor allem auf die an diesem Wochenende in Islamabad geplanten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Die US-Aktienmärkte schlossen vor diesem Hintergrund nach einer starken Woche uneinheitlich. Die Waffenruhe im Iran war nach wie vor fragil, die aktuellen US-Konjunktur- und Inflationsdaten hatten nur wenig Einfluss auf die Notierungen. Von den Ölpreisen, die seit dem Iran-Krieg der wichtigste Taktgeber für die globalen Börsen sind, kamen keine neuen Impulse. Sie notierten etwa auf Vortagesniveau, womit sich an den Inflations- und Konjunkturerwartungen nichts änderte.
Der Dow Jones Industrial endete mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 47.917 Punkten. Daraus resultierte für den US-Leitindex ein Wochengewinn von rund drei Prozent. Der marktbreite S&P 500 sank am Freitag um 0,1 Prozent auf 6.817 Zähler. Der Nasdaq 100 stieg letztlich um gut 0,1 Prozent auf 25.116 Punkte. Damit beträgt das Wochenplus rund viereinhalb Prozent.
Die Stimmung der Verbraucher in den USA – gemessen am Konsumklimaindex der Universität Michigan – trübte sich im April stärker als erwartet ein und fiel auf ein Rekordtief. Unterdessen trieb der Iran-Krieg die US-Inflationsrate im März deutlich nach oben. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,3 Prozent, verglichen mit 2,4 Prozent im Februar. Volkswirte hatten im Schnitt allerdings mit einem noch etwas stärkeren Anstieg auf 3,4 Prozent gerechnet. Experten gehen nun überwiegend davon aus, dass die US-Notenbank vorerst nicht an der Zinsschraube dreht und zunächst die weitere Entwicklung abwarten wird.
Branchenseitig im Fokus standen erneut Softwarewerte, die tags zuvor wieder einen schwarzen Tag verzeichneten. Der Sektor leidet bereits seit einiger Zeit stark unter KI-Verdrängungssorgen. Mit dem Nahostkrieg wurde die Situation für die Anleger nicht besser. Citigroup strich nun ihre Empfehlungen für einige Werte, was unter anderem die Aktien von Docusign und Autodesk um 5,9 beziehungsweise drei Prozent nach unten zog.
Eine skeptische Analystenstudie sorgte bei den Papieren von Nike für einen Verlust von 3,1 Prozent. Die Experten von Piper Sandler stuften sie ab, vor allem aus Sorge um das gesättigte Athleisure-Geschäft mit modischer Sportbekleidung. Die Aktien von CoreWeave stiegen um knapp elf Prozent. Zuvor hatte der Anbieter von Cloud-Kapazität im Bereich Künstlicher Intelligenz mitgeteilt, dass der KI-Spezialist Anthropic Rechenzentrumskapazitäten anmieten wird. Bereits tags zuvor hatte CoreWeave eine deutlich langfristige Vereinbarung mit dem Betreiber sozialer Netzwerke Meta im Volumen von rund 21 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Für die Titel von Organon ging es um knapp 28 Prozent aufwärts, nachdem die „Economic Times“ berichtet hatte, dass die indische Sun Pharmaceutical ein Kaufgebot in Höhe von zwölf Milliarden US-Dollar für das hoch verschuldete Unternehmen im Bereich Frauengesundheit abgeben wolle. Sun Pharmaceutical bezeichnete den Bericht als „spekulativ“.
Zuvor hatte nach dem Dämpfer vom Vortag schon der deutsche Leitindex Dax den letzten Handelstag der Woche kaum verändert beschlossen. „Die Aufmerksamkeit liegt nun auf möglichen Verhandlungen in Pakistan, die voraussichtlich am Wochenende stattfinden werden“, hieß es am Freitag von der Commerzbank mit Blick auf die Kriegsparteien im Nahen Osten. Unter vielen Faktoren dürfte der Erfolg eines dauerhaften Waffenstillstands von Israels Vorgehen im Libanon abhängen. Hier deuteten die jüngsten Nachrichten auf Verhandlungsbereitschaft hin.
Der Dax fiel minimal ins Minus und lag am Ende bei 23.804 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von 2,7 Prozent. Die Verluste seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind damit aber noch nicht wettgemacht; kurz vor dem Ausbruch dieses bewaffneten Konfliktes hatte der Dax noch bei über 25.000 Punkten gestanden. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten zog am Freitag um 1,1 Prozent auf 30.382 Punkte an.
Vage Spekulationen über ein Ende des Kriegs in der Ukraine setzten Rüstungswerte deutlich unter Druck. Auslöser könnte die Reise des für Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland zuständigen Kremlgesandten Kirill Dmitrijew zu Gesprächen in die USA gewesen sein. Moskau bremste allerdings umgehend: Dieser führe keine Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Sein Besuch bedeute keine Wiederaufnahme der unterbrochenen Verhandlungen.
Gleichwohl waren im Dax Rheinmetall mit einem Abschlag von 5,6 Prozent das klare Schlusslicht. Im MDax waren die drei Rüstungstitel Renk, TKMS und Hensoldt die größten Verlierer mit bis zu 5,9 Prozent Abschlag. Gesucht hingegen waren die Profiteure eines etwaigen Wiederaufbaus der Ukraine. Im Dax setzten sich Heidelberg Materials mit plus drei Prozent an die Spitze. Im MDax gewannen Bilfinger 1,7 Prozent und die Stahlhersteller Salzgitter und Thyssenkrupp 7,6 respektive drei Prozent. Ansonsten zogen Ströer um 4,7 Prozent an. Ein Börsenbrief hatte sich für die Papiere des Werbedienstleisters ausgesprochen.
Ihr Debüt im SDax gaben die Papiere von Shelly, die um 0,2 Prozent zulegten. Das Technologieunternehmen mit Sitz im bulgarischen Sofia rückte für die Aktien von Gerresheimer in den Nebenwerte-Index auf. Vor dem Hintergrund der Aufarbeitung von Bilanzierungsfehlern hatte der Verpackungsspezialist bis zum 31. März keinen testierten Jahres- und Konzernabschluss vorgelegt. Damit wurde eine Voraussetzung für die Notierung im SDax nicht erfüllt.

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