Börsenwoche: Ölpreise, Zinserhöhungen, Technologie-Aktien

Hartnäckige Inflation, steigende Zinsen und ein Ölpreis von zeitweise mehr als 108 Dollar bringen die Börsen ins Wanken. Dax und Wall Street erholen sich zwar zum Wochenschluss – doch vor der Fed-Entscheidung bleibt die Nervosität groß.

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Eigentlich war die Sache doch hübsch eingefädelt. Die Inflation sollte allmählich verschwinden, die Notenbanken irgendwann wieder lockerer werden und die Wirtschaft bitteschön wachsen. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. So zumindest der Plan. Dann kamen in der vergangenen Woche die Zinsen und das Öl.

Zunächst zum Öl: Der Preis für Brent-Rohöl kletterte erstmals seit Juli wieder über 100 Dollar je Barrel, am Donnerstag zeitweise sogar über 108 Dollar. Grund waren die Angriffe der Hut, die erneute Eskalation im Konflikt mit Iran, die Sorge um die Öltransporte durch die Straße von Hormus und die Produktion. So meldete Saudi-Arabien im August die niedrigste Ölproduktion seit 1990. Seit August ist Brent inzwischen rund ein Viertel teurer geworden.

Die Börsenampeln standen jedenfalls erst einmal auf Rot. Die Wall Street schloss am Donnerstag bereits den vierten Tag in Folge im Minus. Auch in Asien leuchteten die Kurstafeln dunkelrot. Besonders Technologieaktien standen unter Druck. Um noch eins raufzusetzen erhöhte die NEuropäische Zentralbank (EZB) zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen – um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Damit ​ist auch eine Zinserhöhung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch immer wahrscheinlicher geworden. Rund 70 Prozent der Marktteilnehmer rechnen mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte; denn für die Fed stellt sich die Lage nicht anders dar als für die EZB: Die rechnet damit, dass sie länger über ihrem Zwei-Prozent-Ziel bleiben wird als bislang gedacht. Und damit stellt sich die Inflation als hartleibiger heraus als erhofft.

Doch dann kam es wieder einmal anders: Auch wenn sich die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung verfestigte, schafften zurückkommende Ölpreise die Grundlage für Kursgewinne. Der Dow Jones Industrial konnte jedenfalls seine Negativserie unterbrechen. Der US-Leitindex, der stärker auf Standardwerte fokussiert ist, ging um knapp ein Prozent höher bei 52.573 Punkten über die Ziellinie. Trotz der Erholung zum Ende einer nervösen Börsenwoche verblieb ihm ein Wochenminus von 1,6 Prozent. Am Vortag war er knapp unter 52.000 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Ende Juli angekommen.

Dem marktbreiten S&P 500 gelang am Freitag ein 0,9 Prozent hoher Anstieg auf 7.657 Zähler. Außerdem erholte sich der technologielastige Nasdaq 100 um 0,9 Prozent auf 29.368 Punkte. Unter den “Magnificent 7” schlossen fast alle Tech-Schwergewichte im Plus.

Auf Unternehmensseite kamen unterschiedliche Nachrichten aus dem Softwaresektor, die Schwankungen zur Folge hatten. Adobe litt anfänglich unter einem enttäuschenden Umsatzausblick, konnte aber mit 1,4 Prozent ins Plus drehen. Die Aktie war zuletzt schlecht gelaufen und so nahmen es die Anleger hin, dass die vorsichtige Umsatzprognose Fragen aufwirft, wie sich der Konzern im Wettbewerb behaupten kann.

Bei Oracle war die Tendenz genau umgekehrt: Nach einem ersten Spitzenanstieg um acht Prozent sackte der Kurs mit 1,7 Prozent ins Minus. Das Unternehmen hat im ersten Geschäftsquartal zwar kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur profitiert. Wie schon in den Tagen zuvor, entwickelten die Anleger einen gewissen Respekt vor einer zwischenzeitlichen Erholung, die die Aktien bis Anfang der Woche verzeichnet hatten.

Die beiden Software-Aktien konnten mit ihren Schwankungen das Gesamtbild im Technologiesektor nicht richtig beeinflussen. Dieses war eher geprägt von einigen Chipwerten, die sich von ihren Vortagsverlusten erholten. Außerdem legten die Tech-Schwergewichte Alphabet , Amazon und Apple relativ deutlich um bis zu zwei Prozent zu.

Besonders starke Gewinne verbuchten dieses Mal im KI-Bereich Hardware- und Serveraktien. Jene von HP Inc, HP Enterprise und Dell schossen um bis zu zwölf Prozent in die Höhe. Händlern zufolge wirkten die Worte des Dell-Chefs auf einer Investorenkonferenz vom Mittwoch zum Server-Absatz positiv nach. Der RBC-Analyst David Paige nahm Dell außerdem positiv in die Bewertung auf – mit der Nachfrage nach KI-Infrastruktur als Kernargument.

Schwankungen gab es auch im Nebenwertebereich: Die Anteilsscheine von Kroger starteten erst schwach in den Handel, weil der Einzelhändler im Zuge vorgelegter Quartalszahlen seine Umsatzprognose gesenkt hat. Nach einer Annäherung an das bisherige Tief seit zwei Jahren fassten sich Anleger aber schnell ein Herz. Der Kurs drehte mit 2,7 Prozent ins Plus.

Ein Gesprächsthema lieferte auch eine Übernahme: Die Aktien von ACV Auctions machten einen Satz nach oben um 44 Prozent wegen einer Offerte des Fahrzeugauktions-Konkurrenten Copart. Dessen Aktien waren zwar freundlich gestartet, aber dann mit 2,6 Prozent ins Minus gedreht.

Der Dax hatte sich zuvor nach seinem jüngsten Kursrutsch bereits stabilisiert. Die mit Spannung erwarteten US-Verbraucherpreise gaben dem deutschen Leitindex keine Impulse. Als Kursstütze erwiesen sich die Ölpreise, die zuletzt einen Teil ihrer vorherigen, deutlichen Gewinne wieder abgaben.

Der deutsche Leitindex gewann 0,8 Prozent auf 25.569 Punkte. Damit blieb der Dax klar über der für den mittel- bis langfristigen Trend wichtigen 100-Tage-Durchschnittslinie. Auf Wochensicht ergab sich ein Rückgang von 1,8 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legte am Freitag um 0,2 Prozent auf 31.664 Punkte zu.

Die Aktien von Dax-Schwergewicht SAP holten in dem freundlichen Marktumfeld zwischenzeitliche Verluste von mehr als drei Prozent nahezu vollständig auf und gaben am Ende nur leicht nach. Ansonsten sorgten Personalien für Kursverluste. Die Titel des Online-Brokers Flatexdegiro büßten angesichts abrupter Veränderungen im Aufsichtsrat 7,9 Prozent ein – zeitweise hatten sie ein Tief seit Mai markiert. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Hermann Lotter legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder und scheidet spätestens am 10. Oktober aus dem Gremium aus. Dann tritt spätestens auch Martina Pfeifer zurücktreten. Für Börsianer wirft dies einige Fragen auf.

Beim Sportwarenhersteller Puma fiel das Kursminus mit 2,4 Prozent geringer aus. Der angekündigte Weggang des Vertriebsvorstands Matthias Bäumer erschwere die “Rettungsmission” für Konzernchef Arthur Höld, zumal einem Bericht zufolge der Wunschkandidat für die Leitung des Europageschäfts doch nicht komme, hieß es aus dem Markt.

Chemieaktien standen ebenfalls unter Druck. Die US-Bank JPMorgan hatte in einer Branchenbetrachtung ihre skeptische Einschätzung eher global aufgestellter Vertreter wie BASF mit einem hohen internationalen Produktions- und Absatzanteil bekräftigt, die weniger als Unternehmen wie Lanxess von europäischen Protektionsmaßnahmen profitierten. Dennoch büßten die Papiere von Lanxess fast fünf Prozent ein, während es für die BASF-Titel am Dax-Ende um knapp drei Prozent bergab ging.

Der Blick nach vorn

Der wichtigste Termin der kommenden Woche steht am Mittwochabend im Kalender. Dann wird die US-Notenbank über die Höhe der Leitzinsen entscheiden. Nach dem überraschend starken Arbeitsmarktbericht und dem erneuten Anstieg der Energiepreise ist die Sache deutlich spannender geworden. Die Fed trifft sich am Dienstag und Mittwoch, anschließend gibt es auch neue Projektionen zu Wachstum, Inflation und Zinsen.

Und dann kommen nächste Woche noch die amerikanischen Einzelhandelsumsätze, Daten zur Industrieproduktion und zum Immobilienmarkt. Genug Material also für Fed-Chef Kevin Warsh und seine Kollegen, um sich den Kopf zu zermartern.

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