Die vier führenden europäischen Staaten planen eine maritime Mission zur Sicherung der Straße von Hormus. Damit ist klar: Die heiße Phase des Konflikts scheint vorüber, die wichtigsten Spieler haben ihre Züge bereits gemacht.
picture alliance / SIPA | Jeanne Accorsini
Der Verlust der geopolitischen Macht Europas ist die Abstiegsgeschichte unserer Zeit schlechthin. Als Europäer werden wir zu unfreiwilligen Zeugen des kontinentalen Verfalls verdammt. Und in keinem Feld der Politik offenbart sich das toxische Amalgam aus Ökosozialismus, Elitenarroganz und grassierendem Infantilismus eher als auf der Ebene der Europäischen Union.
Was wir in Brüssel und den führenden Hauptstädten der EU erleben, sind verzweifelte Versuche einer koordinierten Außenpolitik – und die Erkenntnis, dass das Zusammenwirken machtloser Einzelentitäten nicht zwangsläufig zu einem besseren Ergebnis führt als bilaterale Kooperation.
Dass sich diese Erkenntnis auch in den höchsten Führungszirkeln der europäischen Politik herumgesprochen haben muss, durften wir zum Ende dieser Woche beobachten. Da riefen die vier Großen – Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien – zu einer maritimen Allianz und zum Schutz der Straße von Hormus auf.
50 weitere Staaten – so die Initiatoren dieser reichlich skurrilen politischen Camouflage – planen sich der europäischen Allianz anzuschließen. Den Führungsanspruch erheben naturgemäß die einstigen maritimen Seemächte Großbritannien und Frankreich, vor allem Frankreich, das mit seinem Flugzeugträger Charles de Gaulle als letzte Erinnerung an die große europäische Seemachtstradition im Zentrum der Aktivitäten stehen könnte – sollte man sich überhaupt dem Persischen Golf nähern können.
Die Lage bleibt fragil: Am Mittwoch endet der bislang stabile Waffenstillstand. Und die Verhandlungen zwischen USA, Israel und Iran gehen in ihre abschließende Phase über. Aus europäischer Sicht sehen wir uns erneut bestätigt: Die EU und ihr sich langsam wieder annähernder Partner Großbritannien führen ein politisches Kabarett auf. Zunächst hieß es abwarten, bis Amerikaner und Israel die Lage militärisch entschieden hatten. Währenddessen verweigerten einige NATO‑Mitglieder den Amerikanern die Kooperation, bloß um sich nun, nachdem alles entschieden ist, medienwirksam an die Spitze der politischen Kräfte vorschieben zu wollen, die die Sicherheit der Straße von Hormus für die Zukunft gewährleisten.
Mit medialer Dauerbeschallung inszenieren sich Starmer, Macron, Meloni und Merz als die Macher und Entscheider des Moments – es ist ihr Erntetag, eine billige Publikumsdividende einzuheimsen. Doch ist dies wirklich der Fall? Glauben die Herrschaften tatsächlich, dass die Mehrheit der Europäer nicht darüber bestens informiert ist? Dass europäische Macht im Wesentlichen auf medialer Zauberei beruht – auf Dauerpropaganda im moralischen Überschwang. Ein Schattenwurf vergangener Größe, verkommen zu virtueller Impotenz, die sich in letzter Konsequenz in eben jenem Medientheater entlädt, das wir als peinlich berührte Europäer tagtäglich über uns ergehen lassen müssen.
Der von Bundeskanzler Friedrich Merz in Aussicht gestellte deutsche Beitrag zur Sicherungsmission fällt erwartungsgemäß bescheiden aus: Minenjagdboote (acht Stück verfügbar), ein Versorgungsschiff und zwei P‑8‑Poseidon‑Aufklärer. Keine Fregatten – die sind in einem NATO‑Einsatz im Nordatlantik gebunden. Deutschland verfügt zwar über ein Militärbudget, das alle anderen Europäer um viele Milliarden überragt, doch scheint auch dieses Geld im Nirwana seiner Bürokratie und in den Kassen der Rüstungskonzerne zu versanden, die dank der Schuldenorgie der Bundesregierung im Rausch zahlreicher Konfliktlagen die Sektkorken knallen lassen.
Soweit zum möglichen deutschen Beitrag. Doch wie gesagt: Ob es wirklich zu einem Militäreinsatz kommt, steht in den Sternen. Sie spüren zwar in Europa die Folgen ihrer Energieabhängigkeit und die Konsequenzen ihres öko‑sozialistischen Kurses, die ihnen wie ein eiskalter Wind um die Ohren wehen. Doch ändert dies nichts daran, dass man sich beharrlich weigert, das machtpolitische Vakuum anzuerkennen und damit beginnt, auf diplomatischer Ebene zusammenzusetzen, was man in den zurückliegenden Jahren an Porzellan – vor allen Dingen in den Beziehungen zu den USA und Russland – zerschlagen hat.
Aus dem Pokerspiel wissen wir: Wer zu oft am selben Tisch mit leeren Händen geblufft hat und damit aufflog, wird in den zukünftigen Runden regelrecht auseinandergenommen. Mit dem Austritt der USA aus der NATO wäre wohl auch der vollständige Rückzug aus dem Ukraine‑Konflikt verbunden. Dieser Zug würde sowohl die fragilen europäischen Finanzen als auch die nicht vorhandene europäische Sicherheitsinfrastruktur sichtbar machen. Die EU steht vor ökonomischen und geopolitischen Problemen, die sie allein nicht kontrollieren kann.
Aus europäischer Sicht bleiben nicht mehr viele politische Optionen. Den Anhängern einer intensiven Annäherung an China sei eines gesagt: China sieht in Europa nichts anderes als einen Dumping‑Ground für die Überschussproduktion seines politisch angeschobenen Exportsektors. Den Weg nach Europa wird sich Peking jederzeit mit dem Hebel eines Exportverbots für seltene Erden oder Mikrochips erzwingen. Dies ist keine tragfähige Option.
Die Reintegration Russlands in eine große eurasische Kooperation wäre ein natürliches und naheliegendes Element. Der Versuch, einen Regime Change in Moskau zu erzwingen, ist gescheitert. Die Idee der EU‑Außenbeauftragten Kaja Kallas, Russland in seine einzelnen Ethnien zu zerschlagen – um auf diese Weise den politischen Hebel zu halten und den Zugriff auf Rohstoffe und Energiereserven zu koordinieren –, bleibt ein Traum hysterischer Europäer, die sich in ihrer globalistischen Fantasiewelt verrannt haben.
Blieben noch die Vereinigten Staaten mit ihrem in Europa zunehmend verhassten Präsidenten Donald Trump. Er schafft Fakten, zerstört die Traumwelten der Europäer. Und er exekutiert ein politisches Programm, das es den Amerikanern ermöglicht, die westliche Hemisphäre auf lange Sicht zu dominieren. Dass die Amerikaner in den maritimen Flaschenhälsen dieser Welt – im Panamakanal, in der Straße von Hormus, aber auch nach dem Vertragsschluss mit Indonesien in der Straße von Malakka – ihr politisches Gewicht zur Geltung bringen, zeigt: Washington bereitet sich auf das Ringen um Macht mit China vor.
Sollten die Europäer der Idee nachhängen, dass sich die beiden Giganten à la longue nicht handelseinig werden, so werden sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach getäuscht haben. Die USA und China arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Machtsphären zu konsolidieren, Finanzsysteme und Rohstoffmärkte so zu reorganisieren, dass sie ihren ganz spezifischen industriellen Bedürfnissen entsprechen. Zudem wären die Kosten eines eskalierenden Konflikts zwischen den beiden zu hoch. Da ist es naheliegend, die Welt in entsprechende Machtsphären aufzuteilen und anderen die Kosten aufzubürden.
Den Europäern wird nun zum Verhängnis, dass das Unvermeidliche geschehen ist: Der Zugang zu Energie und dessen Distribution sind wieder zu Hebeln der Macht geworden. Öl und Gas dominieren – die von den Europäern Totgesagten leben länger! Und ihre Abhängigkeit ist frappierend: Bis zu 60 Prozent des Primärenergiebedarfs muss Europa aus dem Ausland importieren.
Wer aus dieser simplen Betrachtung nicht unmittelbar ableitet, dass es Zeit ist für Diplomatie und faire Verhandlungen mit Handelspartnern – und dass die Zeit vorüber ist, der Welt mit dem moralischen Zeigefinger zu begegnen und das eigene Net‑Zero‑Klimaregime durchzusetzen –, wurde von der Zeit regelrecht überspült.
Brüssels Strategie, die Welt in ein europäisches Klima‑Regime zu zwingen, scheiterte in dem Moment, als Donald Trump die von seinem Vorvorgänger Barack Obama verankerte europäische Klimapolitik zu Grabe trug. Dass sich Politiker wie Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Ursula von der Leyen noch immer an ihre Klimadoktrin, an den CO₂‑Handel und die Transformationskatastrophe klammern, ist für alle Europäer tragisch. Unsere Ökonomien bluten nun so lange aus, bis die ökonomische Realität – höhere Energiepreise, steigende Arbeitslosigkeit und die heraufziehende Staatsschuldenkrise – eine politische Wende erzwingt.

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> Der Verlust der geopolitischen Macht Europas ist die Abstiegsgeschichte unserer Zeit schlechthin. Als Europäer werden wir zu unfreiwilligen Zeugen des kontinentalen Verfalls verdammt. Und in keinem Feld der Politik offenbart sich das toxische Amalgam aus Ökosozialismus, Elitenarroganz und grassierendem Infantilismus eher als auf der Ebene der Europäischen Union.
Infantil ist der Größte Arzt aller Zeiten ebenso. Geopolitische Bedeutungslosigkeit ist mir egal, das ist ein Luxusproblem der Popanze – Verarmung finde ich weit schlimmer. Auf jeden Fall will ich nicht verarmen dafür, dass der „Arzt-Jesus“ die Weltherrschaft begehrt und sein korrupter Kumpel weiter Morden will.
> Damit ist klar: Die heiße Phase des Konflikts scheint vorüber, die wichtigsten Spieler haben ihre Züge bereits gemacht. Ach was: >>>“Warum die USA den Krieg gegen den Iran fortsetzen werden„<<< > „… In Bezug auf die vielen Worte, die Trump kürzlich über den Iran und den Libanon und „Frieden“ gesagt hat empfiehlt der früher Geheimdienstoffizier des US-Marine-Corps, Brian Berletic, sie zu ignorieren. Er empfiehlt stattdessen zu beachten, dass die US-Blockade gegen den Iran immer noch in Kraft ist und US-Militärgüter weiterhin in der Region eintreffen, während alle anderen US-Kriege und Stellvertreterkriege expandieren. … Das Hauptziel der USA sei die globale… Mehr
Der gesamte Westen leidet an offensichtlich an einer Debiität, die ihresgleichen auf der Welt sucht. England hat einen gerade noch manchmal einsatzfähigen Flugzeugträger, der andere wird ausgeschlachtet. Die englischen Zerstörer vom Type 47 sind schlicht fahrendes Altmetall. Deren „Aushängeschild“ die HMS Dragon, ein Zerstörer des ohnehin schon weltweit so ziemlich rückständigsten Typs 45, ist nach 6 (sechs!) Jahren im Dock zur Aufbesserung der schrottigen Antriebsanlage (PIP Programm) schon wieder im Dock. Man streitet sich, ob aus Angst vor Iranischen Raketen oder wegen eines Treffers der Hisbollah(!) oder weil das Ding generell eine Verfügbarkeit von nur 17% hat. England hat davon gerade… Mehr
> Sehr zum Schaden der Europäer, die dann noch mehr vom globalen Süden verachtet werden.
Sie meinen wohl die Popanze – im Ostblock hatten wir Schadenfreude, wenn das Sowjetimperium auf die Mütze kriegte. Das überträgt sich heute auf das westliche angelsächsische Imperium, welches höchstens ein wenig zwischen Wokeness und Neocon schaltet. Persönlich habe ich nichts davon, könnten sich Macronissimus, Mattz & Co mehr auf der Weltbühne aufpflustern.
Was ich noch nicht verstanden habe ist, was eine „Europäische Allianz“ ist.
Kriegen die Geld dafür?
Gut möglich, dass der Krieg um Hormus noch garnicht begonnen hat.
„Am Mittwoch endet der bislang stabile Waffenstillstand.‘
Dumm Tuech!
Wer hat ihn gebrochen?
Der orange Clown mit seiner Blockade der Strasse von Hormuz. Vollkommen zurecht verweigert deshalb der Iran weitere Gespraeche.
Dumme wählen Dumme. Könnte man es so auf einen Nenner bringen?
Egal welches Thema, egal welche Ebene. Man kann nur hoffen, dass die EU auf wundersame Weise endlich zerbricht und dieser Spuk ein für alle Mal endet. Außer Spesen nichts gewesen.
TE blickt mal wieder nur nach Westen. Hat irgendjemand bei TE die Wahl in Bulgarien registriert. Hat irgendjemand bei TE schon mitbekommen, daß dem slowakischen Regierungschef von Polen, Litauen und Lettland der Überflug nach Moskau verboten wurde?
Die übliche Einseitigkeit halt – leider!!!
„Bis zu 60 Prozent des Primärenergiebedarfs muss Europa aus dem Ausland importieren.“ Was nicht notwendig wäre, wenn wir unsere eigenen reichlich vorhandenen Energiequellen nutzen würden. Aber wir verstopfen sie mit Beton wie die Niederländer oder überfluten sie mit Rheinwasser wie die Nordrhein-Wandalen.