Wirtschaftlich wirkt die EU durch Überregulierung und katastrophale Energiepolitik schockgefroren. Allerdings floriert im Kontrast zur Realwirtschaft das politische Geschäft mit dem CO₂-Ablass. Dänemark eröffnet mit der CO₂-Einlagerung im Meeresboden nun den nächsten Zweig dieses fiskalischen Raubzugs.
picture alliance / Ritzau Scanpix | Bo Amstrup
In der Samstagsausgabe des Handelsblatt Morning Briefings forderten die Autoren eine positive Wachstumserzählung für Deutschland. Vieles werde schlechtgeredet. Die offenkundige Erklärung der Autoren für das Desaster lautet: Miesmacherei. Und der deutsche Hang zur schlechten Laune ist wohl schuld – und nicht eine völlig entglittene ideologische Degrowth-Politik.
Möglicherweise schreiben ja die Dänen den frustrierten deutschen Etatisten und Jüngern der Staatswirtschaft in diesen Tagen eine brandneue Aufbruchserzählung in ihre Bibel der Planwirtschaft: Bei unserem nördlichen Nachbarn beginnt nämlich mit einem Pilotprojekt die Einlagerung des vermaledeiten CO₂ – jenes Gases, das zwar als Pflanzennahrung unabkömmlicher Bestandteil natürlicher Prozesse ist, den Apologeten des Green Deal aber als herrschaftliche und moralisch aufgeladene Determinante für das Klima gilt.
Im vergangenen Jahr zahlte die deutsche Industrie über 21 Milliarden Euro an CO₂-Abgaben an die unterschiedlichen Staatsebenen. Von Brüssel über Berlin bis hinunter in die Kommunen ergießt sich diese Zusatzsteuer, die nun als Basis einer neuen Idee der CO₂-Kämpfer dient: der Einlagerung von abgeschiedenem CO₂ im Meeresboden der Nord- und Ostsee.
Deutschland spielt in diesem neuen Extraktionsgeschäft bislang nur eine Nebenrolle. Eigene Speicherprojekte existieren noch nicht, auch ein Abkommen mit Dänemark, das den Export deutscher CO₂-Emissionen erlauben würde, fehlt. Allerdings rüstet sich die Industrie für die kommende CO₂-Infrastruktur: Heidelberg Materials will im Zementwerk Geseke ab 2029 jährlich 700.000 Tonnen CO₂ abscheiden – mehr, als Greensands gesamte Startkapazität fasst. Geht es um Fördermittel und Extraktion, sind deutsche Unternehmen letztlich doch mittendrin statt nur dabei.
Erste Lieferanten des CO₂ sollen wohl dänische Biomethananlagen sein. Nach der Abscheidung wird das CO₂ verflüssigt, per Lkw zum CO₂-Terminal im Hafen von Esbjerg transportiert und dort mit dem Schiff „Carbon Destroyer One“ (der Wahnsinn kennt keine Grenzen) zu dem rund 250 Kilometer vor der Küste gelegenen Nini West Reservoir verfrachtet. Die Einlagerung des CO₂ erfolgt dann in einer Meerestiefe von 1.800 Metern – ein Irrsinnsprojekt, das nur durch massive Staatshilfen, also die Extraktion von Steuermitteln aus dem privaten Sektor, überhaupt denkbar ist.
Wie soll dieses unprofitable Business mit der politischen Ware CO₂ künftig funktionieren? CO₂ wird im Kern von einer Belastung der Betriebe zu einer handelbaren Dienstleistung umfunktioniert. Unternehmen, bei denen CO₂-Emissionen anfallen, können in Anlagen zur Abtrennung und Verflüssigung des CO₂ investieren und dieses Endprodukt einem Speicherbetreiber liefern. Der Betreiber übernimmt den Transport und die dauerhafte Speicherung, für die er einen Preis je Tonne CO₂ verlangt.
Entscheidend ist: Die technische Speicherung allein eröffnet selbstverständlich kein profitables Geschäftsmodell. Profitabel wird dieser Spagat zwischen ideologischer Verrücktheit und Günstlingswirtschaft durch die politische Konstruktion, die sie stützt. Der zugrunde liegende Geldstrom beginnt bei den Unternehmen, die CO₂ aus ihren Produktionsprozessen abscheiden müssen oder dies als neuen Geschäftszweig betreiben werden. Sie zahlen für die Abscheidung, die Verflüssigung, den Transport und schließlich für die Einlagerung.
Aber weshalb sollte ein Unternehmen dafür überhaupt Geld in die Hand nehmen? CO₂ hat im Rahmen der europäischen Klimapolitik längst einen Preis erhalten. Über das Emissionshandelssystem sind Unternehmen dazu verpflichtet, für ihre Emissionen Zertifikate zu erwerben. Wird CO₂ dagegen abgeschieden und dauerhaft gespeichert, kann es unter den entsprechenden regulatorischen Voraussetzungen aus der Emissionsbilanz des Unternehmens herausfallen – aus einer ursprünglich kostenpflichtigen Emission wird damit ein Produkt, für dessen Entsorgung ein künstlicher Markt geschaffen wird.
Hier schließt sich der Kreis: Der Staat verteuert zunächst die Emissionen von CO₂ und schafft damit einen künstlichen wirtschaftlichen Druck. Anschließend entstehen neue Geschäftsfelder wie die Einlagerung des CO₂ im Meeresboden, deren Kosten letztendlich die Endverbraucher und Steuerzahler bezahlen. Die öffentliche Hand sorgt derweil mit Förderprogrammen, Zuschüssen und regulatorischen Vorgaben dafür, dass sich die gesamte Konstruktion tatsächlich rechnet.
Im Falle des dänischen Greensand-Projekts kommt noch eine entscheidende Ebene hinzu: Die EU finanzierte das Vorhaben über den Innovation Fund – die Betreiber erhalten also Zuschüsse aus allen möglichen Förderquellen.
Mit echtem Unternehmertum hat das alles freilich nichts mehr zu tun – doch darum geht es hier auch gar nicht. Dänemark steht in der vordersten Frontlinie zur Eröffnung eines neuen Extraktionszweigs der gigantischen CO₂-Maschine – dem Herzstück der EU-Machtpolitik, die energieintensive Betriebe in ihren Schraubstock gespannt hat und sie nun auf der nächsten Ebene auspressen wird.
Brüssels fester Wille, sich über die Klimaregulierung fiskalische Souveränität und rechtsetzende Macht über die Mitgliedstaaten zu sichern, hat bislang den Sieg davongetragen. Doch auf nationalstaatlicher Ebene wächst der Widerstand gegen den Extraktionsmechanismus des Green Deal, der für jedermann sichtbar eine Schneise ökonomischer Verwüstung durch den Kontinent gezogen hat.





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