An deutscher Ideologie zerschellen selbst robuste Traditionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaftsgeschichte lässt sich anhand ihrer mittelständischen Traditionsbetriebe nachzeichnen. Viele von ihnen überstanden Kriege, Krisen und technologische Revolutionen. Der Zerstörungswut von Ökologismus und Degrowth-Ideologie haben viele von ihnen jedoch nichts mehr entgegenzusetzen.

picture alliance/dpa | Oliver Berg

Wer sich auf Spurensuche in der deutschen Wirtschaftsgeschichte begibt, stößt irgendwann zwangsläufig auf den Namen Coatinc Company. Die Firma aus Siegen ist, soweit dies die Dokumente hergeben, der älteste noch existierende deutsche Familienbetrieb. Im Jahr 1502 aus einem Betrieb der Eisenverarbeitung hervorgegangen, wurde daraus über fünf Jahrhunderte hinweg ein international etablierter Spezialist für Oberflächenveredelung und Feuerverzinkung.

Unternehmensgründer Heylmann Dresseler, Stahlschmiedemeister seiner Zeit, zahlte einen „Feuerschilling“, um eine Siegerländer Feuerstelle nutzen zu dürfen. Bis heute steht die Familie an der Spitze des Betriebs: Paul Niederstein, geboren 1974, ist heute Geschäftsführer und stammt in der 17. Generation in direkter Linie von besagtem mittelalterlichen Schmied ab. Ihren modernen Namen erhielt die Firma allerdings erst vor zehn Jahren, ein Tribut an die anglizistische Globalisierung.

Ein Schwenk nach Oberfranken: Dort hat der Glas- und Verpackungsspezialist Wiegand-Glas seit mehr als 450 Jahren seinen Firmensitz. Ursprünglich aus einer thüringisch-fränkischen Glashütte im Jahre 1570 hervorgegangen, entwickelte sich der Familienbetrieb zu einem der drei größten Behälterglashersteller Deutschlands, der heute an vier Standorten täglich mehr als acht Millionen Glasbehälter für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie fertigt.

Flexibilität ist ein Markenzeichen des Mittelstands, und so passte man sich immer wieder neuen Gegebenheiten an: Man ergänzte die Produktpalette um PET-Verpackungen und Recycling und integrierte zudem erneuerbare Energien ins Geschäftsmodell. Seit mehr als 450 Jahren in Familienhand wird das Unternehmen heute in vierter Generation von Nikolaus Wiegand geführt, der die Anteile seines Cousins Oliver Wiegand im April 2025 übernahm und seither alleiniger Gesellschafter ist.

Deutsche Traditionsbetriebe wie Wiegand-Glas oder die Coatinc Company finden sich noch immer zuhauf. Namen wie Sonnen Bassermann, Faber-Castell, Villeroy & Boch oder Merck sind jedermann bekannt und geben der deutschen Wirtschaft auch international ein Gesicht. Der Fall der Firma Merck ist dabei besonders interessant: Gegründet von Friedrich Jacob Merck im Jahre 1668 als Apotheke, stand am Ende von 358 Jahren Firmengeschichte der Aufstieg zu einem global operierenden Pharmakonzern – Wirtschaftsgeschichte „made in Germany“.

Zahlreiche dieser Nischen-Champions und Traditionsfirmen überlebten Kriege, Krisen und Katastrophen. Es ist bemerkenswert: Die Anpassungsfähigkeit, das unternehmerische Gen, das in diesen Familien gehegt und gepflegt wurde, überstand den Dreißigjährigen Krieg, die napoleonische Zeit und die Katastrophen des 20. Jahrhunderts vom Ersten Weltkrieg bis zum Holocaust.

In manchen Fällen trotzte die Familienresilienz sogar noch der zerstörerischen DDR-Wirtschaft – dieses Phänomen sollte von Ökonomen eigentlich intensiv studiert werden.

Was sind die Erfolgsfaktoren dieser Unternehmen, die sich erfolgreich gegen die Wellenschläge der Zeit, gegen die massiven Veränderungen auf dem Weltmarkt und gegenüber technologischen Brüchen zur Wehr setzen? Denken Sie an die Einführung der Dampfmaschine, neuer Transporttechnologien wie der Eisenbahn, die Einführung der Fließbandfertigung oder letzten Endes der Hochtechnologie bis hin zu Computer und Internet – sie sind immer noch da.

Von der Feuerstelle eines Schmieds bis hin zu einem Betrieb, der sich nahtlos in modernste Absatz- und Produktionstechnologien eingefügt hat – eine beeindruckende Evolutionsstory und der Beleg für die stets brennende Bereitschaft zur Häutung, um abzustreifen, was nicht mehr funktioniert und zu adaptieren, was der Markt verlangt. Möglicherweise verbirgt sich das Erfolgsgeheimnis ja bereits im Gattungsbegriff dieser Betriebe: Familienunternehmen.

In Mehrgenerationen-Familienunternehmen entsteht gewöhnlich eine Verantwortungskultur, die man auf den Punkt bringen kann: Man denkt in Jahren, wenn nicht in jahrzehntelangen Kalkulationen und nicht an die nächste Präsentation eines Quartalsergebnisses oder an schnelle, kurzfristige Optimierung. Diese Betriebe stehen in der Regel treu zu ihren Belegschaften; Eigentümer greifen eher auf private Rücklagen zurück, bevor sie sich zu Entlassungen entschließen oder neue Kredite beschaffen.

Konservativ geht es zu, wertegeleitet – etwas, das man im modernen Juste Milieu nicht so gerne hört.

Der Soziologe Max Weber, Antagonist des heutigen Ökosozialismus, fand eine der wichtigsten Ingredienzen des Erfolgs: Die calvinistisch-protestantische Ethik, die sich auf so wundersame Weise mit moderner und erfolgreicher Wirtschaftsweise verband.

Weber machte klar: Gesellschaftlicher Erfolg beginnt mit einer Verantwortungsethik, die tiefer wurzelt als politische Mode.

Übersetzt in eine moderne Erfolgsformel könnte man sagen: Wenn jeder mitzieht, seine Kompetenzen einbringt und sein Bestes gibt, wird es möglich, frühzeitig zu erkennen, was zu tun ist, um den gesamten Betrieb an neue Erfordernisse anzupassen – etwa durch die Einführung einer neuen Produktionsweise.

Kennt man zudem die Familien, die Inhaber, die alte Generation und die Nachfolger, werden Kundenbeziehungen stabiler, Vertrauen wächst, und es entstehen robuste, krisenfeste Wertschöpfungsketten.

„Standorttreue“ ist ein besonderes Phänomen, das viele moderne Betriebe, Politiker und die Wirtschaftspresse nur noch vom Hörensagen kennen. Es klingt kitschig, ist aber tatsächlich der Schlüssel zu stabilen Gemeinschaften und lokaler Prosperität. Wer sich einmal in seiner Community verwurzelt hat – denken Sie an Betriebe wie Trigema, Würth oder Kärcher – der genießt Meriten in der Bevölkerung und in gewissem Sinne auch Privilegien, wenn es beispielsweise um die Suche nach Personal geht. Menschen gewinnen Vertrauen in Beständigkeit und Kontinuität. Sie vertrauen den Vertretern bekannter Firmennamen mehr als dem Luftikus der Politik, der ihnen das Blaue vom Himmel verspricht.

Doch jede Epoche geht einmal zu Ende.

Das Ende der Zeit der deutschen Mittelstandskultur, der Familienbetriebe, scheint sich angesichts des gesellschaftlichen Klimas und des Erfolgs einer Ideologie anzubahnen, die ihre Wurzeln im Marxismus der Frankfurter Schule hat. Alles dreht sich um Fragen moralischer Betriebssteuerung. Die Politik hat das Ruder übernommen und herrscht bis in die höchsten Entscheidungsebenen der Wirtschaft hinein: Dem Klimagott werden wahrlich zu große Opfer gebracht.

Und so hat das Firmensterben in Deutschland längst auch die vermeintlich krisensicheren Zonen der deutschen Familienzunft erfasst. Firmen wie die Brauerei Eichbaum oder der thüringische Maschinenbauer Eliog müssen aufgrund der katastrophalen ökonomischen Lage und der hohen Energiekosten im Land ebenso die Pforten schließen wie beispielsweise der fränkische Gitarrenspezialist Höfner, der nach 138 Jahren Insolvenz anmelden musste, dessen Geschäftsbetrieb jedoch inzwischen übernommen und fortgeführt wird.

Ein weiteres Beispiel ist die Firma Eterna, ein Hemden- und Blusenhersteller, der beide Weltkriege überstand und nun Insolvenz beantragt hat. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Die Kinder der sozialistischen 68er-Revolution kennen keine Gnade mit Werten wie Tradition, Erwerbsfleiß, Patriotismus oder Familiensinn – alles wird dekonstruiert, nichts Eigenes, nichts Neues, nichts von Bestand wird geschaffen. Sie leben in der Jetztzeit, mit einer hohen Zeitpräferenz, wie Ökonomen sagen würden.

Und viele von ihnen leben sicher gebettet und gut alimentiert von eben jenen Erträgen der Familienbetriebe, die sie in ihrem ideologischen Furor von der Landkarte tilgen.

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