China legt im Rennen mit den USA um die Pole Position nach

Während der Boom der künstlichen Intelligenz an Deutschland und der EU weitestgehend vorüberzieht, heizt sich zwischen den USA und China das Rennen weiter auf. Chinas politische Führung präsentierte in diesen Tagen eine neue nationale Strategie zum Ausbau der Kapazitäten der Datencenter. Wir erleben einen Kampf der Systeme.

IMAGO / ZUMA Press Wire

Künstliche Intelligenz hat sich in Deutschland binnen kürzester Zeit einen schlechten Leumund erworben. Im öffentlichen Diskurs dominiert Skepsis. Nicht der Nutzen steht im Mittelpunkt der Debatten, sondern die Angst vor Kontrollverlust. Der Produktivitätsgewinn wird zwar diskutiert, aber zugleich als Risiko dargestellt – vor allem für den Arbeitsmarkt.

Zudem schweben die völlig berechtigten Fragen zur Datensicherheit wie ein Damoklesschwert über den energiefressenden Datencentern, die naturgemäß in einem Land, das sich dem Degrowth und der künstlichen Energieverknappung verschrieben hat, auf massiven Widerstand stoßen.

Am Ende steht die Frage im Raum: Heizen wir im Winter unsere Wohnungen, können wir Waschmaschine und Geschirrspüler flexibel bedienen oder betreibt der benachbarte Anbieter eines Datencenters rund um die Uhr den größten Energiefresser der Nachbarschaft und liefert dazu noch dem Überwachungsstaat sanktionierbare Informationen über jeden von uns?

In China und den USA, den beiden geopolitischen und ökonomischen Supermächten unserer Zeit, scheinen diese Fragestellungen hingegen eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Kapitalmärkte
Staubsaugereffekt durch KI-Boom: US-Konzerne bedienen sich am Anleihemarkt
Viel war in den vergangenen Monaten die Rede vom KI-Boom in den USA. Über 800 Milliarden Euro wollen die amerikanischen Unternehmen, angeführt von Meta, Microsoft und Google, allein in diesem Jahr in die notwendige Infrastruktur, eigene Energiequellen und Netze investieren, um die Datenökonomie vom autonomen Fahren bis hin zur Smart Factory Realität werden zu lassen. Konkurrent China zündete in der vergangenen Woche seinerseits die nächste Stufe im KI-Wettrennen mit Washington. Was die politische Führung in Peking konkret vorstellte, war eine nationale Datencenter-Strategie, die zunächst mit einem Fördervolumen von 2 Billionen Yuan beziehungsweise rund 295 Milliarden US-Dollar ausgestattet werden soll.

In den kommenden fünf Jahren plant Peking mit diesem Startkapital den zügigen Aufbau eines landesweiten Netzes von Rechenzentren – größtenteils staatlich geplant und finanziert, umgesetzt über die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) sowie durch staatsnahe Konzerne wie China Mobile und China Telecom.

Ein Blick auf die prominenten Beteiligten von Pekings Strategie ist verräterisch: Da finden sich Namen wie Huawei, Hikvision und DJI. Alles bleibt innerhalb der chinesischen Familie, wenn man so will. Ein Abfluss von Fördermitteln, wie wir ihn aus der deutschen Solarwirtschaft kennen, wird im chinesischen Fall der KI nicht geben. Da sollte sich niemand falsche Hoffnungen machen.

Die Politik hat das Ziel ausgerufen, etwa 80 Prozent der notwendigen Schlüsseltechnologien aus heimischer Produktion zu beziehen. Wertschöpfung und Know-how sollen im Standort China entstehen und im Binnenwettbewerb weiterentwickelt werden. Offiziell heißt es in Peking, auf die amerikanischen und europäischen Exportbeschränkungen zu reagieren. Der Streit um die Nvidia-Chips hat Spuren hinterlassen. Politische und wirtschaftliche Autonomie stehen im Vordergrund von Pekings Strategie.

Auf lange Sicht ist geplant, ein exklusives, ausschließlich chinesisch kontrolliertes KI-Ökosystem zu betreiben.

Boomende Datenökonomie
Brüssel reguliert den Keim zugrunde
Allerdings hat diese Strategie nicht nur einen ökonomischen Hintergrund – genau an diesem neuralgischen Punkt kollidieren ideologische Paradigmen zwischen dem Machtanspruch der chinesischen Führung und der stärker marktwirtschaftlich geprägten amerikanischen Strategie. Das, was in China heranwächst, eröffnet dem Staatsapparat im Sinne der Datensouveränität nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, tiefer in die private Kommunikation der Bürger einzudringen. Anders formuliert: Es geht um die Kontrolle politischer Diskurse und privater Kommunikation – ein Muster, das wir in ähnlicher Form auch aus der KI-Strategie und Regulierungspolitik der Europäischen Union kennen.

An den Finanzmärkten wurde Pekings Strategie zunächst wohlwollend aufgenommen. Die Aktien von Rechenzentrumsbetreibern wie GDS Holdings oder der VNET Group konnten Kursgewinne von bis zu 10 Prozent verzeichnen. Das Signal ist unmissverständlich: Auch wenn der milliardenschwere Börsengang von SpaceX dem KI-Boom an den US-Börsen etwas Liquidität entzogen hat, ist diese Story längst nicht auserzählt. Dass sich die europäische Strategie in diesem Feld im Wesentlichen auf Überregulierung und die hinlänglich bekannte, altbackene Bewirtschaftung mit Fördermitteltöpfchen beschränkt, ist tragisch. In diesem Modus ziehen die Produktivitätsschübe der KI an Europa vorüber. Zurück bleiben weitere Wettbewerbsnachteile – ein Standort, von dem sich Kapital und kluge Köpfe weiter zurückziehen.

Der Kampf der beiden Supermächte um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz hat sich längst auch in den politischen und kulturellen Raum verlagert.

China verfolgt dabei eine altbekannte Strategie und aktiviert seine akademischen Netzwerke, Forschungskooperationen und industriepolitischen Debattenräume, um über Thinktanks und sein breit aufgefächertes Stiftungsnetz immer wieder vor den Risiken von KI zu warnen und Unsicherheit in der Bevölkerung zu verstärken.

In Europa verfängt diese Strategie deutlich stärker als in den Vereinigten Staaten. Dort hält die Regierung von US-Präsident Donald Trump Kurs, nicht zuletzt, weil die massiven Investitionen des privaten Sektors – insbesondere in Energieinfrastruktur und Rechenkapazitäten – einen stabilisierenden Effekt auf ein insgesamt unterfinanziertes System entfalten.

Der aktuelle Stand der Dinge ist eindeutig: Die USA setzen auf den privatwirtschaftlichen Ausbau der KI-Infrastruktur und intervenieren deutlich weniger im Bereich der privaten Kommunikation als Europa und China. China wiederum hat den Wettbewerb angenommen und aktiviert seine überdimensionierte Staatsmaschine, um mit den USA Schritt zu halten. Europa debattiert derweil über die Einführung von KI-Sonderabgaben.

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Kommentare ( 13 )

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WGreuer
23 Tage her

„China wiederum hat den Wettbewerb angenommen und aktiviert seine überdimensionierte Staatsmaschine, um mit den USA Schritt zu halten. „ Dieses Rennen haben die Chinesen bereits gewonnen, das ist nur vielen noch nicht klar. Die chinesen haben die besseren WIssenschaftler, der besseren KI-Modelle und Algorythmen – was noch fehlt sind effektive Chips, aber das kommt. China hat in den letzten Jahren in 63 von (ich glaube 68) High-Tech-Bereichen bereits die Führung übernommen, und das ganz gezielt und geplant. China hat die elektrische Energie, die geistige Energie und den Willen, das für das Land und die Menschen (wobei ich nicht weiß, ob KI… Mehr

Albert Pflueger
23 Tage her

Wenn wir ganz, ganz großes Glück haben, wird es eine neue, auf Neurowissenschaft basierende KI geben, die den astronomischen Stromverbrauch derzeitiger Systeme nicht hat. Das wäre dann vergleichbar mit dem Mobilfunk, der es zurückgebliebenen Ländern ersparte, Telefonleitungen verlegen zu müssen.

giesemann
23 Tage her
Antworten an  Albert Pflueger

An optischen Rechnern wird seit längerem gearbeitet, die laufen auch mit Sonnen- und Kerzenlicht. https://de.wikipedia.org/wiki/Optischer_Computer. Das Hochtechnologieunternehmen Trumpf treibt das sogenannte optische Computing (auch photonisches Computing) und Quantencomputing maßgeblich voran. Anstatt elektrischer Ströme nutzen optische Computer Laserlicht, um Rechenoperationen durchzuführen. Dadurch arbeiten sie deutlich energieeffizienter und schneller.

Haba Orwell
23 Tage her

> Die USA setzen auf den privatwirtschaftlichen Ausbau der KI-Infrastruktur und intervenieren deutlich weniger im Bereich der privaten Kommunikation als Europa und China.

Aha. Kürzlich habe ich auf UncutNews eine Analyse gelesen, wie garantierte Pentagon-Aufträge den Aktienkurs der Musk-Unternehmungen pushen – er wurde bereits öfter vom US-Staat vor der Pleite gerettet. Aber sowas von Staatswirtschaftlich.

Woher kommen Palantir-Aufträge?

Albert Pflueger
23 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Die Aufträge an Musk-Firmen könnten damit zu tun haben, daß die nachgefragte Leistung zu konkurrenzfähigem Preis angeboten wurde. Hierzulande schaltet die Regierung ganzseitige Anzeigen in der FAZ etc.. Wovon hat der Bürger mehr? Von Satelliten oder von FAZ-Lobhudelei?

giesemann
24 Tage her

Vor kurzem haben sie noch von „Industrie 4.0“ gefaselt, heute ist das eben „KI“. Warum nicht, Automatisierungen laufen stetig weiter, die Frage ist nur: Wer soll’s kaufen? Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinkepinke, wer hat so viel Geld? Weltbevölkerungskonferenz: Neuer Anlauf für Frauenrechte, Tim Schauenberg. 12. November 2019 Wenn Frauen gesünder leben können und weniger Kinder bekommen, hat das positive Effekte auf die gesamte Gesellschaft. Auf der Weltbevölkerungskonferenz in Nairobi will man deshalb alten Zielen neue Impulse geben. Ein Fall für NI. Die Natur, das alte Luder, hat immer eine Antwort. Muttu du… Mehr

Teiresias
24 Tage her

Niemand weiss, ob KI nicht vielleicht die nächste Dotcom-Blase wird. Ferner gibt es da noch das Problem, das Autos keine Autos kaufen. Vernichtet KI ersatzlos Arbeitsplätze, wovon leben die Leute dann? Wie sieht eine KI-Volkswirtschaft aus? „Own nothing, be happy“? Ist KI letztendlich die Waffe der „Eliten“, um die französische Revolution rückgängig zu machen? Die Bevölkerung weltweit 80% zu reduzieren, wie Bill Gates es öffentlich propagiert, und damit auf das Niveau des 18.Jahrhunderts zurückzuführen? Die Mittelschicht abzuwickeln und wieder absolut zu herrschen, ohne Rücksicht auf Untertanen nehmen zu müssen? Telleyrand sagte mal wehmütig über das Ancient Regime, daß, wer das… Mehr

Dundee
24 Tage her

KI wird überschätzt. Und gleichzeitig völlig falsch eingeschätzt. Ja, die KI wird die Welt verändern. Hauptsächlich in Behörden und Verwaltungen, Versicherungen. Millionen Beamte und Angestellte werden ihre Arbeit verlieren. Denn eine KI kann das alles schneller, besser, noch gleichgeschalteter, ohne korrumpiert werden zu können, ohne 30 Tage im Jahr krank zu sein und 40 Tage im Urlaub. Doch keine KI kann einen kaputten Wasserhahn reparieren, kein Dach decken und keine Straße asphaltieren. Hier liegt die Überschätzung der KI. KI hat keinen bzw kaum wirtschaftlichen Wert zur Steigerung des Bruttosozialprodukt. KI hat aber immenses Sparpotential in einem Bereich, der in den… Mehr

Mausi
23 Tage her
Antworten an  Dundee

ohne korrumpiert werden zu können: Ist das so?

man without opinion
24 Tage her

Moin,
Deutschland ist bei der KI ganz vorne!
Aber sowas von!
Gerade in der Verwaltung führt die KI zu ungeahnter Entschleunigung.
Keine lästigen Telefonate mehr.
Dafür endlich Zeit für Fahrradbeauftragte, Gleichstellung oder zusammengefasst Diverses.
Divers ist ja nicht nur das Geschlecht. Es gibt so fürchterlich viele unterschiedliche Fahrräder, halal, egal, fatal. Wenn ein 55 Jähriger plötzlich davon überrascht wird, daß er eigentlich eine Frau ist. Wie werden die Rentenpunkte gerechnet, wenn Elterngeld erst beim 2. Kind beantragt wurde…
Es wird spannend in dieser Republik.
LG

Biskaborn
24 Tage her

Egal wie man zu den hier vorgestellten Modellen die Entwicklung der KI steht, wieder wird deutlich, diese EU ist auf allen Gebieten verloren, wird jeglichen Wettbewerb sang und klanglos verlieren mit katastrophalen Folgen für den Wohlstand der Menschen in der EU!

karlotto
24 Tage her

Ein überlegenes Wirtschaftssystem , wird den Sieg bringen.
Chinas Deutschlandmodel , Einparteienstaat mit Einheitsgewekschaft , hat das erreicht was die Kommunisten nicht konnten.
Übrigens , Kommunismus schließt
sämtliche Form des Privateigentums aus.
Das zum Thema , Kommunismus in China.

Gerhard-66
24 Tage her

Ja Technologie..:-)

Ist alles was..:-)

NeuLand und Böse..:-)

Schön..:-)

Wenn Man.. Von der German Angst regiert wird..:-)

Und Nicht von..

Welcome to Tomorow..:-)

Hoffnung..:-)

Zuversicht..:-)

Und Optimus..:-)

WILLKOMMEN…:-)

Im Kerker.. .. des Mittelalters..:-)

Im ZeitAlter..:-)

Der Weber Aufstände..:-)

Wie Sagte Noch Einmal so Schön.. .. Mister Grobatschow..

Wer Zu Spät kommt..:-)

Wird Bestraft..:-)