Was der Wirtschaft wirklich wichtig ist: Nein zu Zigeunersauce und Drei Mohren

Nein, „Corona“ und die Unfähigkeit der Herrschenden, damit umzugehen, schreckt unsere Unternehmer nicht. Sie haben viel wichtigere Probleme, nur eine Priorität: nicht zu versäumen, schnell genug auf den Anti-Rassismus-Zug zu springen.

shutterstock/Cineberg

Die deutsche Wirtschaft ist alarmiert. Nein, nicht wegen Pleitewelle, Umsatzeinbruch oder fehlendem Export, nicht wegen der drohenden Arbeitslosigkeit für tausende Mitarbeiter und der Katastrophe für deren Familien. Noch nicht einmal, weil die „Verlorene Generation“ (Kinderhilfswerk) „wegen Corona“ nicht mehr über nötige Bildung für die Ausbildung verfügt. Nein, „Corona“ und die Unfähigkeit der Herrschenden, damit umzugehen, schreckt unsere Unternehmer nicht. Sie haben viel wichtigere Probleme, nur eine Priorität: nicht zu versäumen, schnell genug auf den Anti-Rassismus-Zug zu springen. Denn wer zu spät kommt, den bestraft (angeblich) der Kunde.

Jetzt kündigt die Heilbronner Traditionsfirma Knorr (inzwischen zum Unilever-Konzern gehörig) an, ihre legendäre Zigeunersauce umzubenennen. Dass das deutsche Unternehmertum vor solchem Kinderkram auf die Knie geht, ist nur noch mit der Greta-Hysterie zu vergleichen. Die schwedische Schulschwänzerin wurde kurzfristig (!) zur Ikone, und gestandene Staatenlenker sanken vor ihr in Ehrfurcht auf die Knie und bettelten wie Groupies um Selfies. Einzig der unerschrockene Trump ließ sich nicht beirren und twitterte treffend: „Sie sieht ja soooo glücklich aus!“ Bischöfe ernannten sie zur Prophetin und verglichen sie mit Vater, Sohn und Heiligem Geist. Das passt zu der „Gott ist tot“-Theologie der Event-Kirchen: Von Greta hört man auch nichts mehr, von ihren Schul-mitschwänzenden Jüngerscharen noch weniger.

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Nein, so soll es unserer Wirtschaft nicht ergehen! Da muss schnell gehandelt werden, bevor der Hype vorbei ist. Wir Deutschen sind da gründlich. Und glückliche Gewinner sind die Grafikdesigner und Werbestrategen: neue Namen, Slogans und Signets müssen her. Statt diesen Irrsinn auszusitzen! Zurück zu Knorr: Die haben dem Umbenennungs-Wahnsinn 2013 noch widerstanden. Damals warnte selbst der Zentralrat der Sinti und Roma vor einer „dogmatischen Sprachregelung“ und legte keinen Wert auf neue Namen. Es gäbe wichtigere Probleme. Tja, über manches wächst eben barmherzig das Gras. Bis ein Kamel kommt und es wieder abfrisst. Nun ist es soweit, denn die Gutmenschen brauchen ein Thema. Doch auch jetzt ist vom Vorsitzenden Romani Rose zu hören, dass „Zigeunerschnitzel und Zigeunersauce nicht von oberster Dringlichkeit“ sei.

Da bin ich aber froh, dass mein Appell nicht ganz umsonst war: 2014 veröffentlichte ich das nun wieder tagesaktuelle Buch „Rettet das Zigeunerschnitzel“. Der Stern adelte es sogar zu einer Titelgeschichte und interviewte eine bekennende Romni aus dem EU-Parlament. Die sicher völlig unerwartete Antwort der Menschenrechtsaktivistin war eine echte Überraschung. Sie wurde zum Titel: „Behaltet doch euer Zigeunerschnitzel!“. Die Ungarin Livia Jaroka zum Stern: „Die Debatte in Deutschland ist verrückt, die Bezeichnung unproblematisch.“ Und jetzt muss ausgerechnet ihr Heimatland herhalten, um der würzigen Knorr-Sauce einen „Namen ohne Beigeschmack“ zu geben: Paprikasauce ungarischer Art. Wann schreien eigentlich die Hamburger, Berliner, Wiener, Leipziger, Frankfurter, Amerikaner usw auf?! Oder die Bürger_*innen von Kassel, die es sogar geräuchert gibt ….

Noch flotter als Knorr handelte der Mars-Konzern. Der beliebte Uncle Ben‘s Reis bekommt per sofort einen neuen Namen, „weil er an das Trauma der Sklaverei erinnert.“ Sorry, mich als Preuße erinnert eher das Leipziger Allerlei an das Trauma der Völkerschlacht von 1813, wo „wir“ zwar gegen Napoleon siegten, es aber über 90.000 tote Soldaten gab. Nein, meine lieben PC-Unternehmer: Eure Werbung hat aus mir keinen Rassisten gemacht. Ganz Im Gegenteil: Ich fand die Werbespots mit Onkel Ben immer sympathisch. Was ich jedoch unsympathisch finde, dass Ihr Euch über angeblich rassistische Namen Sorgen macht, aber nicht über meine Gesundheit und die Qualität Eures Produktes. Euch ist das Etikett wichtiger als der Inhalt.

Mitten in diesem Umbennnungs-Irrsinn gab es nämlich am 30. Juli eine dramatische Rückrufaktion: Der „Uncle Ben‘s Express-Naturreis Basmati“ enthalte Glassplitter. Klar, die Firma hatte an anderer Front zu kämpfen und für solche Produktions-Lappalien keine Zeit. Hauptsache das Splitter-Produkt ist nicht mehr rassistisch.

Political Correctness
Die verordnete Leitkultur
Auch ganz fix war das Unternehmen „Drei-Mohren-Hotel“ in Augsburg. Die CSU-regierte Stadt gilt ja als besonders gründlich. Der hell- und weitsichtige Oberbürgermeister Kurt Gribl (Präsident des bayerischen Städtetages!) sprach nach dem Totschlag eines Feuerwehrmanns am Nikolaustag 2019 in der offiziellen Traueranzeige von einem „tragischen Vorfall“ — wohl in vorauseilendem Gehorsam zum neuen Multikulti-Bayern des neuen Ministerpräsidenten. Ganz fix war man in der Fugger- und Fuggerinnen-Stadt auch dem grassierenden Gender-Wahn verfallen:

Nach SPD-Hannover folgte CSU-Augsburg mit einer „Arbeitshilfe für die Verwendung geschlechtersensibler Sprache.“ Die neuen Prioritäten der CSU lauten zum Beispiel: Statt Mütterberatung jetzt Elternberatung, zu der dann wohl Elter 1 oder/und Elter 2 erscheinen dürfen. Oder der Teamleiter wird zur Teamleitung, was ja auch viel persönlicher, also sensibler ist. Und jetzt mal im Galopp die Drei-Mohren opfern, bar jeglicher Ahnung, woher der Name der vielen Drei-Mohren-Apotheken und -Hotels und -Gaststätten eigentlich stammt. Zuviel Bildung schadet nur. Und Fakten dürfen den Fake nicht stören. Jetzt heißt es „Maximilian‘s“. Hoffentlich war der Herr Maximilian kein Rassist oder Antisemit wie jener Herr Glinka, nach dem man den Berliner U-Bahnhof Mohrenstraße benennen wollte.

Die Reaktion der ehemaligen Gäste des Luxushotels: Es gibt einen Run auf Erinnerungsstücke, oder besser gesagt: auf alles, worauf Drei Mohren steht, von der Streichholzschachtel bis zur Suppenterrine. Meine Güte: alles Rassisten! Was für Gäste hatten die! Ich alter weißer Mann sollte dort am 24. Februar um 11 Uhr einen Vortrag halten. Gut, dass der „wegen Corona“ ausgefallen ist. Das Meinungsforschungsinstitut Civey machte, aufgehängt an Augsburgs Drei Mohren, letzte Woche eine repräsentative Umfrage: Sollen Betriebe und Produkte mit rassistisch wahrgenommenen Namen umbenannt werden? Nein, so 72,1 Prozent der Befragten. Nur 18,1 dafür. Da passt die Analyse von Jan Fleischhauer im Focus: „So ist das mit Sekten. Wer sich auf ihre Gedankenwelt einlässt, ist auch mit dabei, wenn die Abzweigung ins Fundamentalistische genommen wird. Mit einem Appell an die Vernunft oder gutem Zureden ist hier nichts mehr auszurichten ….. Über ihre Sympathisanten in den Medien wird sie (die Anti-Rassismus-Bewegung) so in jedem Fall nicht hinauskommen.“

Ganz ohne diese Umfrage reagieren wirklich Betroffene übrigens gelassen wie jene „Zigeunerin“ aus dem EU-Parlament. Ein Jahr nach Erscheinen meines Buches „Rettet das Zigeunerschnitzel“ (und auch den Mohrenkopf) nannte der Koch Andrew Onuegbu, aus Nigeria stammend, sein Kieler Restaurant „Zum Mohrenkopf“. Er wurde zum Titel des Süddeutsche Zeitung Magazins und sagte den Kollegen selbstbewußt: „Ich bin Mohr. Ich stehe zu meiner schwarzen Hautfarbe.“ Der Name sei Ausdruck seiner eigenen Einstellung: „Wir Schwarze sind ganz gelassen.“

Und dann, schönen Gruß nach Augsburg:„Der Mohr stand im Mittelalter als Auszeichnung für gute Küche.“ Daran wolle er anknüpfen. So auch der „Treffpunkt Berlin“ neben dem ZDF-Gebäude mit ur-deutscher Küche. Dort bestellt man schon deshalb gerne den „Mohr im Hemd“, weil man dann den Koch sehen kann: Ein selbstbewußter, fröhlicher Schwarzer, der dieses schmackhafte Gericht mit strahlendem Gesicht selbst serviert.


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Kommentare ( 173 )

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Heinrich Wolter
3 Monate her

Mir erschließt sich der Sinn nicht ganz. Sollen hier im Nachgang zu den Nazis die „Zigeuner“ komplett ausgelöscht werden? Die gibt es doch gar nicht mehr, sind doch alle „Sinti und Roma“.

Dr. Mephisto von Rehmstack
3 Monate her

Ich habe die Rationale hinter dieser Aktion noch nicht ganz verstanden: es sind doch durchweg hochwertige Dinge (naja bei der Knorr Sauce bin da nicht so sicher), die mit diesen „rassistischen“ Bezeichnungen benannt werden. Ich würde es ja verstehen, wenn mansich dagegen verwehrte, daß zB Klopapier, Klobürste oder Rohrfrei mit ethnischen Begriffen verknüpft werden, aber warum ist PoC besser als Neger, warum Sinti und Roma besser als Zigeuner außer das die Begriffe noch unpräziser werden. Der Rassismus entsteht in den Köpfen derer, die vor dem Rassismus warnen, wer bei der „Mohren Apotheke“ keine negativen Assoziationen bekommt, ist weitgehend Rassismus resistent:… Mehr

Dr. Mephisto von Rehmstack
3 Monate her

Zum Selbstverständnis der Schwarzafrikaner (aka Neger): in den frühen Siebzigern hatten wir in Marburg Besuch von einem baumlangen Nigerianer, der in Berlin studierte; nach feucht-fröhlicher Nacht brachten wir ihm zum Marburger Bahnhof (es gab noch diese kleinen Glasbutzen in den einer der weißen Herrenrasse eingezwängt die Zugangsberechtigung zum Betreten des Bahnsteigs kontrollierte), er trug seinen Koffer auf dem Kopf, weil er meinte, daß man das hier doch von ihm erwarten könnte; er beugte sich also nieder zu dem im Käfig sitzenden Kontrollör, immer noch den Koffer auf dem Kopf und ein Meter über ihm und fragte in akzentfreiem Deutsch, ob… Mehr

ExternerBlick
3 Monate her

Rassismus gegen Mohren, Zigeuner, etc. – offensichtlich ein gravierendes Alltagsproblem in Deutschland.

Im „Tagesspiegel“ vom 7. Juni 2020 gab es die Frage, ob es irgendwann auch einen

„Rassismus gegen Weiße“

geben könnte.

Es gab dort den Satz:

„Auch weiße Menschen können (…) in äußerst schlechte Lebensbedingungen hineingeboren werden. Selbstverständlich können sie unter Mobbing leiden und von struktureller Diskriminierung wie Antisemitismus, Sexismus, Homophobie oder sozialer Ausgrenzung betroffen sein.“

Ein Nachbar fragte gestern:

Muss dann auch die „Weiße Soße – Sauche Béchamel“ der Marke „Bon Chef“ umbenannt werden??

Vergackeiert
3 Monate her

schon vor 20 Jahren ging mir dieser anwanzende vorauseilende Gehorsam massiv auf den Wecker. Die Führungskräfte der heutigen Großkolchosen, manche sprechen von Zombie Unternehmen, aber auch der Mittelstand der über jedes hingehaltene Stöckchen springt, sind nicht anders. Und die breite Mehrheit glaubt immer noch wenn sie die schwarze SED mit grünem Fundament wählt, das diese mit so einer verkorksten Wirtschaft ja Gesellschaft weiter kommt? Lachomat fällt mir nur dazu ein, was haben die denn alle geraucht? Jedenfalls mit Realität hat das nichts mehr zu tun. Fazit: Das kann dann auch mal weg, die Deutsche Wirtschaft wird es demnächst ohnehin sein.… Mehr

moorwald
3 Monate her

Eines ist sicher: Was heute dank Umbenennung als „politisch korrekt“ gilt, muß morgen schon wieder geändert werden. Denn die Tatsache der Verschiedenheit der Menschen läßt sich durch Sprachreinigung ja nicht aus der Welt schaffen. Es gibt Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Dumme und Kluge, Schöne und Häßliche… und wird sie immer geben

Was ich bis heute nicht verstehe: Woher dieser Haß auf die und die Angst vor der Vielfalt? Wo doch sonst „Buntheit“ gefragt ist…

Vergackeiert
3 Monate her
Antworten an  moorwald

das ist das Neu-Deutsche Schizophrene, wie bei Orwell, wenn Sie das umdrehen wird es glasklar. In meiner Schulzeit vor mehr als 40 Jahren fing das schon an: Die Kinder sollen „Ihre“ Meinung sagen, ABER wenn das Kind von einem Selbständigen war und das nicht in die rote Tendenz paßte, war schnell der Ofen aus. Und heute hat man das auf die Spitze getrieben, es ist bezüglich der Meinungen das Gegenteil gemeint auch wenn sonst alle Couleurs von Sozialmigranten die Gesellschaft „beglücken“. Deutsches Zwiedenk eben!

Albert Pflueger
3 Monate her

Wenn jetzt immer über Sinti und Roma, statt über Zigeuner gesprochen wird, dann werden die Unterschiede dieser Volksgruppe betont. Ein Sinti ist kein Roma und umgekehrt, aber beide gehören dem „fahrenden Volk“ der Zigeuner an. Unterschiedliche Stämme können durchaus zu einem gemeinsamen Volk gehören.

Unilever unterstützt übrigens die Amadeo-Antonio-Stasi-Stiftung durch Spenden. Deren Produkte sollte man ohnehin nur dann kaufen, wenn die Alternativen richtig wehtun.

Noergel Jo
3 Monate her
Antworten an  Albert Pflueger

„Unilever unterstützt übrigens die Amadeo-Antonio-Stasi-Stiftung“
Danke für den Hinweis!

rainer101
3 Monate her

Bismarck steht an, vom Sockel geholt zu werden. Der Hering wird ihm folgen (müssen).

Mayor Quimby
3 Monate her

„Get woke, go broke…“

In den USA gehen inzwischen ganze Städte an der „wokeness“ zugrunde: New York, San Franzisco. Und wer dort als Unternehmen „woke“ wird, verliert sofort massiv Kunden.

Teilweise bis zur Pleite. Weil die Kunden ja wissen, daß Qualität ab sofort keine Rolle mehr spielen wird; statt dessen gibt es oben drein noch politische Belästigung. Wer das Produkt dennoch haben will, plündert sowieso und kann wg. der wokeness nicht mehr bestraft werden.

Eine Todesspirale.

Freespeech
3 Monate her

Neuesten Berichten zufolge soll der Zigeunerbaron von Johann Strauß umbenannt werden in der „Paprikabaron Ungarischer Art“…