Übereinstimmende Studien: Raucher infizieren sich deutlich seltener mit Corona

Eine neue Studie zeigt, dass Corona-Patienten weit unterproportional häufig Raucher sind. Das ist nicht die erste Studie, die so eine Korrelation zeigt, auch bei den schweren Verläufen zeichnet sich ein überraschendes Bild.

imago images / Kirchner-Media

Raucher gelten allgemeinhin als Corona-Risikogruppe. Die vage Begründung: Raucher hätten eine bereits angeschlagene Lunge, Rauchen beinhaltet Giftstoffe, die das Immunsystem schwächen. Schließlich ist Rauchen böse, und man sollte ohnehin damit aufhören, am besten sofort. Deswegen endeten nahezu alle Artikel deutscher Medien im Frühjahr über erste Studien, die positive Auswirkungen von Rauchen auf Corona-Infektionen aufzeigten, mit der Aufforderung, dennoch mit dem Rauchen aufzuhören. RTL.de gelingt sogar das Kunststück, einen Bericht über eine Studie, die zeigt, dass Raucher weniger gefährdet sind, Corona zu kriegen, zu betiteln mit: „Rauchen schützt NICHT vor Corona – warum trotzdem Verwirrung herrscht“. Das RKI schreibt mit bestechender Logik immerhin: „Raucher stecken sich offenbar nicht häufiger mit dem Coronavirus an als Nichtraucher.“ Die Schokoladenration wurde von 30 auf 25 Gramm nicht erhöht.

Heft 01-2021
Tichys Einblick 01-2021: Wer schützt unsere Demokratie vor Corona?
In der Wissenschaft gibt es nun mehrere Studien, die relativ solide Daten bringen: Raucher sind wohl deutlich weniger gefährdet, sich mit Corona zu infizieren als Nichtraucher. Das zeigt zuletzt eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen vom 25. November, die darüber Aufschluss geben sollte, welche Gruppen der Bevölkerung welches Risiko haben, sich mit Corona zu infizieren. Dafür wurden alle Bürger der Stadt Essen, die sich an die örtliche Corona Task Force wandten und einen PCR-Test erhielten, befragt. Es wurden 296 positiv Getestete und 1.641 negativ Getestete nach verschiedenen Eigenschaften kategorisiert, u.a. ob die Person aus einem Risikogebiet kam, ob man engen Kontakt hatte mit einem bestätigten Coronafall etc. Unter allen Kategorien ist die Kategorie „Raucht aktuell mehr als 10 Zigaretten am Tag“ diejenige, bei der das Ergebnis unter positiv Getesteten und negativ Getesteten am zweitstärksten differiert. Allein die Frage, ob der Geschmackssinn verloren wurde, zeigt eine höhere Diskrepanz.
Unter den positiv Getesteten sind nur 5,9% Raucher, während es 19% unter den negativ Getesteten sind. Das heißt, Nicht-Raucher infizieren sich mehr als drei mal so häufig, wie Raucher.

Eine französissche Studie kam im Frühjahr zu ähnlichen Ergebnissen, hier war die Wahrscheinlichkeit bis zu 80% geringer. Und selbst zur Frage, wie schwer der Verlauf einer Corona-Infektion ist, gibt es überraschende Ergebnisse. So zeigen Daten einer Regensburger Studie unter 419 genesenen Covid-Patienten der ersten Welle im Frühjahr, dass bei den 50 Rauchern unter den Teilnehmern die typischen Corona-Symptome weitaus weniger ausgeprägt gewesen sind als bei den Nichtrauchern, auch die Dauer der Erkrankung soll in der Regel kürzer gewesen sein. Raucher könnten also nicht nur weniger anfällig für eine Corona-Infektion sein, sondern auch für einen schweren Verlauf von Covid-19.

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Ich möchte Sie damit keinesfalls zum Rauchen animieren, schon allein weil ich dann Ärger mit meiner Mutter kriegen würde. Verglichen mit dem, was wir sonst so alles als Faktum zu Corona betrachten, was irgendein Virologe oder Tierarzt in seinem Kaffeesatz am Morgen gelesen hat, ist die Datenlage zum Rauchen aber schon relativ eindeutig. Man sollte immerhin darüber diskutieren, die französischen Forscher spekulierten sogar, ob Nikotin-Pflaster nicht tatsächlich ein effektives Mittel sind, um einer Infektion vorzubeugen, weswegen in Frankreich kurzzeitig die Nikotinpflaster ausverkauft waren. Es kann aber auch tausend andere Gründe für diese Korrelationen geben, vielleicht sind Raucher einfach öfter zu Hause oder fahren öfter Auto statt mit dem öffentlichen Nahverkehr, um nicht auf Entzug gesetzt zu werden. Ich will ja nichts sagen, vielleicht liegt es auch daran, dass Friedenspfeifen überdurchschnittlich häufig von Medizinmännern geraucht werden. Aber die Korrelation ist nicht wegzudiskutieren, und es ist schon frappierend, dass solche Ergebnisse medial überhaupt nicht stattfinden oder immerhin diskutiert werden, während sonst jeder Schwachsinn durch alle Kanäle gespült wird.
Jedenfalls wäre das doch etwas für die neuen Schockbilder: Eine Raucherkneipe ohne Masken und Sicherheitsabstände. Rauchen gefährdet ihre Quarantäne. Furchtbar!

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Kommentare ( 72 )

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Durchblick
3 Monate her

Ich rauche schon seit 45 Jahren und hatte noch nie eine Grippe. Aber es ging mir einmal nach einer Grippe-Impfung nicht gut. Deshalb blieb das auch meine einzige Impfung dieser Art.
Ans Aufhören habe ich seit den 80ern nicht mehr gedacht.

Anti-Merkel
3 Monate her

„Ab sofort gilt damit Kettenrauch-Pflicht für alle. Nächstes Jahr gilt dann stattdessen die Maskenpflicht, um die Leute vor dem Einatmen von Rauch zu schützen, und ein Lockdown wegen der Nikotinsucht-Pandemie!“
— Lauterbach

FZW
3 Monate her

Bei WELT online heute gelesen: „Raucher haben ein sehr viel höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf, sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung“.
Das ist das, was den ganzen Covidzirkus langsam so irreal erscheinen läßt. Jeder plärrt irgendeinen Mist heraus und kein Mensch weiß mehr, wem er noch glauben soll. Wahrscheinlich findet sich für so ziemlich jede Meinung irgendeine Studie, die sie bestätigt 😉

tmarek
3 Monate her

Das wichtigste wurde hier leider außer Acht gelassen: warum rauchten die Menschen bis kurz vor ihrem Tod nicht mehr?
Viele sind Demenz Patienten in Stufe 7 von 7, die können natürlich rein technisch gar nicht mehr rauchen. Andere sind Krebs Patienten und rauchten daher aktuell auch nicht.
Also ist ‚aktuell‘ wirklich keine sinnvolle statistische Einschränkung.

Michael_M
3 Monate her

Hallo Herr Türkis,

nikotinpflaster helfen da nicht. es ist der rauch, der u.a. antiviral im rachenraum wirkt.

in der guten alten zeit, als es noch raucherabteile in den zügen gab, ist es durchaus vorgekommen, das ärzte ihren anfälligen patienten in der grippesaison empfohlen haben, im raucherabteilzu reisen, wenn diese mit dem zug fahren mussten.

bkkopp
3 Monate her

Interessant ist, dass man mit Getesteten arbeitet, obwohl selbst positiv Getestete nur eine vorläufig relevante Zahl sind. Relevant ist und bleibt, ob jemand krank wird oder nicht, und wie die Krankheit dann für Raucher und Nichtraucher verläuft. Die Vermutung, dass Raucher mit mehr oder weniger leicht dauergeräucherten Atemwegen/Bronchien/Lungen damit gewissermaßen vor-erkrankt sind, und deshalb ein höheres Risiko für schwerere Verläufe haben, wäre zu untersuchen und zu belegen.

Sonny
3 Monate her

hahahahahhahaha…
Endlich mal ein echtes Argument, nicht mit dem Rauchen aufzuhören!
Danke!

Hegauhenne
3 Monate her

Klar sind Raucher geschützt. Daß Viren auf einer Teerschicht gedeihen, hat man auch noch nie gehört.😉
Warum wohl wurde Helmut Schmidt so alt?😉

Por La Libertad
3 Monate her

Hat Wolfram Henn, Mitglied des Ethikrats der Bundesregierung, schon gefordert, dass Nichtraucher auf Notfallmaßnahmen im Krankheitsfall verzichten sollen?
Also kein Intensivbett, keine Beatmung?

Farbauti
3 Monate her

Ich hoffe Sie zünden sich nach der Sprühorgie keine Kippe an. Könnte Peng Buff machen. Passen Sie auf sich auf.