Ralf Stegner Mimikri

Die offene Gesellschaft ist ein in der Tradition des Liberalismus stehendes Gesellschaftsmodell der Herrschaft des Rechts. Heute geht es grundsätzlich darum, die Staatsgewalt auf ihre Kernaufgaben zurückzufahren, die sie heute vernachlässigt.

Zur aktuellen Kolumne gab es wieder eine Vielzahl von interessierten Kommentaren. QED-Zitat aus der Kolumne: „Selbst unsere Mitbewerber dürften nicht umhinkommen, unseren Lesern und uns als Medium eine Kommunikationsqualität zu bescheinigen, die bei ihnen selbst wie anderswo fernes Ziel und allenfalls Aufgabenstellung für die Zukunft ist.“

Drei dieser Kommentare möchte ich gerne besonders herauszustellen, sind sie doch exemplarisch für einen dicken Fragenkatalog, den wir hier gerne 2017 noch expliziter herausarbeiten und dann gemeinsam mit unseren Lesern beantworten wollen.

Kommentar eins ist streng genommen gar keiner, sondern eine Twitter-Nachricht unseres Lieblings-SPD-Politikers Ralf Stegner, der die Kolumne teilte mit den Worten: „Mimimi….Taschentuch gefällig?“ Das hat mir gut gefallen, zum einen, weil es ein paar hundert Leser mehr einbrachte, die wiederum die Effizienz unserer Werbebanner verbessern halfen, aber besonders auch deshalb, weil es ja eine Würdigung meiner sanften Seele ist. Ja, Männer dürfen weinen. Und Ralf Stegner zeigte also echte Gefühle beim Lesen. Das ist schön. Das ist Ansporn.

Das ist auf eine Weise positiv feministisch, die Ralf Stegner, der in einer böseren Zeit mit Eltern aufgewachsen ist, die wohl auch mal die Hand gegen ihn erhoben, wie er auf seiner persönlichen Website so freimütig im Mimimisound erzählt, zur Ehre gereicht. Vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal die Gelegenheit, gemeinsam zu weinen. Vielleicht über die Sch****-Politik der SPD. Oder über etwas ganz anderes.

Vielleicht über irgendetwas ganz modernes, vielleicht sogar mal ein Hodenbaden mit und für Asylbewerber, um ihnen die Vorzüge der westlichen Kultur und ihrer modernen Verhütungsmethoden näher zu bringen. Ja, Hodenbaden mit Ralf Stegner als pädagogische Maßnahme für unsere Neubürger. Ich habe Bilder. Und sie sind wirklich wunderschön „mimimi“ und treiben mir das Pipi in die Augen, direkt an den Hochroterwärmten vorbei. Ich bringe meine Eintracht Braunschweig Eierbecher mit. Und Ralf bestimmt die von der SPD. Wir könnten dann in der Halbzeitpause Becher tauschen. Mal sehen. Mal baden.

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Die beiden weiteren Kommentare meiner kleinen Auswahl sind weniger emotional aufgeladen, weniger gefühlig, weniger mimimi, aber deshalb nicht weniger interessant oder von meiner Seite beantwortungsbedürftig.

In der Kolumne hieß es: „Ressentiments und ideologische Weichenstellungen finden hier kein adäquates zu Hause.“

„Franzkeks“ fragte besorgt: „Die sozialistische “Ideologie” meinen Sie?“ Dazu nur kurz: Nein, die sogar am wenigsten. Die Ideologien, die wir in der aktuellen Situation wohl am meisten zu fürchten haben, tragen ein schwarzes und ein grünes Gewand. Und sie interagieren, schaukeln sich gegenseitig gefährlich hoch. Die grüne Realitätsverweigerung und fundamentale Ablehnung eines Deutschlands, wie wir es heute kennen und dieser deutschtümelnde Bonner-Republik-Revisionismus beispielsweise eines Björn Höcke und so Widergänger-Gruppen wie den Identitären, die sich mit ihren Aktionen wie zuletzt in Köln immer die Schlagzeile in PI-News sichern mit so banalen Schlagzeilen wie „Nie wieder Schande von Köln“.

Nein, wir sollten Obacht halten nicht nur in Richtung der Grünen (inklusive einer grünlichen Kanzlerin, die nun demnächst ein Ministerium für Wahrheit und Information einführen will und ihrer nun offen und immer rotzfrecher vorangetriebenen antidemokratischen 1984-Überwachungsstaat-Ideologie, sondern auch dort, wo sich eine Gegenbewegung noch nicht offen in der Mitte der Gesellschaft formiert, sondern wo viel schneller diese totgeglaubten Geister wiederauferstehen. Rechte Politzombies übelster Färbung. Es wäre sonst keiner da, der das Schwert führt? Wer die sozialen Medien studiert, kommt zu einem ganz anderen, zu einem positiv stimmenden Schluss. So liest man aktuell aus der eher traditionell linken Ecke immer öfter Statements, die den Grünen ein vernichtendes Urteil ausstellen. Hier formiert sich also möglicherweise etwas Gutes jenseits der Höckschen Kyffhäuser Hirschgeweihpartys.

Ein weiterer Kommentar stammt von Cornelius Angermann. Er schreibt:

„Sehr geehrter Herr Wallasch, Sie haben eine sehr gute Zusammenfassung der derzeitigen Medienlandschaft und ihren politischen Verquickungen gegeben. Nur der letzte Teil entzieht sich meinem Verständnis. Ich habe die Frage schon oft gestellt und stelle sie wieder: was, bitte schön, bedeutet ‚offene‘ Gesellschaft und was sind deren ‚Vorzüge‘?

Was ist der Vorteil für uns Deutsche, wenn sich Angehörige von 160 Nationen in unserem Land tummeln? Was ist der Vorzug von Dönerläden, Falafel-Buden, Moscheen etc. in unserem Land?“

Ich habe den Kommentar deshalb ausgewählt, weil er exemplarisch ist für eine Grundhaltung, für eine Vorstellung von Gesellschaft, die der meinen nicht entspricht. Was wir unter „offner Gesellschaft“ verstehen, ist nämlich alles andere, als nur ein Hodenbadetag oder Welcome-Schildchen-Paraden auch für IS-Kämpfer am Münchner Hauptbahnhof. Die offene Gesellschaft ist ein in der Tradition des Liberalismus stehendes Gesellschaftsmodell der Herrschaft des Rechts. Heute geht es grundsätzlich mal darum, die Staatsgewalt auf ihre Kernaufgaben zurückzufahren, die sie heute vernachlässigt. Doch, mir ist ein weiterer Dönerstand nur recht, solange dort am Ort keine Filiale des Merkel’schen Ministeriums für Wahrheit und Information einzieht in Form einer dieser privat organisierten Franchise-Verfolgungsbehörden a la Kahane-Stiftung.

Gelebte Traditionen und Konservatismus sind fragile Zutaten moderner Gesellschaften. So notwendig sie sein mögen, so sehr tragen sie immer den Hang zum Totalitären, nicht nur zum Bewahrenden in sich. Sie sind gefährlich. Wenn der Wachhund vor Aufregung seinen Herrn beißt, dann läuft etwas gehörig schief.

Oder wie es der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper formulierte: „Die einzige rationale Einstellung zur Geschichte der Freiheit besteht in dem Eingeständnis, dass wir es sind, die für sie die Verantwortung tragen, – in demselben Sinn, in dem wir für den Aufbau unseres Lebens verantwortlich sind; dass nur unser Gewissen unser Richter sein kann.“

Die FAZ ergänzte im November 2015: „Poppers Pathos von 1945 ist das Credo für heute: ‚Wir können die Geschichte interpretieren im Sinne unseres Kampfes für die offene Gesellschaft, für eine Herrschaft der Vernunft, für Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und für die Kontrolle des internationalen Verbrechens. Obwohl die Geschichte kein Ziel hat, können wir ihr dennoch diese unsere Ziele auferlegen. Und obwohl die Geschichte keinen Sinn hat, können wir ihr einen Sinn geben.’“

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