Merkel ist am Ende

Die letzten Corona-Gipfel offenbaren Merkels Schwäche. Die Pandemie schien sie neu zu beflügeln – aber sie hat den Bogen weit überspannt. Jetzt fällt sie.

IMAGO / IPON

2018 schien schon alles vorbei. Bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern verlor die Union jeweils über 10 Prozentpunkte, bundesweit stand sie gerade noch bei 25 Prozent, auf dem Allzeittief. Merkels Rücktritt als CDU-Vorsitzende war notwendig. Öffentlich tauchte sie mehr und mehr ab, ihre Zitteranfälle schienen den Eindruck von Merkels Abstieg zu bestätigen. Sie wirkte immer müder, immer kraftloser. Doch in Wahrheit sollte ihr Rücktritt ihre Allmacht erst vervollständigen.

Heft 03-2021
Tichys Einblick 03-2021: Es reicht.
Ihr System war so perfekt, dass niemand ihre Nachfolge antreten konnte, sie hinterließ nur Vakuum – und konnte so auch ohne Partei-Amt einfach weiter nicht nur das Land, sondern auch die Partei regieren. Besser noch: Sie schwebte so weit über den Dingen, dass sie unangreifbar und unerreichbar wurde. Und Corona machte ihre Herrschaft komplett: entkoppelte sie endgültig von Ämtern. Merkel wurde Vorsitzende einer im Grundgesetz nirgendwo erwähnten „Runde“, die ohne Grundlage, über alle Konfliktlinien und Parteien hinweg regierte. Sie hatte ihre Herrschaft endgültig entpolitisiert. Als die Lobespresse über sie hineinbrach, weil Deutschland zum Anfang so niedrige Corona-Zahlen hatte, schien ihr finaler Erfolg zum Greifen nahe.

Doch ein Problem war in diesem letzten Merkel-Hyp von vornherein angelegt: Merkel regierte immer in der Schwebe und im Schwammigen, sie vernebelte die Realität zu ihren Gunsten. Wohlgesonnene Medien ließen die negativen Konsequenzen, die aus ihrem Handeln folgten, in der Öffentlichkeit verschwinden. So konnte sie immer nach kurzfristigen Launen schwenken. Dass aus dem Atomausstieg drastische Strompreiserhöhungen folgten, aus der Grenzöffnung die Kölner Silvesternacht, aus der Euro-Rettung die kalte Enteignung der Sparer – für eine entpolitisierte, und asymmetrisch demobilisierte Bevölkerung war das alles ganz weit weg. Bei Corona schien es zunächst ähnlich: Wie die Panik vor Fukushima oder die Willkommenskultur 2015 dominierte auch jetzt das große solidarische Corona-Zusammenstehen die öffentliche Meinung – und eben nicht die Konsequenzen daraus.

Konzerne wollen selber impfen
Das Ende ist nah: Die Wirtschaft lässt Merkel fallen
Doch jetzt liegen die Dinge nach einem Jahr anders: Das Thema ist nicht mehr Corona, das Thema ist der Lockdown. Selten zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik wurden staatliche Entscheidungen so direkt, so unmittelbar, so konkret erfahrbar. Und für das Konkrete war die Methode Merkel nie geschaffen. Auf einmal kommt es darauf an, ob das Impfen nun klappt oder nicht, und das kann niemand mehr wegdiskutieren. Ihr undurchsichtiger Stufenplan kann nicht mehr alles zu einem großen freudigen Brei vermischen – die Bürger wollen wissen, wann ihre Kinder zur Schule und sie selbst wieder zur Arbeit gehen dürfen. Jetzt. Konkret. Und das ist der Moment, in dem Merkels Methode an der Realität zerbricht, da kann auch der ÖRR nichts dran ändern. Die Ministerpräsidenten sind eigentlich handverlesen, zumindest die der CDU – doch selbst sie rebellieren nun und verlassen das sinkende Schiff. Es war der dritte Gipfel in Folge, bei dem sich Merkel nicht durchsetzen konnte.

Sie hat die Stimmung der Zeit falsch eingeschätzt, sich festgebissen, den Moment, sich an die Spitze der Entwicklung zu stellen, verschlafen. Sie gewann immer, weil sie alles vernebelte und es so schaffte, dass alle Seiten für sie waren. Doch jetzt hat das Spiel sie auf den Kopf gestellt: Wegen ihres ewigen Verklausulierens sind diesmal alle gegen sie – sowohl Lockdown-Gegner als auch Lockdown-Befürworter.

Ihr System zerfällt.

Als Napoleon aus der Verbannung von Elba zurückkam, war er seinem Erfolg so nahe wie lange nicht. Doch seine erneute Herrschaft sollte nur 100 Tage dauern. Die Corona-Zeiten sind Merkels 100 Tage, ihr letztes Aufbäumen. Ihr bleibt nur das, was sie immer tut: verschleppen, verzögern, verschweigen. Aber in der letzten Runde geht sie dabei K.O.. 


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Kommentare ( 232 )

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mitternachtnovelle
1 Monat her

Frau Merkel, Sie sind nirgends mehr Willkommen. Verschwinden Sie aus Deutschland und nehmen Sie alle DIE mit, die dieses Deutschland-Desaster mitzuverantworten haben (CDU/CSU, GRÜNE, LINKE = die gesamte Opposition – die keine war; ausser der AfD, die ihre Oppositionsrolle ernstgenommen hat).

Matt
1 Monat her

TE top! Aber TE! Bitte nicht, keine weiteren Abgesänge, das ist schon ein paar Mal schief gegangen! Schadet dem Ruf?!

Wenn´s dann soweit ist, juristische Aufarbeitung mit unterstützen.

Winnetou
1 Monat her

Seit 2015 wünsche ich dieser Person einen Abgang mit Schimpf und Schande. Nun könnte es endlich soweit sein.

Manuela
1 Monat her
Antworten an  Winnetou

Wenn es nur diesen verflixten Konjunktiv nicht gäbe…

Last edited 1 Monat her by Manuela
Rachel
1 Monat her

Diesen Optimismus kann ich nicht teilen, sorry. Im Gegenteil: Dieses schwurbelige Papier, dass Öffnungen in Aussicht stellt, aber dauerhaft wirungsvoll verhindert, u.a. weil Wirte „freiewillig“ einen Teufel tun werden, unter diesen Bedingungen (Tests, Außengastronomie im März, jederzeitiges Wiederschließen) zu öffnen. Dieses Papier ist Merkels Meisterleistung der Verschwurbelung.

GiacomoLeopardi
1 Monat her

Ne, Deutschland geht K.O., am Ende einer katastrophalen Regentschaft. Und die Schafsköpfe aus der „gesellschaftlichen Mitte“ haben das zu verantworten, haben ihren eigenen Untergang tatenlos abgenickt. Ich war auf Protest-Kundgebungen, nicht nur gegen die Corona-Maßnahmen, auch gegen andere Fehlentscheidungen der Merkel-Junta, bin dabei von der Polizei und der Merkel-SA drangsaliert worden und viele Bekannte (früher hätte ich einige davon Freunde genannt) haben mich als rechten Spinner, Querulant oder Aluhut abgetan. Nun geht der ganze Haufen von angepassten Feiglingen, ich nenne sie jetzt die „mit dem Wind Pisser“, den Bach runter. Und obwohl auch mein eigenes Geschäft am Boden liegt, überwiegt… Mehr

bfwied
1 Monat her
Antworten an  GiacomoLeopardi

Kann Sie verstehen. Wenn ich durch die Straßen einer beliebigen Stadt gehe, sehe ich überall ausgeräumte Läden, an deren Türen teils „Geschäftsaufgabe“ oder Ähnliches steht. Corona ist für Merkel und die Links-Bagage ein ungeheurer Glücksfall, durch den sie die Gesellschaft vollkommen über den Haufen werfen können. Ich vermute, dass die es noch fertigbringen die gelegte Lunte zu zünden, dann gnade ihnen Gott, ich nicht.

Nico Laus
1 Monat her

Es gäbe eine bürgerlich/konservative Mehrheit im Land. Nur hat Merkel die CDU soweit gebracht, dass sie sich selbst entmannt hat und nun Merkels Eunuche ist. Merkel ist dann weg und die Eunuchen bleiben …

Thomas
1 Monat her
Antworten an  Nico Laus

Konservative/Bürgerliche haben keine Chance gegen Kommunisten/Sozialisten wenn diese dieselben Rechte eingeräumt bekommen wie Demokraten.
Am Ende setzen sich die Gauner durch, siehe USA, und sie werden keine Gnade mit den Konservativen/Bürgerlichen kennen, die sie aus Blödheit und Bequemlichkeit haben gewähren lassen.
Diese Lektion muss scheinbar immer wieder aufs Neue durch Schmerzen gelernt werden.
Wobei der Sozialismus nur für die Masse gilt. Die globale Oligarchenschicht lebt feudal.
Den Sturz Deutschlands und damit Europas kann schon lange nichts mehr abwenden.
Das läuft jetzt wie auf Schienen.

Boris G
1 Monat her

Wie immer ein Artikel in bester journalistischer Schärfe, Herr Türkis.
Man kann ihre Einschätzung nur teilen: Die unglückselige Kollusion links-grün gestimmter Journalisten mit einer Kanzlerin des grenzenlosen Teilens nähert sich einem finalen Knall. Leider wird dadurch nur die CDU arg geschrumpft. Die Grünen dagegen könnten zur stärksten Kraft werden.

Jo_01
1 Monat her

Diese Analyse mag stimmen, hat jedoch eine Konsequenz, die sie leider auslässt: was erwartet die Deutschen denn nach dem Abgang der großen Vorsitzenden ?
Laschet/Söder im Verbund mit Habeck/Annalena oder BK Habeck im Verbund mit Scholz und der SED. Das sind die beiden denkbaren Aussichten.
Eine Schwarz-Blau-Gelbe Koalition der bürgerlichen Mehrheit werden die uns regierenden Staatsmedien niemals dulden und somit schreiten wir „Seit an Seit in die neue Zeit“ – genannt Sozialismus 2.0 .
Finis Germania

Nico Laus
1 Monat her
Antworten an  Jo_01

Habeck / Annalena – die geballte Inkompetenz. Ahnungslosigkeit als Prinzip aber ideologisch voll in der Spur – das freut doch den Schlaf-Michel im Nachtgewand.

Der Mensch in der Revolte
1 Monat her
Antworten an  Jo_01

Dem Vorredner kann man sich nur anschließen! Das Ende Merkels ist erfreulich aber wahrlich kein Grund zum Frohlocken. Denn vor der Tür stehen die furchbaren „Grünen“, die als formale Oppositionspartei immer sagen kann, sie hätten mit all dem nichts zu tun. Faktisch waren diese aber auch nicht gerade Freunde der Freiheit der Bürger, aber ihre Startposition ist günstig. Von den Medien geliebt, von den Bürgern als Moralisten falsch interpretiert, werden diese die linke Politik der Ex-SED Jugendfunktionärin Merkel in Potenz fortführen. Also mehr Regulierung, mehr Klimadiktatur, noch mehr Massenzuwanderung und vor allem weniger Rechte für Andersdenkende und autochthone Deutsche! Die… Mehr

Bryonia
1 Monat her

Schoen wär es, allein mir fehlt der Glaube!

Falls doch eine Flasche Cremant steht bereit. Champagner ist mir das Fraeulein Kasner auch nicht wert. Den trinken wir beim naechsten grossen Familienfest mit Urgrossmutter bis hin zu unserem Enkel.

doncorleone46
1 Monat her

Die Demokratie, aufgebaut in der Zeit nach 1945, liegt im Sterbebett. Es reicht eben nicht, dass Merkel weg kommt. Es ist eine Illusion, dass mit dem Abdanken von Frau IM Erika Freiheit und die FdGo zurück käme. Der Weg in eine von einer SED (CDU, Grüne, Linke, SPD und FDP) dominierten Staatsform ist unwiderruflich beschritten. Es wird schlimmer werden! Schlimmer nur für die, die die Strukturen der Bundesrepublik vor 2000 kennen. Für alle anderen ist das mehrheitlich normaler Geschäftsbetrieb.

Wolfgang M
1 Monat her
Antworten an  doncorleone46

Die Parteien ohne die AfD sind keine Sozialistische Einheitspartei. Eine neue Führungskraft in der CDU kann etwas bewirken. Merkel hat in 16 Jahren Kanzlerschaft ein Netz gewoben, das sie unverwundbar und allmächtig machte. Es könnte sein, dass sich auch der nächste Kanzler in dem alten Netz verfängt. Es könnte auch sein, dass er das Netz zerreist und neue politische Ziele definiert. Bis heute wissen wir noch nicht, wer als Kandidat nach Merkel antritt: Laschet, Söder, Spahn, Röttgen oder Merz? Auf der anderen Seite sieht es ähnlich konfus aus: Scholz, Habeck oder Baerbock? Wer darf zum Kanzlerduell? CDU/CSU wird sich einigen… Mehr