Plädoyer für eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft in Pandemiezeiten

Jens Spahn hält 2G auch im Jahr 2022 für denkbar – und noch länger. Gastautor Carl Lang hat da einen viel umfassenderen Vorschlag: wie wir eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft gestalten könnten und welche Vorteile sich für beide Gruppen und somit die gesamte Gesellschaft daraus ergeben würden.

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Wie die meisten Menschen habe ich in den letzten 18 Monaten viel über Corona-Details diskutiert. Wie hoch ist die Fallsterblichkeitsrate in welchem Alter? Wie viel bringen Masken? Welche Bedeutung hat die neueste Mutation? Rückblickend hätte ich mir viele dieser Diskussionen ersparen sollen, denn eine Einigkeit bzgl. der virologischen Fakten würde noch keine Einigkeit bzgl. der Zwangsmaßnahmen bedeuten. Wichtig ist eigentlich nur, dass wir einen gesellschaftlichen und politischen Maßnahmen-Kompromiss finden, mit dem alle zufrieden sein können. Das gilt nicht nur für jetzt, sondern auch für die Zukunft, denn wahrscheinlich wird es weiterhin neue Viren und Virusmutationen geben.

Ich argumentiere, dass wir womöglich nur durch eine Teilung unserer Gesellschaft in zwei Gruppen unsere Freiheit und unsere Rechte bewahren und gleichzeitig die Präferenzen der meisten Menschen berücksichtigen können. Ein Gedankenexperiment hilft bei der Bestimmung der Gruppenzugehörigkeit. Ich erläutere, wie wir eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft gestalten könnten und welche Vorteile sich für beide Gruppen und somit die gesamte Gesellschaft daraus ergeben würden.

Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Der immer gut informierte Wissenschaftsblogger Scott Alexander hat im Juli 2021 eine populärwissenschaftliche Metastudie zur Effektivität von Lockdowns veröffentlicht. Alexander ist ein Corona-Phobiker und ein Befürworter drakonischer Lockdown-Maßnahmen – es gibt also keinen Grund, davon auszugehen, dass er Covid-19 verharmlosen will. Die von ihm untersuchten Studien basieren auf westlichen Daten. Asiatische Länder wie Singapur oder Japan, die ohne Lockdowns kaum Covid-19-Tote hatten, werden bedauerlicherweise nicht berücksichtigt. Trotz alledem kommen die von Alexander ausgewerteten Studien zum Schluss, dass Lockdowns keine große Effektivität haben.

Für alle Lebensbereiche
Spahn hält 2G auch im Jahr 2022 für denkbar – und noch länger
Statistisch betrachtet muss ein Mensch in den USA und Europa laut Alexander 52 Monate (also über 4 Jahre) im ununterbrochenen Lockdown hinnehmen, um einen Monat an Lebenszeit zu gewinnen. Alexander gesteht selbst ein, dass dies eine extrem maßnahmenfreundliche Schätzung ist, die auf der unrealistischen Annahme beruht, dass Lockdowns die Todeszahlen etwa halbieren, obwohl Lockdowns laut der Studienlage eigentlich nur zu einer 10- bis 20prozentigen Reduktion der Zahlen führen. Realistisch sollte man also eher von 80, 100 oder sogar 120 Lockdown-Monaten pro einem Monat Lebenszeitverlängerung ausgehen. Trotzdem benutze ich im Folgenden die 52-zu-1-Schätzung von Alexander, um die Maßnahmeneffektivität ganz gewiss nicht zu niedrig einzuschätzen.

Natürlich gelten diese Verhältnisse selten auf der Individualebene. Menschen unter 30 Jahren gewinnen statistisch eigentlich keine eigene Lebenszeit hinzu, sondern verlängern allenfalls die Lebenszeit ihrer Großeltern. Außerdem müssten die psychischen und körperlichen Belastungen (Depressionen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Alkoholismus etc.), sowie Wirtschaftsschrumpfung, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und all die anderen negativen Nebeneffekte von Zwangsmaßnahmen berücksichtigt werden, um eine korrekte Kosten-Nutzen-Rechnung anzustellen. Viele dieser Nebenwirkungen haben langfristig eine Lebenszeitverkürzung zur Folge, die man zusätzlich gegenrechnen müsste. Für den Zweck dieses Gedankenexperimentes lasse ich all diese Einschränkungen außer Acht.

Stellen Sie sich also die Frage: Würde ich gerne 52 Monate (mehr als 4 Jahre) im ununterbrochenen Lockdown leben, um dafür einen Monat Lebenszeit zu gewinnen? Noch extremer: Würde ich gerne ein ganzes Leben (also 80 Jahre lang) ununterbrochen im Lockdown leben, um dafür dann ca. eineinhalb Jahre länger zu leben und folglich erst mit ca. 81,5 Jahren zu sterben? Oder ganz sachlich: Ist ein einziger Monat eine so wertvolle Lebenszeitverlängerung, dass er den Lebensinhaltsverlust rechtfertigt, der mit über vier Jahren im ununterbrochenen Lockdown verbunden ist?

Menschen unterscheiden sich in ihrer Risikobereitschaft, ihrer Freiheitsliebe, ihren sozialen Bedürfnissen und ihren Ängsten. Antworten auf diese Fragen werden somit individuell sein.

Maria ist ein sehr risikoscheuer Mensch. Sie verlässt grundsätzlich ungern ihr großes und schönes Haus. Sie muss normalerweise ins Büro, darf aber dank des Lockdowns im Homeoffice arbeiten. Sie liebt es, dass ihr Mann nun ebenfalls immer Zuhause ist und sich mit ihr um die Kinder kümmert, anstatt wie üblich ständig auf Geschäftsreise zu sein. Sie trägt beim Einkaufen und beim Spazierengehen gerne eine Maske, weil sie sich damit wie ein besonders guter und verantwortungsvoller Mensch fühlt. Für sie wäre ein Verhältnis von 120 zu 1 immer noch vollkommen okay. Maria wäre also bereit, als junge Mutter 10 Jahre im ununterbrochenen Lockdown zu leben, wenn sie dafür als vorerkrankte 80jährige einen Monat länger im Altersheim hätte. Konsequenterweise will sie dieses Opfer auch für andere erbringen. Maria glaubt außerdem, dass nur der Staat ein kompetenter Maßnahmen-Bestimmer ist und dass Freiheit überbewertet wird. Das Individuum sollte folglich nicht das Recht haben, eigene Risikoerwägungen anzustellen und selbstbestimmt zu handeln.

Eliot hasst den Lockdown. Er hat gar kein Problem mit den geringen Risiken, die mit einer Krankheit wie Covid-19 verbunden sind. Er fände sogar ein Verhältnis von 12 zu 1 noch inakzeptabel. Er würde also lieber auf einen Monat Lebenszeit verzichten, als auf ein Jahr Freiheit. Eliot hielt die meisten staatlichen Maßnahmen während der letzten Pandemie für unüberlegt, willkürlich und aktionistisch. Er denkt, dass es wesentlich sinnvoller wäre, das Individuum selbst über seine Sicherheitsvorkehrungen entscheiden zu lassen. Seiner Ansicht nach hat niemand das Recht, seine Mitbürger fremdzubestimmen – ganz gleich, ob man das persönlich tut oder ob man seine politischen Repräsentanten und die Polizei mit dieser Fremdbestimmung beauftragt.

So unterschiedlich die Risikobereitschaft und die politische Grundeinstellung dieser Personen auch sind: Ich glaube, wir können es allen Recht machen, indem wir parallele Strukturen schaffen.

Wie könnte eine zwei Gruppen-Gesellschaft praktisch funktionieren?

Eine „Zwei-Gruppen-Gesellschaft“ ist keine hierarchische „Zwei-Klassen-Gesellschaft“! In einer Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt es keine Wahlfreiheit. Die Unterklasse wäre gerne die Oberklasse, kann es aber nicht sein. Wie wir gleich sehen werden, ist das bei einer Zwei-Gruppen-Gesellschaft ganz anders.

Eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft ist auch nicht utopisch. Wir tun mit unserer augenblicklichen Impfpolitik schon etwas Ähnliches. Auf der einen Seite gibt es die Gruppe der Geimpften. Diese Gruppe darf im Restaurant in Innenräumen sitzen, im Fitness-Studio trainieren, in fast alle Länder reisen und so weiter. Ihre Eintrittskarte ist der Impfausweis, der idealerweise digital auf dem Smartphone gespeichert ist und über einen einfachen Scanner gelesen werden kann. Auf der anderen Seite gibt es die Gruppe der Nicht-Geimpften. Die dürfen das alles entweder gar nicht oder nur mit einem negativen Test, den sie sogar selbst bezahlen müssen.

Ich verstehe nicht, in wessen Interesse diese Regelung sein soll. Im Interesse der Ungeimpften ist sie offensichtlich nicht und im Interesse der Geimpften – sofern Impfungen denn tatsächlich wirksam sind – ebenfalls nicht. Zumindest beweist diese Teilung aber, dass eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft nicht unrealistisch ist.

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Angenommen, im Herbst 2022 gibt es eine impfresistente Corona-Omega-Variante oder einen ganz neuen Virus namens Sars-CoV-3. Obgleich die Zwangsmaßnahmen sehr ineffektiv waren, würde es gewiss wieder noch mehr als jetzt davon geben, und zwar mindestens so lange, bis eine Impfung entwickelt wäre und alle ein Impfangebot erhalten haben. Anschließend bleiben dann trotzdem noch Maßnahmen X, Y und Z erhalten, weil viele Leute Gefallen daran gefunden haben.

Warum nicht stattdessen eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft nach demselben Prinzip wie bei der Impfung? Eine Gruppe besteht aus Menschen, die selbstbestimmt leben wollen und die dafür gewisse Risiken in Kauf nehmen (nennen wir sie die „Selbstbestimmten“), die andere besteht aus Menschen, die sich vom Staat fremdbestimmen lassen wollen, weil sie das für sicherer halten (nennen wie sie die „Fremdbestimmten“). Die Zwei-Gruppen-Gesellschaft muss so organisiert werden, dass die Fremdbestimmten nie einen Personenkontakt zu den Selbstbestimmten haben, sonst können die Fremdbestimmten dieses Arrangement nicht akzeptieren.

Zugegeben klingen die beiden Namen, die ich hier gewählt habe, nicht ganz neutral. „Selbstbestimmt“ klingt positiv, „fremdbestimmt“ negativ. Ich habe die positiveren Begriffe „Risikobewusst“ und „Sicherheitsorientiert“ in Erwägung gezogen, aber wieder verworfen, denn Selbstbestimmte könnten durchaus sehr sicherheitsorientiert sein: Der 70jährige Tom ist ein solcher Selbstbestimmter. Er bestellt alle seine Lebensmittel, empfängt keine Besucher und geht nur noch nachts um 3 Uhr spazieren, weil er um diese Uhrzeit niemandem mehr begegnet und sogar an der frischen Luft noch eine Infektion fürchtet. Tom ist aber libertär eingestellt und lässt sich von Politikern, die er für ziemlich inkompetent hält, ungern Vorschriften machen. Wenn die Regierung eine Ausgangssperre ab 22 Uhr verhängt und Tom seinen Nachtspaziergang nicht mehr machen darf, obwohl er ja nachts spazieren will, weil es ihm tagsüber zu gefährlich ist, dann kann er das nur als Mitglied der Selbstbestimmten tun. Trotz oder sogar wegen seiner Sicherheitsorientierung kommt für Tom also nur eine Mitgliedschaft bei den Selbstbestimmten in Frage. Ein Beispiel wie Tom zeigt, dass der entscheidende Unterschied zwischen beiden Gruppen tatsächlich der Wunsch nach Selbstbestimmung bzw. nach Fremdbestimmung ist.

Eine Registrierung als Fremdbestimmter könnte die „Standardeinstellung“ (der Default) sein. Jeder ist also ein Fremdbestimmter, sofern er keine Registrierung als Selbstbestimmter beantragt. Fremdbestimmte unterliegen immer den aktuellen Vorschriften der Politik. Sofern die Politiker es gerade so vorsehen, dürfen die Fremdbestimmten also nicht in Restaurants und Cafés gehen, sie dürfen keinen Sport machen, sie unterliegen Ausgangssperren und Maskenpflichten und so weiter.

Auf der anderen Seite gibt es die Selbstbestimmten. Zu denen würde ich gehören. Man gibt mir also einen Selbstbestimmten-Ausweis und ich werde als Selbstbestimmter registriert. Für mich gibt es keine Ausgangssperren und keine Maskenpflicht. Ich kann in Cafés, Restaurants, Theater oder Kinos gehen, die von anderen Selbstbestimmten geführt und besucht werden. Ich kann mich mit anderen Selbstbestimmten treffen und mit ihnen feiern und reisen und Sport machen.

Einkaufen kann ich nur in Supermärkten, die von Selbstbestimmten geführt werden und die exklusiv von Selbstbestimmten besucht werden. Gibt es keinen solchen Supermarkt in der Nähe, dann muss ich meine Lebensmittel bestellen oder mit anderen Selbstbestimmten aus meinem Ort eine „Einkaufsgemeinschaft“ organisieren, bei der wir abwechselnd in einen weit entfernten Selbstbestimmten-Supermarkt fahren und für alle einkaufen. Falls auch das nicht möglich wäre, müsste ich eben einsehen, dass die Existenz als Selbstbestimmter in meiner Gegend nicht in Frage kommt. Dann muss ich also entweder umziehen oder ich muss mich wohl oder übel einem PCR-Test unterziehen und als Fremdbestimmter neu registrieren lassen.

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Wenn 80 Prozent lieber fremdbestimmt sind (so wie es letztes Jahr gewesen wäre), dann würden wohl auch acht von zehn Supermärkte Fremdbestimmten-Märkte sein, in die man nur mit einem Fremdbestimmten-Ausweis gelassen wird, wobei diese Entscheidung immer beim jeweiligen Marktleiter oder Konzern liegt. Man könnte sich allerdings viele kreative Arrangements vorstellen, die es für alle einfacher machen, also bspw. einen Markt, der in zwei Abteile getrennt ist: Ein großes Abteil mit allen erdenklichen Waren für die größere Gruppe der Fremdbestimmten und ein kleineres Abteil mit geringerem Warenangebot für die Selbstbestimmten (getrennt durch eine luftdichte Wand). Oder einen Markt, in dem fünf Angestellte unbedingt fremdbestimmt sein wollen und drei Angestellte unbedingt selbstbestimmt. Da der Marktleiter keine der beiden Gruppen in eine staatlich finanzierte Pandemie-Auszeit schicken will, öffnet der Markt also vier Tage die Woche für Fremdbestimmte (immer mit denselben fünf fremdbestimmten Angestellten) und zwei Tage die Woche für Selbstbestimmte. Oder ein offener Supermarkt für Fremdbestimmte und nur ein Lieferangebot für Selbstbestimmte. Die Möglichkeiten sind endlos.

Auch bei öffentlichen Verkehrsmitteln sind Aufteilungen denkbar. Es könnte bspw. für Selbstbestimmte in den Städten ein Bus-Verbot geben, das aber nicht für eine Reihe an Sonderbussen gilt, die von selbstbestimmten Busfahrern gefahren und die deutlich gekennzeichnet werden. Bei Zügen wäre es komplizierter. Man könnte aber vielleicht die vorderen und mittleren Waggons für Fremdbestimmte und die hinteren für Selbstbestimmte reservieren und den Bahnsteig entsprechend in Zonen teilen. Falls eine Kontrolle der Gruppenmitgliedschaft oder eine Aufteilung bei manchen Bereichen zu aufwendig wäre, dann würde dieser Bereich komplett den Fremdbestimmten zufallen, solange sie in der Mehrheit sind.

Minderjährige müssten sich dem Willen ihrer Eltern unterwerfen. Schulschließungen würden auch nur für die Kinder Fremdbestimmter gelten. Die Kinder selbstbestimmter Eltern könnten also weiter die Schule besuchen, sofern es genügend selbstbestimmte Lehrer oder Freiwillige gibt, um weiter einen Unterricht zu organisieren.

Alle Wohngemeinschaften müssten sich für eine Registrierung entscheiden. Im Zweifel gewinnen immer die Fremdbestimmten (zumindest so lange, wie sie eine gesellschaftliche Mehrheit darstellen). Dasselbe würde bspw. in Alten-Pflegeeinrichtungen gelten, in denen viele Leute zusammenleben. Die allermeisten Einrichtungen wären wohl fremdbestimmt, aber wenn eine Pflegeeinrichtung sich speziell als selbstbestimmte Pflegeeinrichtung ausweist, dann könnten diejenigen, die viel zu alt sind, um noch Angst vorm Tod zu haben, dorthin ziehen und ihre letzten Monate oder Jahre glücklich und frei verbringen. Verwaltungsangestellte könnten Home-Office Vereinbarungen treffen.

In allen Bereichen, in denen Fernarbeit nicht möglich ist, könnten Angestellte sich bei staatlicher Bezahlung für die Dauer der Pandemie von der Arbeit freistellen lassen. Die Zahl solcher Freistellungen wäre aber in jedem Fall geringer, als bei Zwangsmaßnahmen für alle, weil ja nur Fremdbestimmte ein Interesse an einer Freistellung haben dürften und die meisten Selbstbestimmten weiter arbeiten und konsumieren würden. Also am Beispiel Gastronomie: Es kostet natürlich mehr, 100 Prozent aller Gastronomen staatlich zu unterstützen, als nur die 70 Prozent, die sich fremdbestimmen lassen wollen.

Die Strafen für ein unberechtigtes „Eindringen“ ins andere Lager könnten erheblich sein. Wenn ich als Selbstbestimmter bspw. in einem Zug oder Bus erwischt werde, der nur von Fremdbestimmten benutzt werden darf, dann muss ich ein Monatsgehalt an Strafgebühren zahlen und ich verliere meine Registrierung.

Krankenhausbetten wären die Ressource, die den Fremdbestimmten wohl am wichtigsten wäre. Die Selbstbestimmten müssten also bei der Registrierung ihr Einverständnis abgeben, dass bei einer Erkrankung mit dem pandemischen Virus die Fremdbestimmten bevorzugt werden. Beim Sars-CoV-2 Virus wäre das egal gewesen, weil es auch ohne Zwangsmaßnahmen immer genügend Betten gegeben hätte. Bei einem neuen Virus könnte das aber theoretisch anders sein.

Vorteile einer Zwei-Gruppen-Gesellschaft

Für Selbstbestimmte hätte eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft nach diesem Muster offensichtliche Vorteile. Sie könnten unabhängig von Impfungen und Inzidenzen während der gesamten Pandemie ein relativ freies Leben führen. Besonders für Stadtbewohner dürfte das Angebot an selbstbestimmten Supermärkten, Bussen, Restaurants, Cafés, Fitness-Studios, Nachtclubs, Theatern und so weiter vollkommen ausreichen. Manche müssten noch nicht einmal ein erhöhtes Risiko in Kauf nehmen. Für einen 20jährigen Studierenden war das Risiko durch Covid-19 nie höher als bei der Grippe.

Die Fremdbestimmungs-Befürworter werden sich aber vielleicht fragen, welche Vorteile sie von so einer Zwei-Gruppen-Gesellschaft hätten, weil es ihnen ja bislang in einer Ein-Gruppen-Gesellschaft sehr gut gelungen ist, einfach alle Mitbürger ihrem Willen zu unterwerfen und erfolgreich fremdzubestimmen.

Das ist aber zu kurz gedacht. Auch für den egoistischsten Fremdbestimmten hätte eine solche Vorgehensweise große Vorteile:

Mehr Betten! Wenn es 30 Prozent Selbstbestimmte gäbe, dann gäbe es 30 Prozent der Bevölkerung, die ihnen gewiss kein Krankenhausbett wegnehmen werden, und das war ja immer die Hauptsorge der Fremdbestimmten.

Mehr Geld! Zwangsmaßnahmen sind sehr teuer und sehr wirtschaftsschädlich. Die Selbstbestimmten halten durch ihren vergleichsweise normalen Lebensstil einen Teil der Wirtschaft am Laufen. Dadurch nimmt der Staat auch mehr Steuern ein, die allen zu Gute kommen.

Sendung 18.11.2021
Tichys Ausblick Talk: „Ungeimpften-Mobbing und neuer Lockdown - Ablenkung vom Pflege-Versagen?“
Mehr Sicherheit! Auch ohne eine offizielle Zwei-Gruppen-Gesellschaft gibt es bei staatlich verordneten Zwangsmaßnahmen viele Menschen, die diese Vorschriften einfach ignorieren. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe dafür, warum Zwangsmaßnahmen so ineffektiv sind. Es wird den Fremdbestimmten kaum gelingen, ihren Polizeistaat so auszubauen, dass sie jeden Regelverstoß verhindern und ahnden können. Eine wirkliche Sicherheit der Fremdbestimmten vor ihren freiheitsorientierten Mitbürgern kann also nur erreicht werden, wenn man beide Gruppen konsequent voneinander trennt.

Bessere Forschung! Die Wissenschaft hätte eine Kontrollgruppe für die Überprüfung von Maßnahmeneffektivität.

Mehr Demokratie! Eine solche Zwei-Gruppen-Gesellschaft wäre wie ein demokratisches Thermometer. Anhand der aktuellen Registrierungen für Selbst- oder Fremdbestimmung könnte man viel genauer messen, wie der augenblickliche Wille des Volkes tatsächlich ist. Umfragen sind ein vergleichsweise ungenaues Instrument, weil Befragte oft nur sagen, was sozial erwünscht ist, oder weil sie freiwillige Maßnahmen mit Zwangsmaßnahmen verwechseln. Eine Registrierung als Selbst- oder Fremdbestimmter würde die Menschen außerdem dazu anregen, sich ihrer Präferenzen wirklich bewusst zu werden und reflektierter zu leben. Es kann einer Demokratie nur gut tun, wenn Bürger zumindest die Option haben, sich wie Erwachsene zu verhalten und eigene Entscheidungen zu treffen.

Weniger Polarisierung und Desinformation! Viele Corona-Warn-Karrieristen beklagen die Verbreitung von „Desinformationen“, sowie eine „Politisierung“ des Themas und eine „Polarisierung“ der Gesellschaft. Sie fordern mehr „Sachlichkeit“, „Wissenschaftlichkeit“ und „Faktenorientierung“, ohne sich selbst an die eigenen Forderungen zu halten.

Solche Probleme sind bei unserem bisherigen Vorgehen aber garantiert. Auf der einen Seite hat man Millionen von Bürgern, die um ihren Beruf fürchten und denen man mit Polizeigewalt grundlegende Verfassungsrechte wie Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit genommen hat. Auf der anderen Seite hat man Millionen von Bürgern, die glauben, ihr nacktes Überleben hänge davon ab, die Ausübung solcher Rechte bei allen zu verhindern. Politischer und polarisierender kann ein Konflikt gar nicht sein!

Wenn gefühlt so viel davon abhängt, dass die eigene Seite Recht hat, dann ist der „Confirmation Bias“ (Bestätigungsfehler) allgegenwärtig. Um in diesem weltanschaulichen Konflikt neues Territorium zu gewinnen, glauben beide Seiten an die absurdesten Thesen, schließen von ein paar Anekdoten auf die ganze Gesellschaft und verbreiten über die sozialen Medien Übertreibungen, Desinformationen und Gerüchte.

Mit einer Zwei-Gruppen-Gesellschaft wäre diese negative Dynamik ausgehebelt. Es ginge nicht mehr um Freiheit oder um „Überleben“. Niemand wäre dem Kollektivwillen wahllos ausgeliefert. Fakten wären keine Waffe im Kampf um Fremd- oder Selbstbestimmung, sondern eine persönliche Entscheidungshilfe.

Mehr Toleranz und Freiheit! Die meisten Fremdbestimmten finden Sicherheit sehr wichtig und Freiheit vergleichsweise unwichtig, aber sind sie deshalb fanatische Freiheitfeinde und passionierte Autoritarismus-Befürworter? Falls nicht, sollten auch sie ein Interesse daran haben, die Präferenzen ihrer andersdenkenden Mitbürger zu respektieren, zumal das für sie selbst von Vorteil wäre.

Fazit

Gewiss wäre die Organisation einer Zwei-Gruppen-Gesellschaft nicht unkompliziert, wobei – um das noch einmal zu wiederholen – die Gesellschaft im Augenblick ja auf eine ähnliche Weise in Geimpfte und Ungeimpfte geteilt wird.

Mir persönlich hätte es sehr gut gefallen, in den letzten 18 Monaten nur von Leuten umgeben zu sein, die wie ich Freiheit und Selbstbestimmung zu schätzen wissen. Ich assoziiere mit freiheitsorientierten Menschen ein gesundes Verhältnis zur Sterblichkeit, einen Respekt vor den Rechten des Individuums und eine große persönliche Reife.

Die Risikoakzeptanz verschiedener Menschen geht offenkundig so stark auseinander, dass wir keinen Konsens erreichen werden und nur eine Teilung der Gesellschaft diese Konflikte lösen kann. Anstatt also ständig über epidemiologische Fakten und die richtige Reaktion darauf zu diskutieren, sagen wir doch einfach: „Ja zu Zwangsmaßnahmen – aber nur für jene, die sie wollen!“


Carl Lang betätigt sich nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Linguistik und Philosophie als Essayist und Liedtexter. Er fühlt sich keinem politischen Lager zugehörig und interessiert sich besonders für Moralphilosophie und Religionskritik.

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Kommentare ( 52 )

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52 Comments
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GP
8 Monate her

Das sind Ideen die genau so irre sind wie die gesamte Corona-Politik. Was soll das? Wie hat die Gesellschaft die letzen 60 Jahre meines Lebens ohne solche Überlegungen funktioniert? Wie konnten nur meine Eltern und Großeltern ohne ständige Inzidenzzahlen, Lockdown und paternalistischem Staat alt werden? Der Tag an dem ich lernte die Bombe zu lieben wird wohl der Tag sein an dem sich ein ganzes Volk wegen einer Atemwegsinfektion mit einer IFR von 0,2.. % seiner Freiheiten entledigt hat….

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  GP

Ich gebe Ihnen Recht! Das sind konstruktive, aber irre Ideen, zugeschnitten auf eine Welt, die von Unzurechnungsfähigen beherrscht wird. Ihre Eltern und/oder Großeltern haben ja auch Pandemien miterlebt (1957 und 1968). Diese Pandemien waren ganz gut mit Corona vergleichbar. Trotzdem hatte ich noch nicht einmal etwas davon gehört, bis ich – wie alle – wegen der Überreaktion auf Corona zum Pandemie-Experten wurde. Von Inzidenzen, Lockdowns und Paternalismus wollte damals niemand etwas hören und nach ein oder zwei Jahren war der Virus endemisch und die Pandemie vorbei. Warum wir damals akzeptieren konnten, dass es Krankheiten gibt, Menschen sterblich sind und Leben… Mehr

Mausi
8 Monate her

Herr Lang, vielen Dank dafür, dass Sie so viel Zeit investiert haben, zusätzlich zum Artikel auf die Leserkommentare einzugehen.

Es gibt so viele interessante Aspekte und Anregungen. Nur in der Realität liegt den Verantwortlichen (Medien, Politik, VerfGE, EU) m. E. nichts an freiheitlichen Lösungen.

Was bleibt, sind Gleichgesinnte und die Erkenntnis, dass die Freiheit sich in Kleinbereiche des privaten Umfelds zurückzieht.

PS: Ob den Verantwortlichen an dieser Situation liegt?
https://m.youtube.com/watch?v=57Pqe_f1F04 zu Massenpsychosen

Last edited 8 Monate her by Mausi
Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  Mausi

Danke für den Kommentar! Ich glaube auch, dass die Freiheit sich in Kleinbereiche des sozialen Umfelds zurückziehen und von dort aus vielleicht auch wieder gesamtgesellschaftlich ein Stück weit durchsetzen wird. Nur kann Letzteres wohl lange dauern. Ich habe in den letzten Monaten auch viel über Massenpsychosen nachgedacht. Irgendetwas in diesem Stil muss es wohl sein. Hoffen wir, dass diese Massenpsychose dann – so wie die Psychosen der Vergangenheit – auch wieder vorbeigeht und kein autoritäres und anti-freiheitliches „New Normal“ entsteht. Ich glaube übrigens nicht, dass den meisten Verantwortlichen wirklich an dieser Situation liegt. Gewiss gibt es einige, die Freude an… Mehr

Jennifer Seidelmann
8 Monate her

Lieber Herr Lang, ich möchte das von Ihnen formulierte gedankliche Modell einerseits als nicht weniger denn als wegweisend qualifizieren, zugleich aber andererseits auch darauf hinweisen, dass dessen praktische Umsetzung an einem meiner Einschätzung nicht auflösbaren logischen Dilemma scheitern würde: Denn – je nach Betrachtungsweise in erster oder letzter Instanz – wären nach diesem schließlich alle Menschen in Deutschland selbstbestimmt, nämlich indem jeder über seine Zugehörigkeit zur Gruppe entweder der Fremd- oder der Selbstbestimmten entscheiden könnte! Auch die von Ihnen vorgeschlagene standardmäßige Zuordnung eines jedes Menschen in die Gruppe der Fremdbestimmten, die zum Wechsel in die Gruppe der Selbstbestimmten eine bewusste… Mehr

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  Jennifer Seidelmann

Liebe Frau Seidelmann, danke für Ihren exzellenten Kommentar!  Ihre Betrachtung von Selbst- und Fremdbestimmung hat einen philosophischen Tiefgang, der meiner Betrachtung gefehlt hat. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht: Freiwillige Fremdbestimmung ist nicht wirklich Fremdbestimmung, ebenso wie das freiwillige Arbeiten als Angestellter nicht Sklaverei ist. Im Grunde würde mein Modell folglich beiden Gruppen mehr Selbstbestimmung garantieren. Die Selbstbestimmten wären im Geiste wie auch im Handeln selbstbestimmt. Die „Fremdbestimmten“ wären im Geiste ebenfalls selbstbestimmt, weil sie sich die Fremdbestimmung ausgesucht haben. Im Handeln wären sie zwar „offiziell“ fremdbestimmt, aber auch das nur freiwillig und folglich nicht wirklich. Genauso interessant finde ich ihre… Mehr

November Man
8 Monate her

Hätte man die natürliche Grippe so belassen wie sie schon immer war, hätte es keiner Pandemie und Lockdowns bedurft. Und keiner hätte von einem Impfzwang, auch noch mit nachweislich völlig unwirksamen Impfstoffen, gesprochen. Impfungen und Lockdowns mit unermesslichem menschlichen Leid und unbezahlbaren wirtschaftlichen und finanziellen Schäden wären vermieden worden.
Die Konten der Krankenkassen wären voll geblieben.
Die Taschen und Konten von Big-Pharma, der Lügenpresse und anderen Impfprofiteuren wären allerdings leer geblieben. Aber die Impfprofiteure wissen wie mit der Dummheit, Angst und Panik der Menschen Billionen verdienen kann.
Dito Klimalüge.

Last edited 8 Monate her by November Man
KoelnerJeck
8 Monate her

Wer Kollektivist ist, soll dies sein, aber wieso müssen diejenigen, die das finanzieren, dann auch dafür sein? Neben dem Geldsystem ist das größte Problem bei der Demokratie, dass bei einer Stimmabgabe zwar über öffentliche Güter abgestimmt wird, aber über das Bezahlen nicht. Konkret: Alle Menschen, die wählen sollten auch gleich viel einzahlen. Dieses Ungleichgewicht ist m.E. exakt der Grund, warum es Demokratie gibt. Für Bastiat ist der Staat die große Fiktion, bei dem jeder auf jedermanns Kosten zu leben gedenkt.

Ich würde eine Sezession vorschlagen, z.B. die Gründung von Private-Cities.

Small is beautyfull, nennt es Leopold Kohr.

Alexis de Tocqueville
8 Monate her

Das klappt nie. Die Fremdbestimmten sind misssionarisch – niemand darf anders denken. Niemand soll frei sein. Sie haben die absolute Wahrheit gepachtet, nur sie kennen die Fakten, nur sie kennen die einzig richtigen Lösungen. Ein Staat kann nicht halb faschistisch und halb demokratisch/rechsstaatlich zugleich sein – das lassen die Faschisten nicht zu. Ein Staat kann nicht gleichzeitig säkular und eine Theokratie sein – das lassen die Gläubigen nicht zu. Wir sehen es doch zigfach in der Realität: Das Rauchverbot z.B. ist total, auch in der Eckkneipe, wo der Wirt und alle Stammgäste rauchen und unter sich sind. Niemand, der das… Mehr

Carl Lang
8 Monate her

Ich verstehe Ihren Pessimismus. Ist das aber wirklich so? Ich dachte, es gibt noch Raucherkneipen, wobei ich zugegeben schon lange nicht mehr in einer war. Um eine paar optimistische Gegenbeispiele zu nennen: In den USA haben Bundesländer ja wesentlich größere Rechte. Dort gab es Bundesstaaten (ich glaube, drei Stück), die kaum Zwangsmaßnahmen hatten. Außerdem können Indianer-Reservate machen, was sie wollen. Und die Amish People haben Covid total ignoriert, in einem Monat Herdenimmunität erreicht und ein ganz normales Leben weitergeführt. Gleichzeitig war der Maßnahmenterror in Kalifornien oder New York viel extremer als hier. Es gibt also schon Länder, wo es diesbezüglich… Mehr

Alexis de Tocqueville
8 Monate her
Antworten an  Carl Lang

Es ist eigentlich kein Pessimismus. Ich würde es eher realismus nennen. Oder Empirie. Dass zwo verschiedene Staaten die Dinge verschieden handhaben können, ist ja klar. Zum Beispiel Deutschland und Schweden oder Deutschland und der Iran. Innerhalb eines Staates sieht das aber ganz anders aus. Die USA sind immerhin tatsächlich eine Art Bundesstaat, d.h. ein Verbund von (mehr oder weniger) souveränen Staaten. Das ist Deutschland nicht bzw. nur pro forma. Trotzdem entsprechen auch die USA keineswegs Ihrem skizzierten Modell. Letztlich gilt auch dort: Bundesrecht bricht Landesrecht. Auch die konservativen US-Staaten leiden z.B. unter der Cancel Culture, obwohl die ihre Wurzeln gewiss… Mehr

Last edited 8 Monate her by Alexis de Tocqueville
MartinL
8 Monate her

So interessant, wie das erst mal klingt, glaube ich aber -oder habe das Gefühl- das dem Ganzen ein Denkfehler zugrunde liegt. Ich glaube nicht, dass es vielen der „Fremdies“ wirklich um die Sicherheit und das Risiko geht. Sicher Einigen, aber bei vielen dürfte da inzwischen eher der Hang zum Kollektivismus, die Abneigung gegen alle „Nicht-Mitmacher“ und die Lust am Ausleben von Machtphantasien eine Rolle spielen. Es geht da eher darum, das Menschen es wagen, nicht die Unterwerfungsrituale mitzumachen, denen sie sich selbst unterworfen haben. Widerständler und „nicht-mitmacher“ wurden in Deutschland nach dem Ende des dritten Reichs keineswegs uneingeschränkt bewundert, im… Mehr

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  MartinL

Das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe den Artikel auch geschrieben, um Maßnahmenbefürworter besser einschätzen zu können. Wenn sie den Artikel lesen und antworten „okay, also unter diesen Bedingungen hätte ich nichts gegen Selbstbestimmung für dich, weil ich für mich keinen Nachteil und keine Gefahr sehe“, dann sind sie zwar wahrscheinlich von den Medien verängstigt und können Risiken nicht korrekt einschätzen, sie sind aber eigentlich nicht bösartig oder autokratisch. Wenn sie sagen „nein, kommt nicht in Frage, du musst dich zu deinem eigenen Besten durch Leute wie mich fremdbestimmen lassen und da darf es keinen Ausweg geben“, dann sind es… Mehr

Carl Lang
8 Monate her

Ja, Sie haben Recht, dieser Widerspruch ist mir beim Schreiben nicht aufgefallen. Potentiell hat dieses Problem ja verschiedene Facetten. Welche Regelung gäbe es also bei normalen Krankheiten und welche bei der speziellen Pandemie-Krankheit? Ich versuche mal, mich herauszureden ;). Das gesamtgesellschaftliche Ziel meines Modells ist ja, gesunde Selbstbestimmte und gesunde Fremdbestimmte voneinander zu trennen, weil gesunde Fremdbestimmte in jedem anderen gesunden Menschen nur einen potentiell Kranken sehen, und zwar besonders, wenn er sich nicht fremdbestimmen lassen will, wohingegen gesunde Selbstbestimmte andere gesunde Menschen auch tatsächlich als gesunde Menschen betrachten, sofern sie nicht nachgewiesenermaßen krank sind. Natürlich würden nachgewiesenermaßen kranke Selbstbestimmte… Mehr

Digenis Akritas
8 Monate her

Fragen wir doch die Clans, wie man das macht! Ich verstehe sehr gut den Gedanken, aber solche Freiräume muss man auch entschlossen verteidigen, da der Staat so etwas nicht dulden wird. Kann mir mittlerweile sogar Zweckbündnisse vorstellen, von denen man zuvor nicht zu denken wagte…
Es führt leider kein Weg dran vorbei: Widerstand

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  Digenis Akritas

Ich weiß, was sie meinen. Bei dem pakistanischen Pizzabäcker, bei dem ich meine Pizza kaufe, verhalten sich alle immer ganz normal. Niemand trägt Masken oder hält Abstand, und scheinbar wird das dort auch nicht kontrolliert. Ich vermute, dass die auch ganz normal in die Moschee gehen, ohne sich um Verbote zu schweren. Von denen könnte man also in der Tat lernen, wie man ohne staatliche Einmischung eine Parallelgesellschaft aufbaut und verteidigt :).

Bea McL
8 Monate her

Das ist ein sehr interessantes Gedankenexperiment, jedoch ist das heutzutage nicht (mehr?) realisierbar. Da heute jeder selbst zwischen seinem gewünschten Geschlecht hin- und herspringen kann, wird es dann eben heissen: „heute fühle ich mich selbstbestimmt, also bin ich es. Wie ich mich morgen fühle, schau ich halt mal“.
Ganz nach eigenem Gusto eben.

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  Bea McL

Grundsätzlich sieht mein Modell ja vor, dass Leute auch zwischen diesen Lagern hin- und herspringen dürfen. Bedingung für den Sprung von den Selbstbestimmten zu den Fremdbestimmten ist nur, dass man vorm Springen einen PCR-Test machen muss. In die andere Richtung kann man natürlich auch ohne Test springen. Da dieser Sprung natürlich registriert werden muss und mit etwas bürokratischem Aufwand verbunden wäre, stimmt es aber, dass man hier eine Obergrenze definieren sollte, also vielleicht „man darf nicht häufiger als alle 3 Monate springen“.

MartinL
8 Monate her
Antworten an  Carl Lang

Wie wäre denn die Frage anzugehen, daß die „Selbsties“ vermutlich ja (anteilig) mehr zu Steueraufkommen und auch allerlei obligatorischen Versicherungen beitragen würden, als die „Fremdies“ ?
Fragen, wie die nach „Selbstie“ Polizisten (Eingreifen gegen Fremdies-Straftäter nur nach Test?) wären auch ganz interessant.

Carl Lang
8 Monate her
Antworten an  MartinL

Das sind gute Punkte! Beim Steueraufkommen wäre ich persönlich ganz großzügig und würde sagen, dass die Selbsties halt mehr bezahlen, aber trotzdem nicht begünstigt werden. Das wäre eines der vielen Zugeständnisse, die sie den Fremdies gegenüber machen, um sich aus der Fremdbestimmung durch sie zu befreien. Das mit den Polizisten wäre tatsächlich ein Problem. Eine perfekte Lösung habe ich hierfür nicht. Es könnte theoretisch fremdbestimmte Polizisten geben, die gemeinsam Streife fahren, und selbstbestimmte Polizisten, die gemeinsam Streife fahren, und in der Tat könnten die selbstbestimmten sich täglich testen lassen. Aber was, wenn die Polizei z. B. wegen einem Streit zwischen… Mehr

Mausi
8 Monate her
Antworten an  Carl Lang

Liebe Negativbewerter, bitte argumentiert. Nur das ist m. E. hilfreich!