Das Pariser Klimaschutzabkommen und die Hürde „New York“

Während überall auf der Welt unterschiedliches Wetter herrscht mit jeweils anderen Temperaturverläufen, welchen Sinn macht und welche Wirkmacht hat eine „Globaltemperatur“ oder „Weltmitteltemperatur“? Fragt Wolfgang Thüne.

Erinnern Sie sich noch? Am 12. Dezember 2015 beschlossen nach zehntägigen pausenlosen Beratungen in einem Rausch kollektiven Größenwahns 195 Staaten einen Weltklimavertrag, um die weitere „Erderwärmung“ zu stoppen. Konkret wurde der „Globaltemperatur“ die Weisung erteilt, tunlichst nicht um mehr als 1,5° Celsius über ihren „vorindustriellen Wert“ anzusteigen. Enthusiastisch wurde dieser Klimavertrag als „historische“ Tat gefeiert. Ein erlösender Jubel brauste um die Welt, denn man glaubte, mit diesem politischen Machtwort endlich die seit 1986 drohende Gefahr einer globalen „Klimakatastrophe“ abgewendet zu haben.

Doch die Unterschriften von Paris waren nur Absichtserklärungen. Nun erst kommt die Bewährungsprobe. Jetzt müssen die Staaten Farbe bekennen und ihre verbindliche Unterschrift leisten. Erst wenn das Abkommen von 55 Staaten, die 55 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen abdecken, ratifiziert wurde, kann es in Kraft treten. Dies dauerte beim Kyoto-Protokoll (1997) bis 2005, nachdem Russland sein Ja gegeben hatte.

Um ihrer Rolle als Vorreiter gerecht zu werden, hat die Bundesregierung am 9. März 2016 der Unterzeichnung des Klimaschutzabkommens von Paris zugestimmt. Am 22. April 2016, dem „Tag der Erde“, findet auf Einladung des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon in New York die Unterzeichnungszeremonie statt. Umweltministerin Barbara Hendricks: „Deutschland wird damit zu den Erstunterzeichnern gehören“. Am 19. März 2016 präsentierte Barbara Hendricks einen Katalog von 89 Maßnahmenvorschlägen für den deutschen „Klimaschutzplan 2050“ und kündigte den weiteren „klimafreundlichen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft“ an. Ziel ist die „Treibhausgasneutralität“!

Der Glaube mag „Berge versetzen“ können, Einfluss auf das Wetter hat er keinen!

In einer Presseerklärung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung vom 25. Januar 2016 heißt es: „Mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit sind die jährlichen Wärmerekorde der letzten Zeit Ergebnis des vom Menschen ausgelösten Klimawandels“. Konkret liege die Wahrscheinlichkeit zwischen 1 zu 5.000 und 1 zu 170.000. Mich beeindrucken solche statistischen Spielchen nicht. Aber Stefan Rahmstorf: „2015 ist wieder das wärmste je gemessene Jahr, und das kann kaum Zufall sein“. Auch der Deutsche Wetterdienst singt diese Melodie. Am 7. März 2016 präsentierte er die Mittel-Temperaturen der Wintermonate Dezember, Januar und Februar von Geisenheim im Rheingau für die Zeit von 1884 bis 2016. Für diese gut 130 Jahre errechnete der DWD für die Wintermonate einen linearen Anstieg von 2 Grad. Höchste Zeit, denn das Pariser Wunschziel liegt bei nur 1,5 Grad!

Doch spüren diese Erwärmung auch unsere Heizungen? Wohl nicht, denn am 17. März 2016 präsentierte die Umweltministerin, dass im Jahr 2015 die Treibhausgasemissionen um 6 Millionen auf 908 Millionen Tonnen gestiegen seien. Sie führt das auf eine „zum Vorjahr kühle Witterung“ zurück und stellt fest: „Die Zahlen weisen darauf hin, dass die Witterung immer noch einen großen Einfluss auf unsere Klimabilanz hat“. Ihrer Meinung nach liegen „im Wärmesektor noch hohe Potentiale“, vor allem bei „der Energieeffizienz von Gebäuden“. Aber auch wenn man die Effizienz erhöht, ändert sich das Wetter nicht. Heizungen werden von Thermostaten gesteuert und die messen direkt die Außentemperatur. Sie arbeiten nicht mit statistischen Werten.

Doch was ist mit der Diskrepanz zwischen dem zu warmen Wetter und der zu kühlen Witterung? Beides schließt sich im Grunde aus und doch können beide Aussagen statistisch „korrekt“ sein, da ihnen verschiedene Mittelwerte zugrunde liegen. Man kann nicht Jahresmitteltemperaturen mit Jahreszeitenmitteltemperaturen vergleichen, wobei letztere noch willkürlich sind. Die Jahreszeiten richten sich ausschließlich nach dem Stand der Sonne über dem Horizont. Dieser bestimmt auch die Tageslänge und die Menge an eingestrahlter Energie. Die Jahreszeiten haben nichts mit dem Wetter zu tun. Es ist also ein Zeichen von Faulheit, wenn man die Jahreszeiten einfach verschiebt, weil man zu bequem ist, Jahreszeitenstatistiken zu erstellen. Da von allen Tagen eines Jahres Tagesmitteltemperaturen vorliegen, bedarf es nur eines winzigen Rechenbefehls an den Computer, um den tatsächlichen Jahreszeiten wie Sommer, Herbst, Winter und Frühling exakte Mitteltemperaturen zuzuordnen.

Zu warmes Wetter und zu kühle Witterung zugleich?

Dann entfiele die dumme Erfindung der „meteorologischen“ Jahreszeiten. Das schafft nur Verwirrung, wenn der Frühling meteorologisch am 1. März, kalendarisch aber erst am 21. März beginnt. Selbst jetzt noch Wochen nach dem offiziellen Frühlingsbeginn ist das Wetter alles andere als frühlingshaft, wobei zudem kein Mensch sagen kann, was „frühlingshaft“ eigentlich bedeutet. Mit den anderen Jahreszeiten ist es genau so. Jeder wünscht sich subjektiv sein Wetter, das objektiv allerdings nur selten in Erfüllung geht. Im Sommer kann nicht immer nur die Sonne scheinen, und im Winter nicht immer nur schneien, weil wir uns den Winter „weiß“ wünschen. Da die Jahreszeiten sich nicht nach dem Wetter richten, haben wir Menschen keinen Anspruch darauf, dass das Wetter immer unserer Vorstellung von Sommer oder Winter entspricht!

So ist das auch mit dem Osterwetter. Ostern hat immer Wetter, aber wie soll es sein und soll es überall auf der Welt „gleich“ sein? Hier fängt die Unmöglichkeit schon an, dass die Jahreszeiten zwischen Nord- und Südhalbkugel gegensätzlich sind. Wenn in Deutschland am 21. März der Frühling anfängt, beginnt in Brasilien der Herbst, der nicht unserem Frühling „gleicht“. Beide Jahreszeiten laufen sehr unterschiedlich ab. Wichtig ist die geographische Entfernung vom Äquator, die Topographie. Sehr viele weitere Faktoren spielen noch mit. Während überall auf der Welt unterschiedliches Wetter herrscht mit jeweils anderen Temperaturverläufen, welchen Sinn macht und welche Wirkmacht hat eine „Globaltemperatur“ oder „Weltmitteltemperatur“? Wo kann man sie messen, fühlen, spüren? Fiktiv überall, real nirgends! Man kann sie bestenfalls anhand von Messungen berechnen, schätzen. Wenn also der Mensch nirgends auf der Welt Einfluss auf die Lufttemperaturen nehmen kann, warum hängen die Staaten, die den „Weltklimavertrag“ unterschrieben haben, der Illusion an, sie könnten nach Wunsch die „Globaltemperatur“ runter oder rauf regeln, ihren Anstieg begrenzen? Paris hat es ans Tageslicht gebracht, die Industriegesellschaften sollen revolutioniert, transformiert werden.

Wenn der Wetterwandel vom Menschen weder verhindert noch verändert oder beeinflusst werden kann, auf welch tönernem Boden steht dann die Behauptung, der Mensch sei am „Klimawandel“ schuld? Theoretisch weiß es jeder Politiker auf dem Globus: Alle Klimadaten, ja das „Klima an sich“ wird von Wetterdaten abgeleitet! Ein Umkehrschluss ist unmöglich! Klima kann Wetter nicht beeinflussen und extremer, „böser“ werden lassen. Ihr Glaube trügt nicht: Das Wetter macht, was es will und nicht das, was wir uns gerade wünschen. Wie sollte es auch die sehr volatilen Wünsche von 7 Milliarden Menschen koordinieren?

Wolfgang Thüne kennt vom Bildschirm, wer in der Bonner Republik dabei war. Der Meteorologe arbeitete in der Analysen- und Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und daneben als Fernseh-Meteorologe des ZDF. Der aktuelle Beitrag erschien auf Conservo.

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