Özdemir und Hagel auf Kuschelkurs: Es grünt so schwarz

Baden-Württemberg vor der Wahl. Und es scheint, als wären CDU und Grüne längst in Koalitionsgesprächen. Selbst beim Triell im SWR-Fernsehen reichte es nicht für Konfrontation und Angriff. Die Brandmauer eint die beiden Kontrahenten. Am Ende musste eine angebliche Zuschauerin noch ein paar Anti-AfD-Parolen liefern. Von Brunhilde Plog

picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Es sollte der Höhepunkt im Landtagswahlkampf werden. Cem Özdemir (Die Grünen), Manuel Hagel (CDU) und Markus Frohnmaier (AfD) – alle Spitzenkandidaten gemeinsam in einem TV-Studio. 90 Minuten Schlagabtausch, Debatten und Diskussionen. Was es am Ende wurde, war jedoch lediglich ein Flirt auf offener Bühne. Grüne und CDU so handzahm wie wie im Streichelzoo. Man lobte sich sogar gegenseitig. Was beide eint, ist der Hass auf die AfD. Der wirkt wie ein Kleber, der selbst stärksten Gegenpole zusammenhält.

In Baden-Württemberg steht nach dieser Sendung alles auf Grün-Schwarz bzw. Schwarz Grün. Alles auf Weiter so.

Im Beschreiben der Misere sind sie alle stark. Zu viel Bürokratie, zu hohe Energiepreise, zu wenig Ärzte, zu hohe Sozialausgaben. Doch während Özdemir und Hagel das Leid zwar beklagen und die Lösung propagieren, hat Frohnmaier ein Totschlag-Argument im Ärmel: „Sie beide regieren. Sie hätten jederzeit die Möglichkeit, alles, was Sie heute Abend ankündigen, umzusetzen.“

Özdemir spricht derweil erstaunlich oft in der Wir-Form, wenn es um die CDU geht. Das fällt sogar den beiden Moderatoren auf. Man müsse „anständig“ miteinander umgehe, sagt Özdemir, damit man sich nach der Wahl nicht entschuldigen muss. Wird hier bereits an einer Koalition gearbeitet, noch bevor überhaupt gewählt worden ist? Die Flauschigkeit, mit der die beiden vermeintlichen Kontrahenten miteinander umgehen, spricht Bände.

Anständig – das gilt selbstverständlich nicht für den Umgang mit dem Endgegner, der AfD. Immer wieder fällt Özdemir hier mit polemischen Zwischenbemerkungen und offener Konfrontation auf. Als Frohnmaier etwa die Rückkehr zur Kernkraft fordert und erzählt, dass der Bau von Kraftwerken in Japan oder China recht schnell vonstatten geht, unterbricht ihn Özdemir spontan mit „Mao, Moskau, MAGA“.

Als Frohnmaier die gestiegene Zahl an Messerattacken und Gruppenvergewaltigungen als Folge der illegalen Migration erwähnt, übt sich Özdemir im Kleinreden. Man dürfe Menschen nicht pauschal verurteilen, nur „weil einige wenige Schwerverbrecher das Zusammenleben in der BRD von Menschen unterschiedlicher Herkunft erschweren“. Der Grüne schwingt die bekannte Pflegekeule. Unsere Alten und Kranken würden von „Menschen aus anderen Ländern“ gepflegt. Denn die erledigten schließlich all die „Arbeiten, die andere nicht machen wollen“.

Dass Özdemir nicht so ganz im Land und auch nicht in seiner Partei daheim ist, fällt an diesem Abend besonders auf. Der Mann, der seine Parteizugehörigkeit sogar auf den eigenen Wahlplakaten verschweigt, betont, dass er ja einmal Bundesminister gewesen sei und nie Mitglied der Landesregierung. Wie zum Ausgleich erzählt er, was er alles im Ländle schon gesehen (den neuen Mercedes, tolles Auto!) und erlebt habe. Etwa, dass ihm „viele Unternehmer“ sagen, sie wollten keinesfalls zu fossilen Energien zurück. Erneuerbare seien längst angekommen, so Özdemir: „Die machen das längst, die verdienen gutes Geld damit.“

Frohnmaier widerspricht vehement. Er habe genau das Gegenteil vernommen. Und Hagel gibt sich reumütig: „Ich finde auch, wir hätten damals in der Energiekrise die Meiler nicht Stillegen dürfen“, sagt er. Doch er hat keine rechte Idee für Abhilfe: „Jetzt ein neues Atomkraftwerk zu bauen, dann sagen Sie mir doch bitte mal, wo“ fragt er Frohnmaier. Der antwortet trocken: „Da, wo die alten waren.“

Vor allem der grüne Möchtegernlandesvater hat an diesem Abend allerlei interessante Fakten parat. Etwa beim Stichwort Künstliche Intelligenz: „Wir sind einer der führenden Standorte“, behauptet Özdemir. Oder zum Laden von Elektro-Autos: „In vielen Ländern der europäischen Union gibt’s im ganzen Land weniger Lademöglichkeiten wie bei uns in einem Landkreis.“ Wie genau er es mit Fakten nimmt, wird immer dann deutlich, wenn er auf Angriff schaltet. Der AfD wirft Özdemir etwa vor, sie wolle alle Menschen ohne deutschen Pass abschieben. Dabei hatte Frohmaier noch gerade eben genau das Gegenteil gesagt und betont, die AfD unterscheide klar zwischen legaler und illegaler Einwanderung. Ansonsten müsse ja er selbst als in Rumänien geborener Mann ebenfalls abgeschoben werden. Wer legal im Land sei, „der muss sich keine Sorgen machen, auch nicht mit einer AfD. Ich hoffe das wurde jetzt auch für sie deutlich erklärt“.

Auch Hagel fällt mit kuriosen Redebeiträgen auf. Er sei im vereisten Berlin unterwegs gewesen und da sei ja „mehr Salz auf der Brezel als hier auf dem Bürgersteig“. Er fordert deshalb „weniger Länderfinanzausgleich, mehr schwäbische Kehrwoche“. Wenn die Stadt nicht streue, könne das doch jeder vor seiner Haustür tun. „Warum machen das nicht die Leute selbst?“, fragt Hagel. Frohnmaier klärt ihn auf: „Sie dürfen halt nicht streuen.“

Immer wieder gehen Hagel und Özdemir demonstrativ auf Konfrontationskurs gegen Frohnmaier. Hagel versteigt sich sogar zu einer offenen Attacke: „Meine christdemokratische Partei wird mit der AfD Deutschlands niemals koalieren und kooperieren. Es hat was zu tun mit dem Kopf, aber es hat auch was zu tun mit dem Herzen. An uns werden Sie sich die Zähne ausbeißen, Sie werden unseren Platz niemals einnehmen.“

Richtig kuschelig wird es dafür zwischen Özdemir und Hagel. Wenn der Grüne etwas sagt, will der Schwarze schonmal einen „anz dicken schwarzen Haken hinten dran machen“. Diese Liebe muss grenzenlos sein.

Am Ende fordert Özdemir sein Glück heraus: „Wir haben zehn Jahre gemeinsam dieses Land gut regiert, in guten wie in schlechten Tagen, unter grüner Führung. Ich wüsste gerne von Ihnen: Was schätzen Sie an meiner Partei, an den Grünen in Baden-Württemberg?“, fragt er. Und Hagel? Lobt ihn. Die Grünen hätten durchaus „einen Anteil an der verlässlichen Regierung gehabt“.

Im Nachklapp zur Sendung wird vor allem Özdemir als zu zahm kritisiert. Der Politologe Michael Wehner nennt ihn „defensiv“ in seiner selbstgewählten „Rolle des über den Wolken schwebenden Staatsmanns“. An Hagel wird sein Fokus auf das Land gelobt, und Frohnmaier bot mit seiner ruhigen, faktenorientierten Art offenbar zu wenig Angriffsfläche.

Das offene AfD-Bashing erledigt dann zum Schluss eine gewisse Marlu Würmell-Klauß. Angeblich ist sie eine einfache Zuschauerin. Dass sie aber auch Mitglied der Ex-SED-Partei „Die Linke“ sowie der „Omas gegen Rechts“ ist, vergisst der SWR zu erwähnen. DieLinke ist überhaupt nicht zufrieden mit der Sendung. Man habe die AfD viel zu wenig an den Pranger gestellt, klagt sie. Frohnmaier habe so tun können, als sei er Demokrat. Aber das sei er ja gar nicht, denn „die AfD will unsere Demokratie zerstören“.

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Kommentare ( 61 )

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Silverager
1 Monat her

Da wird gezielt eine weißhaarige Zuschauerin, quasi eine Frau aus dem Volke, nach ihrer Meinung gefragt. Und die kann sich gar nicht genug über diese entsetzliche AfD echauffieren.
Und dann stellt sich – so’n Zufall aber auch – heraus, dass diese Frau aus dem Volke eine Kandidatin der „Linken Liste“ und noch dazu eine dieser schrecklichen „Omas gegen Rechts“ ist.
Also, Sachen gibt’s in UnseremFernsehen™ ….

ludwig67
1 Monat her

Wüst-Klon Hagel kommt jetzt durch das „Sexismusvideo“ -was für ein Zufall, gut eine Woche vor der Wahl- unter Druck und mit Hilfe der MSM unter den Wert der Grünen. Damit folgt ein gemanagter Verfall mit neuen Gesichtern. Man fragt sich wie viele Pleiten es noch geben muss und wie viele Arbeitsplätze noch weg geschreddert werden müssen, bis die Menschen in BW endlich begreifen.

Budgie
1 Monat her

Das sich die Schwaben so etwas gefallen lassen, dass ist schon bemerkenswert. Wollen sie denn wirklich den roten, grünen oder schwarzen Sozialismus? Möchten sie unbedingt auch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch erleben, so wie es die Osteuropäer 1989/1990 erlebten? Heute gibt es keine BRD und keine EU mehr welche helfen könnten, denn beide sind pleite. Es ist nur schade um unsere Kinder und Enkel. In der DDR hat wenigstens jeder eine ausgezeichnete Bildung genießen können und dadurch nach 1989 überall auf der Welt die besten Voraussetzungen für die Erfüllung der Lebensträume. Und heute? Gähnende schwarz rot grüne Inhaltsleere allerorten.

Last edited 1 Monat her by Budgie
H. Priess
1 Monat her

Die Oma gegen Rächts? Geschenkt, wer sowas im TV abläßt hat es vorher schön einstudiert und mit dem Gesagten gezeigt welcher Couleur sie angehört. Wer noch eine Partei der Nationalen Einheitsfront(PNE) wählt, wählt ein „weiter so“ und macht sich Mitschuldig an allem was noch kommt und die Schwaben machen da keine Ausnahme. Die CDU kuschelt mit den Grünen, was ihr nicht schwer fällt denn bald ist sie Grüner als die Grünen und Linker als die Linken. Wer heute in Bezug auf CDU/CSU noch den Begriff Konservativ oder gar Christlich benutzt hat von Politik so viel Ahnung wie ein Pinguin vom… Mehr

imapact
1 Monat her

Diese Veranstaltungen haben ohnehin keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wahl. Jeder weiß, daß Grüne und Schwarze paktieren werden. Die CDU wird zwar Seniorpartner sein, aber im wesentlichen die grünen Agenda exekutieren. Tragisch: sollten sich überraschend viele Wähler von der CDU anwenden, könnte der Schwabentürke doch noch das Rennen machen.

Roman Lobinger
1 Monat her

Mal sehen, was die Daimlers, Porsches und Boschs etc. bezüglich Arbeitsplätze so nach der Wahl verkünden werden.

NurEinPhilosoph
1 Monat her

Die Grünen Altparteien zerstören derweil die Energieversorgung, das Asylrecht, den Rechtsstaat, die industrielle Basis, die Währung, die Rente, die Presse- und Meinungsfreiheit mit ihrer Brandmauer-Demokratiesimulation, wo immer grün „die Wahlen“ gewinnt.

Der Michel
1 Monat her

„Unsere Alten und Kranken würden von „Menschen aus anderen Ländern“ gepflegt. Denn die erledigten schließlich all die „Arbeiten, die andere nicht machen wollen“.“ – Damit hat er recht. Bloß vergisst er dabei zu sagen, dass die Pflegekräfte aus Polen, Rumänien usw. LEGAL im Land und hier – auch von der AfD willkommen – sind (was im übrigen auch für Saisonarbeiter gilt). Aber wen interessiert das schon, wenn sich’s doch so schön (faktenbefreit) auf der AfD herumtrampeln lässt?

Ernst-Fr. Siebert
1 Monat her
Antworten an  Der Michel

…und wenn 15 Mio. weniger Ausländer hier wären, bräuchte man doch wohl auch entsprechend weniger Pflegekräfte? Sicher ist, daß die Arztpraxen, insbesondere die Zahnarztpraxen, deutlich entlastet wären.

Der Michel
1 Monat her
Antworten an  Ernst-Fr. Siebert

Damit haben Sie recht. Allerdings kann ich nicht beurteilen, wiees ohne diese 15 Mio in der Pflege aussehen würde. Ist auch nicht relevant, denn Sie wissen schon: „Nun sind sie halt da“… Und es ist wohl illusorisch anzunehmen, dass in absehbarer Zeit eine größere Ausreisewelle bevorsteht, ob freiwillig oder mit sanfter Nachhilfe.

Christopf
1 Monat her

Kuschelkurs…warum auch nicht? Warum sollten sich die Regierenden bekämpfen? Die beiden Kuschelbärchen haben doch vom Wähler nichts zu befürchten, liegen stabil bei 50%. Und wenn es ganz doof kommt, holt man halt noch die SPD ins Boot. Die Koalition steht doch schon, man muss nach der Wahl nur noch ein bisschen die Pöstchen verschieben. Das ist die Wahl zwischen Kong und Kang. Der Frohnmeier müht sich mit seinen Argumenten vergeblich ab, die Indoktrinierten sind dafür nicht empfänglich. Grosse Veränderungen haben immer mit Existenzängsten begonnen, davon hat es in Baden Würtemberg noch deutlich zu wenig. Eine Revolution beginnt mit Hunger, die… Mehr

Last edited 1 Monat her by Christopf
Danton
1 Monat her

Eins ist sicher, Baden-Württemberg wird mit den zwei Hansels am Ruder die Steuervorauszahlungen, die sich das Finanzamt einverleibt hat, nicht zurückzahlen können. Wer sich einredet die Industrie liebe die Grünen und hasst die fossile Energieträger, der wird alles dafür tun die illegale Migration zu fördern und zu bezahlen, aber niemals dafür eintreten dass das überzahlte Steuergeld wieder in die Taschen derer gelangt denen sie abgepresst wurden. Aber gemach, gemach, nach Mappus, Teufel, Oettinger und Kretschmann muß es nach BaWü Arithmetik ein Özdemir werden.