Bei Miosga: Wadephul lässt Deutsche in Dubai sitzen

Miosga macht den Merz. Lieber große Außen- statt dröge Innenpolitik. Thema Sozialreformen fällt aus, es wird umgeschaltet auf Krieg. Raketen statt Reformverweigerung, die Schuldenkoalition bleibt verschont. Wichtigste News: Wadephul will Bundesbürgern nicht aus Dubai heraushelfen. Von Brunhilde Plog

Screenshot ARD / Caren Miosga

„Hat Ihre SPD den Mut zu großen Sozialreformen, Frau Bas?“ wäre das Thema der Sendung gewesen. Doch die versprochene Abrechnung mit der SPD und ihrem mangelnden Willen zu Reformen wird kurzfristig verworfen. Diesmal rettet sie der Weltuntergang. Grund: Die Luftangriffe der USA und Israels auf iranische Ziele, der Tod des Ajatollah Ali Khamenei und das Chaos im Mittleren Osten. Nun also auch bei Miosga die große Frage: „Krieg in Nahost – stürzt jetzt das Regime im Iran?“

Trumps risikoreicher Krieg
Bis zur Befreiung des iranischen Volkes drohen blutige Zeiten
Um die Dinge da draußen zu erklären, ist mal wieder Islamismus-Experte Peter Neumann am Start. Er entwickelt sich langsam zum allwöchentlichen Dauergast in deutschen Talkshows. Fünfmal saß er seit November bereits bei Markus Lanz und erst vor vier Wochen schon einmal bei Miosga. Der Professor für Security Studies am King’s College London schraubt die Hoffnung auf einen schnellen Regimewechsel im Iran zurück: „So einfach wie im Irak oder in Syrien wird es nicht sein.“ Der Iran sei „kein Ein-Mann-System“, und mit dem Tod des Ajatollah sei das Ende deshalb noch nicht in Sicht. Er sieht für den Westen jetzt akute Gefahren von Terrorattacken und Cyberangriffen.

Auch Omid Nouripour, Bundestags-Vizepräsident und Grünen-Politiker mit iranischen Wurzeln, warnt vor zu viel Optimismus. Sein Geburtsland könne „nur von innen heraus vom Mullah-Regime befreit werden“. Die Angriffe sieht er skeptisch: Die USA würden oft „nicht über den Tag nach einem Militärschlag hinausdenken“.

Man dürfe aber nicht in Abrede stellen, was Donald Trump „in 48 Stunden geschafft hat“, gibt Annett Meiritz zu bedenken. Die Handelsblatt-Redakteurin war acht Jahre lang als Korrespondentin in den USA und stellt fest: „Für Donald Trump ist die momentane Situation erstmal ein Erfolg.“ Nicht nur die Republikaner stünden geschlossen hinter seinen Entscheidungen, mittlerweile seien sogar einige Demokraten zu ihm „übergelaufen“ und würden seine Iran-Strategie stützen. Trump sehe die berechtigte „Chance für einen historischen Sieg“.

Bericht aus Dubai
Nachrichten aus dem goldenen Käfig von Dubai
Auftritt Johann „Whatafool“ Wadephul – Einspieler eines Interviews, das vor der Live-Sendung geführt werden musste. Der Mann ist um 22 Uhr entweder schon in der Koje oder muss vielleicht noch in irgendeiner Botschaft kontrollieren, ob sein Ikonenbild korrekt an der Wand hängt. Der Außenminister von biederer Gestalt darf seinen Senf dazu und den großen Staatsmann geben. Der Ajatollah habe „ein Regime geführt, das ruchlos war“, und dieses „verdient es, auf das Schärfste bekämpft zu werden.“ Das Schicksal deutscher Staatsangehöriger in Ländern wie Dubai, wo ebenfalls iranische Raketen einschlugen und der Flughafen geschlossen wurde, kümmert Wadephul dabei allerdings weniger. So etwas sei Aufgabe der „Reiseverkehrsunternehmen“. Die gestrandeten Menschen sollten notfalls auf dem Landwege versuchen, zu einem anderen Flughafen zu kommen. Nouripour kritisiert das scharf und warnt vor einem möglichen „Flächenbrand“ in diesem Konflikt.

„Es ist sehr viel einfacher, diesem System den Turban zu entreißen als die Waffen“, sagt Azadeh Zamirirad. Der Tod des Ajatollah könne nur der erste Schritt sein, denn „es wird nicht reichen, die Spitze abzutragen“. Die Iran-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin sagt: „Das Sicherheitssystem, das unterhalb dieser klerikalen Führungsspitze sitzt, das ist sehr intakt, sehr einsatzfähig, sehr handlungsfähig, wahnsinnig gewaltbereit und gut organisiert.“

Ob der im US-Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Cyrus Reza Pahlavi, seine alte Heimat retten kann? Für Nouripour wäre dies ganz klar eine Option, denn „er ist derjenige, der am meisten gerufen wird“. Zamirirad widerspricht: „Er ist derjenige, der am lautesten ruft.“ Alles andere „darf bezweifelt werden“.

Ein säkularer Iran ändert die Weltordnung
Mit dem Mullah-Regime fällt das Kartenhaus "regelbasierte Ordnung"
Und wie geht es nun weiter? Miosga ist an diesem Abend keine Hilfe, nicht als Sendung und schon gar nicht als Person. Die Moderatorin wirkt noch fahriger als sonst. Ihre Fragen geraten langatmig, verschachtelt und bisweilen völlig absurd. Zu Bildern demonstrierender Studenten etwa fragt sie: „Glauben die an einen Regimewechsel?“ Zamirirad antwortet trocken, es sei ja wohl etwas vermessen, dies aus der Ferne zu beurteilen: „Ich glaube, ich kann hier nicht für alle sprechen.“ Doch es kommt noch schlimmer. Bisweilen sucht Miosga offenbar noch die eigentliche Frage, während sie sie bereits formuliert. Dann harrt der Zuschauer gequält auf das Ende ihres Kettensatzes.

Der Konflikt werde länger dauern, hatte Wadephul in seinem Einspieler orakelt. Doch Neumann ist anderer Meinung. „Ich wäre nicht überrascht, wenn wir bereits Ende nächster Woche einen Waffenstillstand hätten.“ Trump rede von vier Wochen, aber der habe wahrscheinlich „die ganzen Folgen seiner Aktionen nicht ausreichend berücksichtigt“.

In Sachen Treffsicherheit verbucht Neumann mit seinen Einschätzungen allerdings eine eher dürftige Quote. Seit Januar hat er in Talkshows behauptet, Trump würde als nächstes gar nicht den Iran ins Visier nehmen. Sondern Kuba.

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Kommentare ( 66 )

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66 Comments
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Alf
11 Tage her

Das Schicksal deutscher Staatsangehöriger in Ländern wie Dubai, wo ebenfalls iranische Raketen einschlugen und der Flughafen geschlossen wurde, kümmert Wadephul dabei allerdings weniger. So etwas sei Aufgabe der „Reiseverkehrsunternehmen“. 

?????
Aber, es geht noch schlimmer..

Ohne Passagiere!

:

Lufthansa-Airbus fliegt leer von Abu Dhabi nach Deutschland

An Bord befinden sich demnach ausschließlich zwei Piloten für den technischen Überführungsflug. Für die Betreuung von Passagieren sei eine mindestens 17-köpfige Kabinenbesatzung notwendig. Diese habe aber nicht zur Verfügung gestanden.

https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/ohne-passagiere-lufthansa-fliegt-von-abu-dhabi-nach-deutschland-69a57affcc6f44c0f427a1f2

Kann man eigentlich noch tiefer sinken?
Ich schäme mich für diese unglaublichen Ausreden.
Sie können es nicht, sie wollen es nicht.

Last edited 11 Tage her by Alf
Marcel Seiler
11 Tage her
Antworten an  Alf

„Ich schäme mich für diese unglaublichen Ausreden.“ – Das sind keine Ausreden.

Wenn ich der Verantwortliche wäre, hätte ich es genauso gemacht. Deutschland ist ein Vorschriftenland geworden, in dem jeder, der sich nicht an die Vorschriften hält, von Politik und Gerichen aufgehängt werden kann. Diese rot-grüne Gesellschaft hasst Eigeninitiative. Und damit müssen wir eben leben.

Alf
11 Tage her
Antworten an  Marcel Seiler

Es gibt keine Vorschriften für die Rückholung deutscher Bürger aus einem Kriegsgebiet.
Die einzige Regel:
What ever it takes.
Und keine seltsamen Konstrukte

Deutsche Urlauber gestrandet – Wadephul will Kinder und Kranke ausfliegen lassen

Die Bundesregierung will nun zumindest Kinder, Kranke und Schwangere zurückholen.

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/krieg-iran-usa-israel-urlauber-wadephul-evakuierung-100.html

Tolle Idee. Kinder von den Familien trennen.
Was sind wir für ein armes Land.

Italien fliegt Staatsbürger mit Charterflügen aus Nahost aus

 Die Menschen saßen demnach im Oman fest oder waren zuvor mit Unterstützung der italienischen Behörden aus Dubai dorthin gebracht worden.

https://www.boerse.de/nachrichten/Italien-fliegt-Staatsbuerger-mit-Charterfluegen-aus-Nahost-aus/38163068

Was kann Italien, was Schland nicht auf die Reihe bringt?

Peter Gramm
11 Tage her

Huch, Caren und Gleichgesinnte auf Zwangsgebühren im talk. Kann mman jetzt nur noch drauf warten bis die nächste Zwangsgebührenerhöhung statt findet um die wichtigen Honorare zu finanzieren. Schon ein arger Medienklamauk.

K.Behrens
11 Tage her

Man reibt sich die Augen, ein bekannter deutscher Reiseveranstalter bietet ab dem 12.03.2026 wieder eine 17-tägige Kreuzfahrt auf dem Schiff mit der Nr.5 an. Nennt sich Auszeit zwischen den Kontinenten, Start ist Dubai. Der Veranstalter scheint optimistisch beim Verlauf der Route. Noch hängt das Schiffchen allerdings in Doha fest.

Fieselsteinchen
11 Tage her

Die Deutschen, die in Dubai leben, sind nach Wadepfuhls und der AA-Meinung sehr wahrscheinlich allesamt “Verräter” des kommenden kalifatischen Ökosozialismus, denen gegenüber ist Hilfe nichts wert. Wer dort Urlaub macht, selber schuld! Die hätten ja das Klima schützen sollen und lieber zu Hause bleiben. Also helft euch selber! So war das schon immer – zumindest wenn es um Deutsche geht. Ansonsten wird die ganze Welt gern unbürokratisch, ohne Pass oder mit Passersatz oder gefälschten Pässen voll versorgend aufgenommen. Wenn es nicht so elend wäre, welche Kleingeister das AA bevölkern, könnte man lachen, so bleibt einem das große Heulen. Und die… Mehr

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
11 Tage her
Antworten an  Fieselsteinchen

Wieso, bitteschön, soll „der Staat“ aus Steuermitteln die Heimreise von Urlaubern, Geschäftsreisenden und Expats regeln, die in den VAE oder Katar in Luxushotels oder in ihren Villen sitzen bzw. mit Emirates, Etihad oder Qatar Airways in aller Welt unterwegs sind? Weder Katar noch die VAE sind Kriegsgebiete, wo Leib und Leben in Gefahr wären. Das gilt auch dann, wenn die dortige Flugabwehr eine iranische Rakete vom Himmel holt. Die Emirate haben bereits die Übernahme von Hotel- und Verpflegungskosten für Passagiere zugesagt, solange die Flughäfen in den VAE geschlossen bleiben. Wer dringend zurück muss oder möchte, kann jederzeit einen Bus nach… Mehr

Kassandra
11 Tage her

Tja. Nachdem Maas Massen wegen „Corona“ aus dem Ausland abholen ließ und man gar nicht weiß, wer da alles die Gunst der Stunde genutzt hat – weshalb nicht auch diese?
Die Kostenrechnung, die der Saarländer damit produzierte, steht heute noch aus.

hansgunther
11 Tage her

Selber Schuld, wenn man keine Zeitung lesen kann und die Zeichen der Zeit ignoriert. Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko jedes Touristen, welches Ziel er sich auswählt. Zumal hier es offensichtlich auf der Hand lag, daß sie in ein Krisengebiet aufbrechen. Dummheit hat seinen Preis.

Haba Orwell
11 Tage her

Pepe Escobar zum Geschehen: „Zehn Stunden, die Westasien erschüttertenPepe Escobar – uncut-news.ch“ > „… Zehn Stunden. So lange brauchte Iran, um:das Reich des Chaos, der Plünderungen und permanenten Streiks im gesamten Golfgebiet zu belagern.27 große US-Militärstützpunkte unerbittlich bombardieren – und dabei umfangreiche Schäden anrichten. feststellen, dass alle Vermögenswerte und Interessen der USA und Israels in Westasien legitime Ziele für Vergeltungsmaßnahmen sind.die Straße von Hormuz blockieren (dann wieder freigeben; aber freie Durchfahrt nur für russische und chinesische Schiffe).Als Nächstes: Sollten sich US-Kriegsschiffe nicht zurückziehen, werden sie versenkt. …“ Woanders habe ich gelesen, dass ein der US-Kriegsschiffe bereits versenkt wurde – ein… Mehr

andreas donath
11 Tage her

Ich kann das ewige Trump-Bashing kaum mehr ertragen. Trump macht nicht alles, aber eben sehr vieles richtig und hat einen unglaublich guten Instinkt, der ihn nahezu treffsicher leitet. Ich denke, er macht sich über viele Dinge als wichtigster Mann der Welt weit weniger Gedanken als wir, und das ist auch wichtig, ja geradezu existenziell bei der Fülle an Entscheidungen, die er in kürzester Zeit treffen muss. Was er prima beherrscht ist es, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Dass es ihm sicher nicht primär um die Menschenrechte im Iran geht, sondern um ein ganzes Bündel von Interessen, ist schon… Mehr

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
11 Tage her

Was soll die Empörung? Hier hat Mr. Whatafool ausnahmsweise vollkommen recht! Die Vereinigten Arabischen Emirate sind kein Kriegsgebiet. Auch dann nicht, wenn irgendeine iranische Rakete am Himmel abgefangen wurde und ein paar Trümmerteile runterkommen. In so einer Situation ist es nicht Aufgabe der Bundeswehr, deutsche Urlauber, Geschäftsreisende oder Expats aus ihren Luxushotels und Villen zu „evakuieren“. Wer ausreisen will, kann problemlos auf dem Landweg nach Oman oder Saudi-Arabien reisen und von dort abfliegen. Wer als Pauschalreisender unterwegs ist, hat zudem den reiserechtlichen Vorteil, dass sein Reiseveranstalter verpflichtet ist, solche Ausreisen zu organisieren. Der Minister verhält sich hier vollkommen richtig!

Petra Horn
11 Tage her

Da muß ich an März 2020 denken, da holte man die Deutschen im Ausland praktisch mit Gewalt zurück.
Dieses Thema sollte auch näher untersucht werden.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
11 Tage her
Antworten an  Petra Horn

So ein Unsinn. Niemand wurde „praktisch mit Gewalt zurückgeholt“. Wenn Sie „dieses Thema näher untersuchen“ wollen, dann legen Sie doch einfach los. Ich bin gespannt auf Ihre Untersuchungsergebnisse. Es winkt der Pulitzer-Preis!

Last edited 11 Tage her by Ceterum censeo Berolinem esse delendam
hoho
11 Tage her

So wie nach 1953 gelaufen ist, wird ein Jubel eher kurzfristig, wenn es überhaupt dazu kommt. Ich vermute auch, dass der Krieg zwischen Irak und Iran kurz nach dem Fall von Schah auch nicht ganz ohne US Hilfe angefangen hat. USA haben jedenfalls der Irakischen Armee geholfen. Damals waren die chemische Waffen noch OK, nehme ich an.