Ostsee-Kreuzfahrt als Prämie in deutscher Impflotterie

Mit Impflotterien nach amerikanischem Vorbild soll einer abnehmenden Impfbereitschaft bei demnächst stark steigendem Angebot an Impfstoffen entgegengewirkt werden.

picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner

Berlin. Verschiedene Bundesländer planen eine Impflotterie nach amerikanischem Vorbild. Das erfuhr TE exclusiv aus Kreisen der Gesundheitsministerkonferenz. Damit soll einer abnehmenden Impfbereitschaft bei demnächst stark steigendem Angebot an Impfstoffen entgegengewirkt werden.

„Bei den Corona-Impfungen waren uns die USA weit voraus“, so ein Sprecher der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), „aber die Situation hat sich gedreht und das wollen wir bei uns verhindern“. In den USA ist bereits die Hälfte der rund 260 Millionen Erwachsenen geimpft, aber die Zahl der täglichen Impfungen ist stark zurückgegangen. In vielen Landesteilen sind große Impfzentren geschlossen worden. Es gebe noch viele Unentschlossene, Corona-Leugner und Impfgegner.
Deswegen haben zahlreiche Bundesstaaten Impflotterien ins Leben gerufen. Wer sich jetzt impfen lässt, erhält mit dem Impfpass ein Los. In einigen Bundesstaaten wie Ohio, Kalifornien und New York können Geimpfte zwischen einer und fünf Millionen Dollar gewinnen. In anderen Staaten winken eher Sachprämien, wie Pickup-Trucks, Jagdgewehre, Universitäts-Stipendien, Eintrittskarten, Freibier oder Gratis-Pizza.

Einen rein kapitalistischen Ansatz mit Geldprämien will man in Deutschland nicht verfolgen: „Die meisten Bundesländer mit rotgrüner Beteiligung planen eher Gemeinwohl- oder Erlebnisoriente Prämien“, so der Sprecher. Es soll nicht um bloßen Konsum gehen, „sondern um Dinge, auf die Freunde und Bekannte neidvoll blicken, weil man sie nicht oder nur schwer kaufen kann“.

Baden-Württemberg bietet einen Bauplatz für eine Windkraftanlage beim Landschaftsschutzgebiet Hegau an, der neben Pachteinnahmen von mehreren zehntausend Euro auch noch Ökostrom liefere.

Thüringen hat eine vierwöchige Urlaubsreise ins einzig verbliebene 2-Sterne Hotel in Venezuela im Angebot. Wer zusammen mit einer Delegation der Linkspartei reist, kann auch mit dem beliebten Staatspräsidenten Maduro zu Abend essen.

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zugesagt, dass die mit 20 Mio € von der „Nord Stream 2 AG“ ausgestattete „Klimaschutz-Stiftung“ der Landesregierung eine zweiwöchige Kreuzfahrt auf der Ostsee mit dem Luxusschiff „Akademik Tscherskiy“ (Hauptattraktion Riesen-Wasserrutsche) sponsert.

Brandenburg möchte als Wolfsland Nr.1 den heimischen Tourismus stärken und bietet Geimpften und ihren Familien einen 7-Tage Campingurlaub in einem der 32 Wolfs-Territorien an, frei nach Wahl von der Barnewitzer Heide bis nach Zschorno. Zelt und Schutzzaun werden gestellt.

Berlin bietet 100 garantiert freie Termine in der Bürgerämtern der Hauptstadt an. „Die sind für Eheschließungen und Geburtsmeldungen bei den Einwohner*Innen heiß begehrt “, so der Sprecher von Gesundheitssenatorin Kalayci. Das geplante Angebot einer Berlin-Sightseeing-Rundfahrt in der Nacht zum 1. Mai 2022 in einem Mannschaftsbus der Polizei kam wegen fehlendem Versicherungsschutz leider nicht zustande.

Der Sprecher machte gegenüber TE deutlich, man sei offen für weitere Ideen der Bürger*Innen, um die Attraktivität der Lotterie und der Corona-Impfungen zu steigern.

UPDATE: Nach Bekanntwerden der Lotteriepläne der Länder hat sich Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spontan entschlossen, ihre Corona-Prämie doch für einen guten Zweck zu spenden: “Zur Förderung der Elektromobilität stelle ich die 1.500 € zur Verfügung, um damit als Hauptgewinn ein Paket von 500 Glencore-Aktien zu kaufen, dem größten Kobold-Produzenten der Welt“.

Bundespräsident Steinmeier sponsort 100 Eintrittskarten für die nächsten Konzerte von „Feine Sahne Fischfilet“ und die SPD plant für zwei Gewinner einen bunten Abend mit Norbert-Walter Borjans und Saskia Esken – vorher soll es aber noch eine SPD-Mitgliederbefragung geben, ob nicht noch Karl Lauterbach teilnehmen muss.


Claudia Pritt

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Kommentare ( 22 )

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Harvey
4 Monate her

Ich möchte nur den Impfpass haben, die Impfdosis könnt ihr euch sparen und gerne könnt ihr mich für eure Statistik zählen.

Manuela
4 Monate her

„sondern um Dinge, auf die Freunde und Bekannte neidvoll blicken, weil man sie nicht oder nur schwer kaufen kann“

Das wäre – und nur in Deutschland! – der volle Erfolg. Und das ganz ohne Satire!

Gerhard Doering
4 Monate her

Wenn das sich so weiter entwickelt werden die willensschwachen und gutgläubigen Menschen geimpft sein und das ist gut so, denn dann kann sich der Rest denkender Menschen geadelt fühlen. Habe sowieso schon seit langem den Verdacht das die nicht mehr öffentliche Ziehung der Lottozahlen im Zeitalter der schnellen Computer Verarbeitung nicht reell ist. Aber im Ernst, so eine Belohnung der Impfwilligen verspricht ja auch bei tödlichen Nebenwirkungen eine preisgünstige Bestattung und der Trend zu Seebestattungen ist doch unverkennbar.

Last edited 4 Monate her by Gerhard Doering
RMPetersen
4 Monate her

Die Impflotterie läuft doch schon.

Andreas aus E.
4 Monate her

Die Union will sich auch nicht lumpen lassen – Gewinner der Impflotterie bekommen für ehrenamtliche Tätigkeit im Flüchtlingsheim die FFP2-Masken eine ganze Woche gratis!
Dazu noch eine gedruckte Autogrammkarte von Frau Dr. Merkel.

Wenn das nichts ist – her mit der Spritze!11!1!

moorwald
4 Monate her

In der DDR gab es mal ein Preisausschreiben:

1.Preis: 1 Woche SU
2.Preis: 2 Wochen SU
3.Preis: 3 Wochen SU
Aber im Ernst: Impfstoff-Abnehmer (= Impf-Abenteurer) dringend gesucht.

Slawek
4 Monate her

So weit wie möglich von hier weg und eine Prämie oben drauf, so dass man nicht mehr zurückkehren muss. Damit hätte man in kürzester Zeit ganz Deutschland geimpft.

Julian Schneider
4 Monate her

Sorry, aber ich lasse mir von einer Dilek Kalayci nicht in meine Gesundheit reinreden.

Klaus D
4 Monate her

mein erster gedanke war….Kraft durch Freude…..wer mitmacht und auf linie ist wird belohnt!….vom system

NordPole
4 Monate her

Bei einer echten Pandemie, bei der jeder jemanden kennen würde der aufgrund der Gefährlichkeit verstorben ist, würden die Menschen keine Auflagen benötigen um Zuhause zu bleiben udn man müsste sie nicht mit irrsinnigen Lotterien und Angeboten locken, um sich der Gentherapie zu unterziehen. Mein 74 Jahre alter Nachbar, Armutsrentner hat sich impfen lassen, weil ihm 2x eine Hin- und Rücfahrt quer durch Berlin zum Impfzentrum bezahlt wurde und er wohl noch eine Aufwandsentschädigung bekommen hat. Bei seiner Armutsrente und Privatinsolvenz eine willkommene Abwechslung und Prämie, denn eine Taxifahrt konnte er sich schon jahrelang nicht leisten. Man muss sich ernsthaft fragen,… Mehr

Last edited 4 Monate her by NordPole