Ein Mars-Bewohner zu Wahlzeiten auf Erdbesuch

Auch nach langem Grübeln fand der Ausflügler vom Mars keine Antwort bei seinem Besuch. Nur eines war sicher, mit rechten Dingen kann es dort nicht zugehen!

IMAGO / Future Image

Gerade mal ein Jahr hatte der Bote der Mars-Königin Zeit, sie auf einen Trip zur Erde als nächstgelegenem Planeten vorzubereiten. Man hatte so manches über die eigenartigen Wesen dort unten gehört und die Herrin des Imperiums wollte endlich wissen, ob denn das alles so stimme. Das Material, das unserem außerirdischen Gast zur Verfügung stand, waren ausschließlich die Medien des Objektes der Begierde. Da waren vor allem die Sendungen des öffentlich-rechtlichen TV- und Radiosystems, dazu noch einige Zeitungen, die sich auf eigenartige Weise immer gleichzeitig mit den gleichen Themen und derselben Meinung beschäftigten. So hatte unser Reisender auch erfahren, daß in dem Land, das ausgewählt wurde, unmittelbar Wahlen einer neuen Regierung bevorstünden. Das Land trug den komischen Namen Deutschland. Wie gut, dachte der Weltenbummler, die Parteien, die um Stimmen kämpften, müssten ja streng darauf bedacht sein, die Erwartungen und Bedürfnisse der Menschen genau zu treffen.

Gut vorbereitet durch die Medien des fremden Landes malte er sich in Gedanken die Wahlplakate in all ihrer Eindringlichkeit aus. Als erstes sah er da einen Käfig, in dem nur dürftig bekleidete weibliche Wesen gefangen gehalten wurden. Ringsherum lauerten widerliche und gierige Männer, die sich über das Leid der Eingesperrten belustigten und ab und an ihre lüsternen Finger ausstreckten. Ganz oben prangte der Slogan: Wer befreit uns, wer holte uns raus? Die Antwort war kurz: „Die Grünen“. Ja, so mußte es sein. Hatte der Besucher doch so viel über Sexismus, Frauenunterdrückung und Machtdominanz der Männer gelesen. Nicht umsonst gäbe es ja so viele Frauenbeauftragte, Gleichstellungskommissionen und Me-Too-Bewegte. Das zweite Plakat zeigte noch wesentlich Schlimmeres: Polizisten im Outfit des Ku-Klux-Klan führten Kolonnen von Menschen mit nicht weißer Pigmentierung an Ketten durch die Straßen hin zu, von anderen Rassisten aufgestellten, Futterkrippen. Überall Plakate mit der Aufschrift: Wer sich nicht fügt, wird abgeschoben. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auch vereinzelte Armbinden mit Hakenkreuzen. Dann folgt ein Poster mit delikaten bunt-verpackten Lebensmitteln auf einem Haufen. Daneben sitzen glückliche Menschen mit ihren Lasten-Fahrrädern. Vor sich Näpfe mit veganer Nahrung, die sie verzückt in sich hinein futtern. Und schließlich folgte die Darstellung vieler älterer Menschen, die wie Parasiten an den Taschen der jungen Generation hingen, und dabei Lobeshymnen auf die alte Zeit herausbrüllten. Darunter die Frage: Wer befreit uns von den toxischen alten weißen Männern mit ihren Umweltsäuen an der Seite? Die Lösung: Wählt die Grünen und die Links-Partei. Das letzte Plakat zeigt leerstehende Häuser, aus denen feist-grinsende Fettwänste auf die wohnungslosen Massen herab schauen. Die Frage: Wann kommt endlich die Enteignung? Antwort: Sofort mit Links-Partei und Grünen.

Doch was für eine Enttäuschung. In Deutschland angekommen, konnte er kein einziges dieser Motive entdecken. Auf den Straßen sah der Gelandete überwiegend gut gekleidete und fröhliche Menschen, darunter viele Frauen, die mit ihren Reizen nicht geizten. Auch Gruppen nicht-weiß Pigmentierter waren ohne jedes Anzeichen von rassistischer Folter friedlich und zufrieden unterwegs. Also, Wähler können das auf gar keinen Fall sein, schoß es dem Männlein vom Mars durch den Kopf. Noch mehr staunte es, als es nun wirklich Wahlplakate wahrnahm. Überall wurden noch mehr Wohltaten versprochen. „Das Leben in Deutschland ist schön und so soll es auch bleiben.“ Glückliche Familien lächelten von den Wänden herunter und die Parteien versprachen, daß es auch so bleibe.

Völlig verzweifelt suchte sich unser Beobachter ein ruhiges Plätzchen zum Nachdenken. Irgendetwas stimmte hier nicht – nur was? Könnte es sein, daß die Medien dieses Landes ein Horror-Bild der Gesellschaft erfinden, um damit die eigene verdrehte Weltsicht zu befriedigen. Die Marketing-Experten der Parteien wissen aber genau, wie die Menschen wirklich leben und fühlen. Wer sie ansprechen will, muß sie auch so zeigen, wie sie sind. Während der gesamten Rückreise zum Mars hörte das Kopfschütteln nicht auf. Was ist dieses Deutschland doch nur für ein seltsames Gebilde. Ein Land, in dem die Medien ein Zerrbild der Realität verbreiten und dafür auch noch festlich von den Bürgern bezahlt werden. Niemand auf dem Mars würde ihm das glauben. Vielleicht sind die Deutschen ja sogar ein Volk von Masochisten, die sich ihres Wohlstandes schämen. Auch nach langem Grübeln fand der Ausflügler vom Mars keine Antwort. Nur eines war sicher, mit rechten Dingen kann es dort nicht zugehen!

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Kommentare ( 5 )

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5 Comments
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H. Priess
1 Monat her

Glosse? Also ich verstehe unter einer Grosse etwas anderes als hier geschrieben. In einer Glosse als solche sollten die Dinge überspitzt dargestellt oder gar ins Groteske gezogen werden. Dieser Text stellt doch nur die ungeschminkte Realität in unserer irren Welt dar. Mal angenommen es sollten wirklich mal Alien bei uns auftauchen so würden die nach kurzen Zeit wieder verduften und eine Raumwarnboje aussetzen und dieses Sonnensystem sperren. Vielleicht aber auch kommen die Volonen und bauen eine Weltraumumgehungsstraße quer durch unser Sonnensystem und die Erde wird gesprengt. Intelligente Aliens würden die Primaten auf diesem Planeten kaum interessieren. Für Aliens, die Raum… Mehr

Andreas aus E.
1 Monat her

Der unglückliche Tourist vom Mars hätte besser beim Fred vom Jupiter Urlaub gemacht, hoffentlich bekommt er vom Reisebüro einen Teil der Kosten erstattet!

Am übelsten wird ihm die Farbgestaltung der Grün(mist :-)plakate aufgestoßen sein.
So ein Marsmännchen kann ja nichts für seine Hautfarbe, aber warum eine für eine Wahl kandidierende Partei mit ähnlichem Ton, irgendwas zwischen Erbrochenem, Nasenschleim und Giftmüllwarnfarbe, wirbt, wird ihn schier traumatisiert haben.

Last edited 1 Monat her by Andreas aus E.
Physis
1 Monat her

Heute Abend zufällig gehört: Nachbar A steigt aus dem Wagen aus, während Nachbarin B gerade den Parkplatz ansteuert. Nachdem B ausgestiegen ist, sagt A: „Hallo, Bastian. Ich gehöre zu Oskar…!“ Darauf B: „Ha, ha, ha, ha….!“ Nun, man muss wissen, dass Oskar der Sohn von A ist und dass B erst kürzlich hier zugezogen ist. Eine weitere Unterhaltung, als die Wünsche für ein schönes Wochenende gab es dann allerdings nicht… Der Mars-Bewohner darf sich daher glücklich schätzen, wieder zurück nach Hause zu kommen, denn dort trifft er wenigstens/hoffentlich und MINDESTENS auf Marsianer, die sich einander adäquat vorstellen können. PS.: Oskar… Mehr

Reimund Gretz
1 Monat her
Tacitus
1 Monat her

An seiner Stelle würde ich zurückfliegen!