Die besten Dinge kosten nichts

Die Natur und unsere unmittelbare Umgebung bieten eine breite Palette an kostenlosen Vitaminspendern, Heilmitteln und Glücksquellen an. Sieben wirksame Verhaltensweisen, die uns gesünder, glücklicher und gelassener machen – unkompliziert und gratis.

Jonas Weckschmied

Ein perfekter Tag in diesen Zeiten könnte folgendermaßen aussehen: Früh morgens lasse ich mich von der Sonne wecken, trinke ein Glas Wasser (gerne mit Zimmertemperatur) und setze mich dann ans offene Fenster, um Sonne zu tanken. Es tut gut, sich die Sonne auf Arme und Körper scheinen zu lassen, in den Himmel zu schauen und dabei tief durchzuatmen. Wenn ich vom Sonnenbaden genug habe, hole ich schönes Papier und meinen Füllfederhalter und mache nun endlich eines der Dinge, die ich mir schon lange vorgenommen habe: Ich schreibe einer alten Freundin einen Brief.

Mittags schnipple ich ohne Stress Gemüse und bereite ein leckeres Gericht vor, dessen Rezept ich von einer Freundin bekommen habe. Ich freue mich an den Formen und Farben von Roter Beete, Karotten, Paprika oder Kartoffeln und weil ich gerade so im Schwung bin, entscheide ich mich kurzerhand dazu, als Nachtisch auch noch Obstsalat vorzubereiten. Der Kommentar unseres Sohnes, nun gäbe es endlich mehr Gemüse als früher, motiviert mich und ich freue mich auf das gemeinsame Mittagessen. Zusammen zu essen und dabei zu reden gehört zu den Höhepunkten des Tages.

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Nach dem Essen mache ich eine Siesta. Ohne Zeitdruck und auf die Uhr schauen zu müssen. Wenn ich davon genug habe, nehme ich mir eine Schublade vor, die ich schon lange nicht mehr aufgeräumt habe. Ich finde erstaunliche Dinge, die mich an Unternehmungen und Reisen vergangener Tage erinnern. Ich finde aber auch Müll und überkommenen Krimskrams, den ich konsequent und schmerzlos entsorge. Für morgen nehme ich mir eine andere Schublade vor, denn jetzt muss ich Schluss machen, da ich für heute auch noch andere Pläne habe: das Buch zu lesen, das seit Monaten ganz oben auf meinem Bücherstapel liegt. Erfüllt von der Lektüre beschließe ich, das Abendessen ausfallen zu lassen. Ins Bett gehe ich noch weit vor Mitternacht.

Gäbe es eine wissenschaftliche Methode, um die physiologischen und psychologischen Werte dieses Tages zu messen – die erzielten Messergebnisse würden vermutlich die Skala des Messgeräts sprengen. Denn all die Tätigkeiten, die ich in der Beschreibung des perfekten Tags aufgezählt habe, bringen einen von Wissenschaftlern ermittelten Nutzen fürs Wohlbefinden. Unzählige Beobachtungen, Studien und Untersuchungen belegen dies eindrucksvoll. Und das Beste daran: All diese Tätigkeiten dieses perfekten Tages kosten nichts oder nur wenig.

Es lassen sich nur schwer Gründe finden, in diesen Zeiten keinen solchen perfekten Tag verbringen zu können. Corona – diese Angst auslösende Bedrohung – hat auch unerwartete Seiten. Früher – und das ist gerade mal einen Monat her – war es alles andere als sexy, einen derartigen Tag zu verbringen. Da war „immer mehr, immer schneller, immer weiter“ angesagt. Ein perfekter Tag musste mindestens auf der Skipiste oder im Café in Venedig stattfinden. In Hochglanz-Anzeigen wurde uns gezeigt, wie wir zu leben hatten, damit wir uns gut fühlen. Die Kehrseite der Medaille: eine steigende Anzahl von Menschen, die dieses Tempo nicht aushalten konnten, Burnout ließ grüßen.

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Erstaunlicherweise eröffnen uns jetzt gerade die Dinge und Verhaltensweisen, die nichts kosten, ungeahnte Möglichkeiten: Die Herausforderung, den Drucker selber ans Netzwerk anzuschließen, weil der Experte nicht kommt. Das Erfolgserlebnis nach dem ersten Ausdruck ist reines Glück. In allen Bereichen des Lebens lässt sich nun die Selbstwirksamkeit stärker als im früheren Alltag wahrnehmen: Das sorgfältig zubereitete Gemüse-Gericht, die Kontaktaufnahme mit einem lange nicht gesprochenen Freund, das selbst gebügelte Hemd, weil die Reinigung zu hat.

Schon in der Antike setzten sich die Philosophen mit dem richtigen Lebensstil auseinander. In seiner „Philosophie der Freude“ fasst Epikur eine seiner Erkenntnisse folgendermaßen zusammen: „Dank sei der gepriesenen Walterin Natur, dass sie das Notwendige leicht erreichbar schuf, das Schwererreichbare aber als nicht notwendig!“ Eine Einsicht, die auch in der heutigen Zeit immer noch Gültigkeit hat. Aber jede Generation muss ihre eigenen Erfahrungen machen. In unserer wissenschaftsgläubigen Welt haben Dinge, die man nicht beweisen kann, wenig Wert. Nun aber ist die Zeit da, wo wir nachweislich belegen können: Die besten Dinge kosten nichts. Man muss sie nur nutzen.

Andrea Tichy hat im Rahmen ihrer journalistischen Recherchen immer wieder Überraschendes entdeckt: Oft sind gerade die Dinge, die nichts kosten, besonders wirkungsvoll. Ob es ums Fasten geht, mit dem sich Krankheiten kurieren lassen. Ums Sonnenbaden, mit dem sich die lebenswichtige Vitamin D-Produktion ankurbeln lässt. Oder ums Zufußgehen, das Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen hilft und Wohlbefinden sowie Fitness erhöht.


Andrea Tichy, Die besten Dinge kosten nichts. Sieben wirksame Verhaltensweisen, die uns gesünder, glücklicher und gelassener machen. Quell-Edition, 184 Seiten, 17,90 €.


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Kommentare ( 28 )

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28 Kommentare auf "Die besten Dinge kosten nichts"

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Liebe Andrea paradiesische Zustände in einem eigenen Haus mit großem Garten und ohne finanzielle Sorgen. Das Geld kommt vom Konto und der Strom aus der Steckdose. Leider, liebe Andrea, besteht die Lebensrealität der Mehrheit der Menschen nicht aus Fasten, Meditieren und Sonnenbaden. Wie weit würden Sie denn täglich zu Fuß gehen, nicht weil Sie das so wollen, sondern weil Sie es müßten? Trotzdem, Ferien auf Bullerbü habe ich als Kind auch immer gerne gesehen.

„Früher – und das ist gerade mal einen Monat her – war es alles andere als sexy, einen derartigen Tag zu verbringen.“

Jetzt erlebe ich, welche Wonnen ein solcher Tag zu bieten hat.

„In Hochglanz-Anzeigen wurde uns gezeigt, wie wir zu leben hatten, damit wir uns gut fühlen.“
Ich glaube auch, dass wir da einem falschen Ideal hinterher gerannt sind. Die ernsten und traurigen Gesichter der Menschen im Alltag sind ein Beleg dafür. Ich kann mich kaum erinnern, auf den Straßen unserer Überflussgesellschaft einmal ein strahlendes Lächeln gesehen zu haben.

Selbstwirksamkeit, ein prima Stichwort. Problem: Wer nix kauft und alles selber macht, der hinterzieht Umsatzsteuer in ungeahnter Höhe – DAS kann nicht erwünscht sein … .

Entschuldigung, aber dieser Leitartikel – im Kontext der aktuellen Situation – ruft bei mir nur Entsetzen und Unverständnis hervor. Vorsichtshalber habe ich ihn noch ein zweites Mal gelesen, um sicher zu sein, dass ich mich nicht irre oder es sich um Satire handelt. Dann habe ich mich nochmals vergewissert, ob ich wirklich bei „Tichys Einblick“ bin und nicht auf irgend eine „GrünInnen“-Website mit naivsten Pink-Ponyhof-Fantasien umgeleitet wurde. Von dem „Glück“, Sauerampfer u.ä. für eine Suppe zu pflücken, wusste bereits meine Großmutter eindrücklich zu berichten, 1901 in einer der ärmsten Regionen Deutschlands geboren, die also alles Denkbare (und Undenkbare) selbst miterlebt… Mehr

Die schlimmste Krankheit ist die soziale Isolierung. Selbst im Todeskampf die Mehrheit der Menschen nicht alleine sein.
Man kann sich die Ausgangsbeschränkung nur eine Zeitlang schön reden…zum Schluss ist der Drang nach sozialer Wärme/Reibung größer und das Gefühl des sozialen Austausch/Kontakt wird von Tag zu Tag uebermaechtiger.

Das ist ja die reinste Tichy-Verschwörung hier.😀

„Die Kehrseite der Medaille: eine steigende Anzahl von Menschen, die dieses Tempo nicht aushalten konnten, Burnout ließ grüßen.“

Warum gleich ins Extrem? Es reicht doch völlig aus, dass die Berufstätigen, die zwischen Arbeit, Familie und Hobbies hin und her gerannt sind, jetzt alle Mal zur Ruhe kommen.

Ich hoffe, dass ganz viele dieser Menschen aufwachen und sehen, was aus diesem Land geworden ist: Ein „awakening“, diesmal aber zur Vernunft.

„Andrea Tichy, Die besten Dinge kosten nichts. Sieben wirksame Verhaltensweisen, die uns gesünder, glücklicher und gelassener machen. Quell-Edition, 184 Seiten, 17,90 €.“

Das widerspricht sich aber gerade 😉
Aber Danke Frau Tichy. Wir Kosumabhängigen wissen das gar nicht mehr zu würdigen.