TH Köln: AStA distanziert sich von Vorsitzender wegen Corona-Demo-Teilnahme

Eine skurrile Mail erreichte die Studenten der TH Köln am Mittwochvormittag. Die AStA-Vorsitzende war bei einer Demo, der Schlimmes nachgesagt wird.

imago images / Eibner

In einer E-Mail, die der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Technischen Hochschule Köln unter dem Betreff „Stellungnahme AStA“ am Mittwochvormittag an die Studenten der Hochschule geschickt hat, hat sich das Team des Studierendenausschusses von seiner ersten Vorsitzenden distanziert – weil sie an einer Demonstration gegen die Änderung des Infektionsschutzgesetzes teilnahm, die, so die Mail, „mit der rechten Szene sowie Verschwörungsmythen in Verbindung gebracht wird“. Fast entschuldigend schreibt die Studentenvertretung, dass es dem AStA aufgrund seines „freiheitlich-demokratischen Selbstverständnisses und mangels eines Kontrollgremiums (StuPa)“ nicht möglich ist „ihren Rücktritt zu erzwingen“, man es ihr aber empfohlen habe.

Heft 01-2021
Tichys Einblick 01-2021: Wer schützt unsere Demokratie vor Corona?
Weiter schreibt das AStA-Team in der E-Mail, dass man sehr wohl zu Kenntnis genommen habe, dass die Pandemie und auch die Maßnahmen die Studenten intensiv belasten: verlorene Nebenjobs, nicht genug technische Ausstattung, um richtig am Online-Unterricht teilzunehmen, Mangel an sozialen Kontakten und anderes. „Als AStA sind wir allerdings eure Vertretung in der Hochschule und in einer Position, in der wir etwas bewirken können“ steht in der E-Mail und: „Ganz getreu nach dem Motto: Eine/r für Alle und Alle für eine/n!“ (ja, das gendern die wirklich so). „Als AStA haben wir auch die Gegenstimmen im Blick. Wir haben jedoch die eindeutige Haltung, dass jede Person, die auf einer Demonstration mitläuft, an welcher sich auch Querdenker, Rechtsradikale und andere mit unseren Werten nicht vertretbaren Gruppen beteiligen, sich mitschuldig macht.“

Der Fehler der Vorsitzenden war also, dass sie nicht vorher jeden einzigen Demonstranten auf rechtsextremes Gedankengut geprüft hat, bevor sie an der Demonstration teilnahm? Die Autoren der E-Mail nehmen offenbar für sich in Anspruch, dies getan zu haben, wenn sie schreiben: „Die eigene Kritik kann nicht demokratisch vertretbar gemeinsam mit Personen geäußert werden, welche die Grundwerte der Verfassung missachten und unserem Leitbild in keiner Weise entsprechen.“

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 Fazit: Eine E-Mail wird an die komplette Stundenschaft geschickt, in der über eine Studentin behauptet wird, sie habe sich mit Rechtsradikalen zusammengetan, und eine Stellungnahme der betreffenden Person wird gar nicht verlangt. Selbst wenn die Studentin sich noch erklären sollte (wobei es eigentlich in einer pluralen Demokratie nicht nötig sein sollte, sich für die Teilnahme an einer Demonstration zu rechtfertigen), dürfte es nun zu spät sein: Schließlich hat der AStA per Rundmail verkündet, dass die Person sich „mitschuldig“ gemacht hat und „bewusst die Gesundheit ihrer Mitmenschen riskieren“ wollte. „Wir als AStA rufen dazu auf, auf die Person neben uns zu achten, sich zu unterstützen und auch einfach mal anzurufen.“

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Kommentare ( 36 )

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mediainfo
28 Tage her

In einem politischen Klima, in dem nicht mehr das bessere Argument zählt, Konformismus allerorten gefordert wird, von Offiziellen ohne zögern gelogen wird wenn es nützlich ist, in so einem Klima gedeiht auch das Denunziantentum.

Um nichts anderes handelt es sich bei diesem Versuch der sozialen Vernichtung der Betroffenen.

StefanB
28 Tage her

„…Wir haben jedoch die eindeutige Haltung, dass jede Person, die auf einer Demonstration mitläuft, an welcher sich auch Querdenker, Rechtsradikale und andere mit unseren Werten nicht vertretbaren Gruppen beteiligen, sich mitschuldig macht.“

Wessen macht sich die Person, die auf einer Demonstration mitläuft, denn „mitschuldig“?

Winston S.
28 Tage her

Und willst Du nicht mein Bruder sein…
Gilt eben jetzt auch für Schwestern.
Bei den Astas ist sowie so schon mindestens seit meiner Studienzeit Anfang der 80er (vermutlich weit vorher) Hopfen und Malz verloren.
Ein Studien-Kumpel von mir sagte mal den herrlichen Satz:
„Bei denen darf man erst mitmachen, wenn man die Regelstudienzeit überschritten hat.“
Und das war in Bayern!

Michael M.
16 Tage her
Antworten an  Winston S.

Volle Zustimmung.
Meine Studienzeit lag zwischen Ende de 80er und Mitte der 90er Jahre an der TUM und ASTA etc. kam da so gut wie gar nicht vor, höchstens bei den vollends Verpeilten. Die sogenannten „politisch Engagierten“ haben ein technisches Studium in Bayern doch sowieso nicht geschafft.

thinkSelf
28 Tage her

Und wozu diese völlig überflüssige Meldung? Die Asten waren schon vor Jahrzehnten der Hort marxistischer Nulllleister die staatliche Kohle brauchten um irgendwie über die Runden zu kommen.
Die haben schon damals keinen Studenten, aber auch wirklich keinen einzigen interessiert. Außer vielleicht als Pausenclowns. Viel zu viel der Ehre die hier überhaupt zu erwähnen.

AlNamrood
29 Tage her

Sämtliche Studentenräte sind stramm links, da eh nur die 10% politisch aktiven Studenten bei den Wahlen teilnehmen.

Hoffnungslos
29 Tage her

Wer versucht denn da die Studies der TH Köln auf einen antidemokratischen Kurs zu bringen? Wer von dem allgemeinen Demonstrationsrecht in Deutschland gebrauch macht, ist rechtsradikal? Demnächst stellen die Schwachmaten des Asta noch fest, dass das GG rechtsradikal ist. Unfassbar!

Winston S.
28 Tage her
Antworten an  Hoffnungslos

Wieso „demnächst“?
Sie hatten wohl noch nie das Vergnügen mit einer Asta. Ich bin mit einem Kumpel einmal (!) zu einem Fest von denen gegangen. Mein Kumpel nannte das dann „Indoktrinationsparty“. Das hat mir gereicht. Das war Anfang der 80er in Bayern. Da kann ich mir schon vorstellen, wie das in Köln oder Berlin aussieht.

Imre
29 Tage her

Typisch gutmenschliche Verstrahlung, nix von Meinungs-, Gewissens- und Demonstrationsfreiheit. Früher waren Studenten mal aufgeweckte, politisch interessierte und intelligente Zeitgenossen. Liegt es an der fehlenden praktischen Erwerbstätigkeit, dass hier derart irregeleitete Zeitgenossen fern jeglicher anstrengender Körperarbeit sich im Labyrinth der Ideologien verfangen haben? Breite Schichten finden sich in den Querdenkergruppen des Westen, besorgt über die murksende politische Klasse in Berlin und anderswo, mit deren sich aufsummierenden fiskalischen, rechtlichen, demokratischen und moralischen Defiziten, nur die zukünftige Möchtegern-Scheinelite hat davon nichts mitbekommen? Zuviel Hasch, Alkohol oder Rot- Grünlicht? Im Notfall werden die Evolutionsgesetze den Missstand beheben…

Frank T.
29 Tage her

Wundert mich, das der Staat noch Steuern und Gebühren erpresst.
Da sind doch auch „Querdenker, Rechtsradikale und andere mit unseren Werten nicht vertretbaren Gruppen beteiligt“. Deren Geld nimmt also der ASTA?

Deutscher
29 Tage her

Wenn Linksextremisten sich hinter die Regierung stellen, was sagt uns das?

November Man
29 Tage her

Wenn man sich die bunte Mischung an Menschen bei diesen Querdenker-Demos so anschaut, würde es nicht wundern, wenn viele die diese Entschuldigungsmail bekommen haben, bei der „Demonstration gegen die Änderung des Infektionsschutzgesetzes mit der rechten Szene sowie Verschwörungsmythen“ selbst mit dabei gewesen sind.
Richtig wäre es auf jeden Fall gewesen.

Der Winzer
29 Tage her
Antworten an  November Man

Nein – am 29.8. in Berlin habe ich jedenfalls kaum Schüler & Studenten gesehen. Die Teilnehmer dort waren im Regelfall Ü35, Berufstätige, Selbstständige, Familien mit Kindern, auch und gerade Ältere (> 50 Jahre). Ein Querschnitt von links nach rechts – m.E. eher mit „Linksdrall“ (sprich viele Demonstranten, die man auch auf einem Kirchentag / früher bei den GRÜNEN verortet hätte). Das Narrativ der Unterwanderung der Querdenker von Rechtsextremisten & Reichsbürgern dient der Diffamierung … – und wirkt (siehe den Artikel). Sehr positiv in Erinnerung geblieben ist mir das entspannte & friedliche Nebeneinander von Regenbogenfahnen & Reichsflaggen, von ‚Trumpisten‘ und ‚Kräuterhexen‘,… Mehr

Last edited 29 Tage her by Der Winzer