Harald Schwarz: Politik ist für Desaster der Energiepolitik verantwortlich

Zukunftstechnologien wurden von der Politik gestoppt – Elektrolyseanlagen für Wasserstoff abgebaut und verschrottet. Die letzten 20 Jahre waren aus technischer Sicht verlorene Jahre für die Energiewende, so Energietechnik-Professor Harald Schwarz im TE-Interview. Es fehlte ein langfristiges Konzept.

IMAGO/BildFunkMV

Cottbus. Der Energieexperte Prof. Harald Schwarz, Spezialist für Energieverteilung und Hochspannungstechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, macht die Politik verantwortlich für die aktuelle Energiekrise. Die Politik habe in den vergangenen 20 Jahren mehrfach den Kurs verändert und sei bewusst aus Technologien wie der Wasserstoffelektrolyse ausgestiegen. Es sei ein großer Fehler gewesen, voll auf Wind- und Solarenergie zu setzen. „In der Politik gibt es de facto keine Ingenieure. Den meisten politisch Verantwortlichen fehlt ein ausreichendes technisches Grundverständnis, was es an Zeit und an Geld kostet, um mit einer Idee vom Labor zu einem realen System im Gigawattbereich zu kommen“, kritisiert Prof. Schwarz im Monatsmagazin Tichys Einblick.

Vor 20 Jahren habe es sogar ein Konzept für die Energiewende gegeben. Weil Sonne und Wind keine verlässlichen Energieträger sind, habe die damalige Planung „einen Sockel an konventioneller Erzeugung“ vorgesehen, der Deutschland mit Strom versorgen sollte, wenn die Regenerativen nicht liefern. „Zu diesem Sockel mit Kernenergie kamen in dem Konzept noch Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung. Mit dem Überschuss an regenerativem Strom sollte per Elektrolyse Wasserstoff erzeugt werden – um daraus mit dem abgeschiedenen CO2 aus den Kohlekraftwerken synthetisches Methan oder synthetische Treibstoffe zu machen.“

Der damalige Chef der Deutschen Energieagentur dena, Stephan Kohler, forderte 2005 den Aufbau der ersten 1000 Megawatt Elektrolyseleistung in Deutschland, erinnert sich Schwarz. „Die Reaktion aus der Politik war: Das ist viel zu teuer, dieses ganze Thema Elektrolyse und Wasserstoff brauchen wir nicht, da der europäische Strommarkt hier immer einspringen könne. Wir sind damals komplett aus der Wasserstoffelektrolyse ausgestiegen, haben alle Anlagen abgebaut und verschrottet“, erklärt der Wissenschaftler. „Jetzt, 20 Jahre später, ist die aktuelle Zielsetzung der Politik: Wir brauchen eine nationale Wasserstoffstrategie. Also bauen wir die Elektrolyseanlagen wieder auf, die wir vor 20 Jahren schon hatten.“

Schwarz’ Fazit: „Die letzten fünfzehn, zwanzig Jahre waren aus technischer Sicht verlorene Jahre für die Energiewende, weil sie getrieben wurden von ständig neuen Schlagworten. Was völlig fehlte, war ein langfristiges Konzept, in dem eine Stufe auf der anderen aufbaut.“


Das komplette Interview in Tichys Einblick 09-2022 >>>

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Kommentare ( 104 )

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Delegro
1 Monat her

Frau Merkel genießt Ihren Ruhestand und wir unsere kalten Wohnungen und leeren Kühlschränke. Der Deutsche ist und bleibt eben eine Genießer! Wenn auch ein sehr dummer!

FrankV
1 Monat her

Wobei für mich das eigentliche Problem eben nicht ist, das es keine Ingenieure „da oben“ gibt, sondern die Politisierung von Bundesbehörden, indem die Behördenspitzen durchsetzt sind mit Parteivertretern in der Funktion von gatekeepern, um „auf Zuruf“ nur die Informationen nach außen dringen zu lassen, die genehm sind und die aktuelle Politik stützen. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist das Bundesamt für Strahlenschutz, dessen erster Präsident ein Biophysiker, ersetzt wurde durch einen besseren Stadtplaner von den Grünen. Man merkt zumindest dem aktuellen Gesundheitsminister an, das ihm der selbstständige Status der STIKO ein Dorn im Auge ist und er sicherlich eine sich bietende… Mehr

Hans-Georg Villy
1 Monat her

Betrachtet man die derzeitige desaströse (Energie-) Politik der Bundesregierung, fällt mir dazu nur drastisches Vokabular ein, das ich mir hier aber erspare. Erschütternd ist für mich eine dilettantische und Ideologie getriebene Ernergiepolitik, die von der grün dominierten Ampel vorangetrieben wird und vermuten lässt, dass lieber ein wirtschaftlicher Totalschaden Deutschlands und die Verarmung von weiten Teilen der Bevölkerung in Kauf genommen wird, als den ideologischen Dogmatismus zu korrigieren. Erschütternd ist ferner, dass SPD, FDP und Union dem nichts entgegensetzen (wollen). Offensichtlich wird auch von der SPD scheinbar achselzuckend hingenommen, dass sie zunehmend ihre Stammwählerschaft, nämlich die sog. Kleinen Leute, verliert und… Mehr

MeHere
1 Monat her

Die „Energiewende“ ist Planwirtschaft pur und gerade wegen der ständigen Einmischung der Politik in die Tätigkeiten der Energieunternehmen wurde ein immenser Schaden angerichtet. IM übrigen wurde die Mitsprache bei den Energieunternehmen und deren „Mitmachen“ mit vielen Milliarden Steuergeld „erkauft“.
Ein Skandal an sich, wie CumEX und viele andere.
Dummmichel kapiert wieder nix …

Richard28
1 Monat her

Wir benötigen neue KKW.
Nicht Wasserstoff!
Wenn wir uns für Wasserstoff entscheiden, wird es noch teurer.
Warum setzen die meisten Nationen auf KKW und Kohle ?
Die EU bezuschusst zwar die Entwicklung von Wasserstoff , aber das war es dann auch.
Da spielt ja auch Geld keine Rolle.

herman32
1 Monat her
Antworten an  Richard28

„Wasserstoff“ ist ein Hirngespinst von den Grünen, es hat dieselbe Realisierungschance wie die „Speicher im Netz“ der Völkerrechtlerin. Es gibt nur einige steuerfinanzierte Demoanlagen, sonst gibts da nichts, was im Augenblick Anlass zur Hoffnung auf einen großtechnischen Einsatz bei der Energieversorgung geben könnte.

Echoes
1 Monat her

Der augenblickliche Zustand Deutschlands ist ein Lehrstück in vergeudeter Demokratie. Vergessen wir bitte nicht, es war der Wähler, der diese Stümper immer und immer wieder an die Ruder der Macht setzte (wenn denn die Ergebnisse echt waren, was angesichts der Vorgänge in Berlin fraglich ist)). Der Wähler hat es diesen Parteiidioten gestattet, ihr schändliches Werk weiter auszubauen. Der Wähler war permanent zu faul/zu doof/zu ideologisiert um sich zu informieren. Natürlich hat die Lügenpresse (auch wenn der Mainstream den faktisch richtigen Begriff mit „Abscheu und Empörung“ von sich weist) sich als williges Propagandainstrument der politischen Gauckler gefallen. Der zwangsfinanzierte Staatsfunk hat… Mehr

StefanZ
1 Monat her

Das Konzept fehlt doch immer noch. Wer nur eine Richtung kennt, kann halt viele andere interessante Möglichkeiten nicht entdecken. Ohne Wind, keine Kraft. Das versteht jeder Erstklässer. Selbst wenn jeder Bürger sein eigenes Windrad bekommt, wird sich daran nichts ändern. Nur die Experten der Regierung und unsere Politiker, wollen uns etwas anderes erzählen. Das die Einsparung des 2% Anteils Deutschlands am CO2-Ausstoss, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist und die ganze Panik daher völlig überzogen ist, sollte auch jeder Experte wissen. Erst baut man Ressourcen und Ersatz auf, dann kann man abschalten. Diese Regierung, stellt die manuelle Beamtmung… Mehr

Last edited 1 Monat her by StefanZ
Kalliope
1 Monat her

Merkel hat, entgegen ihrem Amtseid, viel Schaden angerichtet. Und nun ist sie im Ruhestand auch noch der teuerste Kanzler aller Zeiten. Ich wäre für ein Malussystem, das die Aufwendungen für so einen Kanzler/Politiker auf ein Minimum deckelt.

Konrad Georg
1 Monat her

Das „Pulver“ erfand Thomas Robert Malthus, die Minen bauten nicht nur der Club of Rome, sondern viele Leute, die auf das Wort Überbevölkerung hereingefallen sind. Es geht gegen die Menschheit. In den 1970er Jahren gab es eine einfache thermische Nutzung der Sonneneinstrahlung in einen Wasserbehälter, aus dem das Brauchwasser vorgewärmt dem Heizkessel zugeführt wurde. Das hatte allerdings den Nebeneffekt, daß damit jährlich 1000 Liter Heizöl eingespart werden konnten, sehr zum Mißvergnügen der Ölinustrie. Das selbe gilt natürlich auch für die KKW. Nachtstrom-Speicherheizungen kontra Ölheizung. Petra Kelly kam aus den USA, präpariert auf Anti-AKW und recht gut versorgt, wie mir meine… Mehr

moorwald
1 Monat her

Jetzt kommt die „Gasumlage“. Die Kunden sollen das Risiko der Versorgungsunternehmen tragen.
Das dürfte genauso verfassungswidrig sein wie seinerzeit der „Kohlepfennig“,

StefanZ
1 Monat her
Antworten an  moorwald

Seinerzeit ist lange her. Da war das Verfassungsgericht, auch noch für den Schutz der Verfassung zuständig. Heute, schützt das Gericht die Regierung vor der Verfassung.