Schweizer Reggae-Band: In Szene-Kneipe gecancelt, bei der „Weltwoche“ willkommen

Der Gruppe „Lauwarm“ wird von linken Tugendwächtern „kulturelle Aneignung“ vorgeworfen. Grund: falsche Musik, falsche Frisuren. Das brachte ihr einen Auftritt beim Fest der liberal-konservativen Zeitschrift in Zürich ein.

Ihre überregionale Bekanntheit verdankt die Schweizer Reggae-Band „Lauwarm“ zwei Akten der Cancel-Kultur: Eigentlich hätten sie bei dem Kulturfestival Lorraine-Chilbi am 20. August spielen sollen. Dann sagte der Veranstalter den Auftritt wegen der „zu großen Kontroverse für ein Quartierfest“ ab, ohne eine detaillierte Begründung zu nennen. Was dahintersteckte, weiß die Öffentlichkeit allerdings auch so: Vor kurzem brachen die Betreiber der Brasserie Lorraine in Bern ein Konzert der Band ab, weil sich Gäste daran gestört hätten, dass die weißen Band-Mitglieder Reggae spielen, und einige Mitglieder außerdem Dreadlocks tragen. Die Anklage lautet: „kulturelle Aneignung“. 

"Faschistische Einstellung"
Linke zerfleischen Linke: Keine Toleranz gegenüber weißen Dreadlocks
Beide Fälle verschafften den Musikern jetzt allerdings auch einen Auftritt in Zürich. „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel fragte die Musiker, ob sie beim jährlichen Sommerfest des Magazins auftreten wollten. Die Band kam – und spielte am Mittwoch im Züricher Restaurant Terrasse vor mehreren hundert Gästen. Kulturelle Aneignung, kommentierte Köppel in seiner Rede, sei schließlich das Prinzip von kulturellem Austausch schlechthin. Er stellte die Party unter das Motto „friedliche Koexistenz“. 

Die Pointe des „Lauwarm“-Auftritts in Zürich lag darin, dass das Publikum dort wahrscheinlich diverser zusammengesetzt war als in der Berner Brasserie. Zu dem Weltwochen-Fest waren die Botschafter Chinas, Vietnams und Katars in der Schweiz gekommen, aus Deutschland Welt-Herausgeber Stefan Aust, Focus-Gründer Helmut Markwort, die frühere Chefredakteurin der Bunten Patricia Riekel und Medien-Manager Hans Mahr. Auch der erfolgreichste Schweizer Musiker gehörte zu den Partygästen –  Dieter Meier, Gründer und Frontmann des Duos „Yello“. 

Mit ihrem Auftritt am Limmat provoziert die Band womöglich die nächste große Korrektheits-Debatte. Für Tugendwächter wäre es jetzt eigentlich an der Zeit zu fragen: Wie rechts ist Schweizer Reggae?

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Kommentare ( 11 )

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U.M.
1 Monat her

Das verhalten diese Figuren, die Genderwahn, Cancelculture und Klimahysterie auf ihre Fahnen geschrieben haben, erinnert mich stark an die Kulturrevolution mitte der 60er in China. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht so ausartet wie diese damals.

Contra Merkl
1 Monat her

Ob die Jimi Hendriks auch verboten hätten Rockmusik zu spielen ? Mit Schlaghosen rumzulaufen ?
Manche Leute haben schon einen gewaltigen Dachschaden.

Oneiroi
1 Monat her

Im militanten Linken spektrum, wo die cancelculture herrscht wird großer Wert auf an Hautfarben angepasstes Verhaltensweisen gelegt wird.Daher finden sich in der Regel auch keine „normalen“ poc dort, da ihnen von Linken eine Verhaltensmuster übergestülpt wird, von dem sie nicht abweichen dürfen. Daher kommt auch die regelmäßige Kritik von poc an die ethnische Zusammensetzung von Klimahüpfbewegungen, Studierendenausschüssen usw.
Lässt sich auch schön an der Autorenschafft eher linken Medien beobachten. Man bleibt unter „gleichgesinnten“.

Last edited 1 Monat her by Oneiroi
Ralf Poehling
1 Monat her

Ist es nicht bemerkenswert, dass gerade Konservative für künstlerische und kulturelle Freiheit eintreten? Nein, eigentlich ist es das nicht, denn Konservative agieren ihrem Namen entsprechend: Sie konservieren und zerstören nicht. Es heißt nicht ohne Grund Konservatorium. Linke konservieren sehr häufig nicht, denn sehr viele von denen sind leider Berufsrevoluzzer und sie revoltieren aus Prinzip, nicht aus unbedingter Notwendigkeit heraus. Das war zumindest in Deutschland mal eine Weile lang anders: Die deutsche Altlinke, gemeint sind nicht die ’68er(!) und auch nicht die SED Schergen des Ostens, sondern die liberale Linke des westdeutschen Bürgertums in den ’80ern und ’90ern, die nicht ideologisch… Mehr

Deutscher
1 Monat her

Also „schwarze“ Musik und Frisuren nur für Schwarze, „weiße“ Musik und Frisuren nur für Weiße. Kommt doch bekannt vor. Solche Dinge hat sich früher mal das Reichsinnenministerium ausgedacht.

Last edited 1 Monat her by Deutscher
Oblongfitzoblong
1 Monat her

Kann mir irgendjemand einmal erklären, warum Konzerte abgebrochen werden, weil irgendwelche gelangweilte und lebensüberdruessige Schweizer sich mit völlig abstrusen Reden über „kulturelle Aneignung“ in Szene setzen können? Eigentlich müssten die Herren mit der komischen Weste auf den Plan kommen. Aber in unserer standpunktslosen Gesellschaft hauen wir uns sofort in die Pfanne ! Vgl. Winnetou! Wird dem schweizer Herren auch schlecht, wenn ein afrikanischer Künstler in westlichen Anzügen per Flugzeug von abendländischen Ingenieuren entwickelt, und in westlichen Autos und westlichen Taxis in westlichen Hotels mit abendländischem Frühstück, und frisch geduscht durch westliche Technik mit westlich/asiatischen Smartphones mit seiner afrikanischen Heimat telefoniert?… Mehr

Iso
1 Monat her

Dann dürfte Roberto Blanko keine deutschen Schlager singen, Michael Jackson nicht der King of Pop sein und sich nicht die Haut bleichen lassen. Diese Tugendwächter sind nicht richtig im Kopf und gehören in ein Sanatorium, aber vielleicht tut es auch eine richtige Arbeit und weniger kiffen.

Emilie
1 Monat her
Antworten an  Iso

Natürlich haben Sie Recht. Die dahinter liegenden Agenda ist: Rassismus gegen Weiße aufbauen. Was nicht-deutsche Pocs selbstverständlich dürfen, nämlich die kulturelle Aneignung des westlich-europäischen Lebenstils, dürfen weiße Deutsche natürlich nicht in umgekehrter Weise. Wie wäre es, Frau Ferda Ataman: raus aus dem schicken Kostüm und rein in die Vollverschleierung.

Hegauhenne
1 Monat her

Dann dürften POCs (wer immer sich dazu zählen möchte), auch keine Dirndls oder Lederhosen tragen, eigentlich auch keine neuzeitlichen Herrenanzüge, denn die sind nun wirklich ein Ausbund westlicher Herrenausstatter.
Vielleicht müsste man auch die heutigen Nadelfilzbubis fragen:
Eifert Ihr dem islamischen Kulturgut nach?

Last edited 1 Monat her by Hegauhenne
jkelsh
1 Monat her

Die schlimmste Weltanschauung, ist die Weltanschauung von denen, die die Welt nie angeschaut haben.

Lara
1 Monat her

Wenn man den Aspekt kulturelle Aneignung ernst nehmen müsste, dann dürften die außereuropäischen Völker auch nicht die westlichen Wissenskultur nutzen.
Aber ich gönne jedem Antibiotika, Stromversorgung und all die schöne Technik welche die westliche industrielle Revolution gebracht hat, wenn dafür auch Westler Dreadlocks tragen dürfen, wobei das ja gar nicht die außereuropäischen Völker versagen sondern vor allem die westlichen Kulturmarxisten.