Maas ohne Maß

Erdogan hat Recht: Maas ist ein „politischer Dilettant“.

imago Images/Photothek
Was sich Heiko Maas, der Bundesminister des Auswärtigen (TE-Autor Stephan Paetow: „des Äußersten“), soeben in der Türkei erlaubt hat, reicht für mehr als einen Rücktritt. Man kann die Überlegungen der CDU-Vorsitzenden und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) mit Fug und Recht für falsch oder zumindest für dilettantisch eingefädelt ansehen. Siehe hier.

Es geht aber nicht an, dass Kabinettskollege Maas AKK in der Türkei öffentlich rügt. Das tut man nicht. Auch für den „Chefdiplomaten“ Maas gilt das eherne Gesetz, dass man sich als Repräsentant Deutschlands im Ausland nicht abfällig über andere deutsche Politiker – zumal des gleichen Kabinetts – äußert. Wenn Maas ein offensichtliches Ego-Problem hat, dann muss er dazu nicht die türkische Therapie-Couch nutzen.

Das hat Maas sich erlaubt: Maas kanzelte in Ankara (!) den AKK-Vorschlag der Errichtung einer Sicherheitszone in Nordsyrien im Beisein seines türkischen Amtskollege Mevlüt Cavusoglu ab. Cavusoglu pflichtete Maas gerne bei. Letzterer toppte seine Aussagen zu AKK mit dem Satz: „Überall wird eigentlich gesagt, das sei kein realistischer Vorschlag – entsprechend haben wir uns nicht großartig damit beschäftigt.“

Interessant ist, dass es zumindest zunächst keine Reaktion aus der CDU gab, wohl aber aus der FDP. Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff schrieb auf Twitter: „Unfassbar – jetzt brüskiert Außenminister Heiko Maas die Verteidigungsministerin AKK schon im Ausland, mit einem fremden Außenminister, der feixend beipflichtet. Deutsche Interessen? Lösungen? Anstand? Allesamt Fehlanzeige.“ Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, schob nach: „Das außen- und verteidigungspolitische Auftreten der Bundesregierung wird immer desaströser.“ Nach tagelangem „in Deckung Verharren“ des Außenministers in der Syrien-Debatte habe dieser „nichts Besseres zu tun, als zusammen mit dem türkischen Außenminister seine eigene Kabinettskollegin AKK zu diskreditieren und den türkischen Völkerrechtsbruch neben seinem Kollegen Cavusoglu wegzulächeln“.

Regierungschefin Merkel kann das nicht so stehen lassen oder gar aussitzen. Entweder muss sie die SPD zum Rückzug ihres Außenministers drängen, oder sie muss Maas unter Inkaufnahme eines Bruchs der Koalition vor die Tür setzen.

Vielleicht hilft ihr dabei eine Diagnose des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, der Maas vor knapp zehn Tagen als „politischen Dilettanten“ bezeichnete.

AKK aber kann sich ins Fäustchen lachen. Maas hat ihr einen Gefallen getan. Denn jetzt werden und müssen sich inkl. AKK-Kritiker und Reservekanzlerkandidat Armin Laschet die Reihen der CDU um AKK schließen.

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Kommentare ( 107 )

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Apropos Außenpolitik – gerade lese ich diesen F.A.Z.-Artikel, in dem u.a. die Möglichkeit des Austritts der USA aus der NATO besprochen wird: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nato-austritt-der-usa-kann-europa-sich-selbst-verteidigen-16445978.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 Die USA sind mW das einzige Land, das bisher die NATO um Beistand bat (nach dem 11. September), zählt wohl nicht mehr. Ein beunruhigender Satz: „Die Europäer sollten im Gegenzug für Sicherheitsgarantien alles auf den Tisch legen: von Handels- bis Iran- und Chinapolitik …“. Reicht es nicht, dass aus den USA ein großer Teil der Spenden für allerlei Klimahysterie-Vereine kommt in der Hoffnung, dass wir brav 10.000 Milliarden eines Klimafonds aufbringen? (Wie TE kürzlich berichtete.) So sollten… Mehr
Leider ist das nicht so einfach. Nicht zuletzt hat die #LtwTh19 die Lage für die Groko noch einmal verschärft. Beide Groko-Parteien müssen aktuell einen Bruch der Koalition und Neuwahlen mehr fürchten, als der Teufel das Weihwasser. Dazu käme, dass die Führungsriegen beider Parteien in so einem Falle samt Kanzlerin, Entourage, und Kanzlerkandidaten, wie AKK und Laschet aus Ämtern, aber auch Bereitstellungspositionen gefegt würden. Und das wissen sie. Wenn es also nicht zum Konsens über die Ablösung Maasens kommt, bleibt der BK nichts weiter übrig, als Maas mit einem Rüffel zu bedenken und das wars dann aber auch schon. Leidtragende eines… Mehr

Der Heiko ist ein sehr langer Sargnagel für die Groko wie die Spezialdemokraten. Wer solche K*sper zu Ministern macht, muss abgewhählt werden. Die Thüringer Wahlergebnisse lassen hoffen. Nur noch 3.2%-Punkte und Käs ist gegessen. Endlich! So geht Annihilierung!

Aber aber, Herr Kraus! Anstand von SPDlern zu erwarten, wo kämen wir denn da hin? Dann wären die doch gar nicht mehr politikfähig! Wenn Sie etwas über die innere Verfasstheit der SPD lesen möchten, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Hermann Lübbe über politischen Moralismus.

Klar doch – vor allem dessen Untertitel: Der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft!

„Regierungschefin Merkel kann das nicht so stehen lassen oder gar aussitzen.“

Doch, Herr Kraus, genau das kann Frau Merkel und das wird Frau Merkel. Ein Nicht-Ereignis.

Maas ist nur ein Dilettant aus dieser schwarz-roten Sozi-Regierung.
Sie besteht eigentlich nur aus Dilettanten. Warum sollte der Außenminister dann eine Ausnahme sein?

Die einzige Moeglichkeit diesen Patzer zu toppen waere wenn man Claudia Roth zur Aussenmaerchenerzaehlering machen wuerde. Die wuerde uns mit Mann und Maus an die Tuerkei verkaufen, ach was sag‘ ich, verschenken.

Das einzige worin Merkel und ihre Schranzen wirklich gut sind, ist die Zerstörung der deutschen Gesellschaft.

In allem anderen lacht die äußere Welt und die „noch nicht länger da lebenden“ aus den „Südländern“

Merkel wird wie üblich – gar nichts tun. Sie rautiert wie bekannt alles weg, zumal sie abwarten wird, dass die todgeweihte Splitterpartei des Genossen Maas zum Ende des Jahres eh durch die Grünen Kobolde ersetzt werden. Derweil werden Russland und Erdolf die Dinge unter sich klären. Trump bekommt etwas Öl als Ablass und Erdolf wird seiner Freundin zu Berlin ein paar mehr Syrer auf den weihnachtlichen Gabentisch zuwandern lassen. Eigentlich schwere Kost für die Willkommen Ruferin. Aber auch kein Problem, nächste Wahlmöglichkeit für das Bürgen (Bürger- *innen) ist erst ab 02/20. Bis dahin ist Merkel mit KGE & Co. untrennbar… Mehr

Dieses Faschingskabinett wird im Ausland nur noch verlacht und ohnehin von keinem mehr ernst genommen. Was Merkel macht oder sagt interessiert niemand mehr und ob dieser Clown namens Maas sich nun vollends blamiert, nimmt auch kaum jemand war.
Dieses armselige Würstchen bekommt nicht mal einen knitterfreien Anzug hin, geschweige denn Außenpolitik.