„In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen“

Jan Josef Liefers trifft nach einem Gesprächsangebot auf Jens Spahn. Der Schauspieler akzeptiert Kritik an #allesdichtmachen, teilt an entscheidenden Punkten aber auch aus: "Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt.“

Screenprint: via Youtube

Das Urteil vieler über die Verantwortlichen von #Allesdichtmachen ist klar: falsch, menschenfeindlich, darf nicht gehört werden. Gesundheitsminister Spahn dagegen traf Jan-Josef Liefers zum Gespräch, aufgezeichnet von der Wochenzeitung Die Zeit.

„Ich finde die Kritik in den Clips teilweise geschmacklos und häufig zu undifferenziert“, meint Jens Spahn. „Die Videos sind professionell gemacht. Ich verstehe aber, wenn manche sie zynisch finden; dass es zum Beispiel für Angehörige beatmeter Patienten verletzend ist, wenn da ein Schauspieler durch Atmen in die Tüte scheinbar ein Beatmungsgerät imitiert“.

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Spahn liefert auch immerhin so etwas wie mikrodosierte Selbstkritik: „Es ist ja nicht so, dass ich alles, was wir machen, für perfekt halte“, sagt er. Um dann gleich wieder zum Angriff überzugehen: „Was mich allerdings wirklich stört“, so Spahn weiter, „ist die vielfach behauptete These, wir hätten in unserem Land gleichgeschaltete Medien, die nur die Regierung beklatschen. Das hat mich auch in Ihrem Video geärgert, Herr Liefers.“ Das allerdings hatte der Schauspieler nicht behauptet, sondern sich in ironischem Ton bedankt „bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben.“

Natürlich seien die Videos „in ihrer Verkürzung undifferenziert“, gibt Liefers zu. „Und damit natürlich auch zum Teil ungerecht. Das ist aber in diesen kurzen Clips und auf der Ebene von Satire gar nicht anders möglich.“ Es sei ihm „total klar, dass man sie vollkommen daneben finden kann“, sagt der Schauspieler. „Aber eins lässt sich auch nicht von der Hand weisen: Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt.“

Richtig – das belegt schon das Trommelfeuer aus Canceln und Verleumden, was die beteiligten Personen seit der Veröffentlichung der Aktion trifft. In der DDR sei er damit aufgewachsen, dass es Gegenwind gäbe, wenn man sich zu Politik und Gesellschaft äußert, meint Liefers. Damals wäre er für so ein Video wohl im Knast gelandet, sagt er. „Aber auch das, was wir hier erleben, ist nicht schön.“ Treffend diagnostiziert Liefers bei seinen Gegnern eine „nahezu totalitäre Argumentation, bei der es ums Rechthaben, auch ums Zerstören des anderen Standpunkts geht.“ Es gebe nicht mehr den „Klassenkampf“, so Liefers, sondern einen „Bubble-Kampf, zwischen Angehörigen verschiedener Meinungsblasen“. Da pflichtet ihm auch Spahn bei: Hysterische Debatten in den Sozialen Medien schadeten mehr, als sie nützten.

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Kommentare ( 84 )

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HGV
7 Tage her

Herr Spahn ist sozialisiert in einem bürgerlichen Milieu, des klassischen Biedermanns, abseits der Nöte und Sorgen, die Menschen haben können. Und, seine Karriere hat ihn davor bewahrt, wirkliche Bodenhaftung zu gewinnen. Er wird nie ein Verständnis für die Menschen entwickeln, für die er eigentlich hätte Politik machen sollen. er ist der Prototyp des neuen Apparatschik!

Reiterhofer
8 Tage her

Erinnert sei an Schlecky Silbersteins menschenverachtende „Satire“, nach der Corona ja „die Richtigen“ ausrotten würde. Oder an Böhmermanns menschenfeindlichen „meine Oma ist im Koma“ Spottsong. Die Gutmenschen von Zeit und Co fanden das nicht zynisch, sondern lachten sich scheckig und meinten „was soll die Aufregung? Satire!“. Aber die offensichtlich auf die unsinnige Maskenvorschriften abzielende Tütenatmung wird als „Verhöhnung“ verurteilt. Weil es gegen die Regierung geht. Heuchelei hoch drei!

Takeda
8 Tage her

Ich bezweifle, das Spahn sich die Videos überhaupt angeschaut hat. Dürfte sich wahrscheinlich so ähnlich verhalten haben, wie mit der Aussage Merkel’s „das ist nicht hilfreich“ im Bezug auf Sarrazin’s Buch.

Und solange nicht Punkte wie ua Cancel Culture und insbesondere nicht dieser SPD Vogel Duin angesprochen werden, ist dieses Interview wertlos.

Auch wenn Liefers meiner Meinung nach bereits zu sehr rumeiert, hat er meinen Respekt verdient.

Kassandra
7 Tage her
Antworten an  Takeda

Spahn lässt sich „zutragen“ – oder was denken, sie, wie ihn sein Beraterstab auf dem laufenden hält? Auch die Vorgehensweise gegen die Schauspieler ist geplant.
Den Intensivpfleger Junge, der die seit Jahren andauernde Misere in der Pflege gestern bei der BPK in aller Deutlichkeit anprangerte, scheinen sie ein wenig falsch eingeschätzt zu haben – aber wer kann das schon wissen?

MerGau
8 Tage her

Auch der mutige Herr Liefers rudert eiligst zurück, und hat sich zu einer Bußschicht auf einer ITS verpflichtet.
Die Bahnsteigkarten für die Revolution waren wohl ausverkauft gewesen?
Also keinen Aufstand, sondern mit Vollgas in die Huldigung von Annalena.
Lost Country.

Braumueller
8 Tage her

„In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen.“ Bei einem vergleichbaren Bekanntheitsgrad wohl eher nicht. Davon abgesehen kann es ja kaum beruhigen, wenn dies hier und heute noch nicht der Fall war, wir uns aber erkennbar und beschleunigt auf derartige Verhältnisse zu bewegen.

Abendroete
8 Tage her

Wer nicht mit dem Strom schwimmt, wird ausgegrenzt, bedroht und an den Pranger gestellt. Insoweit hat sich Deutschland nicht geändert….Die „Blockwarts“
sind groß dabei, nur jedes „Fehlverhalten“ anzuprangern. Insoweit kann man Herrn Liefers und der gesamten Schauspielermannschaft für Ihren Mut applaudieren und raten diese DDR.2 rechtzeitig zu verlassen. Merkels Werk ist noch nicht vollendet.

Moana
8 Tage her

„Damals wäre er für so ein Video wohl im Knast gelandet, sagt er.“ Herr Liefers versteht – wie so viele – nicht, um was es wirklich geht. Manche Bundesländer wollen hartnäckige Quarantäneverweigerer in spezielle Einrichtungen unterbringen. Klingelt da was? Was muss noch passieren, damit die Menschen in diesem Land aufwachen? Heutzutage wird viel subtiler vorgegangen. Das ist die eigentliche Gefahr. Alles passiert nur zum Schutz der Bevölkerung – wie immer. In der DDR waren wenigstens die Repressalien transparent und für jeden offensichtlich. Da konnte man nichts schönreden. Heute wird das Corona-Virus instrumentalisiert, um Maßnahmen durchsetzen (die man nicht mehr zurücknehmen… Mehr

CIVIS
8 Tage her

Jan Josef Liefers: „In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen“

Wie heißt es in dem alten Gassenhauer: „Warte warte nur ein Weilchen …

Peter Mueller
8 Tage her

1. „Beatmungsgerät imitieren“? Wie perfide ist denn DIESE Unterstellung? Jeder Minderintellgente sollte begreifen, daß Richie Müller mit Sicherheit kein Bearbeitungsgerät imitiert. 2. Wir erleben hier die mit Abstand größte Propagandakampagne der Menschheitsgeschichte, und diese Person beklagt sich über Medienkritik? Wie tief kann man sinken? 3. Was sagt Herr Span eigentlich zu den Morddrohungen und Bedrohungen von Kindern der Schauspieler? Ist es ihm egal, oder begrüßt er das? 4. Aber auch Liefers muß sich ankreiden lassen, daß er nicht begriffen hat, daß die Letalität von C. 0,15% (WHO/ Ioannidis) beträgt und daß laut Hersteller TIB Molbiol/ Olfert Landt 50% der positiven… Mehr

schwarzseher
8 Tage her

Ich dachte bis jetzt, daß nach Frau v. d. Leyen jetzt Frau Baerbock das Maß für minderbemittelte Politiker in Deutschland ist. Aber da fühlte Herr Spahn sich diskriminiert ( Geschlechtergerechtigkeit ) und legte nach. Auf einem Video ist festgehalten, wie Herr Spahn stolz verkündet: “ Jetzt ist bereits jeder 4. Deutsche geimpft und nächste Woche wird es jeder 5. Deutsche sein „. Der Mann ist Bankkaufmann !!!!!!! Besser kann man die Bildungsmisere in Deutschland nicht demonstrieren.