Kampf gegen Rechts im Supermarkt

Mit Kaffee hat der ethische Konsum angefangen, Bohne für Bohne fair gehandelt. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch einen Bereich, in dem moralische Kategorien Preis und Produktnutzen nicht überwölben und überhöhen - neuerdings auch im Kampf gegen Rechts.

Was kann nicht alles ethisch sein: faire Klamotten, Karotten, Kartoffeln; Autos, Fonds nur mit ohne Kohle und grüner Strom garantiert ohne Atom. Bald auch ganz mit ohne Kohle, wenn die Zertifikate der Grünwäscher aus Strom „guten“ und „bösen“ machen obwohl die Physik nur Elektronen kennt? Demonstriert wird schon dafür und finanziert wird er nicht mehr. Hühnerställe und Schweinemastbetriebe füttern ganze Wahlkampfkampagnen. Nichts ist mehr unpolitisch, alles hinterfragungswürdig.

Der Sieg des Bio-Ladens

Der Dritte-Welt-Laden hat moralisch den Supermarkt übernommen, und der Bio-Laden wurde längst selber einer. Die Graubärte mit ihren knittrigen Äpfeln und verwurmten Birnen wird´s wundern, welche konsumerische Revolution sie mit ihren Jesuslatschen im Kirchenladen losgetreten haben.

Neuerdings sind noch weitergehende Ansätze nicht nur zu beobachten – sie werden auch noch bejubelt und als Vorbilder gefeiert: Nicht mehr jeder wird bedient. Kein Bier für Rechte in Nürnberg, kein Ausschank in Regensburger Kneipen für Glatzen, keine Wohnung für Frau Petry in Berlin, Der Wirtshaussaal nur nach Gerichtsentscheid und Formfehler, kein Saal für die Wahlparty der AfD in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz, keine Anzeigen für die Junge Freiheit: Irgendwie logisch – nicht nur Konsumenten entscheiden entlang ethischer Guidelines, auch die Produzenten verkaufen nur noch politisch korrekt – und neuerdings nur noch an politische Korrekte. Erst wurde der Konsum ethisch, die Herkunft des Schnitzels zur Gewissensfrage. Jetzt wird die Wirtschaft politisiert; alles ist politisch und jeder.
Mir ist nicht wohl dabei.

Der bedingungslose Kampf gegen Rechts

Diesen bedingungslosen Kampf gegen Rechts kannte ich bisher nur aus der DDR: Wer nicht wollte wie Honnie, erhielt keine Wohnung vom Amt, die Kinder kein Abi, EOS nicht für jeden, Papi keinen adäquaten Job und Mutti keine Zelterlaubnis im Sommer an der Ostsee. Bei Omi blieben die Kohlen vor dem Keller liegen, wenn überhaupt. Der totale Staat greift total auf seine Untertanen zu. Es war nicht lustig, kein bisschen. Die totale Indienstnahme jedes Lebensbereiches durch die Politik war nicht moralisch, sondern totalitär. Menschen mit anderer Meinung mit allen Mitteln auszugrenzen und kleinzumachen – dagegen wurde „Wir sind das Volk“ zur Protestparole.

Politik darf nicht alles – das ist das eigentliche Grundgesetz des Rechtsstaates. Was verboten ist, darüber entscheiden Gesetze und Gerichte. Vor dem Gesetz sind alle gleich und an der Supermarktkasse und am Tresen auch, ganz egal, was sie denken und worüber sie sinnieren, wenn sie ihren Wein trinken und auch was sie grölen, wenn sie ihr Bier saufen. Die Totalkontrolle und In-Dienst-Nahme aller Lebensbereiche ist das Wesensmerkmal des totalitären Staates und nicht der Demokratie, die unterschiedliche Lebensbereiche getrennt hält, die Spielregeln und auch die Bestrafung den dafür zuständigen Behörden überlässt und nicht Gastwirten. Nur im Extremfall darf der Strafrichter über meinen Wohnort (hinter Gittern) bestimmen und nicht ein Wohnungsbesitzer wegen meiner politischen Auffassung.

Diskriminierung mit Diskriminierungsverbot

Das Befreiende am Kapitalismus ist: Ware gegen Geld, und nicht gegen Gesinnung, die Befreiung des Menschen aus den Fängen der Vormünder. Das durchzusetzen haben wir sogar Antidiskriminierungsgesetze im Dutzend geschaffen; und jetzt sollten wir ihren Kern auch beherzigen und nicht per Konsumboykott den Blockwart wiederbeleben. Heute darf jede Kindergartenzeitung wie Bento vom Spiegel zu Gewalt und Gesetzesbruch aufrufen, wenn es nur gegen das geht, was die Kindergartzenzeitungsredakteure als „Rechts“ empfinden. Das Gewaltmonopol des Staates reißen selbsternannte Sittenwächter des Richtigen Reiches an sich.

Ich will nicht, dass Zenzi, die Bedienung, geschult wird, ob das, was am Stammtisch gebrüllt und geprellt wird, der neuesten Richtlinie für Agitation und Propaganda von Heiko Maas entspricht. Ich will es übrigens auch nicht auf Facebook, dafür geben die bestehenden Gesetze genügend Handhabe gegen Beleidiger her.

Was ist denn „Rechts“? Wer bestimmt, wer oder was noch geht und was gar nicht geht? Ein paar Antifa-Internet-Aktivisten, die vermeintlich böse Tweets an Arbeitgeber weiterleiten? Auch die Wissenschaft ist längst infiziert. Unter den Nazis gab es die „deutsche Physik“ – heute gibt es „Gender-Wissenschaft“, politisch unkorrekte Naturwissenschaft wie so was mit Gen oder gar Atom wird ausgemerzt wie früher Einstein und täglich die kleine Lüge vor dem Altar der politischen Korrektheit eingefordert, wie es Norbert Bolz formuliert.

Längst hat sich der Kampf gegen Rechts in eine wüste Ausgrenzungsmanie gesteigert, die den Keim zum Totalitären in sich trägt. Die fortschreitende Politisierung des Unpolitischen bläst den Wind von Weimar durch das Land – Demokratie ist, wenn man hart streitet und sich am Ende doch wieder verträgt und ein Bier trinkt. Konsens und Kompromiss sind wichtiger als lautstarke Rechthaberei, die alles niederbrüllen will, was ihr nicht in den Zeitgeist passt. „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“, sagte man früher und so verkehrt war das nicht. Und denkt daran – es geht auch umgekehrt. Konsumentenboykott geht in beide Richtungen. Ich überlege mir zum Beispiel schon, wes` Bier ich noch trink in Nürnberg.

Wohl ist mir dabei nicht.

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Solche Sachen einfach publik machen! Es gab letzthin ein Restaurant in Berlin, dass einen „Keine AfD“-Kleber auf die Tür klebte. Dies wurde publik und die Restaurant-Bewertungen im Internet fielen daraufhin sehr sehr schlecht aus. LOL.