Ifo-Institut warnt vor „hartem Winter“: Inflation würgt Konsum und Konjunktur ab

Die Kaufkraft sinkt schon schon deutlich und das wird sich noch dramatisieren. Doch jetzt wird die Inflation laut ifo-Prognose auch die Konjunktur radikal abwürgen.

IMAGO / Martin Wagner
Symbolbild

Deutschland steht zusätzlich zu einem deutlichen Kaufkraftverlust der Währung ein Rückgang der Wirtschaftsleistung bevor. Das erwarten die Konjunkturforscher des Ifo-Instituts in ihrer am Montag veröffentlichten Konjunkturprognose. Wobei die Inflation der wichtigste Grund für die bevorstehende Rezession sei: „Die hohen Inflationsraten lassen die realen Einkommen der privaten Haushalte sowie deren Ersparnisse dahinschmelzen und reduzieren ihre Kaufkraft.“ Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr zwar noch um 1,6 Prozent zulegen, aber im kommenden Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen. Die Inflationsrate werde in diesem Jahr bei durchschnittlich 8,1 Prozent liegen und 2023 auf 9,3 Prozent steigen. Den Höhepunkt der Verteuerung erwartet das Ifo-Institut im ersten Quartal 2023 mit rund 11 Prozent. In der Pressemitteilung des Instituts ist von einem „harten Winter“ die Rede.

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Die Ifo-Prognostiker erwarten zwar für 2024 wieder ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent und eine auf 2,5 gesunkene Inflationsrate. Doch solche mittel- und langfristigen Vorhersagen sind gerade in der aktuellen politisch-ökonomischen Lage alles andere als zuverlässig. Niemand weiß, ob dann der Ukraine-Krieg beendet sein wird und wieder Gas aus Russland nach Mitteleuropa fließen wird, von anderen Unwägbarkeiten, etwa der Entwicklung Chinas oder künftigen Eingriffen in die Energiemärkte, ganz abgesehen. Wie unsicher Prognosen derzeit sind, beweisen die Ifo-Forscher selbst mit ihrer aktuellen Inflationsprognose für 2023, die rund 6 Prozentpunkte über ihrer letzten Prognose liegt.

Die Ifo-Prognose ist letztlich sogar noch einigermaßen optimistisch. Denn die Autoren gehen davon aus, „dass es während des Winters zu keiner Gasmangellage kommt, die mit einer Rationierung der Gasversorgung bei Industrieunternehmen einhergehen würde. Somit stützen das Verarbeitende Gewerbe und die damit verflochtenen Unternehmensdienstleister die Konjunktur im Prognosezeitraum.“

Das Ifo-Institut steht mit seinem finsteren Ausblick nicht allein. In der vergangenen Woche hatten das IWH (Halle), das IfW (Kiel) und das RWI (Essen) ähnlich nach unten revidierte Konjunktur- und nach oben geschraubte Inflationsprognosen abgegeben.

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Kommentare ( 13 )

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Alf
14 Tage her

Wichtig ist, daß Olaf gut schlafen kann. Ebenso Habeck und Co. Wird das Land an die Wand gefahren, dann sind nicht die Regierenden das Problem, sondern die verdammte Wand.
Scholz sieht Deutschland angesichts der Energiekrise gut vorbereitet.
Scholz hat möglicherweise vergessen, um was es geht.

Innere Unruhe
14 Tage her

Wer haftet eigentlich für Aussagen der Art wie „Es wird niemandem etwas weggenommen“?
Die Aussage stimmt nur, wenn der Bürger für die Regierung ein NIEMAND ist, dem etwas weggenommen wird.
„Die Zustazkosten für die grüne Energnei kosten nicht mehr als eine Kugel Eis“…
Mir fällt beim besten Willen keine Aussage aus den Regierungskreisen, die sich nach Jahren als wahr gezeigt hat.

alter weisser Mann
14 Tage her

Eins ist mal klar, der jetzige Wohlstandsverlust für viele ist dauerhaft und wird so schnell nicht wieder, wenn überhaupt, aufgeholt. Verschärft und getrieben wird das durch die Politik seit langer Zeit (z.B. durch Themen wie Mittelabflüsse in EU und alle Welt, Migration, Kernkraftabschaltung, Weltklimarettung), potenziert haben den Schaden die Grünen mit ihrer Ampelmännchen Politik (z.B. bzgl. Pipelinegas- und -öl).
Und so nebenher werden natürlich immer ein Stück weit die Lasten sozialisiert und Gewinne privatisiert, gerade auch in Richtung Staatsdiener und politische Klasse. Zumal stehen da Leistung und Alimentation oft im krassen Missverhältnis, die Beispiele kennt jeder.

Soeren Haeberle
14 Tage her

Die Ifo-Prognostiker erwarten zwar für 2024 wieder ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent und eine auf 2,5 gesunkene Inflationsrate.

Wer so eine Prognose wagt, hat die Kontrolle über seine wissenschaftliche Reputation verloren, samt und sonders!
Oder folgt dem Trend der „Selbstdemontage“.
😉 Ich rechne ebenfalls nicht mit Einbruch der Dunkelhait nach der Dämmerung, es sei denn die Straßenbeleuchtung fällt infolge eines Blackouts aus.

Last edited 14 Tage her by Soeren Haeberle
K.Selberdenker
14 Tage her

Es ist durchaus möglich dass die Wirtschaft dieses Jahr sogar wächst ,trotz der Ampel, allenthalben hauen die Leute das Geld raus um den Euro loszuwerden … entweder wird in Modernisierung und Reparaturen investiert (kriegst ohne Bekannschaften keinen Handwerker) oder in Gebrauchsgegenstände.

Stellt sich die Frage wie es weiter geht wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt weil man es für das notwendigste braucht. 2024 wird viel zu wenig an Euros dem Staat zufließen ,weniger zu verteilen und den sozialen Frieden zu wahren.
Das wird das Ende der Ampel sein, vielleicht auch des Euros.

thinkSelf
14 Tage her

Doch solche mittel- und langfristigen Vorhersagen sind gerade in der aktuellen politisch-ökonomischen Lage alles andere als zuverlässig.“
Die sind nicht nur in diesem Fall wenig zuverlässig, wie ein Blick auf „historische Prognosen“ zeigt. Die Zukunft wird irgendwie sein, aber mit 100%iger Sicherheit dramatisch anders als irgendwer von den Eingeweidebeschauern „vorhersagt“.

Ho.mann
14 Tage her

Es macht sprachlos, miterleben zu müssen, wie
skrupellos die Bereicherung des Kapitals, im Einvernehmen ihrer gekauften, ruchlosen Lobbyhuren, die sich im unmoralischen und verantwortungslosen Politzirkus tummeln, ihre Ausbeutungs-Orgie mit einer unfassbaren Verarmungswelle des Steuerzahlers vorantreiben und ausleben.

Last edited 14 Tage her by Ho.mann
Paul Brusselmans
14 Tage her
Antworten an  Ho.mann

Stünde doch ein Plan dahinter, es ist schiere Dummheit, verbunden mit Ideologie. Venezuela lässt grüssen.

Phil
14 Tage her
Antworten an  Ho.mann

Sozialismus Life und in Farbe….. oder die Bereicherung aller durch alle…… Natürlich sind bei diesem Spiel die Funktionäre immer die Gewinner, der Pöbel nur wenn er anderen Pöbel berauben kann. Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein. Was wir hier erleben ist eine blitzartige Rückentwicklung in die Vorindustrielle Zeit. Da man mittels „Erneuerbaren“ Energien keine 8 Milliarden Menschen mit Energie, Nahrung und einem Dach über dem Kopf versorgen kann und die staatliche Umverteilung von Ressourcen von sinnvoll auf unsinnig mittlerweile so weit fortgeschritten ist, dass nun ein totaler Zusammenbruch droht, wage ich zu bezweifeln, dass ein grosser Teil der Menschen… Mehr

H. Priess
14 Tage her

Jetzt bin ich aber baff! Das hätte ich nicht erwartet, kann man sich beim Ifo-Institut bewerben? Ich habe nur gesunden Menschenverstand zu bieten aber ich denke, da bin ich bei denen schon eine Ausnahmeperson. Alle lügen sich in die Tasche und jeder halbwegs intelligente Mensch, der einkaufen geht, die Preise sieht, ein Schreiben seines Energieversorgers bekommen hat, der braucht nicht mal eine Glaskugel! Die meißten Menschen haben noch nicht mal begriffen, daß die Regierenden jedem von uns eine Schlinge um den Hals gelegt haben und die Herrschenden und ihre Komplitzen an beiden Enden ziehen! Wann bei jedem die Luft knapp… Mehr

Max Anders
14 Tage her

Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen, sobald sie die Zukunft betreffen… wie oft in den letzten Jahren mußte sich dieses Institut schon selbst korrigieren? Um halbwegs realistische Einschätzungen zu treffen müssen diese „Experten“ erstmal anerkennen daß wir eine Regierung haben die besteht aus -einem Kanzler mit selektivem Erinnerungsvermögen -einem Wirtschaftsminister, der gerade alles abwirtschaftet -einer Außenministerien welche das eigene Land außen vor läßt -einem Gesundheitsminister der krank macht -einem Arbeitsminister, der für Arbeitslosigkeit sorgt -einer Innenministerin die Extremismus in der falschen Ecke verortet und bei THW und Polizei spart und die Grenzen nicht sichert -einem Verkehrsminister, der den Verkehr behindert… Mehr

Peter Gramm
14 Tage her
Antworten an  Max Anders

die modellhaften Annahmen unserer Ökonomen reichen für das Herumtheoretisieren an den Universitäten. Die harte ökonomische Realität sieht meistens etwas anders aus. Im Nachhinein ist immer alles begründbar.

Phil
14 Tage her
Antworten an  Peter Gramm

Natürlich ist die fortwährende Veränderung die einzige Konstante, auch in der Ökonomie, dies wird von der Politik und den Menschen gerne vergessen oder sogar rigoros bekämpft. Eine Bedingung ist jedoch an das Marktwirtschaftliche Prinzip geknüpft:
„Alle Wohltaten die wir von der spontanen Ordnung des Marktes empfangen, sind die Ergebnisse von Veränderungen und bleiben nur erhalten, wenn die Veränderungen fortdauern dürfen. Aber jede Veränderung dieser Art verletzt einige organisierte Interessen; und die Erhaltung der Marktordnung hängt deshalb davon ab, daß diesen Interessen nicht gestattet wird, alles zu verhindern.“
Ludwig von Mises (Der wohl klügste Ökonom aller Zeiten)