Hamburg, Berlin: Eskaliert die Messer-Gewalt in Deutschlands Metropolen?

Von Donnerstag bis Sonntag wurden in Hamburg sieben Menschen Opfer von Messerattacken. Auch in Berlin häufen sich die Angriffe. Die Statistiken zeigen: Die Messer-Gewalt wird immer brutaler. Die Gewerkschaften der Polizei fordern die Politik zum Handeln auf.

imago Images/Alexander Pohl
Symbolbild

Die Messer-Delikte in Deutschlands Großstädten scheinen sich aktuell zu häufen. Um und über das Wochenende kam es allein in Hamburg zu diversen Messerattacken. Sieben Menschen wurden von Donnerstag bis Sonntag verletzt, heißt es laut offiziellen Polizei- und Medienberichten.

Am U-Bahnhof Burgstraße in Hamburg-Borgenfelde hat es bereits am frühen Donnerstagmorgen zwei Verletzte bei einer Messerstecherei gegeben. Drei Männer waren auf dem Bahnsteig miteinender in Streit geraten. Zwei von ihnen wurden durch den Einsatz eines Messers verletzt. Laut Polizei geschah der Vorfall gegen 5.50 Uhr im Bahnhof an der Hammer Landstraße. Ein 35-Jähriger erlitt Stichverletzungen am Arm und an der Hand, ein weiterer einen Stich in den Bauch.

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Das Wochenende brachte keine Entspannung: Am Samstagabend kam es am Bahnhof Hamburg-Farmsen zu einem Streit zwischen zwei Teenagern. Der 15-Jährige zieht ein Messer, sticht seinen 14-Jährigen gegenüber nieder. Der Junge wird lebensgefährlich verletzt. In Hamburg-Lohbrügge werden drei Menschen durch ein Messer verletzt. Dem voraus ging ein Streit einer mindestens 7-Köpfigen Gruppe. Im Hamburger Stadtpark hat es Samstagnacht derweil eine Massenschlägerei gegeben. Ein 19-Jähriger ist dabei mit einem Messer verletzt worden und musste mit oberflächlichen Schnittwunden ins Krankenhaus. Insgesamt waren zehn Personen an dem Tumult beteiligt – die meisten von ihnen sind beim Eintreffen der Polizei geflüchtet.

Insgesamt wurden in Hamburg am Wochenende sieben Menschen durch den Einsatz von Messern verletzt. Erst vor anderthalb Wochen war es in der Hansestadt zu einer schockierenden Messer-Tat gekommen: Im Stadtteil Billstedt attackierte ein 29-Jähriger Afghane eine Frau, rammte ihr ein Messer direkt in den Kopf. Das 19-Jährige Opfer kam unter Lebensgefahr ins Krankenhaus.

Auch in Berlin war es ein Wochenende mit Alarmbereitschaft. Die Berliner Polizei ist in der Nacht zum Samstag erneut in den James-Simon-Park in Mitte ausgerückt. Dort hätten sich etwa 300 Personen aufgehalten, es habe mehrere gefährliche Körperverletzungen gegeben, zwei Personen seien durch Messerstiche verletzt worden. Der Park ist immer wieder Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen gewalttätigen Gruppen.

Am Samstagabend wurde ein junger Mann aus Moldawien an der Sonnenallee von Unbekannten angegriffen und durch Messerstiche am Bauch verletzt. Alarmierte Polizisten konnten wenig später zwei Moldawier festnehmen. Dabei wurde auch die Tatwaffe sichergestellt.

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Gleicher Bezirk, nur eine Stunde später: Einem Autofahrer fallen zwei junge Männer an der Hasenheide auf. Der Jüngere von beiden taumelt, er blutet. Die alarmierten Sanitäter stellen eine Stichverletzung am Bauch und eine Platzwunde am Kopf fest und bringen das Opfer zur Behandlung ins Krankenhaus. Nach Aussagen des Opfers wurde er kurz zuvor von einem Unbekannten am Hermannplatz getreten und mit einem Messer angegriffen. Der Täter habe ihm zudem Bargeld und ein Mobiltelefon gestohlen.

In Berlin-Spandau attackieren sich zwei mittelalte Männer gegenseitig – einer zieht ein Messer, der andere prügelt mit einer Eisenstange auf seinen Kontrahenten ein. Im östlichen Stadtteil Reinickendorf muss ein 26-Jähriger schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Unbekannter habe ihn nahe einer Bushaltestelle attackiert und ihm mehrere Schnittverletzungen im Gesicht, am Rumpf und an den Armen zugefügt.

Die Zahl der Gewalttaten mit einem Messer hat laut polizeilicher Kriminalstatistik abgenommen. Waren es 2019 noch 5.780 Fälle, sank die Zahl 2020 auf 4.669 und 2021 weiter auf 4.397. Aber: Die Brutalität dabei stieg offenbar an. Während 2019 noch fast ein Drittel der Angegriffenen unverletzt blieb und in der Statistik keine Todesopfer genannt werden, starben im folgenden Jahr 37 Menschen bei Messerattacken, 338 wurden schwer verletzt. Im vergangenen Jahr starben 30 Menschen durch Messerangriffe.

Die Polizei zeigt sich alarmiert. „Die Qualität der Messer-Angriffe nimmt deutlich zu“, sagt der Berliner GdP-Chef Stephan Weh. Klingen seien nicht mehr nur ein „Accessoire“ zur Abschreckung. Sie würden gezielt eingesetzt, um durch Stiche ganz bewusst schwere Verletzungen und in Einzelfällen den Tod anderer Menschen in Kauf zu nehmen. „Hier muss Berlins Justiz umdenken“, erklärt Weh gegenüber der „B.Z.“ Berlins Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, fordert Handeln der Politik. „Ich fordere von der Innensenatorin einen Messergipfel, damit das Problem ganzheitlich bekämpft werden kann.“



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Kommentare ( 66 )

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josefine
2 Jahre her

Die Polizisten agieren vor Ort und haben keinen leichten Job.
Allerdings hat man oft das Gefühl, als kühlten die Polizisten ihr Mütchen stellvertretend am deutschen Bürger, gern an älteren Damen, die ihr Recht auf einer Beteiligung an einer friedlichen Demo wahrnehmen.
So schon öfter erlebt.

Kassandra
2 Jahre her

Auch ein interessanter Fall – zumal der Mann hier Latifundien kaufte: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/mord-an-cdu-funktionaerin-fluechtling-in-u-haft/
Jetzt halt Doppelmord, mutmaßlich. Auch mit einem „Stechwerkzeug“.
Es scheint schon nicht ganz dumm, sich eher entfernt zu halten. Reiner Selbstschutz.

Winnetou
2 Jahre her

„Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“ – Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), Strategiepapier vom 19.09.2015

Manfred_Hbg
2 Jahre her

Nun ja, alles nur Einzelfälle (Zynismus off) Und was die hier im Artikel genannten Stadtteile und Bereiche von Hamburg betrifft, das sind genau jene Gegenden, wo es besonders „bunt & bereichernd“ zugeht. Nachdem hier in Hamburg besonders seit den 1990ern die sogenannten (im hamb. Behördenjargon) „Problemstadtteile und soziale Brennpunkte mit hohem Ausländeranteil“ wie die Pilze aus den Boden geschossen sind, wird es wohl auch dank 2015 und der bis heute anhaltenden Flutung von „Fachkräfte“ nur noch 15-20 Jahre dauern bis dann ganz Hamburg ein einziger „Problemstadtteil und sozialer Brennpunkt mit hohem Ausländeranteil“geworden ist. P.S Von den 1,8 Millionen Einwohnern Hamburgs… Mehr

Ante
2 Jahre her

Es ist nicht nur das Messer, was die Gefahr eskaliert. Messermänner treten stets in Rudeln auf. Die machen gemeinsam Jagd auf ihre Opfer. Deswegen ist es so schwer zu verteidigen. Auf einen Messerangriff vorbereitet zu sein, gelingt nur wenigen. Auf einen Angriff einer Gruppe vorbereitet zu sein, ist defakto unmöglich.

Sonny
2 Jahre her

Ich kann euch sagen, wie ihr das Problem ruckizucki in den Griff bekommt.
Abschieben, abschieben, abschieben und unter allen Umständen nie wieder reinlassen (Grenzen sichern).
Problem gelöst.

Orlando M.
2 Jahre her
Antworten an  Sonny

„Abschieben, abschieben, abschieben“ Die Herkunftsländer sind meist froh, dass sie diese Menschen los sind und weigern sich beharrlich, sie zurückzunehmen. Selbst die Drohung, die finanzielle Unterstützung auszusetzen, bringt diese Staaten höchstens zum Lachen. Denn so viele Millionen wie die Probleme machen zahlt Deutschland auf keinen Fall. Das geht leider nur auf die harte Tour mit dem Zusammenbruch des Weltsozialamts. So lange die Eindringlinge von einer völlig irren Regierung das Recht erhalten, uns für die arbeiten zu lassen, geht alles nur immer weiter den Bach runter. Geld nur noch gegen Leistung wäre das erste und mit Abstand dringendste Gebot! Acht Stunden… Mehr

der_chinese
2 Jahre her

In wenigen Wochen werde ich dass erste Mal, seit beginn der Pandemie, wieder meine Heimat besuchen, mich graut es schon jetzt davor, zu sehen wie sich die Lage in Hamburg weiter verschlechtert hat.

Auch in den Jahren zuvor, im Sommerurlaub, habe ich eine stetige verschlechterung wahrnehmen könne, vor allem in der Innenstadt, wo die Masse an Gesocks immer größer wurde.

Ich habe wirklich das Gefühl, dass das Land in dem ich aufwuchs, nicht mehr existiert.

Dr. Klaus
2 Jahre her

In den USA liegt die Wahrscheinlichkeit weisser Männer einmal im Leben ins Gefängnis zu müssen bei 1:9, bei Afroamerikanern bei 1:3. Eine Million Menschen sind in USA im Gefängnis. Ich glaube, wenn wir die Gewalt und Kriminalität in den Griff bekommen möchten, bräuchten wir 200.000 zusätzliche Gefängnisplätze, viele für die Neubürger. In den USA wurden die Gefängnisse dazu privatisiert. Dadurch hat es funktioniert. Das ist kein schöner Gedanke, aber ich sehe keine andere Möglichkeit, wie sich der Staat durchsetzen könnte.

Julischka
2 Jahre her

„Die Polizei zeigt sich alarmiert“!? Wie rührend. Wovor haben sie denn Angst? Davor selber Opfer zu werden ODER davor keine Zeit mehr für die wirklichen „Gefährder“ in diesem Land zu haben, die die immer noch ungeimpft rumlaufen, immer noch auf die Grundrechte aufmerksam machen und „Freiheit“ rufen? Sorry Leute, aber der (Coronademo)stachel sitzt tief, sehr tief!

welpi
2 Jahre her

Mein erster Gedanke, es werden zu wenig Kinder von Politikern gemessert, aber das wünscht man einfach niemand. Die Politik hat keine Waffen dafür. Die haben höchstens so Einfälle wie niemand darf mehr ein Messer dabei haben. Was dann nur eines bewirkt, die komplette Bevölkerung ist den Neubürgen ausgeliefert. Weil man glaubt es kaum, Verbrecher halten sich nicht an Gesetze!
Wir werden wohl weiterhin die Meldungen erdulden müssen. Wenn die richtige Hautfarbe messert ist er traumatisiert und psychisch krank. Wenn die falsche Hautfarbe messert ist er ein Nazi und Terrorist. Keiner denkt an die Opfer. Ist einfach, sind ja tot!