Geboosterte Erwachsene unter 60 erkranken häufiger an Corona als Ungeimpfte

Laut dem neuen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts ist in der bevölkerungsstärksten Altersgruppe kaum mehr eine Wirkung der Impfung gegen eine symptomatische Covid-Erkrankung zu erkennen.

IMAGO / Lobeca

Während Deutschland immer intensiver über die Impfpflicht und die vierte Impfung diskutiert, lassen auch immer mehr offizielle Zahlen an der Effektivität der Impfstoffe zweifeln. Im neuen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts etwa. Hier wird die Inzidenz bezogen auf symptomatische Corona-Erkrankungen nach Impfstatus ausgewiesen, das heißt: die vom RKI erhobenen symptomatischen Fälle bezogen auf den jeweiligen Anteil von Geimpften bzw. Ungeimpften an der Bevölkerung. In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen liegt die Inzidenz Mitte März bei Geimpften, Ungeimpften und Geboosterten nahezu gleich auf: Ungeimpfte infizieren sich sogar geringfügig seltener als Geimpfte und auch als Geboosterte. Theoretisch würde das für diese Altersgruppe also eine negative Impfeffektivität gegen symptomatische Erkrankungen hinweisen.

Bei den Hospitalisierungen errechnet das RKI immerhin noch eine Impfeffektivität von 46 Prozent in der Altersgruppe bei zweifach und 67 Prozent bei dreifach Geimpften. Bei über 60-Jährigen soll die Impfeffektivität etwas höher liegen, bei 77 bzw. 78 Prozent, bei unter 18-Jährigen deutlich niedriger.

Auch im internationalen Vergleich ist die Wirkung der Impfung zumindest gegen Infektionen kaum feststellbar. Portugal hat etwa eine Impfquote von über 90 Prozent und im Zuge der Omikron-Welle dennoch fast doppelt so hohe Inzidenzen gehabt wie Deutschland.

Ähnliche Daten zeigt auch Großbritannien – die Impfeffektivität gegen symptomatische Omikron-Erkrankungen wird bei zwei Dosen AstraZeneca nach einem halben Jahr bei fast null Prozent ausgewiesen, bei zwei Dosen BionTech bei unter 20 Prozent.

Das entspricht auch den Erkenntnissen aus dem Labor. Eine Laboruntersuchung der Virologin Sandra Ciesek ergab, dass die Immunantwort um das 37-Fache im Vergleich zu Delta reduziert ist. Sechs Monate nach der Zweitimpfung ist die Neutralisation auf null Prozent gesunken.

Über die Wirkung gegen schwere Verläufe ist damit noch nichts gesagt. Die allgemeine Impfpflicht wird aber nicht zuletzt von Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit dem Fremdschutz der Impfung begründet – der entsprechende Antrag beruft sich explizit auf diesen. Ein solcher ist anhand der aktuellen Daten aber nicht zu erkennen.

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