Einseitiger Abtreibungs-Talk bei Anne Will: Programmbeschwerden

Am 3. Februar strahlte die ARD die Talkshow von Anne Will mit dem Titel „Recht auf Leben und Selbstbestimmung – die neue Debatte über Abtreibungen“. Das Leben von Kindern erschien dabei über weite Strecken als reine Verfügungsmasse. Dagegen regt sich nun Widerspruch.

Screenprint: ARD/Anne Will
Die Sendung vom 03.02.2019

Fünf Gäste waren in der Sendung vom 3. Februar 2019 bei Anne Will geladen, es ging um die neu entbrannte Debatte um die Abtreibung und die Werbung dafür. Im Studio auch ein Quotenmann: der junge und sogar etwas profilierte, und sehr bemühte Christdemokrat Philipp Amthor. Ein Mann des Formates, das bei Merkel in der CDU noch existieren darf, ohne gleich verdrängt zu werden. Das war zu wenig. Dem lieben, netten Philipp Amthor saßen vier Frauen mit dem Anspruch gegenüber, alleinbestimmend zu sein – nein, es waren derer fünf. Die Moderatorin darf getrost dazugezählt werden. Was sie über den Kopf von Amthor hinweg zu besprechen hatten, hat unsere Autorin Firuze B. eindrucksvoll dokumentiert.

Kaltschnäuzig und einseitig
Bei der Sendung von Anne Will fehlte die Liebe zum Leben
Aktuell laufen mindestens drei Programmbeschwerde gegen diese Sendung. Eine davon in Form einer Online-Petition an die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Cornelia Nenz. Sie ist über die Plattform Citizen Go öffentlich zugänglich. Darin heißt es: „Bei der am 3. Februar 2019 ausgestrahlten Sendung „Recht auf Leben und Selbstbestimmung – die neue Debatte über Abtreibungen“ der Sendereihe Anne Will wurde in eklatanter Weise gegen den seitens des Bundesverfassungsgerichtes an die Rundfunkanstalten gerichteten Auftrag, ‚den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben’, verstoßen. […] Öffentlich-rechtlicher wie privater Rundfunk sind bei Ausübung ihrer Rundfunkfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) der Würde des Menschen verpflichtet […]; ihr Programm hat daher auch teil an der Schutzaufgabe gegenüber dem ungeborenen Leben.“

Die Initiatoren der Online-Petition fordern: „Zum Ausgleich für die in der am 3. Februar 2019 ausgestrahlten Sendung ‚Recht auf Leben und Selbstbestimmung – die neue Debatte über Abtreibungen’ der Sendereihe Anne Will erfolgten Verstöße gegen den öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag fordere ich die zeitnahe Ausstrahlung einer Sendung auf demselben Sendeplatz, in welcher der Forderung des Bundesverfassungsgerichtes, „den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben“ ausdrücklich nachgekommen wird.“ Möglich wäre auch eine Wiederholung der Sendung, diesmal mit einer ausgewogenen Talkrunde. Ein Vorbild für diese Lösung gibt es zumindest: im September 2015 musste Frank Plasberg eine Folge von „Hart aber Fair“, in der es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau ging, wiederholen. Doch ob es zu einer solchen, dringend notwendigen Korrektur je kommen wird, erscheint angesichts des erkennbar noch weiter nach Links verschobenen politischen Kompasses innerhalb der ARD-Anstalten mehr als zweifelhaft.

Die politische Linke in Deutschland fordert vehement, die Werbung für die Tötung von Kindern zu erlauben. Diese soll bis unmittelbar vor der Geburt dieser Kinder erlaubt sein. Und das auch aus „sozialer Indikation“ heraus. Zu deutsch: falls die Mutter „keinen Bock“ auf ihr Kind hat. Oder einfach nur ein subjektives Recht ausüben will, über Leben und Tod zu entscheiden.

Das ist der politische Kontext, in dem sich im derzeitigen politischen Berlin die Akteure der sorgfältig „geframten“ ARD bewegen. Möglicherweise haben Anne Will und die Kolleginnen also tatsächlich gedacht, sie täten etwas für Frauen, die in einer moralischen – tatsächlichen oder scheinbaren – Notlage sind. Es war vielleicht kein böser Wille. Firuze B. erläutert dieses Phänomen: „Ist es für die religiösen Menschen Gott, der über Leben und Tod richtet, so sind es in diesem Kontext die Frauen selbst: Wir Frauen sind die Göttin, die Leben gewährt oder vernichtet. Wir sind nicht machtlos. Nur steht die Frage im Raum, wie wir mit dieser Macht umgehen. Das sollte verantwortungsbewusst und gewissenhaft geschehen. Nur weil dieses Gesetz aus einer angeblich patriarchalen Zeit stammt, sollte man sich nicht daran aufreiben – denn es geht nicht nur um uns Frauen – sondern auch um das Leben selbst: im übrigen  um männliches und weibliches. Und wir entscheiden über beides.“

In der Sendung „Recht auf Leben und Selbstbestimmung – die neue Debatte über Abtreibungen“ wurden subtil, aber wirksam Begriffe wie „Leben“ und „Schutz“ ungedeutet. Durchgehend wurden Abtreibungsgegner die „sogenannten Lebensschützer“ genannt. Der Begriff des Lebensschutzes wurde gewissermaßen „geframed“, ganz so, wie das im aktuellen „framing manual“ der ARD auch vorgesehen ist: „Unser demokratischer Rundfunk“, für den zu zahlen eine freudvolle Pflicht ist, wenn man nicht „demokratiefern“ sein möchte, teil uns mit, dass mit ungeborenem Leben so umgegangen werden darf. Wenn die neue Frau, die sich selbst zum alleinigen Maß erhoben hat, es denn möchte. Doch die Kulturgeschichte lehrt uns: mit derartiger Hybris ist es nie gutgegangen.

Eine der Programmbeschwerden können Sie hier einsehen.

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Kommentare ( 35 )

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Das jüngste Frühchen, so habe ich gerade gelesen, kam 2014 in Fulda nach 21 Wochen und 5 Tagen zur Welt und ist heute gesund und munter. Wenn ich dann die Befürworter von Spätabtreibungen ansehe, kommt mir deren Ansinnen wie eine Aufforderung zum Mord vor. „Spätabtreibung“ im 7. Monat oder wie von Seiten der SPD kürzlich gefordert, bis kurz vor der Geburt? Und diese Leute stehen noch nicht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes? Wann werden die zumindest zum Prüffall erklärt? Das ist doch eine heute beliebte Methode. „Spätabtreibung“ oder straflose Tötung eines 1-jährigen Kindes. Wo liegt der Unterschied? Auch das wäre ja… Mehr

Diese Leute gehören vor ein ordentliches Gericht und nicht unter Beobachtung durch den Inlandsgeheimdienst!

Wer die Abtreibung von Kindern bis kurz vor der Geburt fordert gehört wg. Anstiftung zum Mord in den Knast …!

Man sollte zur Bedingung machen, dass jede Frau, die abtreiben will, sich vorher einen Film mit einer wirklichen Abtreibung (am besten einer Spätabtreibung) ansehen muss. Gleichzeitig könnte man einer Frau für ihr Kind, wenn sie es austrägt, eine Vergütung geben und das Baby an eine der vielen Familien, die gern ein Kind möchte, weitergeben. Vielleicht könnte man die Vergütung je nach der Qualifikation, die die Frau hat, staffeln. Zusätzlich sollte man Familien mit Kindern fördern, etwa so, dass ein Vater oder eine Mutter bei Einstellungen bevorzugt werden. Das könnte man auch dadurch erreichen, dass der Arbeitsgeber einen Zuschuss für die… Mehr
Der CDU Mann Amthor war einfach nur oberpeinlich. Ein junger Schnösel, noch grün hinter den Ohren, nie richtig gearbeitet und nur in der Parteiblase tätig, will den Frauen vorschreiben was mit ihrem Körper passiert. Die Information von Ärzten ist zudem keine Werbung sondern notwendig. Aber genauso geht die Union auch mit dem Thema Sterbehilfe um. Der selbstentscheidende Mensch darf nicht sein. Im Übrigen wäre es gut die Bedingungen für die arbeitenden Frauen und die Familien zu verbessern. Und das nicht nur im Sinne der arabischen Grossfamilien mit ihren 4ff Kindern und der Hausmutti auf Lebenszeit inkl. erwerbuntätigen Ehegatten mit ggf.… Mehr

Was Sie über Amthor schreiben, stimmt nicht. Ich habe die Sendung gesehen und er hat sich zu Anfang ausdrücklich dahingehend positoniert, dass er sich nicht anmaßt, Frauen vorschreiben zu wollen, wie sie zu entscheiden hätten. Er hat auch glasklar erkannt, dass er „nur“ der Quotenmann mit christlich-sozialer Haltung war und dies auch durchblicken lassen.

Wenn ein alter, kranker Mensch selbst entscheidet, nicht mehr leben zu wollen, sollte es tatsächlich allein seine Entscheidung sein. Eine Mutter, die ihr ungeborenes Kind abtreiben lässt, entscheidet aber nicht in erster Linie nur über ihr Leben, sondern sie entscheidet sich auch dafür, ein anderes Leben zu vernichten. Klingt nicht schön, ist aber so. Auch nach der Geburt ist ein Menschenjunges noch lange nicht allein lebensfähig und fordert der Mutter sicher um einiges mehr ab, als in der Schwangerschaft. Darf die überforderte Mutter dann nicht mit der gleichen Logik fordern, dass ihr Leben ihr allein gehören sollte? Ich bin keine… Mehr

„Die Erörterung der Frage, ob es sich hier schon um einen Menschen handele oder nicht, verwirrt nur die einfache Tatsache, daß Gott hier jedenfalls einen Menschen schaffen wollte und daß diesem Menschen vorsätzlich das Leben genommen worden ist. Das aber ist nichts anderes als Mord. … Das Leben der Mutter steht in Gottes Hand, das Leben des Kindes aber wird willkürlich ausgelöscht.“
Dietrich Bonhoeffer
Der letzte Satz ist für mich das entscheidende Argument gegen jede Form der Abtreibung.

Ein weiteres Paradebeispiel für widerwärtige Geschmacklosigkeit des Staatsfunks:
Zitat: „Napalm-Girl“ heißt tatsächlich der Titel einer Meldung der wichtigsten Nachrichten-Sendung Deutschlands. Und meint damit das berühmte Foto jenes armen, von Napalm verbrannten Mädchens aus dem Vietnam-Krieg. Napalm-Girl: Sowie Pin-Up-Girl, wie Nummern-Girl, wie Revue-Girl. Und wer denkt, das wird doch einfach nur ein Fehler sein, der liest den Text zur Meldung auf der Website der Tagesschau und findet, in einer Nachricht über den Krieg in Vietnam, nicht ein einziges Mal den Namen der USA.“ (Zitatende).
Es geht nicht um USA-Bashing, sondern „unser Öffentlich-Rechtliches“ – „Die Macht um Acht“ – Die Tagesschau. Quelle: https://kenfm.de/die-macht-um-acht-20/

Eine überaktive Frauenärztin und vielleicht noch ne handvoll mehr, plus SPD, insbesondere Jusos, machen einen irrationalen Aufstand, wegen einem Werbeverbot. Eigentlich ist seit Jahrzehnten alles bestens geregelt. Es gilt Beratungspflicht, die ja auch niemand in Frage stellt. Anschließend bekommt Frau mehrere Adressen für ambulante oder stationäre Abtreibung. Wozu also Werbung? Darum geht es offensichtlich nicht. Es geht um die Abschaffung der Frist, wie Jusofrauen es ja lauthals gefordert haben. Abtreibung bis zum Ende der Schwangerschaft. Da wird der Mord aber sehr blutig, oder? Keine dieser Frauen denkt auch nur einen Augenblick über die persönlichen Spätfolgen nach, vom Kindesmord mal abgesehen.… Mehr

Marx und Konsorten müssen ja auch die nächste Hasspredigt gegen die AfD schreiben bzw. den Ablasshandel für die Migrantenschwemme befeuern. Was sind das nur für verkommene Gestalten, Johann Tetzel lässt grüßen.

Aha, man möchte also zum Ausgleich für diese undifferenzierte Abtreibungswerbesendung eine eigene Sendung mit Darstellung der Gegenseite?

Wenn man dem folgt müßte dann das Programm der ARD außerdem aus zahllosen Sendungen bestehen wo die tatsächlichen Risiken, Kosten und Nachteile der Massenmigration dargestellt werden!!!!

Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich demnach um 1-2 Jahre:-)

Viele der misshandelten oder getöteten Kinder, der Schicksal in den Medien beklagt wird, wäre unendlich Leid erspart geblieben, wenn die Mutter in einem sehr frühen Stadium entschieden hätte, das Kind nicht in eine fragwürdige Zukunft hinein zu gebären (weil sie aufgrund der Umstände weiß oder ahnt, dass sie den geschützten Raum wird nicht bieten können). Aber das entspricht unserem moralischen Anspruch: Ungeborenes Leben schützen, das geboren Leben kümmert dann ncht weiter.

Jede Frau kann nach der heutigen Gesetzeslage in einem frühen **Stadium eine Abtreibung durchführen lassen, wenn sie sich außerstande sieht, das Kind auszutragen.

Warum gibt die Mutter das Kind dann nicht zur Adoption frei? Das ist ebenfalls schlimm für das Kind, aber immer besser, als es zu quälen oder zu töten.

„Online-Petition an die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Cornelia Nenz“

Danke für Ihren Tipp. Ich habe die Petition gerade mitgezeichnet.

Es wird immer abartiger, dieselben Menschen die mir verbieten wollen Milch zu trinken, weil ich damit den süßen kleinen Kälbchen ihre Nahrung stehle, dieselben Menschen die für die Bienen kämpfen und gegen Leder und Pelze (dafür haben sich schon nackte blutbeschmierte Demonstrantinnen auf die Straße geschmissen), dieselben Menschen die verzweifelt auf Bäumen hausen, um diese zu retten, dieselben Menschen plädieren dafür ihre eigenen Babys straffrei töten zu dürfen… das ist echt krank.