2020 gehts mit dem Arbeitsmarkt sogar in Bayern bergab

Die konjunkturelle Eintrübung hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt - auch im besonders beschäftigungsstarken Bayern. Die Arbeitslosigkeit wird dort 2020 erstmals seit Jahren wieder steigen, prophezeit das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

© Miguel Villagran/Getty Images

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Bayern wird 2020 nur noch um rund 45.500 auf 5,75 Millionen Personen ansteigen. Das prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Damit wird der Zuwachs weniger als halb so hoch ausfallen wie 2019, für das ein Plus von 99.100 prognostiziert wird. Das Tempo des Abschwungs zeigt sich daran, dass im Frühjahr noch ein Plus von 131.000 erwartet wurde. „Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre neigt sich langsam seinem Ende entgegen. Zeitgleich wird die Arbeitslosigkeit in Bayern 2020 flächendeckend in allen Regierungsbezirken steigen. Die dunklen Wolken am Konjunkturhorizont haben den Arbeitsmarkt erreicht“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., Bertram Brossardt.

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Laut Prognose wird die Arbeitslosigkeit 2020 bayernweit um 4.400 auf 218.000 Erwerbslose steigen. Der Anstieg beträgt basierend auf dem mittleren Konjunkturszenario dann 2,1 Prozent. Im sogenannten Negativszenario, also bei einer noch schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung, würde die Arbeitslosigkeit in Bayern sogar um 36.000 Personen steigen. Das entspricht einem Anstieg um 16,9 Prozent. „Die Szenario-Ergebnisse sind besorgniserregend. 2020 werden wir einen seit zehn Jahren nicht mehr gesehenen Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben“, analysiert Brossardt.

Die vbw sieht die stetig zunehmenden außenwirtschaftlichen Risiken mit wachsender Sorge, aber auch innenpolitische Fehlanreize belasten die Wirtschaft. „Weltweit haben wir die vierthöchsten Arbeitskosten, dazu stetig steigende Strom- und Energiekosten. Entlastungen sind aber weiterhin Fehlanzeige: Weder die Unternehmenssteuerlast wurde gesenkt, noch ist die Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes angegangen worden“, erklärt Brossardt und fügt hinzu: „Auch der Strukturwandel in der Automobilindustrie macht der bayerischen und deutschen Industrie zu schaffen. Wir dürfen die Erfolge der letzten Dekade am Arbeitsmarkt nicht verloren geben. Wir müssen unseren Standort fit für den konjunkturellen Einbruch machen. Dazu gehört auch das erweiterte Kurzarbeitergeld für den Ernstfall, hat es sich doch während der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren bewährt“, so Brossardt.

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Kommentare ( 41 )

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elly
2 Jahre her

Ich wohne in Bayern und habe bereits meine Arbeitszeit reduziert. Das macht netto nicht viel weniger Geld aus, da die Steuern und Beiträge zu den Sozialkassen auch niedirger sind. Kommt die Grundrente wie die SPD die will und Merkel jetzt auch, dann reduziere ich noch einmal. Wozu soll ich mir mit Ü60 noch eine 5 Tage Woche antun? 3 Tage werden reichen, damit erwerbe ich Rentenpunkte.

Boehm
2 Jahre her

Wer zahlt dann die Steuern, mit denen die Geschenke der Groko finanziert werden? Es geht abwärts und in Berlin werden weiterhin soziale Wohltaten verschenkt, ohne sich um die Zukunft zu kümmern. Die guten Jahre wurden in Berlin verschlafen.

Thorsten
2 Jahre her
Antworten an  Boehm

„Verplempert“ ist das richtige Wort dafür: das Geld für Spielereien ausgegeben während die Infrastruktur verrottet und Jahrgänge schlecht ausgebildeten Nachwuchses die Schulen und Universitäten verlässt.

kiki667
2 Jahre her

Ich fürchte, dass diejenigen, die sich das wünschen, keine Ahnung haben, was das auch für sie selbst bedeuten würde. Dagegen gibt es keine Absicherung, auch wenn man jetzt finanziell noch so gut gestellt ist. Dann geht es für jeden nur noch ums nackte Überleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das jemand wirklich wünscht. Sinnvoller wäre es, diese unsinnige Politik mit ihren Helfershelfern , sämtlichen NGOs und natürlich als allererstes die irre Zerstörerin selbst endlich los zu werden.

Tizian
2 Jahre her

Das wird nichts mit dem Aufwachen. Laut Aktuelle Kamera sind die Deutschen so glücklich und zufrieden wie nie! Ach ne, es war die „Welt“. 😉
„Glücksatlas sieht die Deutschen so zufrieden wie nie“
https://www.welt.de/vermischtes/article203016200/Gluecksatlas-Deutsche-so-zufrieden-wie-noch-nie-seit-der-Einheit.html

Oleron
2 Jahre her

Ohne die rechtswidrige Politik der EZB wäre Deutschland längst insolvent. Aber wir halten noch vielleicht 1-2 Jahre durch mit Negativzinsen auf Sparguthaben und Bargeld in Höhe von 3-5%. Doch das Ende naht, dank Brandbeschleuniger Konjunkturabsturz. Jetzt geht es zack zack und ich freue mich, denn nur so kann das weitere Einströmen von hunderttausenden von Wirtschaftsmigranten beendet werden.
Noch ein kleiner Blackout dazu….aber bitte gerne.

Thorsten
2 Jahre her
Antworten an  Oleron

Weniger Deutschland als Griechenland, Italien, Spanien und (ev) Portugal. Damit würde das „Kartenhaus Euro“ einstürzen.

Wilhelm Cuno
2 Jahre her

Ich wüsste eine bessere Lösung gegen die Krise als Kurzarbeitergeld: Frau Merkel pensionieren und eine Koalition aus Union mit Merz und AFD bei massiven Änderungen in den öffentlichen Medien. Wird nicht kommen, würde aber wirken.

Helmut in Aporie
2 Jahre her
Antworten an  Wilhelm Cuno

und aus der EU austreten.

Pegg Ida
2 Jahre her

Es hört sich wahrscheinlich zynisch an, aber ich meine es ernst wenn ich dazu einen heilsamen Blackout wünsche!

Muensteraner
2 Jahre her
Antworten an  Pegg Ida

Dann geht es wohl ab wie im Film The Purge…

Holger Baade R.E.D.
2 Jahre her

Der Nettokapitalabfluss aus Deutschland läuft nun bereits seit mehr als zehn Jahren. Große Investitionen hierzulande sind schon lange Mangelware, insbesondere bei wertschöpfenden/wohlstandswahrenden Projekten. Regelungswut, verfallende Infrastruktur, ständig steigende staatsseitig verursachte Kosten sowie total abhanden gekommene Rechtssicherheit sind die Ursachen. Das Vertrauen ist weg, dass in diesem Land irgendetwas (bewährtes) Bestand hat. Darum investieren deutsche Unternehmen, sofern sie noch dazu in der Lage sind, in Ländern außerhalb der EU und ausländische Unternehmen machen längst einen großen Bogen um das sozialistische Notstandsgebiet Namens Deutschland. Im Übrigen geht die Stellenschaffung der letzten drei/vier Jahre nahezu ausschließlich auf den Staatssektor und die Sozialdienste zurück,… Mehr

T. Ruebsal
2 Jahre her
Antworten an  Holger Baade R.E.D.

Nicht zu vergessen, dass es auf dem Arbeitsmarkt eine riesige Anzahl an geringfügig Beschäftigten (450 Euro-Job) gibt, wo die meisten keinen Cent Steuern zahlen, aber zusätzliche Sozialleistungen erhalten. Viele Vollzeitstellen werden mittlerweile gesplittet und durch zwei oder drei geringfügig Beschäftigte ersetzt. Ein finanzieller Gewinn für die Firmen, eine zusätzliche Last für das Sozialsystem. Diesen Faden kann man endlos weiterspinnen. Und wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, wird es noch schlimmer. Dann fallen nämlich auch noch die bislang größten Steuerzahler weg. Dann ist vermutlich Schicht im Schacht.

friedrich - wilhelm
2 Jahre her
Antworten an  Holger Baade R.E.D.

……die welt wird in deutschland nicht nur von nullen und narren erklärt, sondern auch „gemacht“! denn : dumm – dümmer – deutschland!

Harry Charles
2 Jahre her

WAS WUNDER
-bei dem Terror gegen das Auto. Bayern ohne BMW, Audi und all ihre Zulieferer. Und Söder läuft den Grünen nach. Volle Kanne Richtung Abgrund. Deutschland den Bach runter.

josefine
2 Jahre her
Antworten an  Harry Charles

Jeden Tag etwas schneller.

Susanne R.
2 Jahre her

Kann ich bestätigen; mein Arbeitgeber wurstelt sich seit einiger Zeit von Monat zu Monat durch und ich frage mich jedes Mal, ob ich mein Gehalt noch erhalten werde. 2020 bin ich wohl fällig, mit Ende 50 arbeitslos. Letztendlich freue ich mich aber, dass ich nach über 40 Jahren auch mal in der sozialen Hängematte Platz nehmen kann. Ich habe keine Lust mehr, für diesen Staat, der keiner mehr ist, Steuern zu erwirtschaften. Im übrigen immer wieder mein Appell: Da die Verantwortlichen ja nur noch an unseren Steuern bzw. Konsum interessiert zu sein scheinen, gilt es, die Arbeitszeit so weit wie… Mehr

freiwild
2 Jahre her
Antworten an  Susanne R.

Ich halte es wie Sie. Arbeitszeitverkürzung und totaler Konsumverzicht (außer Essen und Trinken). Und auch Boykott bestimmter Firmen, z.B Alnatura. Ich stosse auch meine vermietete Immobilie ab und wandele sie in Sachwerte um. Der Vermietermarkt wird in der zukünftigen Inflation richtig mies werden. Und mein Steueraufkommen sinkt. Und die Zwangsimmobilien-Steuer zahlt ein anderes Wahlschaf.

Muensteraner
2 Jahre her
Antworten an  Susanne R.

Nun ja, ich würde es mir nicht zu bequem in der sozialen Hängematte vorstellen, wenn man plötzlich mit 60 Prozent des Nettoeinkommens klar kommen muss (die Kosten laufen unerbittlich weiter) und man Gefahr läuft, Sozialhilfeempfänger zu werden, um dann irgendwann im Rentenalter mit 48 oder 42 (?) Prozent des Nettoeinkommens klar kommen zu müssen. Ich habe auch mein Leben lang gearbeitet, war vor 4 Jahren ca 10 Wochen arbeitslos und ich dachte mir davor, dass ich die Arbeitslosigkeit dann schön genießen kann, bis ich was neues gefunden habe und endlich die Dinge machen kann, die ich schon lange vor mir… Mehr