Warum die EZB mit ihren Negativzinsen falsch liegt

Weihnachten, Kinders, da wird`s was geben diesmal! Endlich haben die Menschen zwar nicht wesentlich mehr Geld in der Tasche - aber mehr Kaufkraft. Viele Preise sinken. Öl- und Benzinpreis sinken; eine Tankfüllung ist um 6 € billiger zu haben. Selbst die Nebenkosten beim Wohnen sinken; spätestens ab Januar gibt´s für viele Mieter satte Rückzahlungen für die aus heutiger Sicht überhöhten Strom- und Heizkostenvorauszahlungen. Gemüse, Obst, Salat - alles billiger; und wer nicht essen will, sondern wischen: Preise für Tabletts und Smartphones sinken um 5 Prozent.

Das ist die gute Nachricht - endlich kommen wir in den Genuss einer Entwicklung, die Deflation heißt: Die Preise sinken.

VON Roland Tichy | Mi, 19. November 2014
Statt Journalismus:

Wenn der Befragte sagt „Ich gerate wohl ein wenig ins Monologisieren“ dann weiß man als Journalist: Jetzt ist etwas schief gelaufen. Denn ein Interview ist eine Befragung auf Augenhöhe, nicht eine Nick-Veranstaltung.

Was Hubert Seipel am Sonntag in seinem Interview mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in der ARD ablieferte, war ein schlimmes Beispiel für Genicke. So unkritisch ging er mit seinem Interviewpartner Putin um, dass der sich selbst eben diesen verräterischen Satz sagte: „Ich gerate eine wenig ins Monologisieren". Spätestens da hätte ein Profi ein Fragen-Gewitter abgefeuert. Nicht Nick-Seipel.

VON Roland Tichy | Mo, 17. November 2014
Allan Meltzer - US-Ökonom fordert Aufspaltung des Euro

Am 14. Oktober 2014 erklärt Frankreichs Präsident, den Ausstieg Frankreichs aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung des Franc. Er reagiert auf Massen-Demonstrationen unter der Parole: „Gebt uns unser Geld zurück“. In Frankreich herrscht der nationale Notstand. Banken bleiben geschlossen, Geldautomaten spucken nur noch 40 € je Person und Tag aus. Nahrungsmittel sind rationiert; nur noch zehn Grundnahrungsmittel werden frei verkauft.

Es ist eine TV-Show auf France 4, die derzeit die Gemüter erregt, eine Art ökonomische Apocalypse Now. Die Fiktion eilt der Wirklichkeit voraus. Der gemeinsame Währungsraum zerbricht - Frankreich versinkt vorübergehend im Chaos - "Treten Sie in die Geschichte ein", fordern die Fernsehmacher.

Einer, den dies nicht wundert, und der dafür lange vor der Sendung das Drehbuch geschrieben hat ist Allan Meltzer. Er ist der letzte noch lebende große US-Ökonom der Nachkriegszeit: Paul A. Samuelson, John Kenneth Galbraith, Milton Friedman, Karl Brunner - sie haben schon den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, das Denken von zwei Generationen Volkswirtschaftsprofessoren geprägt, die großen, kontroversen Debatten über Keynesianismus und Monetarismus geführt. John Maynard Keynes sagte einmal, dass die meisten Politiker sich auf Ansichten berufen würden, die sie irgendwann vor Jahrzehnten an der Universität gelernt hätten. Leute wie Allan Meltzer sind es, die in den Gehirnwindungen Generationen lang nachwirken. Jetzt hat der einen Plan zur Rettung des Euro vorgelegt - der das fiktive Chaos in Frankreich verhindern soll.

VON Roland Tichy | Fr, 14. November 2014
Die seltsame Logik der Politik

Nicht-Unternehmer aus Patriotismus
Die Politik wartet still und geduldig, bis eine Katastrophe eintritt und handelt dann - die Wirtschaft und Unternehmen versuche, drohende Risiken vorwegzunehmen und vorausschauend zu handeln. Ist es wirklich so einfach?

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wiedervereinigung - wirtschaftlich betrachtet

Die Feiern zum Mauerfall sind beendet - und eine gelassene Fröhlichkeit bleibt, ganz ohne Sekt: Auch wenn es schwer war - die Wiedervereinigung ist auch wirtschaftlich geglückt. Helmut Kohl hatte 1989 „ blühende Landschaften “ versprochen. Wie wurde er dafür verspottet! Es ging ja nicht über Nacht! Und über Nacht muss die Marktwirtschaft doch schaffen, was der Sozialismus in 40 Jahren nicht gepackt hat, mindestens, oder? Auch auf den großen Jubelfeiern war viel von Gefühl die Rede, aber wenig von Zahlen. Und doch - die Zahlen sprechen dafür, auch wenn viele es in Deutschland nicht wahrhaben wollen. Aber der britische Economist mit seinem kühlen, distanzierten Blick von außen rechnet vor: die heute noch bestehenden regionalen Unterschiede zwischen Ost und West sind nicht größer als die regionale Schere der wirtschaftlichen Unterschiede, beispielsweise in Belgien. Noch liegen die Einkommen in München höher als in Leipzig - aber Leipzig holt auf; und in der Kombination mit niedrigeren Mieten und geringeren Lebenshaltungskosten ist vermutlich im Osten vielerorts die Lebensqualität höher als im Westen.

VON Roland Tichy | Do, 13. November 2014
Wie Apps mithelfen, die Bahn auszubremsen

Der GDL-Streik geht vorzeitig zu Ende. „Eine Geste der Versöhnung“ nennt das der GDL-Boss Claus Weselsky. Aber die Wahrheit ist eine andere: Während der Streik im Oktober Fahrgäste und Wirtschaft noch kalt erwischt hat, ist der Überraschungsangriff des zweiten und längeren Streiks gescheitert - eben weil er keine Überraschung war. Die Fahrgäste haben ihn ausgebremst, und das mit Hilfe auch von Apps.

VON Roland Tichy | So, 9. November 2014
Spezial zum Mauerfall

Jetzt hört man wieder alle diese tollen Stories über den Fall der Berliner Mauer. Alle sind dabei gewesen. Nur ich habe nichts zu erzählen. Ich habe ihn verpennt. Es ist eine der peinlichsten Stories meines Lebens. Denn die Tage vor dem Mauerfall - habe ich in den USA vertrödelt. Mobilfunk erschien mir ein spannendes Thema. Da bewegte sich was in der so erstarrten Welt. Immerhin konnte man in den USA schon winzige Motorola-Geräte im Supermarkt kaufen und bereits beim rausgehen damit telefonieren. Das war toll, denn in Deutschland brauchte der Postbeamte mindestens drei Monate, bis er sich nach monatelangem Papierkrieg doch vielleicht, vielleicht auch nicht, zum Einstöpseln des Amtsapparats herabließ. 

VON Roland Tichy | Sa, 8. November 2014
Warum die GDL keine Solidarität verdient

Jetzt wird wieder ein Begriff hervorgeholt, der so schön - und so verlogen ist wie kaum ein Zweiter: Solidarität. Die ZDF - Anstalt fordert die Lokführer auf, aus Solidarität lieber für 25 Prozent Lohnsteigerungen zu streiten, „bis es kracht“. „Zeit-Online“ fordert das Bundesverdienstkreuz für Claus Weselsky, den Chef der Lokführer. Es müsse endlich mehr gestreikt werden - Streik für alle. Müssen wir solidarisch mit den Lokführern sein? 

VON Roland Tichy | Do, 6. November 2014

Am Tag vor dem 109-stündigen Lokführerstreik herrscht schon Verspätung auf vielen Strecken der Bahn - gerade so, als wolle das Bahnmanagement beweisen: Chaos können wir auch allein, dazu brauchen wir keine Lokführer mehr. Es ist ein lästiger Streik, aber vor allem ein komischer: Hinter der Fassade geht es um ganz andere Dinge als um Lohn und Arbeitszeit.

VON Roland Tichy | Mi, 5. November 2014

Nun hat also eine Mini-Bank Strafzinsen für Anlagegelder eingeführt, und jetzt ist die Aufregung groß. Als ob die Entscheidung einer Bank ohne Marktbedeutung irgendetwas ändern würde an der falschen Politik der EZB.

VON Roland Tichy | Mo, 3. November 2014

Europa wächst in die Höhe
Europa wächst, und wie. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Beschäftigten der Europäischen Zentralbank auf nunmehr 1.600 verdreifacht. Irgendwann einmal, soll die ihr unterstehende Bankenaufsicht 1000 Mitarbeiter bekommen - sie hat jetzt schon, zum Start, 900. Dazu die Vervielfachung der Europäischen Versicherungsaufsicht. Europas Bürokratie wächst. Und sie braucht Gebäude. Frankfurt ist in nur wenigen Jahren zu einer der Hauptstädte der Europäischen Bürokratie geworden.

Und leidet darunter, worunter als Bürokratien leiden. Würden Sie Ihr Geld jemandem anvertrauen, der sich beim Bau seines Wohnhauses um den Faktor 3 verkalkuliert? Gut, die Frage ist unfair. Schließlich werden wir als Steuerzahler jeden Tag gezwungen, den Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie Hamburg, das Berliner Stadtschloss oder sonst irgendein Bauwerk zu finanzieren, das zuerst wenige und Jahre nach der geplanten Eröffnung fertig wird - und dafür das drei- oder fünffache kostet. Und das soll beim Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt anders sein - auch wenn eine Zentralbau eigentlich mehr Vertrauen und nicht so sehr Beton braucht?

VON Roland Tichy | Sa, 1. November 2014

Fehler sind unvermeidlich. Schlimme Fehler sind nur die, die mal zwei mal macht. In diese Kategorie fällt derzeit das einst so stolze Zeitschriftenhaus Gruner+Jahr. Bei Brigitte werden die schreibenden Redakteure gefeuert; Kompetenzzentren sollen unterschiedliche Verlagstitel für Frauen-Gedöns vollschreiben. Ähnlich bei der Geo-Familie. Wunderbar. Dieses Rezept hat schon bei der G+J-Wirtschaftspresse nicht funktioniert.

VON Roland Tichy | Fr, 31. Oktober 2014

Wenn, wie in diesen Tagen immer deutlicher wird, nicht dass, sondern WIE visionär Orwell's „1984“ gewesen ist - dann ist Halloween.
Wenn das Bankgeheimnis ausgehebelt wird und wenn Bewegungsprofile der Bürger nicht mehr nur über Kameras im öffentlichen Raum, sondern nun auch noch über die Maut erstellt werden - dann kriegen die alten Kelten Recht. Wenn die NSA und der BND alles mitliest, was man schreibt und Facebook doch eher ein Open Book ist - was hat das mit den Kelten zu tun? Wenn Putin zweimal mit schwerem Geschütz an der Europäischen Haustüre klingelt - dann wird eine alte keltische Sage Wirklichkeit.

VON Roland Tichy | Fr, 31. Oktober 2014

Die teuersten Strafzettel der Republik
Dieses Amt stellt die teuersten Strafzettel Deutschlands aus - das Bundeskartellamt in Bonn: 660 Millionen € Strafe brummte es der Zementindustrie auf. Es knöpft sich die Mächtigen und die Reichen vor, wenn die sich heimlich auf höhere Preise verständigen und so versuchen, uns Verbraucher gemeinsam abzuzocken:

VON Roland Tichy | Do, 30. Oktober 2014

  Unter den Linden – „Kapitalismus gerettet, Mittelschicht tot?…

VON Roland Tichy | Di, 28. Oktober 2014

Wer nicht hören will, muß fühlen. Was bei Struwwelpeter schwärzeste Pädagogik war, wird nun Norm in der Auseinandersetzung mit der Kaputtmacher-Gewerkschaft GDL. Denn nun hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles einen Gesetzentwurf zur Tarifeinheit vorgelegt, und er könnte genau jene Konsequenzen haben, die hier bereits im Zusammenhang mit dem Streik der Lokführer beschrieben wurde: Es ist eine Anti-GDL-Gesetz. Gewerkschaftsboß Claus Weselsky kriegt die Rute des Gesetzgebers ganz persönlich zu spüren:  

VON Roland Tichy | Di, 28. Oktober 2014

"Erst verlangen Islamisten von Frauen, dass sie sich verschleiern. Jetzt werden sie vergewaltigt, verkauft und versklavt," schreibt Alice Schwarzer in der FAS. Nun muß man kein Freund der feministischen Steuerhinterzieherin sein, um anzuerkennen: Hier trifft sie den Nerv. Am Samstag wurde die 25-jährige
Reyhaneh Jabbari
gehängt, weil sie sich gegen Vergewaltigung gewehrt und dabei den Täter erstochen hat.

VON Roland Tichy | Mo, 27. Oktober 2014

(Aktualisierte Fassung) Bundespräsident Joachim Gauck fühlt sich nicht wohl mit einem Ministerpräsidenten der Linken.  Es ist das Vorspiel, um nach dem Länderspiel auch auf Bundesebene in Berlin ein rot-stasirot-grünes Bündnis zu schmieden.  SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi stellt sich überraschend an die Seite Gauchs. Ein mutiger Schritt. 
Immerhin wurden während der DDR Tausende SPD-Mitglieder und Funktionäre schikaniert, wurden erschossen oder landeten in sibirischen Straflagern. "Der große Nachkriegs-Vorsitzende der SPD, Kurt Schumacher, nannte die SED-Machthaber in Ost-Berlin einst „rotlackierte Faschisten“. Ansinnen von „Drüben“ nach Verhandlungen mit der West-SPD lehnte er brüsk mit dem Hinweis ab, er verhandle nicht mit „Gesinnungsrussen, deren Deutschtum eine bloße Äußerlichkeit ist“. Starke Worte eines Sozialdemokraten, der nach den Jahren der Hitler-Barbarei erleben musste, dass mehr als 5.000 seiner Genossen, die sich der Zwangsverschmelzung der Ost-SPD mit der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) widersetzt hatten, in Lagern interniert wurden. Teils in Lagern, die Kommunisten von den Nazis übernommen und direkt weitergeführt hatten", heißt es beispielsweise in einem Blog Und, wie die Grünen-Vorsitzende Karin Göring-Eckardt in der Bild am Sonntag zugibt, gibt es "in der Linksfraktion leider immer noch ehemalige Stasi-Spitzel". Jetzt feiern die Grünen als Erfolg ihrer Koalitionsverhandlungen, "dass niemand, der in irgendeiner Form im Sicherheitsapparat der DDR gearbeitet hat, in der und durch die Landesregierung in Ämter kommt". Sie verschwiemelt dabei, dass es die Grünen sind, die die Linken erst an die Regierung bringen und sie damit befähigen, die Stasi-Linken als Beamte, Beauftragte, Minister, Staatssekretäre und Richter einzusetzen.

VON Roland Tichy | Sa, 25. Oktober 2014

Nachtrag: Frank Schäffler hat Recht behalten: Gerade 15 Banken haben den Stress-Test der EZB nicht bestanden - aber einige haben flugs ihr Kapital erhöht (danach war gefragt worden) oder werden es in den nächsten Monaten irgendwie hinkriegen.

Also ein Test ohne wirkliche Überraschungen. Es gibt also doch kein gutes Wetter in Bielefeld, so wie es einen wirklich harten Stresstest als Crash-Test nicht gibt.

Banken-Stresstest, das klingt so wunderbar technisch. Wer will sich schon damit beschäftigen? Doch die Ergebnisse sind entscheidend - nicht für die 130 großen europäischen Banken, für die diese Bewertung ihrer Solidität schlicht über die weitere Existenz entscheidet (und für die Kunden selbstverständlich auch).

VON Roland Tichy | Fr, 24. Oktober 2014

„Die haben ja noch nie schwarze Zahlen geschrieben“. Gerade wurde ich wieder mit dieser Aussage über ein paar Internetbuden konfrontiert. Es war der Manager eines deutschen Versandhändlers, und natürlich hat er über diese neue Konkurrenz da aus Berlin schwadroniert. Aber ist das ein Argument gegen das Internet oder nicht doch eher eine Aussage über den begrenzten Horizont? Was immer im Internet passiert - es beginnt rot und bleibt lange rot. 

VON Roland Tichy | Fr, 24. Oktober 2014