Van Aken bei Lanz: Nix Clan-Probleme, Yalla!

Jan van Aken versucht bei Lanz den Freischwimmer. Er paddelt wild, um die SED-Linke von Judenhass und Clan-Kumpanei zu entseuchen. Doch seine dünnen Distanzierungen scheitern an Martin Hikel, SPD. Der geht souverän als „Last Sozi Standing“ aus der Sendung. Und van Aken mit Seepferdchen.

Screenshot ZDF / Lanz

Es dauert lange, bis Lanz endlich jenen Themenbereich anspricht, auf den an diesem Abend alle warten: Den offen zur Schau gestellten Antisemitismus der SED/Die Linke und die Verbindungen der Partei ins Berliner Clan-Millieu und zur Organisierten Kriminalität. Zuvor müssen sich alle durch die abenteuerlichen Enteignungspläne der Linken quälen und durch das Dauerthema Kanzlerkrise. Doch die Geduld wird belohnt. Der ehemalige Linke-Chef Jan van Aken bringt seine Selbstdemontage die ganze Sendung hindurch sehr gewissenhaft auf ein völlig ungeahntes Level. Wie er dann am Ende auf die jüngsten Skandale seiner Partei reagiert, ist wirklich Meisterklasse. Ahnungslosigkeit und Relativierung in Perfektion. Verharmlosung meets Wegschauen. Selten hat jemand derart amateurhaft etwas wegzubügeln versucht, was sich nicht wegbügeln lässt.

Dass bei van Aken intellektuell nicht gerade das allergrößte Feuer brennt, hat er oft bewiesen. Und auch heute Abend wieder. Würden in Berlin die größten Immobilienkonzerne enteignet, dann seien die Kosten keinesfalls so hoch, wie Finanzexperten berechneten. Hikel zitiert Schätzungen von 42 Milliarden. „Hören Sie doch auf mit Phantasiezahlen“, ruft van Aken. „Es wird zwischen acht und zwölf Milliarden Euro sein. Und die kann man auf 100 Jahre abzahlen.“ Dann der schönste Satz: „Das kostet Berlin keinen Cent“.

Wirtschaftsweise Monika Schnitzer versucht, van Aken mit ökonomischen Grundprinzipien etwas vertraut zu machen. Vergeblich. Man könne doch, statt das Geld für Enteignungen auszugeben, gleich neue Wohnungen bauen. Es gebe in Berlin „viele freie Flächen“, das Tempelhofer Feld etwa sei „ein schönes Grundstück“. An van Aken prallt das ab. Er will Wohnungen unbedingt in Genossenschaftseigentum. Das bringe nichts, entgegnet Schnitzer. Und bei einem Mietpreisdeckel habe die Erfahrung gezeigt, „dass das das Angebot reduziert hat“.

Van Aken kennt kein Mitleid mit sich selbst. Schonungslos offenbart er bei jedem Thema, wie schlecht informiert er ist. Das Ausmaß des Skandals rund um die Exzesse der Berliner Linken kann er überhaupt nicht abschätzen. Konkret geht es um den Vorwurf, dass der Chef des Remmo-Clans, Issa Remmo, auf der Wahlparty der SED/Die Linke fröhlich mitfeierte. Und das der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak den Remmo-Sohn in WhatsApp-Chats als „Bruder“ ansprach und sogar in dessen Büro besuchen wollte. Van Aken tut das ab. Er verweist auf Koçaks Erklärung, er habe doch gar nicht gewusst, mit wem er da schreibe. Damit sei die Sache doch erledigt.

Van Aken wiederum weiß nicht einmal, in welchen Kreisen sich seine Parteikollegen da eigentlich bewegen. Als Journalist Gordon Repinksi (Politico) daran erinnert, dass es schließlich genau dieser Clan war, der „die große Goldmünze aus dem Bode-Museum geschleppt hat“, fragt er: „Ach, die waren das?“ Repinksi: „Ja. die waren das. Wussten Sie das nicht?“ Und van Aken setzt noch einen drauf. „Nee, ich bin Hamburger.“

Dafür glaubt er Koçak, dass der sein Chat-Gegenüber angeblich nicht kannte, aber trotzdem dessen Vater „mit Respekt“ grüßen ließ. Und dass Koçak die Debatte um Clan-Kriminalität in Bundestagsreden mehrfach als angeblichen Rassismus anprangerte, sei doch nachvollziehbar.

Diese Relativierungen und Verharmlosungen gehen vor allem dem SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln gehörig gegen den Strich. Martin Hikel, seit 2018 im Amt, ist für seine harte Linie im Umgang mit Jugendkriminalität, Islamismus und dem Clan-Milieu bekannt. Der Pragmatiker stört sich vor allem daran, die Clan-Kriminalität „außerhalb des demokratischen Rahmens zu kicken, indem man sagt das sei Rassismus. Damit falle die Linke „der polizeilichen Arbeit in den Rücken“.

Van Aken spricht etwas zu oft davon, dass man jetzt „volle Transparenz herstellen“ werde. Seine Distanzierung lässt allerdings jegliches Interesse an Details vermissen. Man fragt sich, ob er nicht wahrhaben will, was in seiner Partei los ist oder ob es ihm womöglich einfach egal ist.

Hikel kritisiert, dass die Linken in Berlin wie auch van Aken jegliche scharfe Verurteilung von Judenhass vermissen lassen. Keine klare Distanzierung von einem antisemitischen Rapper etwa, und Repinksi ergänzt noch die „Wahl-Intifada“ und die demonstrative Ausladung eines israelischen Gastes durch einen Linken-Politiker („Sie sind hier nicht willkommen“). Für eine Koalition mit der SPD in Berlin sieht Hikel daher große Hürden: „Aus meiner Sicht ist das ein relevantes Problem.“

Doch je mehr sich die anderen empören, umso demonstrativ gelassener gibt sich van Aken. „Geht nicht“, sagt er, „Da bin ich völlig d’accord.“ oder auch „Da bin ich ja völlig bei Ihnen.“ Doch Konkretes lässt er vermissen, und ins Detail will er nicht gehen. Man werde das alles intern aufarbeiten.

Ein Mann will seine Partei rein waschen und versinkt dabei selbst immer tiefer im Morast.

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