Wenn selbst der ÖRR die Notbremse zieht: Ein zerstörter Merz eskaliert nach der Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt immer hemmungsloser gegen die AfD. Thomas Berbner zieht die Grenze: Der Kanzler gehe zu weit und wirke „nur noch verzweifelt“.
Screenprint: ARD/tagesthemen
Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk wieder einmal nachweisen muss, dass zwischen all den Reschkes, Restles und sonstiger festangestellter linker Haltungsarmada irgendwo auch noch eine abweichende Meinung existiert, darf Thomas Berbner wieder ans Mikrofon. Der NDR-Mann ist seit Jahren das konservative Feigenblatt eines Apparats, dessen politische Meinungsvielfalt sich ansonsten ungefähr zwischen links und linksaußen bewegt. Berbner ist der Mann fürs Grobe: Einer, den man gelegentlich vor die Kamera lässt, damit sich das zu 99,8 Prozent gleichgerichtete Programm anschließend wieder auf seine viel beschworene „Vielfalt“ berufen kann.
Berbner war auch der Kopf hinter „Klar“, jenem NDR- und BR-Format, das unter Julia Ruhs tatsächlich einmal Themen behandelte, die Millionen Beitragszahler beschäftigen. Er übernahm die redaktionelle Leitung und suchte Ruhs als Moderatorin aus. Nach der senderinternen Revolte gegen die Sendung wurde Ruhs beim NDR abserviert; auch Berbners bisheriges Team sollte verschwinden. Berbner hatte sich schon Jahre zuvor den Ruf erarbeitet, in den „Tagesthemen“ gelegentlich Dinge auszusprechen, die dort normalerweise allenfalls als Gegenstand eines Faktenchecks vorkommen. Nach den Stuttgarter Krawallen von 2020 sprach er über Angriffe auf Polizisten und die Haltung junger Einwanderer gegenüber staatlicher Autorität. Sein damaliger Schlusssatz: „Vielleicht ist der Tag nicht mehr allzu fern, dass niemand mehr Polizist werden möchte.“ TE hielt den Kommentar seinerzeit schon deshalb fest, weil eine solche Einschätzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen außergewöhnlich war.
Einörr gegen alle
Auch während Corona wich Berbner vom damals nahezu geschlossenen publizistischen Trommelfeuer ab. Im November 2021 warnte er vor einer allgemeinen Impfpflicht. „Ausgrenzung und Zwang sind der falsche Weg“, sagte er und verwies auf den Schaden, den ein gebrochenes politisches Versprechen für die Glaubwürdigkeit des Staates anrichten könne.
2019 hatte Berbner gemeinsam mit Torben Börgers die ARD-Dokumentation „Das Diesel-Desaster“ verantwortet. Der Film stellte die wissenschaftliche Grundlage der Fahrverbote und die politische Behandlung von Millionen Dieselfahrern infrage. Im eigenen Sender war damit plötzlich eine Debatte zu sehen, die große Teile des übrigen Medienbetriebs bereits für erledigt erklärt hatten.
Ende 2024 nahm Berbner schließlich die Ampel auseinander. Drei Jahre ihrer Regierung hätten Deutschland schwer geschadet und die Wirtschaft an den Rand des Abgrunds geführt. Olaf Scholz habe zugelassen, dass Robert Habeck „Klimaschutz mit der Abrissbirne“ betreibe. Berbner griff ausdrücklich auch den Atomausstieg mitten in der Energiekrise an.
Und nun Friedrich Merz.
Merz ist nach der Wahlschlappe schlicht am Ende
Drei Tage nach der Katastrophe seiner CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trat der Bundeskanzler am Mittwoch zur Generaldebatte im Bundestag an. Wer nach der historischen Demütigung seiner Partei eine politische Antwort erwartet hatte, bekam einen Mann im verbalen Eskalationsmodus zu sehen. Jemanden, der völlig am Ende ist. Merz erklärte der AfD, sie werde mit ihrer Politik „nirgendwo in Deutschland“ eine Mehrheit bekommen. Ausgerechnet nach einer Wahl, bei der sie in Sachsen-Anhalt auf fast 44 Prozent gekommen war und die CDU nahezu zertrümmert hatte. Wie zum Henker kommt man auf sowas? Welch geistiger Azubi schreibt dem Mann seine Reden?
Dann griff Merz zum schwersten verfügbaren historischen Vokabular. Die von der AfD geforderte „Remigration“ sei „nichts anderes als eine ethnische Säuberung nach Herkunft und Hautfarbe“. Merz wollte wieder einmal maximale Härte demonstrieren. Sichtbar wurde vor allem, wie sehr ihn das Ergebnis von Sachsen-Anhalt getroffen und innerlich zerstört hat. Selbst der anschließend ausgestrahlte ARD-Kommentar bescheinigte Merz, „ratlos und hilflos mit dem Rücken zur Wand“ zu stehen. Die Kommentatorin bemängelte, er habe sich an Alice Weidel abgearbeitet und keine eigene politische Erzählung geliefert.
„Das geht zu weit“
Und dann durfte Großmeister Berbner ran. Ausgerechnet im Programm jener ARD, die den Kampf gegen die AfD sonst längst zu einer Art publizistischem Dauerauftrag ausgebaut hat, erklärte der NDR-Journalist in den tagesthmenen, was an Merz’ Eskalation nicht mehr zu verteidigen ist.
Bei einer Generaldebatte dürfe hart gekämpft werden, sagte Berbner. Auch ein Kanzler dürfe kräftig zurückschlagen. Merz’ Auftritt reihe sich allerdings in „eine ganze Reihe verbaler Entgleisungen der letzten Tage“ ein. Schon vor der Wahl habe der Kanzler vor „Wutbürgern“ gewarnt, denen man Sachsen-Anhalt nicht überlassen könne – zu einem Zeitpunkt, als sich dort bereits mehr als 40 Prozent der Befragten für die AfD ausgesprochen hätten.
Nach dieser „desaströsen Wahlniederlage“ habe Merz dann mit dem Begriff der „Machtergreifung“ hantiert. Berbner erinnerte an eine ziemlich grundlegende Tatsache, die im politischen Berlin derzeit offenbar erklärungsbedürftig geworden ist: In Sachsen-Anhalt hatte eine demokratische Wahl stattgefunden. Mit einer grandiosen Wahlbeteiligung, die, wäre sie im Sinne von Schwarzrotgrün gefallen, als ein Fest der Demokratie ausgerufen worden wäre.
Beim Vorwurf der „ethnischen Säuberung“ zog Berbner schließlich die Grenze. Der Begriff stamme aus dem Jugoslawienkrieg und beschreibe „eines der größten Menschheitsverbrechen der jüngeren Geschichte“. Sein Urteil über den Kanzler war knapp: „Das geht zu weit.“
Einen solchen Vorwurf solle ein Bundeskanzler nicht unbedacht verwenden. Dann folgte jener Satz, der härter reinhaut als wenn er von den neuen Medien käme: „Alles andere wirkt nur noch verzweifelt.“
Berbner ging noch weiter: Er habe die Brandmauer immer für einen Fehler gehalten. Spätestens nach Sachsen-Anhalt müsse auch die CDU erkennen, „dass die Brandmauer ihre Existenz bedroht“. Ein erheblicher Teil der Unionswähler glaube längst nicht mehr an den Sinn dieser Abschottung. Die Menschen verlangten bessere Politik.
Berbner nannte Steuererleichterungen, die ihren Namen auch verdienen. Er forderte dauerhafte Entlastungen bei den Spritpreisen. Und er verlangte die Abkehr von einer Klimapolitik, die nach seiner Überzeugung „die industrielle Basis unseres Landes zerstört und Menschen um ihre Arbeitsplätze bringt“.
Am Ende richtete der Mann, den der NDR immer dann aus der Unsichtbarkeit hinter den Kulissen nach vorne schiebt, wenn er beweisen möchte, dass bei ihm noch unterschiedliche Meinungen vorkommen, einen denkbar einfachen Rat an den Bundeskanzler der zweiten Wahl: Die politische Auseinandersetzung dürfe scharf geführt werden. Bei der Sprache müsse abgerüstet werden. Friedrich Merz solle damit anfangen.
Es darf bezweifelt werden, dass dieser dazu noch in der Lage ist.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Bei „ethnischen Säuberung“ zog Berbner schließlich die Grenze (…) Das geht zu weit.“
Aber seit gut 10 Jahren jeden, der bei drei nicht „auf dem Baum ist“ als „Nazi“ und „Faschist“ beschimpfen war für Herrn Berbner halb so wild – keine Grenze bei dieser entgrenzten Sprache!?
Der ÖRR muss weg!
Frau Taxidis analysiert nicht schlecht, aber sie vergisst eine Sache: das Eigeninteresse des ÖRR. Bei fast 44 % AFD in Sachsen-Anhalt, der baldigen Kündigung von Medienstaatsverträgen und weiteren Landtagswahlen mit der AFD als stärkster Partei wie z.B. in Mecklenburg-Vorpommern bleiben ARD, ZDF und Deutschlandfunk nur 2 Wege: Weg 1 „Untergehen mit wehenden Fahnen“: Weiter so. Wir bekämpfen die AFD bis zum Schluss und gehen mit wehenden Fahnen unter, bis das letzte Bundesland die Medienstaatsverträge unter einer AFD-Landesregierung gekündigt hat. Mit großem Finanzpolster für die Sender in den nächsten paar Jahren und einem brutalen schlagartigen Zusammenbruch auf lange Sicht. Weg 2… Mehr
Sie sind aber optimistisch.
Da dürfen wir ja auf die nächste „Abrissbirne“ im Kanzleramt gespannt sein:
Es wird keine politische Lösung geben.
Das wird erst richtig spannend und fürden Zuschauer lustig,wenn am 20ten Leif Erik um die 40% in Mecklenburg-Vorpommern holt und die CDU dort an der 5% Hürde kratzt…..dann ist Ende mit Merz,denn dann reicht die AFD der Kleinpartei CDU die Hand,andere Konstellationen sind kaum möglich,um rot-rot-grün zu verhindern 🙂
Bundestag oder unterster Stammtisch? Wenn der Kanzler zu den billigen Unterstellungen von abgehalfterten Promis und aufmerksamkeitsgeilen Krawallmachern greift, verspielt er jede Würde. Das ist kein Führungsstil. Das ist eine politische Bankrotterklärung. Ein wahrer Staatsmann hebt sich ab – er suhlt sich nicht im selben Dreck.
Die Getreuesten der Getreuen gehen von der Fahne. Der NDR hat zu diesem Zweck jemanden vorgeschickt, der noch am ehesten glaubwürdig ist um die weit verbreiteten unglaubwürdigen Staatsfunker im Sender aus der Schusslinie zu halten.
Will der ÖRR hier vielleicht eine Schleimspur Richtung AfD auslegen? Bitte…bitte verbietet uns nicht, wir sind in Zukunft auch ganz lieb. Zutrauen würde ich das diesen linken Vögeln, mit ihrem leistungslosen Einkommen.
Der ÖRR bringt sich nun mit AfD-Berichterstattung in Stellung. Auch hier hat man die Zeichen der Zeit verstanden und weiß, dass die Hand des Staates, die mit Gewaltandrohung sicherstellt, das man gefüttert wird, nicht gebissen werden sollte. Wir haben ja bereits in Sachsen Anhalt gesehen, wie die AfD still und heimlich die Forderung nach einem Ende des Staatsfunks aufgab. Nun will man auch dort irgendeine wie auch immer geartete und durch das Volk zwangsfinanzierte „Grundversorgung“ mit Propaganda sicherstellen. Es ist eben immer das gleiche. Meet the new boss, same as the old was. Der ÖRR wird dereinst das mächtigste Propagandaorgan… Mehr
Das bezweifle ich sehr, sehr stark.
Der Pappnase hat aber Recht – nirgendwo in D. gibt es AfD absolute Mehrheit auch nach der Wahl in S-A. Was are sonst erzählt hat ist nur ein Beweis dazu – wäre es anders, würden Die Leute auf die Straßen gehen – tun sie das?
Ich meine, egal ob die Drohungen von ihm und seinen Kumpanen jetzt ernst gemeinst sind – die „wehrhafte Demokratie Fetischisten merken nicht mal was los ist oder merken es und stimmen zu. In beiden Fällen haben wir alle schon verloren. Oder denkt hier noch jemand, dass die Pappnasen die Macht einfach abgeben?
Berbner spielt die ihm zugedachte Rolle innerhalb des erlaubten Meinungsrahmens.
Merz schiebt die AFD mit seiner Wortwahl (Macht ergreifen, ethnisch säubern) in die rechtsradikale Ecke und Berbner ordnet nur ein, das ginge ZU WEIT. D.h. grundsätzlich richtig (AFD ist tatsächlich rechtsradikal), nur „leider diesmal zu überspitzt“ von Merz gesagt.
Es ist immer das gleiche Spiel.